Mit ihrer öffentlichen Kritik hat Ruth Clemens einen Nerv getroffen. bild: facebook/ruth clemens

Alter Ärger, neu entfacht: «Warum pass ich nicht in diese Hose, H&M?!?»

02.06.17, 11:42

Zwar würden viele Frauen «Shoppen» zu ihren Lieblingsbeschäftigungen zählen, der Teilbereich «Hosen kaufen» ist damit in den meisten Fällen jedoch nicht gemeint. Denn eine passende Jeans zu finden, kann durchaus schonmal in einem mittelschweren Drama enden.

Allein die Tatsache, dass die Grössenangaben mehr Verwirrung stiften als alles andere, treibt den geneigten Shopping-Fan in den Wahnsinn: Denn nur weil man bei einem Modell in eine 29er-Jeans passt, heisst es noch lange nicht, dass dies auch für ein zweites Modell gilt, das direkt daneben hängt – und das wohlgemerkt vom selben Hersteller produziert wurde.

Wenn die gewohnte Grösse nicht passt

Besonders deprimierend wird das ohnehin schon schwierige Unterfangen, wenn die Modemacher ihren Klamotten völlig unrealistische Grössen verpassen. So kann es schon mal sein, dass eine normalgewichtige Durchschnittsfrau ein Kleidungsstück in L, XL oder gar XXL kaufen muss, obwohl sie sonst immer problemlos in ein M gepasst hat. Die Frustration ist praktisch vorprogrammiert.

Genau diese Erfahrung hat Anfang dieser Woche eine junge Britin namens Ruth Clemens gemacht, als sie in einer H&M-Filiale auf der Suche nach einer passenden Jeans war. Doch statt sich still und leise darüber aufzuregen, ihre Sachen zu packen und zu gehen, entscheidet sie sich dafür, ihrem Frust freien Lauf zu lassen und ihre Kritik öffentlich zu äussern.

Sie zückt ihr Handy und nimmt folgendes Foto auf:

Anschliessend postet sie es auf der Facebook-Seite des Moderiesen und schreibt dazu folgenden Text:

«Dear H&M,

Ich war gerade dabei, die runtergesetzte Ware in eurer Filiale in Leeds zu durchstöbern, als ich diese Jeans entdeckt habe. Sie sollte nur einen Zehner kosten – ein Schnäppchen! – von der Grösse her war es eine 16*. Von den Hüften her bin ich normalerweise eine 14* (manchmal brauche ich aber auch eine 16, wenn ich Hosen kaufen gehe), also dachte ich mir, ich probiere sie mal an. Das war keine gute Idee.

Wie ihr sicherlich selbst wisst, ist 16 die grösste Grösse, die ihr überhaupt führt (abgesehen von eurem kleinen Übergrössen-Angebot, das in den Läden nur sehr eingeschränkt vorhanden ist und das stylemässig deutlich weniger zu bieten hat als euer Angebot in den kleineren Grössen).

Ich bin nicht übergewichtig (nicht, dass das hier eine Rolle spielen würde) und wenngleich ich 1,80 Meter gross bin, so ist mein Körper figurtechnisch ziemlich durchschnittlich. Es ist für mich schon allein wegen meiner Grösse schwierig genug, passende Klamotten zu finden – warum produziert ihr dann noch Jeans, die unrealistisch klein sind? Bin ich zu fett für eure Alltagsmode? Soll ich einfach akzeptieren, dass zugängliche und bezahlbare Mode, die man so in den Haupteinkaufstrassen bekommt, nichts für Leute wie mich ist?

Vielleicht fällt euch auf, dass das Top, was ich trage, auch aus eurem Sortiment stammt, und das ist Grösse Medium. Kriegt das endlich in den Griff.»

* Eine britische 14 entspricht einer europäischen 40, eine 16 einer 42.

Dass die junge Frau mit ihrer Kritik ganz offenbar ins Schwarze getroffen hat, zeigen die unzähligen Reaktionen: Nach gerade mal drei Tagen wurde ihr Beitrag mehr als 10'000 Mal geteilt und knapp 80'000 Mal gelikt. Hinzu kommen rund 8000 Kommentare, in denen von ähnlichen Erfahrungen berichtet und die Modebranche hart in die Mangel genommen wird.

Hier das Posting im Original:

Inzwischen hat auch der Moderiese selbst auf die Kritik reagiert – in Form eines entsprechenden Facebook-Kommentars:

Doch diese mehr oder weniger leeren Worthülsen haben die Wut der Kunden bisher nicht eindämmen können – die Zahl der kritischen Stimmen nimmt noch immer stetig zu. (viw)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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    Alle Leser-Kommentare
  • UnKraut 04.06.2017 21:23
    Highlight Wahrscheinlich ein subversiver Akt der unterbezahlten bengalischen Kinderarbeiter von H&M gegen die armen westlichen Konsumentinnen und Konsumenten.
    8 0 Melden
  • stimpy13 04.06.2017 12:19
    Highlight First World Problems. Ich kann zwar den Frust der Frau teilweise nachvollziehen, halte aber den Preis der Jeans für das grössere Übel.
    19 3 Melden
    • stadtzuercher 04.06.2017 18:53
      Highlight Oder dass H+M Kleider unter intransparenten Umständen (Kinderarbeit etc) herstellen lässt. Das scheint diesen Kundinnen keine Probleme zu machen.
      6 3 Melden