Schule - Bildung
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Unterricht im Gerichtssaal: Zeichnung von «Schweiz am Wochenende»-Karikaturist Silvan Wegmann. zvg «Schweiz am wochenende»

Das Geschäft mit dem Rekurs: Schulen und Universitäten werden mit Beschwerden eingedeckt

Schüler, Lehrlinge und Studenten gehen gegen schlechte Noten vor Gericht. Dieses Jahr registrieren manche Schulen einen Rekord an Rekursen. Dahinter steckt ein neues Business von Anwälten.

Andreas Maurer und Yannick Nock - Schweiz am Wochenende



Die Eltern von Sarah (11) können den Entscheid des Schulrats nicht nachvollziehen. Sie wurde einer Sonderklasse zugeteilt. Die Eltern bekämpfen den Beschluss durch alle Instanzen, vom Regierungsrat zum Verwaltungsgericht bis zum Bundesgericht. Mit Urteil vom April entscheidet das höchste Gericht, dass es auf die Beschwerde nicht einmal eintritt. Denn die Eltern hätten nicht darlegen können, welche ihrer Rechte verletzt worden seien.

Einen Schritt weiter kommt ein Student der Humanmedizin. Er erreicht immerhin, dass das Bundesverwaltungsgericht auf seine Beschwerde eintritt. Er darf nicht Arzt werden, weil er in einer Prüfung des Staatsexamens nur 972 von 1000 Punkten erreicht hat. Das ist bitter, denn er liegt lediglich sieben Punkte unterhalb der Bestehensgrenze. Sein bestes Argument: Die Universität habe ihm eine uneingeschränkte Einsicht in die Prüfungsunterlagen verweigert. Sie gewährt ihm nur eine Akteneinsichtsdauer von dreissig Minuten, wobei er sich einzig handschriftliche Notizen machen durfte. Denn die Uni befürchtet, er könnte die Informationen mit künftigen Kandidaten teilen. So werde sein rechtliches Gehör verletzt, klagt er. Das Bundesverwaltungsgericht weist die Beschwerde mit Urteil vom Mai ab.

Das sind zwei aktuelle Beispiele, die einen grösseren Trend dokumentieren: Klagen gegen unliebsame Entscheidungen haben das Bildungssystem erreicht. War es vor zwanzig Jahren kaum denkbar, Noten anzufechten, ist das heute regelmässig der Fall. Es beginnt im Kindergarten, geht über die Mittelschulen und endet an den Universitäten. Eltern streiten mit Lehrern, Studenten mit Professoren – und schaffen damit ein neues Business.

Im Gegensatz zu den Eltern der Primarschülerin hat der gescheiterte Medizinstudent seine Beschwerde nicht selber formuliert. Er hat einen Anwalt damit beauftragt. So schaffte er es, dass das Gericht zumindest inhaltlich auf seinen Fall einging.

Darum hat sich die Maturitätsquote in der Schweiz verdoppelt

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Video: srf

Mit einem Klick zum Bildungsanwalt

Das Geschäft mit der kleinen Hoffnung auf bessere Karrierechancen boomt. Kürzlich hat ein Zürcher Start-up die Plattform fragdenanwalt.ch lanciert, auf der sie Beratungsgespräche mit Anwälten vermittelt. Ein Angebot ist besonders beliebt: das Anfechten von Prüfungsresultaten. Der Service wird zum Pauschalpreis von 298 Franken angeboten. Über ein Online-Formular kann man Angaben und Unterlagen zur missglückten Prüfung hochladen. Durch die Digitalisierung sparen die Beschwerdeführer Zeit und Geld. Für die 298 Franken erhält man allerdings erst ein Beratungsgespräch. Bis zur Einreichung der Beschwerde werden insgesamt etwa 800 Franken fällig. Doch auch dies ist ein Dumping-Preis verglichen mit dem üblichen nach dem Anwaltstarif verrechneten Aufwand. Das ist nur möglich, weil die Beschwerden der Online-Anwälte relativ simpel gemacht sind. Sie bestehen zum Teil aus zusammenkopierten Textbausteinen.

