Gesellschaft & Politik
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Gokul Baskota
Nepal

Der Kommunikationsminister wurde dabei erwischt, wie er Bestechungsgelder ausjassen wollte. Bild: Facebook

Schweizer Firma in Bestechungsskandal in Nepal verwickelt – Minister tritt zurück

Ein nepalesischer Minister hat gestern seinen Rücktritt eingereicht. Er wurde dabei erwischt, wie er sich von einem Schweizer Firmen-Vertreter bestechen lassen wollte.



Made in Switzerland – dieser Slogan kommt weltweit gut an. Nicht nur bei manipulierten Crypto-Geräten, sondern auch bei Sicherheitsdruckermaschinen. Sie werden benötigt, wenn ein Staat Reiseausweise, Banknoten oder Visumdokumente drucken will.

Eine solche Maschine will sich auch das südasiatische Land Nepal beschaffen. Die Deals laufen seit Monaten, mit dabei: ein Schweizer Hersteller, der nun wegen einem angeblichen Bestechungsskandal in die Schlagzeilen geraten ist.

Nepalesische Medien berichten seit Stunden darüber, dass ein Vertreter einer Schweizer Firma angeblich einem Minister Bestechungsgelder angeboten haben soll, wenn sich die Regierung für die Maschinen aus der Schweiz entscheidet. Publik gemacht hat das diese Woche die Webseite My Republica.

Die vier wichtigsten Fragen zum Fall:

Was hört man im Telefongespräch?

Im Telefongespräch hört man den nepalesischen Kommunikationsminister Gokul Baskota. Er telefoniert mit dem Vertreter B. P. M.* einer Schweizer Firma.

Die Aufnahme ist zwei Minuten und 31 Sekunden lang. Der Schweizer Vertreter schlägt dem Minister ein Treffen vor. Dort wolle man die Absichtserklärung unterzeichnen. Darin soll es um den Kauf von Sicherheitsdruckmaschinen für die Regierung gehen.

Im Gespräch hört man, wie der Schweizer Vertreter von Anteilen an einer «Provision» spricht. Es gäbe etwa 740 Millionen Rupien, wenn der Deal zustande kommt. «Sie werden 70 Prozent erhalten», sagt der Schweizer Vertreter zum Minister. Baskota fragt, wie viel das genau wäre. Der Schweizer Vertreter rechnet vor: Es wären rund 7,3 bis 7,5 Millionen Franken.

Um welche Schweizer Firma handelt es sich?

watson erhielt mit Hilfe von nepalesischen Journalisten Einsicht in Parlamentsdokumente, in denen der Hintergrund der Beschaffung der Druckmaschinen dokumentiert wird. Darin erwähnt ist eine Schweizer Firma* mit Sitz in der Westschweiz. Das Unternehmen wird auch von nepalesischen Medien genannt.

Unklar ist, ob die Firma wissentlich in diese Affäre verwickelt ist. watson hat das Unternehmen um eine Stellungnahme gebeten.

Die Schweizer Firma buhlte zusammen mit anderen Firmen um den lukrativen Staatsauftrag in Nepal. Lokale Medien zitieren anonyme Regierungsvertreter, wonach zunächst eine französische, dann eine deutsche Firma kurz vor der Vertragsunterzeichnung stand.

Bild

Unter Punkt 4 heisst es: «Der Vorschlag der Schweizer Firma* wurde vernachlässigt». bild: zvg

Die erwähnte Schweizer Firma wurde bereits einmal von der Schweizer Justiz wegen Korruption verurteilt. Damals merkte die Firma zu spät, dass das Geschäft nicht sauber war. Sie meldete sich selbst bei den Strafverfolgungsbehörden und profitierte so von einer milderen Strafe.

Was ist nach den Enthüllungen passiert?

Der nepalesische Kommunikationsminister Gokul Baskota gab am Donnerstag seinen Rücktritt bekannt. Er habe dies dem Premierminister mitgeteilt und begründet seinen Entscheid mit «moralischen Gründen».

Übersetzung: «Nachdem Fragen aufgekommen sind, werde ich den Herrn Premierminister informieren, dass ich vom Posten als Minister aus moralischen Gründen zurückgetreten bin. Danke.»

Die Rechnungsprüfungskommission im nepalesischen Parlament forderte die Regierung auf, die Beschaffung der Druckermaschinen zu stoppen.

Was sagt die offizielle Schweiz dazu?

Unklar ist die Rolle der offiziellen Schweiz in der ganzen Affäre. Im veröffentlichten Telefongespräch ist die Rede von einem Treffen bei der Schweizer Botschaft. Ein Journalist der Kathmandu Post schreibt zudem, dass das Angebot der Schweizer Firma von der Botschaft weitergeleitet worden sei.

