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Zu den fünf Software-Bereichen gehört auch das autonome Fahren. grafik: Volkswagen ag

Volkswagen will Apple und Google mit eigener Software «vw.os» trotzen



Der Volkswagen-Konzern macht auf dem Weg zu einem Softwareanbieter Nägel mit Köpfen: Um bei dem steigenden Softwareanteil in Autos nicht von kalifornischen IT-Giganten wie Apple oder Google abhängig zu werden, fassen die Deutschen ihre eigenen Aktivitäten auf diesem Gebiet in einer speziellen Geschäftseinheit zusammen.

Sie soll Anfang kommenden Jahres unter dem Namen «Car.Software-Organisation» starten, wie VW am Donnerstag mitteilte. In einem ersten Schritt sollen unter dem Dach rund 3000 Digitalexperten aus den verschiedenen Beteiligungen und Tochterunternehmen zusammenarbeiten. Bis 2025 werden mehr als 10'000 Beschäftigte angepeilt.

Ziel von VW ist eine eigene Software-Marke, die ihre Dienste später auch anderen Abnehmern anbietet.

Insgesamt will die neue Software-Einheit bis 2025 mehr als sieben Milliarden Euro investieren. Dann sollen alle neuen Fahrzeugmodelle auf einem einheitlichen Betriebssystem laufen.

Software-Plattform für mehr als 50 Millionen Fahrzeuge

Dank der einheitlichen Software kann Volkswagen Grösseneffekte nutzen, um die Kosten für die Software pro Fahrzeug für alle Marken des Konzerns zu senken.

Die Grössenordnung wird klar, wenn man von einem jährlichen Absatz von Volkswagen von mehr als zehn Millionen Fahrzeugen ausgeht. Dann wären es bereits nach fünf Jahren mehr als 50 Millionen Fahrzeuge mit der gleichen Software-Plattform.

Über das eigene Betriebssystem «vw.os» sollen alle Fahrzeuge in eine Cloud eingebunden werden, die alle Dienste umfasst, von Fahrer-Assistenzsystemen über hochautomatisiertes Fahren und Parken, die Ladetechnologie bis hin zu Systemen für Mobilitätsdienste und digitale Geschäftsmodelle der einzelnen Marken.

Die VW-Manager geben sich zuversichtlich, aber ...

«Wir werden unsere Wettbewerbsfähigkeit im Volkswagen-Konzern stärken, indem wir in Zukunft einen deutlich höheren Teil der Wertschöpfung in der Digitalisierung unserer Fahrzeuge beherrschen», sagte VW-Markenvorstand Christian Senger, der die digitalen Aktivitäten inklusive Software des gesamten Konzerns steuert. Er soll auch für die neue Softwaretochter zuständig sein. Deren Gründung hatte Volkswagen schon im Sommer angekündigt.

Christian Senger, Member of the Board of Management of the Volkswagen Passenger Cars brand with responsibility for ‘Digital Car & Services’.

Christian Senger, zuständiger VW-Manager. Bild: Volkswagen AG

Beim Aufbau der neuen Gesellschaft sind allerdings noch einige Fragen offen, die in nächsten Monaten geklärt werden sollen. Dazu zählt etwa die Ausgestaltung der betrieblichen Mitbestimmung, die bei VW ausgeprägt ist.

Beim Wechsel in die Software-Gesellschaft bekommen die Mitarbeiter langfristig einen neuen Arbeitgeber, einen eigenen Betriebsrat hat die Organisation aber noch nicht. Auch die Modalitäten für einen Wechsel in die neue Einheit sowie tarifliche Fragen müssen noch ausgehandelt werden.

Betriebsratschef Bernd Osterloh nennt die Gründung einen Meilenstein. Die neue Gesellschaft sei der zentrale Schlüssel bei der strategischen Weiterentwicklung zu einem Software-Konzern. Bei der Ausgestaltung der Arbeitsbedingungen müsse jedoch Qualität vor Schnelligkeit gehen.

Für die Arbeitnehmer sei wichtig, dass niemand Verschlechterungen befürchten müsse, weder beim Wechsel in die neue Software-Einheit noch zurück in seine alte Gesellschaft. «Bei der Klärung aller offenen Fragen gefährden wir lieber eine Frist, als dass Beschäftigte sich überfahren fühlen», schrieb Osterloh in einem Brief an die Belegschaft.

Millionenbussen gegen deutsche Autohersteller

Das deutsche Bundeskartellamt hat wegen Preisabsprachen bei Stahl rund 100 Millionen Euro an Bussgeldern gegen Volkswagen, Daimler und BMW verhängt. Die Unternehmen hätten sich von 2004 an beim Einkauf von Langstahl abgesprochen, teilte die Behörde am Donnerstag mit.
Die betroffenen Firmen haben nach Angaben der Bonner Wettbewerbshüter den Sachverhalt anerkannt und einer einvernehmlichen Beendigung des Verfahrens zugestimmt. Den beteiligten Stahlproduzenten, von denen die illegale Praxis ausging, hatte das Kartellamt bereits im vergangenen Jahr 205 Millionen Euro Strafzahlungen auferlegt.
VW zahlt nun mit 48,7 Millionen Euro den grössten Anteil. In München bezifferte BMW seinen Anteil auf 28 Millionen, gegen Mitarbeiter seien keine Bussgelder verhängt worden. Daimler nannte in Stuttgart eine Summe von 23,5 Millionen Euro. Mit den Kartellvorwürfen gegen fünf Autohersteller in Sachen Diesel-Abgasreinigung hatten die Stahl-Ermittlungen nichts zu tun.
Volkswagen betonte in einer Stellungnahme, es handle sich «nicht um klassische Kartellverstösse wie Preisabsprachen, Gebiets- oder Kundenaufteilungen». Die Berechnungsformeln für Schrott- und Legierungszuschläge seien dem Wolfsburger Konzern von den Stahlherstellern vorgegeben worden: «Andernfalls drohten Lieferungen auszufallen», hiess es in der Stellungnahme.
Mit Langstahl werden in der Industrie runde Stahlstäbe bezeichnet, die nach dem Schmieden unter anderem zum Bau von Getriebeteilen, Kurbelwellen oder Lenkstangen verwendet werden. Deren Preise setzen sich aus drei Bestandteilen zusammen: Basispreis, Legierungszuschlag und Schrottzuschlag.
(awp/sda/dpa)

(dsc/sda/awp/reu)

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