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Der Weihnachtsmann (hier über dem Genfersee) bringt keine guten Nachrichten aus seinem Heimatland im Norden.
Der Weihnachtsmann (hier über dem Genfersee) bringt keine guten Nachrichten aus seinem Heimatland im Norden.
Bild: KEYSTONE
Eurokrise und kein Ende

Wer ist der kranke Mann Europas? Nicht Italien, auch nicht Frankreich – und nein, auch nicht Deutschland!

Ein Tipp: Der Weihnachtsmann stammt aus dem gesuchten Land.
02.12.2014, 18:3803.12.2014, 09:41

In der Eurokrise spielte bisher das Team Norden gegen das Team Süden. Die Rollenverteilung war dabei klar: Die Südländer sind die «faulen» Defizitsünder, denen man mit Strukturreformen den Tarif durchgeben muss. Die Nordländer hingegen sind die sparsamen und die fleissigen, die den Süden durchfüttern müssen. Um das zu ändern, wurde gar vorgeschlagen, die Einheitswährung in einen Nord- und einen Südeuro aufzuteilen. 

Die überraschenden Wahlerfolge der Wahren Finnen

Die Finnen kämpften daher an vorderster Front gegen die angeblich trügen Mitglieder des Club-Med. Sie wollten zunächst die Beiträge an den Europäischen Hilfsfonds EMS verweigern und die nationalistische Partei der «Wahren Finnen» – heute nur noch «die Finnen» – feierte überraschende Wahlerfolge.

«Wenn es in Finnland überhaupt Wirtschaftswachstum geben sollte, dann wird es nicht grösser sein als eine Schneeflocke.»
Tony Barber, «Financial Times»

Doch nun sind es ausgerechnet die Finnen, welche die schlechtesten Wirtschaftsaussichten für das kommende Jahr haben. «Wenn es überhaupt Wirtschaftswachstum geben sollte, dann wird es nicht grösser sein als eine Schneeflocke», prophezeit die «Financial Times». 

Finnland erlebt derzeit gleich drei wirtschaftliche Schocks auf einen Schlag:  

Das Nokia-Handy ist mega out.
Das Nokia-Handy ist mega out.
Bild: AP

Nokia, lange das Vorzeigeunternehmen, ist derzeit in grössten Schwierigkeiten und wurde von Microsoft übernommen. Der Mischkonzern war lange Marktführer bei den Handys und zwischen 1998 und 2007 für ein Viertel des finnischen Wirtschaftswachstums verantwortlich. Auch die finnische Holz- und Papierindustrie durchlebt schwere Zeiten. Die Printmedien verlieren fast überall auf der Welt an Auflage, die Nachfrage nach Zeitungspapier sinkt. 

Kein Stimmungshoch bei den Nationalisten

Schliesslich leidet Finnland am meisten unter dem teilweisen EU-Boykott gegen Putin & Co. Russland ist traditionell der wichtigste Handelspartner. Wenn die Exporte nach Russland um ein Viertel zurückgehen, dann wächst das finnische Bruttoinlandsprodukt um ein Prozent weniger. Im kommenden April werden die Finnen ein neues Parlament und eine neue Regierung wählen. 

Kommt es angesichts der Krise zum Durchmarsch der Nationalisten? Wahlumfragen bestätigen diese Befürchtung nicht. Zwar wird die rechts-konservative Regierung wahrscheinlich abgelöst. Mit rund 16 Prozent Zustimmung befinden sich die «Finnen» jedoch bisher erst auf Platz vier der Parteien-Rangliste. Bisher werden die Nordländer ihrem Ruf als kühle Pragmatiker gerecht. 

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