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Die Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den FC Basel-Fans vor dem Ausgang der Muttenzerkurve. YouTube/defensiva hominum

Verstärkung, Verspätung, Übung? – drei Fragen, die die Polizei nach FCB-Randale beantworten muss

Die Tumulte und Vandalenakte nach dem Spiel FCB-FCZ seien von der Polizei provoziert worden, sagen FCB-Fans. Die Basler Kantonspolizei klärt den Hergang der Auseinandersetzungen auf und weist die Vorwürfe von sich. 
11.04.2016, 16:3812.04.2016, 07:17
Maurice Thiriet
Maurice Thiriet
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Maurice Thiriet
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Zwar haben die FCB-Fans aus der Muttenzerkurve vielerorts nicht ganz zu Unrecht einen schlechten Ruf. Aber die Auseinandersetzungen mit den Kantonspolizisten von Basel-Stadt und Basel-Land von gestern Abend, waren von einer anderen Qualität, als die üblichen Scharmützel mit Sicherheitsdiensten, Polizei oder gegnerischen Fans. Krankenhausreife Polizisten, demolierte und ausgebrannte Streifenwagen, riskante physische Angriffe auf Beamte in Vollmontur und das alles in Kombination, sind eine bisher nicht dagewesene Form der Gewalt im Umfeld von FCB-Spielen. 

Fans wollten Polizisten wegschicken 

Was die heftige Aktion, beziehungsweise allenfalls auch Reaktion der Basel-Fans ausgelöst hat, wird von Seiten der Kantonspolizei Basel-Stadt derzeit abgeklärt. Wie lange es bis zum Abschluss dieser «laufenden Abklärungen» dauert, ist unbekannt. Ihre bisherige Sicht der Dinge hat sie in einer Medienmitteilung dargelegt.

Ein Augenzeuge auf Fan-Seite schildert die Ereignisse folgendermassen: Die Polizisten hätten ohne ersichtlichen Grund versucht, die Eventplattform zu sichern, was einige der FCB-Fans als Provokation aufgefasst und angefangen hätten, die Polizisten zu beschimpfen und teilweise auch zu bespucken. Die Polizisten hätten dies alle toleriert, bis auf zwei, von denen einer verbal gekontert und der andere aus ungefähr zwei Meter Distanz Gummischrot ins Gesicht eines Fans abgefeuert habe, der daraufhin habe notoperiert werden müssen. Ein anderer Augenzeuge beschreibt die Szene ähnlich, wenn auch weniger detailliert:  «Der erste Schuss fiel ohne Vorwarnung und aus unmittelbarer Nähe, nachdem man den Polizisten gesagt hatte, sie hätten auf der Eventplattform nichts verloren und sollten sich entfernen.»  

Wie auf einem Handy-Video zu sehen ist, versuchen die Match-Besucher tatsächlich, Beamte im Ordnungsdienst am Betreten der Eventplattform zu hindern und reissen einen von ihnen um, worauf der erste Gummischrot-Schuss fällt. Wie es in der offiziellen Polizeimitteilung heisst, seien die Polizisten auf dem Weg zur Treppe gewesen, welche auf der Muttenzer Seite des St. Jakob-Park hinauf zum Bahnhof und damit zum Extrazug der FCZ-Fans führt. 

Verstärkung oder Verspätung? 

Mehreren regelmässigen FCB-Matchbesuchern ist aufgefallen, dass vor der Stadionseite Haupttribüne ein aussergewöhnlich grosses Polizeiaufgebot präsent war. Und viele fragen sich, warum der Aufgang von der Eventplattform zum Perron erst nach Spielende, als die Muttenzerkurve-Fans bereits aus dem Stadion strömten, hätte blockiert werden sollen und vor allem: Warum so viele Polizisten?

In der Regel blockieren nur zwei sichtbare Beamte in Vollmontur mit einem Gummischrot-Gewehr und einem Schäferhund den schmalen Treppenaufgang zum Fan-Extrazug. Was auch Sinn macht, wie die jüngere Geschichte zeigt: Wenn die FCB-Fans sich mit ihren Zürcher Rivalen eine Schlägerei liefern wollen, dann machen sie das nicht im Umfeld des Sicherheitsdispositivs beim St. Jakob-Park, sondern lassen die Zürcher in der näheren Umgebung, etwa in Muttenz oder in Pratteln die Notbremse ziehen. 

Im Zusammenhang mit dem gestrigen Polizeieinsatz stellen sich dem regelmässigen FCB-Match-Besucher deshalb folgende drei Fragen:

  1. Warum versuchte die Polizei, den Treppenaufgang zum Extrazug-Perron erst nach Spielende zu sichern, als die FCB-Fans bereits aus der Muttenzerkurve strömten? War der Aufgang zum Extrazug-Perron zu Spielende gar nicht gesichert? Waren die Polizisten auf dem Video schlicht zu spät dran?
  2. Warum brauchte es plötzlich so viele Einsatzkräfte, um den schmalen Aufgang zu sichern? Machten besondere Umstände eine Verstärkung der für die Blockierung des schmalen Aufgangs zuständigen zwei Beamten nötig (siehe Grafik)?
  3. Und falls dem so gewesen wäre, warum sind die Polizisten direkt über die Haupttreppe und damit direkt auf den Muttenzerkurve-Eingang zu hinaufgegangen und nicht über die hintere Treppe, die hinter dem MK-Eingang durch direkt zum Aufgang zum Extrazug-Perron führt (siehe Grafik)?

Polizei marschierte in die Fans statt direkt zum Perron-Aufgang

Der Weg der Polizisten zum Aufgang in Richtung Extrazug über die Eventplattform ist ein Umweg.&nbsp;<br data-editable="remove">
Der Weg der Polizisten zum Aufgang in Richtung Extrazug über die Eventplattform ist ein Umweg. 
grafik: leo helfenberger

Hinter vorgehaltener Hand – aber das bleibt Spekulation – wird auch gemunkelt, die Polizei habe die Räumung der Eventplattform hinsichtlich des «Europa League»-Finals vom 18. Mai in Basel üben wollen. Das Basler Sicherheitsdepartement dementiert. «Diese Absurdität entbehrt jeglicher Grundlage», sagt Sprecher Andreas Knuchel. 

Analysesitzung anberaumt

Gemäss Andreas Knuchel, Sprecher des Sicherheitsdepartements Basel-Stadt seien diese Fragen Teil der «laufenden Abklärungen», ebenso wie der Vorwurf der FCB-Fans, ohne Vorwarnung Gummischrot eingesetzt zu haben. Bezüglich der von der «Tageswoche» kolportierten Meldung, dass sich mehrere Fans wegen schwerer Augenverletzungen in der Augenklinik des Universitätsspitals haben behandeln lassen, weiss man bei der Kantonspolizei Basel-Stadt nichts. «Das können wir nicht bestätigen, von Augenverletzungen ist uns bis dato offiziell nichts bekannt», sagt Knuchel. Auch das Universitätsspital will die Angaben auf Anfrage wegen des Patientengeheimnisses nicht kommentieren. 

Der FC Basel, die Kantonspolizeien Basel-Stadt und Basel-Land und die Fanarbeit Basel, werden sich morgen zu einer Sitzung treffen, um die Vorgänge zu analysieren. «Das Ziel ist, mit allenfalls modifizierten oder neuen Massnahmen solche Ausschreitungen möglichst zu verhindern», sagt Martin Schütz, Kommunikationschef des Basler Sicherheitsdepartements gegenüber der «Tageswoche».

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