Das Schweizer Aussendepartement (EDA) schreibt dazu auf Anfrage von watson, dass man von den «Behauptungen in der Publikation ‹My Republica›» Kenntnis genommen habe. EDA-Sprecher Georg Farago verweist auf die Stellungnahme der Schweizer Botschaft in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu.

Darin werden die Vorwürfe dementiert: Man habe um kein solches Treffen gebeten. Auch sei für die Zukunft kein Termin mit Minister Baskota zum besagten Thema vorgesehen. Im Statement der Schweizer Botschaft heisst es weiter: «Der Botschaft sind die Geschäfte der Person, die im Artikel als lokaler Vertreter einer Schweizer Firma genannt wird, weder bekannt, noch ist sie daran beteiligt.»

* Name der Redaktion bekannt

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18
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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Hierundjetzt 21.02.2020 18:01
    Highlight Highlight Ach kommt, als ob die Nepalesen heilige sind. Da haben die Franzosen die Schweizer angeschwärzt. Ende der Story.

    Zitiere aus dem Tagi (Nach dem letzten Erdbeben in Nepal):

    Das mit Schweizer Spenden finanzierte und vom Roten Kreuz eingekauften Baumaterial für [1‘000ende von Opfer] wurde von der lokalen „Dorfkönigen“ geklaut und nach Indien verkauft. Darum leben viele Nepalesen im tiefsten Winter immer noch in Zelten.

    Und ja, das Geld von Euch allen ist futsch.

    Wer solches tut, lebt in einer Kultur der Korruption, die alles durchdrungen hat.
  • kobi 21.02.2020 17:44
    Highlight Highlight Was ist genau der Grund, dass die Firma nicht namentlich genannt wird?
  • Ueli der Knecht 21.02.2020 17:09
    Highlight Highlight Bestechung von ausländischen Amtsträgern durch schweizer Firmen, bzw. deren Repräsentanten ist auch in der Schweiz strafbar.
    https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19370083/index.html#a322septies

    https://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/25352.pdf

    Aber wie so oft schläft unsere Justiz. Obwohl es sich in diesem Fall offensichtlich um einen Wiederholungstäter handelt.
  • bullygoal45 21.02.2020 16:38
    Highlight Highlight Und morgen kommt die Meldung dass die Fifa mit Sitz in der Schweiz, Geld von Katar genommen hat 😱😱😱!!

  • SyWe 21.02.2020 16:16
    Highlight Highlight Die Schweiz hat viel Dreck am Stecken!!!
    Woher kommt der ganze Reichtum?
    Und sehr Interessant für Ausländische Korrupte Juristische und Natürliche Personen!!!
    Geld Regiert die Welt!!!
    • DunkelMunkel 22.02.2020 16:13
      Highlight Highlight > Die Schweiz hat viel Dreck am Stecken!!!

      Hmm, das klingt nach einer plumpen Behauptung.

      > Woher kommt der ganze Reichtum?

      Harte Arbeit und Jahrzentelange Lieferung von Qualität und Innovation, die uns langjährige Kundenbeziehungen ermöglichten mit Kunden aus der ganzen Welt.

    • Hoci 22.02.2020 23:46
      Highlight Highlight Jedenfalls selten von Korruption. Siehe Satistik korrupteste Länder.
  • Todesstern 21.02.2020 15:29
    Highlight Highlight Hat eigentlich die ganze Welt Dreck am Stecken?
    • Kiro Striked 21.02.2020 16:05
      Highlight Highlight Kurze Antwort: Ja. Natürlich.


      Wie will man sonst ein "starkes" Land sein. Wenn eine Firma/Land zu 100% mit Sauberen Mitteln spielt, in einem Markt in dem JEDER Besticht, Bescheisst, Dreck am Stecken hat... Dann war es das auf kurz oder lang mit der Firma.

      Traurig, aber so ist Wirtschaft aufgebaut. Am Ende gilt: "Habe ich den Vertrag oder habe ich den Vertrag nicht". Leider
    • SIEGLINDE 21.02.2020 16:19
      Highlight Highlight Ja korrupte Politiker wohin Sie schauen. Kartelldiener der Mafia und Bonzen füllen sich ihre Taschen und der Arbeiter ist der DEPP
    • redeye70 21.02.2020 16:25
      Highlight Highlight Ja!
    Weitere Antworten anzeigen
  • Linus Luchs 21.02.2020 14:43
    Highlight Highlight Nebst vielem anderem ist auch die Förderung von Korruption im Ausland ist ein Grund, weshalb Schweizer Firmen diszipliniert werden müssen. Ja zur Konzernverantwortungsinitiative!
    • stef1885 21.02.2020 15:04
      Highlight Highlight @Linus Luchs: Die Konzernverantwortungsinitiative thematisiert Umwelt- und Menschenrechte und hätte hier wohl keine Auswirkungen.

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