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Auch immer mehr junge Menschen leben ohne (zweibeinigen) Mitbewohner in den eigenen vier Wänden. Bild: Shutterstock

Arme Singles? Immer mehr Leute in der Schweiz leben allein

Trautes Heim, Glück allein: Die Zahl der Einpersonenhaushalte steigt hierzulande weiter an. Das mache uns nicht einsamer, sagt der Soziologe François Höpflinger.

16.12.17, 11:42 17.12.17, 07:10

Annika Bangerter / schweiz am wochenende

Ein Artikel von

Kochen, worauf man gerade Lust hat. Putzen, wann einem danach ist. Die Wohnung nach dem eigenen Geschmack einrichten. Alleine zu leben, ist in der Schweiz verbreitet: Jeder dritte Haushalt wird nur von einer Person geführt.

Bereits seit den 1990ern sind die Einpersonenhaushalte die häufigste Wohnform. Ein Trend, der sich gemäss dem Bundesamt für Statistik (BFS) künftig verstärkt: 

Wer sind diese Menschen, die sich zwar nicht mit den Marotten eines Mitbewohners herumschlagen müssen, denen aber höchstens eine Katze um die Beine streicht, wenn sie die Wohnungstüre öffnen? Das BFS nennt als Gründe für den Anstieg der kleineren Haushalte die rückläufigen Geburtenzahlen und die höhere Lebenserwartung.

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Wie viele Personen leben in deinem Haushalt?

4,578 Votes zu: Wie viele Personen leben in deinem Haushalt?

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Studienautor Raymond Kohli sagt:

«Die Generation der Babyboomer kommt in ein Alter, wo ihre Kinder das Elternhaus verlassen. Dies hat sowohl eine Erhöhung der Anzahl älterer Paare, die ohne Kinder in einem Haushalt leben, als auch eine Zunahme der jungen Erwachsenen, die meistens alleine leben, zur Folge.»

Letztere nutzen den Supermarkt der Möglichkeiten, der ihren Grosseltern noch versperrt war: Sie investieren mehr Zeit in ihre Ausbildung(en), reisen und bekommen nicht nur später, sondern auch weniger Kinder. Spätestens wenn die jungen Erwachsenen im Job ankommen, ziehen viele von ihnen aus den WGs aus.

Singles werden bedauert

Der zweite Grund für den Boom der Einzelhaushalte liegt am anderen Ende der Generationenkette: bei den älteren Menschen. Stirbt der Partner oder die Partnerin, führen sie in der Regel alleine den Haushalt weiter. Meist sind das Frauen, wie Kohli sagt: «Dies aufgrund der höheren Sterblichkeit der Männer sowie angesichts der Tatsache, dass die Ehemänner in der Regel älter sind als ihre Ehefrauen.»

Nicht selten trennen sich die Wege von Paaren bereits zu einem früheren Zeitpunkt. Die Scheidungsrate bewegt sich nach wie vor auf einem hohen Niveau, was zusätzlich zu neuen Single- Haushalten führt. Obwohl der Einpersonenhaushalt auch bewusst als Lebensform gewählt wird, ernten Alleinstehende nicht nur kurz vor Weihnachten immer wieder eines: Bedauern.

Wer neben der Türklingel nur seinen Namen stehen hat, werde rasch mit Einsamkeit in Verbindung gebracht, sagt der Soziologe François Höpflinger. Eine Zuschreibung, die jedoch «die Realität verkenne», wie der Generationenforscher sagt.

Er warnt davor, die Haushaltsdurchmischung mit den sozialen Beziehungen gleichzusetzen. Ein Anstieg der Einpersonenhaushalte bedeute nicht eine Vereinzelung. Das habe die Forschung widerlegt. «In der Regel sind gerade allein lebende Menschen gut vernetzt und sozial eingebettet», sagt er.

In der modernen Gesellschaft hätten die Menschen gelernt, auch «ausserfamiliale Beziehungen aktiv zu gestalten». Waren Frauen früher stark auf Familie und Kindererziehung konzentriert, verfügen sie heute durch ihre Ausbildung und ihren Beruf oft über vielfältige Kontakte, sagt Höpflinger.

Anders als vor ein paar Jahrzehnten lassen sich diese durch die erhöhte Mobilität und neueren Technologien wie Smartphones oder soziale Medien einfacher pflegen. Per Videogespräche gibt es Augenkontakt, auch wenn der Gesprächspartner Hunderte von Kilometern entfernt sitzt.

Besser vernetzte Senioren

Das Gesundheitsmonitoring des Bundes zeigt jedoch, dass sich 31,6 Prozent der Menschen in der Schweiz manchmal und 4,5 Prozent sehr oft einsam fühlen. Höpflinger sagt dazu: «Gelegentliche Einsamkeitsgefühle sind häufig. Gesunken ist jedoch der Anteil der Menschen, die häufig bis immer vereinsamt sind.» Auch bei älteren Menschen habe sich das Freundschaftsnetz ausgeweitet.

