Wolkenkratzer, die aus dem Dunst ragen: Das kleine Golf-Emirat Katar ist das reichste Land der Welt. Und viele andere Länder profitieren davon – darunter auch die Schweiz.  Bild: YOAN VALAT/EPA/KEYSTONE

Katar, das reichste Land der Welt, investiert sehr viel Geld – auch in die Schweiz

06.06.17, 16:26 06.06.17, 17:30

Das kleine Golf-Emirat Katar ist mit seinem Staatsfonds global mit über 330 Milliarden Dollar investiert. In der Schweiz hat der Fonds letzte Woche seine Beteiligung an der Credit Suisse aufgestockt. Beteiligt sind die Katarer auch am Bürgenstock-Resort und an Glencore.

Die nationale Fluggesellschaft des Emirats Katar, Qatar Airways, hat am Dienstag den Flugverkehr zu wichtigen Nachbarländern eingestellt: Die Schweiz ist davon aber nicht betroffen. Bild: Ted S. Warren/AP/KEYSTONE

Qatar Airways

Direkte wirtschaftliche Auswirkungen hat die diplomatische Isolation Katars bereits im Flugverkehr gezeigt. Die Schweiz ist davon aber nicht betroffen.

Die nationale Fluggesellschaft des Emirats Katar, Qatar Airways, hat am Dienstag den Flugverkehr zu wichtigen Nachbarländern eingestellt. Zuvor hatten am Montag Saudi-Arabien, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten die diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen. Später schlossen sich weitere arabische Staaten dem diplomatischen Bruch mit Katar an. Sie werfen dem kleinen Staat am Persischen Golf vor, Terrororganisationen zu unterstützen.

Die Fluggesellschaften der vier Länder stellten ihrerseits den Flugverkehr nach Katar ein. Teilweise wurde auch der Luftraum für katarische Flugzeuge gesperrt.

Die Schweizer Verbindung ist nicht betroffen. Qatar Airways ist die einzige Fluggesellschaft, die Zürich direkt mit Doha verbindet. Laut einer Sprecherin des Flughafens Zürich hat die Airline Zürich (heute) Dienstag nach Plan angeflogen. Auch der Abflug solle planmässig verlaufen.

Katar war letztes Jahr der fünftwichtigste Handelspartner der Schweiz in der Region Mittlerer Osten/Nordafrika – mit einem Handelsvolumen von total 1,1 Milliarden Franken. Die Schweiz exportiert vor allem Edelsteine und -Metalle sowie Uhren, Maschinen und Pharmaprodukte in das Land.

Der Staatsfonds von Katar ist der viertgrösste Aktionär der Grossbank Credit Suisse. Bild: KEYSTONE

Credit Suisse

Die Handelsimporte aus Katar sind mit 287 Millionen Franken (2016) minimal. Umso wichtiger sind die Investitionen des Emirats in der Schweiz über seinen Staatsfonds «Qatar Investment Authority» (QIA).

Die QIA sieht sich selbst als globalen Investor, der seine Gelder in einer breiten Palette von Vermögensklassen und Branchen in allen Teilen der Welt anlegt. Fachleute sprechen davon, dass der Fonds auf dem gesamten Globus über 330 Milliarden Dollar angelegt hat.

So ist der Staatsfonds von Katar der viertgrösste Aktionär der Grossbank Credit Suisse. Letzte Woche hatte er seine Beteiligung auf 5,01 Prozent der Aktien erhöht. Mit einem Stimmenanteil von knapp 18 Prozent ist der Wüstenstaat der mit Abstand grösste Einzelaktionär. Die Aktien der Credit Suisse Group (CS) gaben bis am Dienstagnachmittag um 1,2 Prozent auf 13.2 Franken nach.

Marktbeobachter schliessen nicht aus, dass Katar gegebenenfalls sogar zur Reduktion seiner an der CS gehaltenen Beteiligung gezwungen ist, sollten die von Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain verhängten Wirtschaftssanktionen ihre Wirkung vollumfänglich entfalten.

So soll es einst aussehen, das Luxushotel über dem Vierwaldstättersee. Ab August 2017 soll das Mega-Hotelprojekt auf dem Bürgenstock schrittweise eröffnet werden. Insgesamt haben Investoren aus Katar 500 Millionen Franken in das Projekt gesteckt. Bild: BUERGENSTOCK RESSORT LAKE LUCERN

Luxushotel Bürgenstock

Der Fonds steht auch hinter dem Zentralschweizer Luxushotel-Resort Bürgenstock. Der Staatsfonds hat über seine Zuger Tochter Katara Hospitality Switzerland über 500 Millionen Franken in das Luxusresort investiert.

Die Zimmer sind bezugsbereit.  Bild: KEYSTONE

Laut Resort-Sprecher Raphael Amrein haben die Entwicklungen in Katar keinen Einfluss auf das Projekt. Die Eröffnung finde wie geplant im August statt. Neben dem Bürgenstock Resort gehören auch die Luxushotels Schweizerhof in Bern und das Royal Savoy in Lausanne zu Katara Hospitality.

Auch in Tiffany & Co. wird investiert.  Bild: Wilfredo Lee/AP/KEYSTONE

Glencore, Tiffany & Co., Volkswagen und, und, und ...

Der Staatsfonds QIA selbst hält sich mit detaillierten Angaben über seine weltweiten Beteiligungen zurück. Selbst spricht QIA von weiteren Anteilen an Volkswagen, Barclays, Canary Wharf, der Harrods-Gruppe, Heathrow, Glencore, Tiffany & Co und Total. Bei Volkswagen ist die Qatar Holding mit 14,6 Prozent einer der ganz grossen Aktionäre.

Bei der Deutschen Bank hielten Katars Ex-Premier Hamad Bin Jassim Bin Jabor Al-Thani und sein Cousin Hamad Bin Khalifa Al-Thani Ende vergangenen Jahres zusammen rund acht Prozent sowie Kaufoptionen im Volumen von rund zwei Prozent.

Bei Hapag Lloyd wird die QIA mit 14,4 Prozent Kapitalanteil geführt. Auch Konzerne wie Hochtief, Porsche und Solarworld haben Erfahrungen mit katarischen Aktionären.

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Katar ist aber in seiner Anlagestrategie noch viel breiter engagiert. Das Emirat legt seine Gelder nach eigenen Angaben in allen möglichen Vermögensarten und Regionen an. So beteiligt sich das Emirat auf den Immobilienmärkten, kauft Ländereien, Wälder, Anleihen und andere Finanzinstrumente.

Erst jüngst hat sich Katar wieder in der Türkei engagiert. Daneben wurden Anteile an der russischen Ölgesellschaft Rosneft erworben.

Die katarische Wirtschaft hat in den letzten Jahren, auch bedingt durch den Ölpreis-Rückgang, beständig an Fahrt verloren und wuchs 2016 nur noch um 2,6 Prozent. (sda/reu)

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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