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Roberto Morales, Direktor von Amnesty International (links) setzt sich mit seinen Leuten überall auf der Welt für die Menschenrechte ein. Auf der Krim herrschen laut der Organisation haarsträubende Zustände.
Roberto Morales, Direktor von Amnesty International (links) setzt sich mit seinen Leuten überall auf der Welt für die Menschenrechte ein. Auf der Krim herrschen laut der Organisation haarsträubende Zustände.Bild: EPA/EFE

Ein Jahr Krim-Annexion: Oppositionelle werden gefoltert, entführt, unterdrückt

18.03.2015, 02:1718.03.2015, 02:19

Amnesty International legt ein Jahr nach der Annexion der Krim durch Russland eine verheerende Bilanz der Menschenrechtslage vor. Die Menschenrechtsorganisation berichtet von Entführung, Folter, toten Oppositionellen und Unterdrückung.

Zahlreiche Kritiker seien entführt und gefoltert worden, ohne dass die neue Regierung sichtbar Ermittlungen führe, erklärte Amnesty am Mittwoch. Mindestens ein entführter Oppositioneller sei später tot aufgefunden worden.

«Die Haltung der De-facto-Regierung und ihrer russischen Meister lässt sich leicht zusammenfassen: 'Mag es, verschwinde oder halt den Mund'», sagte Amnestys Direktor für Europa und Zentralasien, John Dalhuisen, bei der Vorstellung des Berichts.

Aktivisten machen während einer Demonstration in der Ukraine auf die Missstände aufmerksam. 
Aktivisten machen während einer Demonstration in der Ukraine auf die Missstände aufmerksam. Bild: SERGEY DOLZHENKO/EPA/KEYSTONE

Toter mit Folterspuren

Mindestens sieben Menschen seien entführt worden und ihr Schicksal sei unbekannt, heisst es darin. Das Verschwinden von drei Krim-Tataren hat die Menschenrechtsorganisation selbst dokumentiert.

Darunter sei Reschat Ametow, ein 39-Jähriger, der während einer Demonstration im vergangenen März verschleppt worden sei. Seine Leiche sei später mit Folterspuren aufgefunden worden, niemand sei dafür zur Rechenschaft gezogen worden.

Andrij Schekun, Direktor der Organisation Ukrainisches Haus, sei von prorussischen Milizionären gefangenen genommen, elf Tage festgehalten und dabei mit Elektroschocks malträtiert worden, bevor er dem ukrainischen Militär übergeben worden sei. Drei weitere Mitglieder der Organisation blieben vermisst. 

Seit die Krim annektiert wurde, gehören Uniformierte ins Alltagsbild. 
Seit die Krim annektiert wurde, gehören Uniformierte ins Alltagsbild. Bild: EPA

«Die De-facto-Regierung sagt uns, sie ermittle in allen Fällen von Verschleppungen und Folter», sagte Dalhuisen. «Aber wir haben dafür keinen einzigen konkreten Nachweis.»

Es herrscht ein Klima der Angst

Um Medien zum Schweigen zu bringen, werde ein «Klima der Angst» geschaffen, schreiben die Amnesty-Aktivisten weiter. Vor anderthalb Monaten seien 30 bewaffnete und maskierte Mitglieder einer Spezialeinheit in die Büros des Tataren-Senders ATR eingedrungen, hätten den Sendeabbruch erzwungen und Dokumente der vergangenen elf Monate beschlagnahmt.

Mehrere Journalisten und Blogger hätten die Krim längst verlassen. Die Nachrichtenagentur QHA der Krim-Tataren habe bis heute keine neue Lizenz erhalten.

Es gebe derzeit offenbar nur wenig Motivation in der internationalen Gemeinschaft, Russland zur Rückgabe der Krim an die Ukraine zu drängen, sagte Dalhuisen. «Aber sie sollte doch mindestens mehr Druck auf Russland ausüben, damit die Rechte aller Bürger der Krim respektiert werden.» (feb/sda/afp)

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