Didier Kipfer, einer der Anwälte, die ihre Dienste auf der Online-Plattform anbieten, sagt, in den Monaten August und September habe er am meisten Arbeit. Denn in dieser Zeit werden die Lehrabschlussprüfungen angefochten. Aktuell laufe dieses Geschäft so gut wie noch nie. Diesen Sommer habe er fast 50 Beratungsgespräche durchgeführt. In etwa einem Drittel der Fälle rate er zu einer Beschwerde. Ab der Note 3.7 sehe er grundsätzlich eine Chance. Etwa jede dritte seiner Beschwerden werde gutgeheissen, sagt er. Häufige Gründe seien, dass Prüfungsreglemente nicht eingehalten würden. Zudem werde oft etwas anderes geprüft als abgemacht.

Auch der Rechtsdienst der Zürcher Bildungsdirektion hat dieses Jahr besonders viel zu tun. 2018 haben im Kanton Zürich 85 Schüler einen Rekurs gegen nicht bestandene Gymnasiums-Aufnahmeprüfungen eingelegt. Das sind über fünfzig Prozent mehr als im Vorjahr und es ist die höchste Zahl seit Beginn der Statistik im Jahr 2005. Damals waren es erst 29 Rekurse. Insgesamt gehen an Zürcher Schulen rund 300 Rekurse in einem Jahr ein. Im Kanton St. Gallen ist die Zahl der im Bildungsdepartement deponierten Beschwerden deutlich angestiegen: von 85 im Jahr 2012 auf 111 im Jahr 2017.

85 Rekurse sind dieses Jahr gegen nicht bestandene Gymnasiums-Aufnahmeprüfungen im Kanton Zürich eingegangen. Es sind so viele wie noch nie.

298 Franken kostet ein Beratungsgespräch mit einem Anwalt für die Anfechtung von Prüfungsresultaten auf einer neuen Online-Plattform

15 Platz: Eine Studie untersuchte das Ansehen der Lehrer in 21 Ländern. Auf Platz 1 steht China. Die Schweiz folgt auf Platz 15.

Roboter anstatt Schüler im Klassenzimmer:

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Video: srf/SDA SRF

Die Zürcher Regierung stellt fest, dass Eltern vermehrt Anteil an der Schullaufbahn ihrer Kinder nähmen und häufiger den Kontakt mit Lehrern und Schulleitungen suchten. Bernard Gertsch, Präsident des Schulleiterverbandes, zeigt Verständnis für die Anliegen der Eltern. Er sagt: «Durch die Digitalisierung und den technischen Fortschritt wird es in 20 Jahren viele Berufe in der heutigen Form nicht mehr geben.» Das bereite vielen Eltern Sorge. Zudem seien sie nicht mehr an autoritäre Instanzen gewöhnt. Väter und Mütter fühlten sich oft missverstanden und sähen ihren Nachwuchs unfair behandelt. Die Folge: Die Spannungen an den Schulen steigen.

Das spiegelt sich auch in der Wahrnehmung des Lehrerberufs. Eine der wenigen internationalen Studien zum Thema, der «Global Teacher Status Index», kam bereits 2013 zu einem bemerkenswerten Schluss: Schüler und Eltern in China haben den grössten Respekt vor der Lehrerschaft. Die Schweiz landet hingegen auf Platz 15 von 21. Gemäss der Studie ist in der Schweizer Bevölkerung die Ansicht verbreitet, viele Lehrer würden keinen guten Job machen. Oft schwingt dabei unterschwellig der Vorwurf mit: «Der Lehrer ruiniert die Berufschancen meines Kindes.»

Die Auswirkungen unterscheiden sich von Kanton zu Kanton. Im Aargau sorgen vor allem Streitigkeiten um den Schulweg und die Zuteilung auf die Schulhäuser für Beschwerden. Einen Grund dafür sieht die Regierung darin, dass die Kinder heute früher eingeschult werden und Schulen zentralisiert worden sind.