Umfrage

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Er verweist auf eine Umfrage bei Senioren im Kanton Genf und Wallis. Dabei wurden Menschen im Alter von über 80 Jahren gefragt, ob sie intime Freundschaften pflegen. Im Jahr 1979 verneinten dies 53 Prozent der Befragten; 2011 waren es nur noch 22 Prozent. Dass Menschen auch im hohen Alter neue Kontakte ausserhalb der Verwandtschaft und Nachbarschaft knüpfen, sei ein neueres Phänomen, so Höpflinger.

Prognostizierte die Forschung in den 80er-Jahren die Auflösung der Beziehungen, sei dies inzwischen überholt, sagt der Soziologe. Die Erkenntnis, dass die sozialen Beziehungen eng mit dem Wohlbefinden verknüpft sind, hat sich offenbar auch auf die Gesellschaft ausgewirkt.

Eine Absage an den Individualismus ist dies dennoch nicht. Die Wohnung als privater Rückzugsort sei «wichtiger als je zuvor», sagt Höpflinger. Mit dem gestiegenen Wohlstand scheitern Einpersonenhaushalte nicht mehr am Geld. Sowohl in jüngeren wie älteren Generationen gibt es Paare, die sich zwei Haushalte finanzieren. «Heute ist der Fünfer und das Weggli möglich: Individualisierung und soziale Beziehungen», sagt Höpflinger.

Und was sind die Folgen?

«Ein hoher Energieverbrauch und ein unterbelegter Wohnraum, der auf Kosten von jungen Familien geht», sagt Höpflinger. Das bestätigt der ehemalige Basler Stadtentwickler Thomas Kessler. In keinem anderen Kanton leben so viele Menschen alleine wie in Basel-Stadt. 47 Prozent aller Haus halte werden dort von einer einzelnen Person geführt. Das braucht Platz. In der Schweiz beträgt die durchschnittliche Wohnfläche 45,2 Quadratmeter pro Person; in einem Einzelhaushalt jedoch 79,4 Quadratmeter .

Mit Blick auf deren prognostizierten Anstieg sagt Kessler, dass es mehr günstige und kleinere Wohnungen insbesondere für ältere Menschen brauche. Wegen tiefer Zinsen in ihrer langjährigen Mietwohnung oder dem abbezahlten Haus lohnt sich für sie der Auszug bereits aus ökonomischen Gründen oftmals nicht. Dazu kommt die emotionale Bindung an den Wohnort.

Ein Lösung wären Mischsiedlungen, damit die Menschen innerhalb ihrer Umgebung umziehen könnten, sagt Kessler. «Sonst droht weiter unnötig viel Bautätigkeit in der Peripherie und eine Wohnungsnot in den Innenstädten.» Doch der Immobilienmarkt hinke der Nachfrage hinterher.

Auch Eveline Althaus vom ETH-Wohnforum fordert ein Umdenken der Branche. «Bislang fokussiert sie, wenn denn, auf wohlhabende Senioren», sagt sie. Dabei würde es für Immobilienfirmen auch abseits teuren Seniorenresidenzen «interessante Geschäftsfelder» geben. «Sinnvoll sind Modelle, die mit einfachen Mitteln den Wohnalltag unterstützen», sagt Althaus.

Als Beispiel nennt sie einen erweiterten Hauswartsdienst, der Glühbirnen auswechselt, bei schweren Einkaufstaschen hilft oder nachschaut, wenn die Storen im Verlauf des Tages nicht hochgezogen werden. «Auch finanziell schlechtergestellte Menschen wünschen sich, in den eigenen vier Wänden alt zu werden», sagt Althaus.

