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Bundesrat empfiehlt Ja zu höheren Kinderabzügen bei Bundessteuer



ZUM AUFTAKT DER KAMPAGNE UEBER DIE ABSTIMMUNG UM DEN VATERSCHAFTSURLAUB DIESEN SONNTAG STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES NEUES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - WEITERE BILDER FINDEN SIE AUF visual.keystone-sda.ch --- Ein Vater umsorgt an seinem freien Tag gemeinsam mit seiner Frau zu Hause seinen vier Montate alten Sohn, fotografiert am 15. Mai 2020 in Aarau. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Bild: keystone

Der Bundesrat stellt sich hinter das Parlament und unterstützt die Erhöhung des Kinderabzugs und den höheren Abzug für die Drittbetreuung von Kindern bei den Bundessteuern. Er empfiehlt deshalb, das Referendum gegen das Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer am 27. September abzulehnen.

Ursprünglich wollte der Bundesrat nur den Abzug für die externe Betreuung von Kindern bei der Bundessteuer erhöhen. Kern der Vorlage sei es gewesen, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, sagte Finanzminister Ueli Maurer am Freitag vor den Medien.

Denn heute stellten die hohen Betreuungskosten oft eine Hindernis für Frauen dar, erwerbstätig zu bleiben, weil das Mehreinkommen für die externe Betreuung der Kinder ausgegeben werden müsse. Mit der Erhöhung des Betreuungsabzugs würde es sich für Frauen wieder vermehrt lohnen, am Arbeitsprozess teilzunehmen.

Volksabstimmungen vom 27. September 2020
Im September stimmt die Schweiz über die Begrenzungsinitiative, den Gegenvorschlag zum Vaterschaftsurlaub, über höhere Kinderabzüge und über das Jagdgesetz ab. Über die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge kommt es zur Abstimmung, nachdem das Referendum zustande kam.

Doch die bürgerliche Mehrheit im Parlament entschied in der Herbstsession, ins Bundesgesetz auch noch eine Erhöhung der allgemeinen Kinderabzüge aufzunehmen. Damit habe es aus einer «Fachkräftevorlage» eine «familienpolitische Vorlage» gemacht, sagte Maurer. Weil damit nach Ansicht der SP nur gut verdienende Familien sparen würden, ergriff die Partei das Referendum.

60 Prozent der Familien könnten profitieren

Nun gehöre es in der Schweiz zu den Spielregeln, dass der Bundesrat die Entscheide des Parlaments übernehme und sie zur Annahme empfehle, sagte Maurer. Doch die Bedenken des Bundesrats seien nicht ganz ausgeräumt, denn er müsse auch zur Bundeskasse schauen.

Die Erhöhung des allgemeinen Kinderabzugs von 6500 auf 10'000 Franken pro Kind komme nur Familien zugute, die direkte Bundessteuern zahlten. Das seien rund 60 Prozent der Familien. Der Hauptteil der Entlastung finde ab einem steuerbaren Einkommen von rund 100'000 Franken statt.

Wie hoch die individuelle Ersparnis sei, hänge von der Höhe des Einkommens ab. Gemäss Adrian Hug, dem Direktor der Eidg. Steuerverwaltung (ESTV), sind Einsparungen bis zu einigen tausend Franken möglich. Für die 40 Prozent der Familien, die keine Bundessteuern bezahlen, gibt es auch keine Steuerersparnisse.

Familien entlasten

Wie das Eidg. Finanzdepartement (EFD) schreibt, wollte das Parlament mit der Massnahme Mittelstandsfamilien entlasten, unabhängig davon, ob sie ihre Kinder selber betreuen oder betreuen lassen. Begründet habe das Parlament die Erhöhung unter anderem mit den hohen Kosten für Familien: Diese beliefen sich nach Schätzungen des Bundesamtes für Statistik für Paare (BFS) mit einem Kind im Durchschnitt auf 11'300 Franken pro Jahr.

