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Bild: sda

WHO: «Die Welt steht am Rand eines katastrophalen moralischen Versagens»

18.01.2021, 22:2918.01.2021, 22:58

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat erneut die gewaltige Kluft bei den Corona-Impfungen zwischen den reichen und den armen Ländern scharf kritisiert. Während in mindestens 49 wohlhabenden Staaten inzwischen 39 Millionen Dosen verabreicht worden seien, liege die Zahl der gespritzten Dosen in einem der besonders armen Länder bei gerade einmal 25, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Montag zum Auftakt einer mehrtägigen Sitzung des WHO-Exekutivrates.

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«Nur 25 Dosen wurden in einem der ärmsten Länder verabreicht, nicht 25 Millionen, nicht 25 000, nur 25», betonte der WHO-Chef. Das sei nicht hinnehmbar. Um welches Land es sich dabei konkret handelt, sagte er nicht. «Ich muss unverblümt sagen: Die Welt steht am Rand eines katastrophalen moralischen Versagens.»

Die Zahl der bilateralen Verträge reicher Staaten mit den Impfstoffherstellern nehme deutlich zu. Während im vergangenen Jahr 44 solche Kontrakte geschlossen worden seien, seien es in den ersten Tagen des Jahres 2021 bereits zwölf, sagte Tedros. Diese «Ich-Zuerst-Haltung» gefährde nicht nur die Bevölkerung in den armen Ländern, sondern werde zu einer Verlängerung der Dauer der Pandemie führen, warnte Tedros.

Er appellierte an die reichen Länder, die sich viel Impfstoff gesichert hätten, ihre Zusagen einzuhalten. Die Gruppe der führenden Wirtschaftsmächte (G20) hatte sich im November 2020 zu einer gerechten Verteilung der Impfstoffe verpflichtet. Die von der Weltgesundheitsorganisation getragene Initiative Covax will sich darum kümmern, dass arme Länder nicht benachteiligt werden.

Die Situation werde durch den Umstand verschärft, dass die meisten Hersteller die behördliche Genehmigung in reichen Ländern mit vielversprechenden Gewinnen anstrebten, statt der WHO vollständige Dokumente vorzulegen. Die WHO übernimmt für arme Länder, die das nicht leisten können, den Genehmigungsprozess. Damit drohe genau das Szenario, das Covax habe verhindern wollen: Ein Horten von Vorräten und ein chaotischer Markt, meinte Tedros weiter.

Herr Impfexperte, was wird uns da eigentlich gespritzt?

Video: watson/lea bloch

Impfstoffgerechtigkeit sei nicht nur ein moralisches, sondern auch ein strategisches und wirtschaftliches Muss. Eine Studie habe jüngst belegt, dass der wirtschaftliche Nutzen einer gerechten Impfstoffzuweisung enorm sei.

«Es ist nicht zu spät», sagte Tedros an die Adresse der wohlhabenden Länder. Ziel bleibe, dass in den ersten 100 Tagen des neuen Jahres weltweit die Impfungen für Beschäftigte im Gesundheitswesen und für ältere Menschen beginnen müssten.

Dabei müsse unbedingt darauf geachtet werden, dass nur die nach internationalen Standards auf Verträglichkeit, Wirksamkeit und Qualität geprüften Impfstoffe zum Einsatz kämen, mahnte Tedros. (cma/sda/dpa)

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    100 Kommentare
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    Die beliebtesten Kommentare
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    Hugobert
    18.01.2021 22:46registriert Juni 2019
    Und in der Schweiz, da wird dann ab jeder kleinen Unstimmigkeit in der Impfstrategie rumgejammert. Wenn wir es als Menschen nicht bald schaffen über den Tellerrand zu schauen und nicht nur wenns um Kohle geht global zu denken, dann wirds lustig mit Herausforderung Klimawandel oder sozialer Gerechtigkeit. Da ist Corona ein Spaziergang im Vergleich.
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    neutrino
    19.01.2021 06:06registriert Mai 2017
    Man muss auch sehen, warum zB. Schwarzafrika nicht impft - weil dort Corona (im Vgl. zu anderen Gesundheitsproblemen) ein sehr untergeordnetes Problem darstellt. ZB. Nigeria, Lagos (grösste Stadt Schwarzafrikas): Leben wie ohne Corona, Märkte offen, Stadien rappelvoll, Busse auch, etc, trotzdem nicht mehr Tote als sonst. Weil halt der Altersschnitt in diesen Ländern um die 20 Jahre beträgt - und dort ist die Sterblichkeit de facto Null ist von Corona. Die Risikogruppen und hochbetagten Menschen sind dort (tragischerweise) schon an anderem verstorben.
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    FrancoL
    18.01.2021 23:36registriert November 2015
    Wen juckt es den wirklich? Kaum jemanden, denn sonst hätte man schon viel früher etwas für die Schwellenländer gemacht. Aber es könnte sich auch rächen, wenn ein mutierten Virus zurück zu uns findet, aber dann sind eh ja wieder die anderen Schuld.
    Ja die Moral ist seit Jahren im Eimer, machmal macht einer den Deckel auf, guckt hinein und schliesst den Deckel säuberlich wieder, ohne viel weiter zu denken.
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