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18
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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Pain in the Ass 18.12.2017 15:32
    Highlight Ich, Anfang 30, single, beruflich erfolgreich und sportlich, lebe allein in einer sehr schönen Wohnung. Trotzdem fühle ich mich manchmal allein und hätte sehr gerne eine Beziehung mit Zukunft. Doch leider wollen sich viele Frauen nicht entscheiden, weil noch etwas Besseres kommen könnte oder sie ihre persönliche Freiheit nicht verlieren wollen. Sie gehen unzählige Affairen und andere lieblose Beziehungen ein, nur um zuletzt zu behaupten, dass es keine beziehungsfähigen Männer gibt. Ich gebe aber nicht auf, denn ich muss nur DIE EINE finden. Alle anderen will ich nicht. Frohe Festtage!
    11 2 Melden
  • itsbigben 18.12.2017 09:31
    Highlight Ich sehe das Problem nicht von Haushalten mit "nur" einer Person... Das grössere Problem sind wohl eher überteuerte Wohnungen die leer stehen, weil sichs keiner leisten kann.
    13 2 Melden
  • Nelson Muntz 17.12.2017 23:45
    Highlight wegen #metoo trauen sich die Singlemänner wohl nicht mehr, eine Frau anzusprechen...
    13 13 Melden
  • Imfall 17.12.2017 16:51
    Highlight euch wird geholfen 😅
    2 7 Melden
  • Gelöschter Benutzer 16.12.2017 15:52
    Highlight Je älter man wird, desto schwieriger wird es, eine erneute Partnerschaft einzugehen. Einerseits ist da die grenzenlose Freiheit und Unabhängigkeit, andrerseits Marotten, die man Niemandem mehr zumuten möchte.
    96 4 Melden
  • HeforShe 16.12.2017 15:00
    Highlight Vom Elternhaus über 4- bis 10-Personen-WG und Einzelstudio zum eigenen Haushalt in einem Mehrgenerationenhaus, die Ruhe und Erholung in den eigenen vier Wänden - es muss nicht einmal gross sein - ist nicht zu unterschätzen, wenn man sich selbst erträgt.

    Mittlerweile sind zwei Vierbeiner zugezogen: ein stures Sorgenkind und ein weiblicher Kevin.
    Die Ruhe hat zwar abgenommen, aber die Erholung sich um Faktor Gelassenheit und Spass ergänzt.

    Bezahlbarer Wohnraummangel ist sicherlich ein Problem, der beginnt aber nicht in erster Linie mit Alleinlebenden, sondern mit Immobilienzielsetzung.
    47 1 Melden
  • The Writer Formerly Known as Peter 16.12.2017 14:15
    Highlight Nicht alle, die alleine leben, sind auch Singles. Ich bin schon länger in einer Beziehung. Aber zusammenziehen ist für uns im Moment kein Thema. Ich denke, es ändern sich eben auch die Beziehungsformen und die Art, wie man eine Beziehung lebt.
    55 6 Melden
  • owlee 16.12.2017 13:42
    Highlight Man kann ja auch alleine wohnen und nicht Single sein – man zieht ja nicht direkt zusammen.
    62 3 Melden
  • hektor7 16.12.2017 13:18
    Highlight Wenn es immer mehr Singles hat, wird es ja auch immer einfacher, jemand passendes zu finden. Paradiesische Zuatsände für alle Singles also.
    50 6 Melden
    • Pain in the Ass 18.12.2017 15:24
      Highlight Das ist leidernicht so. Die Leute sind unnahbarer als früher. Aus Angst die persönliche Freiheit zu verlieren gehen viele keine enge Beziehungen ein. In der Schweiz ist es noch kälter als früher geworden und gegen diese Kälte hilft auch kein Klimawandel.
      7 0 Melden
  • Flipperli 16.12.2017 13:12
    Highlight Ich bin Single und es gefällt mir so!
    Will es nicht ändern.
    Es nervt imfall, dass man bedauert wird etc.
    Ach ja, Klischee erfüllt, hab ne Katze 🐱
    123 6 Melden
    • Darth Unicorn 16.12.2017 17:34
      Highlight "In der Regel sind gerade allein lebende Menschen gut vernetzt und sozial eingebettet"

      kann ich bestätigen. Ich kann es mir nicht vorstellen meine Wohnung wegen einer Beziehung aufzugeben.
      28 5 Melden
  • freundeskreismelona 16.12.2017 12:19
    Highlight Umwelttechnisch absoluter blödsinn
    43 133 Melden
    • kleiner_Schurke 16.12.2017 15:14
      Highlight So wie im Bild lebt es sich umwelttechnisch wesentlich besser. Zumal in einer 3 Zimmerwohnung die Eltern mit 2 Kindern plus philippinischem Dienstmädchen leben und ein Zimmer wird noch an 4 Studenten untervermietet. Die Menschen in Hongkong wissen eben wie man in der dichtesten möglichen Packung lebt. Wäre gespannt wie du dich da so mache würdest.
      41 11 Melden
    • lilas 16.12.2017 16:10
      Highlight Umwelttechnisch steh ich von daher gut da. Aber beim Entschluss zusammenzuziehen war dies bestimmt nicht ausschlaggebend.
      25 1 Melden
  • leu84 16.12.2017 12:16
    Highlight Es hat bisher einfach nicht geklappt. Schauen wir mal wie es nach dem heutigen Tag aussieht. Aber deswegen miese Laune haben? Nein Danke.
    No e schöne Samstig.
    152 5 Melden
    • @schurt3r 16.12.2017 13:34
      Highlight Danke, dir auch!
      107 16 Melden
    • flv 16.12.2017 19:21
      Highlight halo?
      42 3 Melden

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