Wie man die Probleme lösen könnte

Der Kanton Bern glaubt, ein Mittel gegen die Rekursflut gefunden zu haben. Die Schulinspektoren würden vermehrt «mediativ» arbeiten, erklärt ein Sprecher der Erziehungsdirektion. Sie suchen das Gespräch mit den Eltern, um Probleme einvernehmlich zu lösen. Deshalb würden aktuell weniger Beschwerden als in den Vorjahren registriert.

Beat Zemp, Praesident des Dachverbands Schweizer Lehrerinnen und Lehrer LCH, lanciert zusammen mit Vertretern verschiedener Arbeitnehmerorganisationen die Initiative

Beat Zemp Bild: KEYSTONE

Für die Berner Art der Problemlösung setzt sich die Elternorganisation «Schule und Elternhaus Schweiz» ein. Vorstandsmitglied Gordana Reuffurth sagt, beide Seiten – Schule und Eltern – müssten öfter miteinander sprechen. «Ausserdem sollten die Schulen besser informieren.» Besonders Zugezogene, die sich nicht im Schweizer Bildungssystem auskennen, würden oft nicht verstehen, dass später auch Jugendliche eine Hochschule besuchen könnten, die nicht ans Gymnasium gegangen sind.

Damit die Schulkonflikte weniger häufig vor Gericht landen, braucht es aus der Sicht von Lehrerpräsident Beat Zemp aber mehr. Er fordert, dass die Kantone unabhängige Ombudsstellen einrichten, an die sich Eltern wenden können, wenn Sie sich ungerecht behandelt fühlen. So könnten Konflikte frühzeitig gelöst werden. (aargauerzeitung.ch)

So geht die Welt zur Schule: 47 Klassenzimmer:

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    Alle Leser-Kommentare
  • Maracuja 23.09.2018 11:26
    Highlight Highlight Eltern erleben die moderne Arbeitswelt hautnah: wer nicht den Sprung ins Kader schafft oder in die Selbstständigkeit schafft, hat das Nachsehen und muss steigende Kosten (z.B. KK-Prämie) mit einem stagnierenden Lohn decken. Einige spüren bereits die Auswirkungen der Digitalisierung, andere lesen dazu beängstigende Zukunftsaussichten in den Medien. Eltern geben Druck/Ängste an Kinder und Lehrer weiter. Die permanent steigenden Anforderungen der Wirtschaft hinterlassen bei allen Beteiligten (Kinder, Lehrern, Eltern) Schäden.
  • chirschi 23.09.2018 11:25
    Highlight Highlight Anekdote aus meinem Studium: Ich hatte auch solche KommilitonInnen: beim Pflichtpraktikum Chemie ständig zu spät, katastrophale praktische Arbeit, trotz mehrmaligen Hinweisen, dass das Laborjournal so unvollständig sei, zu spät nachgereicht, etc. Und dann die Dozenten anprangern und nach Rekurs schreien wenn man sitzen bleibt. Noch besser gings weiter, nach nicht-Erreichen des Bachelordiploms trotzdem die Mastervorlesungen und Praktikas besuchen, alle anderen Studenten mit blöden Fragen aufhalten, schliesslich war der Rekursentscheid ja noch hängig... Mannmannmann.
  • Chamael 23.09.2018 10:34
    Highlight Highlight Spannend ist ja auch, dass die Eltern sich zwar um den schulischen Erfolg der Kinder interessieren (finde ich als Lehrer gut!). Jedoch kommen an die Besuchstage jeweils höchstens 5 -7 Eltern...
    • Goon (Zeuge Del Curtos) 23.09.2018 11:28
      Highlight Highlight Kann auch damit zusammenhängen das Besuchstage nicht die Realität zeigen. Alle Kinder benehmen sich und der Lehrer zeigt auch seine Sonntagslaune.

