DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Bundesgerichts-Entscheid gegen die Homo-Vaterschaft: Realitätsfern und zum Leid des Kindes



Das Urteil des Bundesgerichts überrascht: Die in eingetragener Partnerschaft lebenden Männer, die in den USA ein Kind von einer Leihmutter austragen liessen, werden nicht beide als Elternteil im Schweizer Personenstandsregister eingetragen. Eingetragen wird nur der Samenspender, der biologische Vater also.

Die Begründung: Die Leihmutterschaft verstosse gegen den Ordre Public, verletze also das einheimische Rechtsgefühl und missachte elementare Vorschriften der hiesigen Rechtsordnung. Damit hat das Bundesgericht das hiesige Recht – Leihmütter-Dienste und Homo-Adoptionen sind in der Schweiz verboten – strikt angewendet.

Und zwar zum Leid des Kindes. 

Schwule Paare haben naturgemäss keine andere Wahl, als über eine Leihmutterschaft eine Familie zu gründen, sie haben, im Gegensatz zu Heterosexuellen, keinen Zugang zur Fortpflanzungsmedizin. Sie müssen für die Erfüllung ihres Kinderwunsches ins Ausland ausweichen.

Man darf von diesem kritisch als «Fortpflanzungstourismus» bezeichneten Weg, eine Familie zu gründen, vom moralischen Standpunkt aus halten, was man will. Doch dass diese Regenbogenkinder zur Welt kommen, ist Fakt. 

Genauso wie es Fakt ist, dass es mehr Formen des Zusammenlebens gibt als Vater–Mutter–Kind. Und genauso wie es Fakt ist, dass sich Regenbogenkinder gleich gut entwickeln wie Kinder aus «klassischen» Familien.

Doch dieser Realität hinkt die Schweizer Gesetzgebung hinterher. Sie vermag die vielfältigen Familienformen nicht rechtlich zu regeln. Und vor allem: Sie vermag deren Kinder nicht abzusichern. 

Der Bundesrat hat vor zwei Jahren gesagt, dass es möglich sein müsse, Kindesverhältnisse anzuerkennen, wenn dies im Wohl des Kindes liege. 

Die Maxime Kindswohl hat das Bundesgericht heute missachtet. Es hat sich für den diffusen Ordre Public und gegen die konkrete Rechtssicherheit des Kindes entschieden. Und es hat die Chance verpasst, das Thema Elternschaft homosexueller Paare endlich voranzubringen.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Der Bund stoppt den Genderstern: «Bürger*innen» wird nicht amtlich

Die Bundesverwaltung schafft Fakten: Der Genderstern und ähnliche Schreibweisen werden bei den Behörden untersagt. Sie führten zu «einer ganzen Reihe von sprachlichen Problemen», heisst es in einer neuen Weisung.

Es ist ein Reizthema. Sollte man in der deutschen Sprache verschiedene Geschlechter besser berücksichtigen? Immer mehr Unternehmen, Hochschulen und Organisationen verwenden neue sprachliche Formen – allen voran den Genderstern. Bürger*innen, heisst es dann. Oder Wähler*innen.

Damit werde niemand ausgeschlossen, finden die einen: Frauen ebenso wenig wie Menschen, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zugehörig fühlen. Die anderen befürchten, dass damit das Deutsche …

Artikel lesen
Link zum Artikel