Mit der Erhöhung des Kinderabzugs werde die Familienarbeit «angemessener honoriert». Die damit verbundenen Steuerausfälle schätzt der Bundesrat auf 370 Millionen Franken pro Jahr. Davon entfielen 80 Millionen Franken auf die Kantone. Gemäss ESTV-Direktor Hug ist aber nicht zu erwarten, dass bereits im ersten Jahr der ganze Betrag anfallen würde.

Für arbeitende Eltern und gegen Fachkräftemangel

Bei der ursprünglich vom Bundesrat geplanten Massnahme, die weiterhin Teil der Vorlage ist, geht es um die Erhöhung der Abzüge für die Drittbetreuung bei den direkten Bundessteuern auf bis zu 25'000 Franken pro Kind. Diese käme gemäss EFD Familien zugute, deren Betreuungskosten den heutigen Abzug von 10'100 Franken übersteige.

Das sei heute zum Beispiel der Fall, wenn ein Kleinkind mehr als zwei Tage pro Woche an einem nicht subventionierten Kita-Platz betreut werde. Die Erhöhung führe kurzfristig zwar zu Steuerausfällen von geschätzten 10 Millionen Franken pro Jahr.

Doch nach Schätzungen des Bundesrats könnten so grob geschätzt 2500 Vollzeitstellen besetzt werden. Dadurch stiegen mittelfristig auch die Steuereinnahmen und die Steuerausfälle könnten so wieder kompensiert werden.

Wegen der Corona-Krise schätzt das EFD, dass die Ausfälle bei einem Nein zum Referendum für das Steuerjahr 2021 50 bis 100 Millionen Franken tiefer ausfällen könnten. Davon entfielen 10 bis 20 Millionen Franken auf die Kantone. (aeg/sda)

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36Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Toerpe Zwerg 04.07.2020 10:01
    Highlight Highlight Steuerabzüge sind allesamt immer schädlich. Sie verwässern die Progression, schaffen ein intransparentes Steuersystem und sie sind völlig ungeeignet, gesamtgesllschaftlich eine Lenkungswirkung zu entfalten.

    Steuerabzüge gehören abgeschafft. Das ganze Einkommen ist immer voll zu besteuern. Wenn man fördern will, soll man das über Direktzahlungen machen.

    Dieses Referendum ist unbedingt zu unterstützen - auch wenn ich stark von diesem Abzug profitieren würde.
  • S.Potter 04.07.2020 09:42
    Highlight Highlight Zuerst wäre es mal an der Zeit diesen ungerechten Eigenmietwert abzuschaffen und damit etwas zur Entlastung vir allem der älteren Generation zu tun. Für Familien haben wir in den letzten Jahren mit Kita, Vaterschaftsurlaub, Musikschule, etc. genug getan.
  • Hadock22 03.07.2020 18:25
    Highlight Highlight Und ich Empfehle den Stimmbürger ein Nein einzulegen weil es nicht den Familien zugute kommt die es nötig haben.
  • Shisha 03.07.2020 18:24
    Highlight Highlight Ich finde es richtig, dass auch einkommensstarken - tendenziell bildungsnahen - Familien ein finanzieller Anreiz gewährt wird. Ziel muss eine soziale Durchmischung des Nachwuchses sein.
    • Cheval 04.07.2020 13:21
      Highlight Highlight Ich finde es richtig, dass Alle Leute gleichbehandelt werden - mit oder ohne Kinder. Reiche Eltern kaufen SUV auf Kosten der Kinderlosen?