      Aber verstehe auch was du sagen willst damit. Die Wahrheit wird in der Mitte liegen
    • DrFisch 23.09.2018 11:50
      Highlight Highlight Es geht doch nicht um Besuchstage. Kein Mensch braucht Besuchstage. Niemand mag diese Besuchstage, weder Eltern, noch Lehrer und bestimmt nicht die Schüler. Es muss sich einfach im Alltag viel häufiger ausgetauscht werden, wie Bern das vorbildlich erkannt hat. Heute hätten wir dafür genügend geeignete Kanäle. Wobei wir in der Whatsapp-Debatte gesehen haben, dass die wahrscheinlich gleichen Leute dann wieder motzen, die Lehrer hätten ihre Arbeit nicht im Griff, weil die Eltern sich zu stark einmischen müssen. Die armen Lehrer haben es echt nicht einfach..
    • Maracuja 23.09.2018 11:51
      Highlight Highlight Wäre gerne Hausfrau gewesen und hätte jeden Besuchstag wahrgenommen. Leider war/bin ich zwangsberufstätig und ging nur an Besuchstage, die auf meinen damaligen Freitag fielen. An andere Tagen nicht, weil ich keine zusätzlichen Minusstunden brauchen konnte. Minusstunden fuhr ich nämlich bereits genug ein, wenn Kinder krank waren. Die Eltern Ihrer Schüler leben evtl. unter ähnlichen Umständen. Eine Freundin getraute sich nicht mal an der Lehrabschlussfeier ihrer Tochter teilzunehmen, weil ihr Arbeitgeber (Putzinstitut) Aufträge verloren hatte und Personal entlassen musste.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Ökonometriker 23.09.2018 10:31
    Highlight Highlight Prüfungen messen die Fähigkeiten nie genau. Das ist ein statistisches Fakt. Wenn jetzt jemand im statistischen Fehlerbereich aber unter dem cut-off liegt, kann der Anwalt den Unterschied machen.
    Eine Möglichkeit wäre, sich statt auf einzelne Super-Prüfungen wie dem NC oder der Gymi-Prüfung in ZH auf eine möglichst grosse Zahl an Prüfungen zu verlassen. So ist der statistische Fehlerbereich kleiner und keiner wird über Monate dutzende Prüfungen anfechten. Damit würde die Macht des Anfechtens veschränkt und die Leistungsmessung verbessert.
  • DocM 23.09.2018 10:16
    Highlight Highlight Doch ganz einfach, die unter einer 4.0 weniger streng bewerten, aber dass sie noch immer unter einer 4.0 bleiben. Gibt es eine Einsprache, dann den offiziellen Massstab anwenden und aus einer 3.9 wird auf einmal eine 3.7
    • Lienat 23.09.2018 11:04
      Highlight Highlight Das nachträgliche Ändern des Notenmassstabs ist ein No-Go. Genau solche Basteleien führen zu Juristenfutter, auf das sich die Anwälte im Rekursfall stürzen wie die Geier.
  • Skater88 23.09.2018 10:05
    Highlight Highlight Ich denke da haben die Helikopter Eltern einen grossen Anteil daran, denn es sind selten die Kinder die den Anwalt bezahlen werden...
    Und etwas selber gebastelt ist es auch von den Schulen & Kanton, der Unterrichtsstoff wird mal mehr, mal weniger gut den Schülern beigebracht. O-Ton Lehrer: Ich gehe lieber golfen.
  • Fly Baby 23.09.2018 09:58
    Highlight Highlight Nun, viele Eltern die ich kenne und das sind einige, glauben sie hätten kleine Einsteins in die Welt gesetzt. Leider ist das nicht so. Ich habe noch keine Eltern erlebt, die von ihrem Kind gesagt haben: „ Mein Kind ist nicht das hellste“ Alle haben irgendeine unglaubliche Begabung oder sind so anders als alle Kinder, hübscher, klüger, können schon lesen usw. Und dann ein paar Jahre später, oh je der Max muss die 3. Klasse wiederholen.
    • speaker33 23.09.2018 11:10
      Highlight Highlight Da kommt mir doch gleich die PostFinance-Werbung der Supermom und dem Rhythmusgefühl in den Sinn.
  • Maracuja 23.09.2018 09:57
