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Switzerland's players reacts after losing the Ice Hockey World Championships final match against Sweden at the Royal arena in Copenhagen, Denmark, Sunday, May 20, 2018. (AP Photo/Petr David Josek)

Enttäuschte Schweizer nach dem verlorenen WM-Final gegen Schweden. Bild: AP/AP

Kommentar

Ein 9-Gänge-Festmenü – doch am Ende bleibt der bittere Nachgeschmack

Die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft hat an der WM in Dänemark Grosses vollbracht. Dennoch ist die Art und Weise, wie man letztlich den Weltmeistertitel so hauchdünn verpasst hat, extrem bitter. Die Spieler wollten unbedingt Gold. Und scheiterten denkbar knapp. Ein Kommentar.

marcel Kuchta / Aargauer Zeitung



Jeder hat es schon erlebt. Man hat in etwas Bitteres gebissen oder etwas Bitteres getrunken. Und alles, was man in der Folge isst oder trinkt, hat diesen hartnäckigen, bitteren Nachgeschmack. Man könnte ein Neungänge-Festmenü zu sich nehmen. Alle Köstlichkeiten würden übertüncht von diesem unangenehmen Geschmack auf der Zunge.

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Das Penaltyschiessen in voller Länge. Video: streamable

Ungefähr so müssen sich die Schweizer Nationalspieler nach der Finalniederlage gegen die Schweden vorgekommen sein. Nur, dass in diesem Fall das zehnte Spiel, oder eben der zehnte Gang dafür gesorgt hatte, dass das Festmenü, welches vorher über neun Gänge so gemundet hatte, einen bitteren Nachgeschmack erhielt.

WM-Titel keine Utopie mehr

Klar: Die Schweizer Nationalmannschaft hat in Dänemark Grosses vollbracht. Die Spieler waren auf einer Mission. Glaubten immer an die hoch gesteckten Ziele. Waren der Überzeugung, dass selbst der Weltmeistertitel keine Utopie ist. Und sie kamen der Erfüllung ihres Traums so nah. So unglaublich nah. So nah, wie noch nie zuvor eine Mannschaft in der Geschichte des Schweizer Eishockeys.

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Die Highlights des WM-Finals. Video: YouTube/IIHF Worlds 2018

Wenn dann ein einziges Tor in der Verlängerung fehlt und schliesslich das Penaltyschiessen die Niederlage besiegelt, dann ist das nur schwer verkraftbar. Das ist sportlich brutal. Vor allem eben für diese Spieler, die während zwei Wochen eine faszinierende Winner-Mentalität entwickelt hatten. Die mit einem für die Schweiz so ungewohnten und erfrischenden Selbstvertrauen und Selbstverständnis ans Werk gingen und sich dabei gegen Gegner durchsetzten, gegen die man im entscheidenden Moment jahrzehntelang immer gescheitert war.

Ein sensationeller Exploit

Dieser zweite Platz liest sich in den Geschichtsbüchern des Schweizer Eishockeys herausragend. Es ist ein sensationeller Exploit, der das Sportland Schweiz zweifellos stolz machen kann. Und doch hält er sich eben hartnäckig, dieser bittere Nachgeschmack. Dies auch im Wissen, dass das Erreichen eines WM-Finals für unsere Eishockey-Nation nie eine Selbstverständlichkeit sein wird. Auch wenn wir jetzt zum zweiten Mal innert fünf Jahren WM-Silber geholt haben.

Swiss Defense and Sport Minister Guy Parmelin, 2nd left, next to Rene Fasel, left, President of IIHF, gives the silver medal to Switzerland's forward Kevin Fiala past #21 teammates forward Tristan Scherwey #60, forward Chris Baltisberger #14, defender Dean Kukan #34, and defender Michael Fora #45, after losing agains team Sweden, during the shootout of the IIHF 2018 World Championship Gold Medal game between Sweden and Switzerland, at the Royal Arena, in Copenhagen, Denmark, Sunday, May 20, 2018. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Irgendwann wollen die Schweizer nicht mehr am WM-Pokal vorbeigehen, sondern ihn endlich in die Höhe stemmen. Bild: KEYSTONE

Es muss für die Schweiz immer noch viel zusammenpassen, damit ein solcher Exploit zustande kommt. Es ist nicht garantiert, dass die Konstellation mit den NHL-Spielern jedes Jahr so günstig ist wie heuer. Es ist nicht garantiert, dass man noch einmal Gegner wie Finnland oder Kanada in K.o.-Spielen eliminiert. Diese Silbermedaille ist zwar der tolle Lohn einer grossen Leistung, aber sie wird auch in absehbarer Zeit die Ausnahme bleiben, und nicht die Regel.

Es wird ein paar Wochen dauern, ehe sich die Spieler und die Trainer wirklich bewusst werden, was sie hier in Dänemark vollbracht haben – und der bittere Nachgeschmack endlich verschwunden ist.

Enttäuschte Schweizer nach dem verlorenen WM-Final

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2018: Enttäuschte Hockey-Nati nach dem verlorenen WM-Final
quelle: keystone / salvatore di nolfi
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