      NEIN!
  • Ludwig van 03.07.2020 18:15
    Highlight Highlight Als Single bin gerne bereit all die Schulen und Kindergärten zu finanzieren. Aber die steuerliche Benachteiligung geht mir schon langsam zu weit.
    • Cpt. Jeppesen 03.07.2020 19:18
      Highlight Highlight Ich hatte letzthin festgestellt in meinem Kanton bezahle ich als Single doppelt so viel Steuer wie wenn ich 2 Kinder hätte. Und das seit Jahrzehnten. Und wenn ich noch Wohneigentum dazu hätte, dann könnte ich meine Steuern noch einmal massiv senken. Von dem her würde ich mir auch gerne eine Steuererleichterung wünschen. Ich verspreche auch das Geld wieder vollständig in die Binnenwirtschaft zurück zu führen und es nicht zu horten.
      Die Realität anders herum, ein Single bezahlt für alles und alle, ohne Gnade.
      Leider glaubt unsere Politik immer noch an das Familienmodell von 1950.
  • freeLCT 03.07.2020 18:09
    Highlight Highlight Wieso nicht Steuerabzüge für alle?
    Das ist Diskriminierung, wenn man kein Kind hat.
  • John Galt 03.07.2020 18:00
    Highlight Highlight Das ist „Familienpolitik“ der Bürgerlichen.
    Dem Staat werden Einnahmen gestrichen, davon wirklich profitieren nur die Reicheren, während die normalen Arbeiter leer ausgehen. Diese müssen gar mit höheren Abgaben oder Mehrausgaben rechnen, wenn der Staat wegen weniger Einnahmen Leistungen kürzt.
    • Cheval 04.07.2020 13:24
      Highlight Highlight Genau. Und darum sollen weiterhin die privaten Unternehmungen den Vaterschaftsurlaub finanzieren und nicht dem Staat und der Allgemeinheit die Kosten aufbürden.
  • Posersalami 03.07.2020 17:55
    Highlight Highlight 60% werden sicher profitieren, leider die falschen (da reichen) 60%..
  • i schwörs 03.07.2020 17:48
    Highlight Highlight Nur damit das auch klar wird: die Abzüge können nur dann geltend gemacht werden, wenn eine Bundessteuerpflicht besteht (knapp die Hälfte der Familien haben zu wenig Einkommen). Ist das Einkommen zu gering, gibt es auch keinen Abzug. Man kann auch nicht mehr abziehen, als man an Steuern bezahlen muss. Dies ist eigentlich unfair: gerade jene Familien, die noch knapp unter die Bundessteuerpflicht fallen, können nicht die vollen Abzüge geltend machen. MaW: genau diejenigen, die es am nötigsten hätten, kriegen weniger als jene, die die Abzüge eigentlich nicht wirklich bräuchten. Unschön, oder?
  • Rethinking 03.07.2020 15:35
    Highlight Highlight Die Politik kümmert sich fälschlicherweise immer um Familien...

    Dies macht sie primär, weil sich dies in der Bevölkerung gut verkaufen lässt um wiedergewählt zu werden...

    Fakt ist jedoch, dass Familien den Staat mehr kosten als dass sie einbringen. Fakt ist auch, dass Mehr Konsumenten zu mehr Konsum führen. Ausserdem ist Fakt, dass Singles und Kinderlose Paare massiv mehr bezahlen, jedoch bei Erbschaft und Sozialversicherungen etc. benachteiligt werden. Insofern macht es wenig Sinn dauernd Familien zu unterstützen...

    https://www.nzz.ch/meinung/kinder-sind-ein-ego-projekt-ld.1329040
    • Ökonometriker 03.07.2020 17:41
      Highlight Highlight Fakt ist auch, dass es ohne Familien bald keine Schweizer mehr gibt, dass Fortpflanzung ein Grundbedürfniss ist und dass Familien immer noch viel bescheidener leben müssen als DINKS.
    • Oban 03.07.2020 17:41
      Highlight Highlight Dafür wirst du hier unheimlich viele Blitze kriegen, aber Danke Winkelried.
      Aber wie der Kommentar in der NZZ schon im ersten Abschnitt beschreibt sind dies eben Fakten. Das Thema eigene Kinder ist ein eher emotionales Thema, daher helfen auch Fakten wenig wenn der Wunsch grösser ist als der Verstand.
    • Rethinking 03.07.2020 18:53
      Highlight Highlight @Ökonometriker:

      Letztlich zeugt man Kinder aus ganz persönlichem Wunsch. Nicht damit es weiterhin Schweizer oder Arbeitskräfte oder Steuerzahler gibt. Nein es ist eine ganz private Entscheidung...