    Highlight Highlight Die Wirtschaft funktioniert heute so, dass diejenigen die den Sprung ins Kader oder in Selbstständigkeit nicht schaffen, das Nachsehen haben. Viele Eltern spüren die Auswirkungen (steigende Kosten+stagnierende Löhne) und bekommen hautnah mit oder lesen, dass sich das Rattenrennen durch Digitalisierung noch mehr verschärfen wird. Druck+Ängste geben sie an Kinder und Lehrer weiter. Dieses System produziert bei allen Beteiligten Schäden, insbesondere bei den Kindern. Ich lebe in einem Umfeld (Migranten) das nicht auf Rechtsanwälte sondern auf Nachhilfe setzt. Auch dies stimmt nachdenklich.
  • Kronrod 23.09.2018 09:35
    Highlight Highlight Vielleicht gehen die Leute heute vermehrt vor Gericht, weil ihnen das Fernsehen das in diversen Gerichtsshows vor macht?
    • Maracuja 23.09.2018 10:06
      Highlight Highlight Ob die Leute, die vor Gericht gehen, tatsächlich diejenigen sind, die im Trashfernsehen Gerichtsshows gucken? Ich habe vor Jahren selbst mal einen Rekurs eingelegt und bin damit auch ohne Rechtsberatung damit durchgekommen. Gerichtsshows habe ich nie konsumiert. Die Zeit, die mir neben Arbeit+Haushalt verblieb, habe ich lieber mit meinen Kindern verbracht oder Bücher gelesen.
  • MacB 23.09.2018 09:29
    Highlight Highlight Bravo Bern! Einfach mal wieder miteinander an den Tisch sitzen hilft mehr als alles andere!
    • Chamael 23.09.2018 10:30
      Highlight Highlight Die Dimensionen müssen einfach stimmen... wenn ich nach jeder Prüfung zuerst mit fünf Eltern zusammensitzen muss, um die Note zu erklären, habe ich meine Arbeitszeit dann ganz schnell erreicht.
      Aber Überstunden gibts für Lehrer ja nicht...
  • Mutbürgerin 23.09.2018 09:16
    Highlight Highlight Aha, die Bildungsinstitute machen auf Opfer und blasen in den Medien zum Angriff, anstatt die Ursachen zu bekämpfen. Gratis Bildung für alle ist in der reichen Schweiz nicht existent, da die Bildung kontingentiert und kantonal unterschiedlich ist. Auch wenn es nur fähige Medizinstudenten gäbe, setzt man den Numerus entsprechend und diskriminiert den Grossteil und verweigert ihnen Bildung. Die Aufteilung z.B. in Real, Sek, Bez erfolgt auch aufgrund von Quoten und die Lehrer steuern diese mit ihren willkürlichen Berwertungsmöglichkeiten. Der Staat hilft Lehrern, Rekurse werden immer abgewiesen.
  • arriving somewhere but not here 23.09.2018 09:02
    Highlight Highlight Würden diese Eltern gleich von Anfang an denselben Elan und Aufwand in die Bildung ihrer Kinder investieren, für sie da sein und sie begleiten, hätten sie später wahrscheinlich weniger Stress mit der Schule. Aber nein, immer erst sich selbst verwirklichen, die eigene Karriere über alles stellen und hinterher dann das schlechte Gewissen kompensieren, indem man gegen die Schule rekuriert... Die Leistungen der Schüler werden durch Rekurse und Gerichtsentscheide ja nict besser. Oder wollen wir letzendlich Kardiologen, die nur aufgrund von Gerichtsentscheiden ihr Staatsexamen in der Tasche haben?
  • Clife 23.09.2018 08:53
    Highlight Highlight Wenns nicht klappt, dann klappts nicht. Aus einem Grund darf man wiederholen und wenns wieder nicht klappt dann runterschlucken und was anderes machen. Irgendwas wird dann auch klappen
  • Plat0n 23.09.2018 08:52
    Highlight Highlight Absolut verständlich. Bin selber Lehrer und weiss: Noten sind 1. Relativ, 2. Ein demotivierendes Druckmittel und 3. Im Zeitalter der Digitalisierung und der VUCA Welt in keinster Weise mehr aussagekräftig. Ergo: Sie gehören endlich abgeschafft wie die restlichen Überbleibsel des Taylorismus im Bildungssystem. Lasst die Kinder endlich lernen, was ihnen wirklich was bringt. Von Innen heraus motiviert. sodass sie ihre Intentionalität und ihr divergentes Denkvermögen aufrechterhalten und weiterhin von Robotern unterscheiden können. Was das Bildungssystem heute vermittelt können Algorithmen besser
