Standortförderung: Graubünden hat grosse Pläne für Inndustriebrache in Domat/Ems GR

21.10.15, 14:08

Nach fünf Jahren Stillstand kommt Leben in die Industriebrache in Domat/Ems GR, die nach dem Konkurs der Grosssägerei Mayr-Melnhof zurückblieb. Der Kanton erwarb die Baurechte und will eine grosse Industriezone schaffen. Ein Unternehmen wurde bereits angesiedelt.

Das Areal gilt als der Schandfleck in der Bündner Wirtschaftsförderung. Der Kanton hatte 2007 die Ansiedlung der Grosssägerei grosszügig unterstützt und beim Konkurs im Dezember 2010 über 20 Millionen Franken verloren. 130 Angestellte standen auf der Strasse.

Im September 2011 ersteigerte die Tiroler Pfeifer-Gruppe die zwei Baurechte auf dem Gelände mit der Absicht, ein redimensioniertes Sägewerk zu erstellen. Das scheiterte jahrelang am Holzpreis. Schliesslich verhängte die Gemeinde Domat/Ems im April 2014 eine Planungszone über das 20 Hektaren grosse Grundstück, um eine Fehlentwicklung zu verhindern.

Kanton wagt sich wieder vor

Mittlerweile hat der Kanton die Schlappe offenbar verdaut und traut sich, wieder mit grosser Kelle anzurichten in Domat/Ems. Nicht weniger als eine «hochstehende Industriezone von nationaler Bedeutung» soll in der 7500 Einwohner zählenden Gemeinde im Churer Rheintal entstehen, wie die Kantonsregierung am Mittwoch mitteilte.

Der Kanton kaufte die Baurechte von der Pfeifer-Gruppe für 10.8 Millionen Franken. Warum der Kanton für die Baurechte fast neun Millionen Franken mehr zahlte, als Pfeifer vor vier Jahren, liess die Regierung vorerst offen. Sie konnte aber bereits ein erstes Unternehmen präsentieren, das auf dem Areal ein neues Werk errichten will.

Die Hamilton Plastics AG will nach Angaben der Regierung 25 Millionen Franken investieren und 100 Arbeitsplätze schaffen. Das Ziel des Kantons ist es, in den nächsten zehn Jahren Firmen anzusiedeln, die weitere 200 Stellen schaffen. Die Regierung geht in diesem Zeitraum von einer Bruttowertschöpfung durch diese Unternehmen von 170 Millionen Franken aus und von Steuereinnahmen von 14 Millionen Franken.

Sägerei weiterhin eine Option

Nicht aufgeben will die Exekutive die Idee einer Sägerei, die das Holz der Bündner Wälder vor Ort verarbeitet. Darum wurde eine Fläche von acht Hektaren für ein Sägewerk und die Holzweiterverarbeitung reserviert. Die Option darauf hat die Pfeifer-Gruppe. Sollten sich die Rahmenbedingungen verbessern, kann das Unternehmen in Domat/Ems doch noch aktiv werden.

Im Gegenzug hat der Kanton das Recht, die für das Sägewerk reservierte Fläche Unternehmen aus anderen Branchen zur Verfügung zu stellen, sobald das übrige Areal voll belegt ist.

Für die Erschliessung und Revitalisierung des Areals werden dem Kanton weitere Kosten in noch unbekannter Höhe entstehen. Die politische Gemeinde Domat/Ems und die Bürgergemeinde als Grundstücksbesitzerin müssen keine Investitionen tätigen. (sda)

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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