      Nur eben bei den Kosten (und Umweltverschmutzung) soll dann die Gesellschaft gefälligst mitfinanzieren...

      Privatisieren Investoren Gewinne und sozialisieren Verluste, gibt es einen Aufschrei in der Bevölkerung...

      Ein Kind zu zeugen und danach die Allgemeinheit dafür zahlen zu lassen ist nicht viel anders...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Faktenchecker 03.07.2020 15:34
    Highlight Highlight Die SP, der "Freund" aller Familien. Erbärmlich.
    • Dominik Treier 03.07.2020 17:28
      Highlight Highlight Ja wirklich erbärmlich 350 Millionen Steuerausfall nur zugunsten der reichsten 10% der Familien schlecht zu finden oder?

      Auch erbärmlich die Steuerprogression unter dem Deckmantel von Familienpolitik nicht noch mehr aushölen zu wollen.

      Wie kann die SP noch in den Spiegel sehen?...

      Ironie off....
    • 123und456 03.07.2020 18:10
      Highlight Highlight ?
    • ands 04.07.2020 00:34
      Highlight Highlight Der SP geht es eben um alle Familien. Nicht nur um die reichere Hälfte.
  • Der Buchstabe I 03.07.2020 15:32
    Highlight Highlight Ob ich den Vaterschaftsurlaub wie in jedem anderen zivilisierten Land noch erleben werde? 🤔
    • Cheval 04.07.2020 13:19
      Highlight Highlight Staatliche Massnahmen zur Förderung der Überbevölkerung sind abzulehnen. Das Klima und die Umwelt danken.
  • De-Saint-Ex 03.07.2020 15:18
    Highlight Highlight Ich habe rein gar nichts dagegen, wenn „besser“ situierte Familien mit Kinder weniger Steuern bezahlen müssen. Leider ist das ganze unausgewogen. Hätte mir gewünscht, dass die weniger gut situierten hier nicht leer ausgehen. Ach was soll‘s, es geht hier um Steuern, also kann man denen, die wenig Steuern bezahlen kaum auf diesem Weg entgegenkommen. Tatsache bleibt: denen die schon haben wird gegeben... usw, Ihr kennt den Spruch.
    Und wenn wir schon bei Sprüchen sind: eigentlich sollte man Kinder sein Leben lang steuerlich abziehen können: kleine Kinder kleine Sorgen.... usw ;-)
    • Shisha 03.07.2020 16:26
      Highlight Highlight „Gegeben“ ist bei einer Steuererleichterung nicht zutreffend - es wird nur weniger genommen. Aber ja, ansonsten bin ich Deiner Meinung.
    • Garp 03.07.2020 17:44
      Highlight Highlight Kinder ein Leben lang abziehen können? Du spinnst wohl. Kinder aus dem Nest schubsen und die sollen lernen auf eigenen Beinen zu stehen, das können sie auch, wenn man ihnen genug beigebracht hat.
    • Nathan der Weise 03.07.2020 20:15
      Highlight Highlight Der Ansatz ist falsch. Die Frage muss lauten was ist uns Kinderbetreuung wert ob diese Extern oder Zuhause erfolgt ist dann egal. Ich als Mann beteilige mich gleichwohl an der Betreuung damit Sie ein kleines Pensum arbeiten kann und auch mal Tapetenwechsel hat. Ich bezahle meiner Partnerin auch eine „Entschädigung“ für das kleinere Pesnum. Wir möchten unsere Kinder möglichst selbst betreuen und grossziehen. Das ist auch mit Bewussten finanziellen Einbussen verbunden. Ich denke, dass dafür auch die ein höherer Steuerabzug für die Kinderbetreuung zu Hause gerechtfertigt ist.
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