    • Lienat 23.09.2018 11:09
      Highlight Highlight Von mir aus kann man die Schulnoten gerne abschaffen - wenn es eine vernünftige Alternative dafür gibt. Die habe ich bisher aber noch nicht gesehen.
    • Jol Bear 23.09.2018 11:20
      Highlight Highlight Die Ursache der Rekurse, Reklamationen, Konflikte zw. Eltern und Lehrpersonen liegt meist aber anderswo, bei den späteren beruflichen Perspektiven nämlich. Auch ohne Notensystem projizieren viele Eltern andere (bessere) Fähigkeiten in ihren Nachwuchs als tatsächlich vorhanden ist. Irgendwann wird entschieden werden müssen, ob das Kind zum Arzt taugt oder nicht. Ob mit dem Massstab Noten oder einem anderen, ist dann auch nicht relevant, missfällt ihnen der Entscheid, wird er angefochten.
  • Lienat 23.09.2018 08:37
    Highlight Highlight Ein wüster Nebeneffekt dieses Missbrauchs unseres Rechtssystems dürfte sein, dass Lehrpersonen wieder vermehrt das Auswendig-Lernen prüfen werden. Denn bei solchen Prüfungen kann jede Antwort immer eindeutig mit richtig oder falsch beurteilt werden und niemand kann der Lehrperson auch nur die geringste Willkür vorwerfen. Dass die so geprüften Kompetenzen oftmals absolut irrelevant für den Bildungserfolg sind, wird dabei gerne mal zur Nebensache.
  • Redly 23.09.2018 08:03
    Highlight Highlight Wenn Schulen sich dank ‚Integration‘, Dauerreformen, flächendeckenden Kleinstpensen mit grossem Koordinationssaufwand (selbst Primarschüler haben rund 10 Lehrerinnen) immer weniger um guten Unterricht kümmern können
    und dann 80% ihrer Zeit in schwache und auffällige Schüler investieren müssen,
    dann frustriert das den Rest zurecht, so dass sie sich zu wehren beginnen.
    • Nick Name 23.09.2018 08:38
      Highlight Highlight Und Sie glauben ernsthaft, dass mit «gutem Unterricht» (Was ist denn das in Ihren Augen? Für alle, meine ich, nicht nur für nicht schwache, unauffällige Schüler...) der Frust weg wäre und ergo wieder weniger Rekurse eingingen?
    • felixJongleur 23.09.2018 09:24
      Highlight Highlight Irgendwann ist der Nachwuchs dann 18 und sollte sich dann auch ohne Anwalt im Leben behaupten können. Aber ja, wenn man schon von früh auf lernt, dass immer die andern schuld sind..
    • Redly 23.09.2018 09:44
      Highlight Highlight @Nick Name: womit erklären sie sich dann, dass Privatschulen einen so grossen Zulauf haben?
      Vor 20, 30 Jahre waren nur absolute Exoten auf Privatschulen. Heute weichen schon recht viele dorthin aus, weil die öff. Schulen zu Dauerbaustellen wurden, mit offensichtlich untauglichen Versuchen wie die ‚Integration‘ (welche übrigens vor allem auch den Schwächeren schadet).
      Der Zuwachs der Privatschulen ist eine sich anbahnende Katastrophe für die öff. Schulen, weil daraus mittelfristig Zustände wie in UK entstehen - wer es sich leisten kann tut es dort.
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Nach zwei Monaten können die letzten gestrandeten Kurden den Flughafen Zürich verlassen

Seit Anfang Oktober sassen die türkischen Kurden Mustafa Mamay und Dogan Yildirim im Transitbereich fest und fürchteten die Ausschaffung. Jetzt dürfen die letzten dort verbliebenen Mitglieder der einst 20-köpfigen Gruppe in die Schweiz einreisen: Das Bundesverwaltungsgericht gab ihren Beschwerden recht.

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