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Wo ist Maria Kolesnikowa? Lukaschenko-Gegnerin ist spurlos verschwunden

07.09.2020, 11:2007.09.2020, 15:06

Die verschwundene belarussische Oppositionspolitikerin Maria Kolesnikowa ist nach Einschätzung des Koordinierungsrates der Demokratiebewegung entführt worden. «Ihr Aufenthaltsort ist unbekannt», teilte das Gremium für einen friedlichen Machtwechsel am Montag in Minsk mit.

Nicht mehr auffindbar: Maria Kolesnikowa
Nicht mehr auffindbar: Maria KolesnikowaBild: keystone

Die 38-Jährige sei zusammen mit ihrem Mitarbeiter Iwan Krawzow und ihrem Sprecher Anton Rodnenkow im Zentrum von Minsk von Unbekannten entführt worden. «Der Koordinierungsrat fordert die sofortige Freilassung», hiess es.

Medien hatten zuvor unter Berufung auf eine Augenzeugin berichtet, dass Kolesnikowa in einen Minibus gesteckt worden sei. Die Behörden hätten noch keine Informationen über den Aufenthaltsort gegeben, teilte der Rat mit. «Wir sehen, dass die Behörden in den vergangenen Tagen begonnen haben, Terrormethoden offen anzuwenden, statt einen Dialog mit der Gesellschaft aufzunehmen.»

Kolesnikowa ist eine der wichtigsten Oppositionellen, die sich gegen den Staatschef Alexander Lukaschenko stellen. Sie gehört auch dem Koordinierungsrat an. Der autoritäre Staatschef geht gegen das Gremium vor und liess bereits mehrere Mitglieder festnehmen.

Die Oppositionspolitikerin Swetlana Tichanowskaja sprach nach dem Verschwinden Kolesnikowas von einem Versuch der Staatsführung, die Arbeit des Koordinierungsrates zu behindern. «Aber das wird uns nicht aufhalten», schrieb sie im Nachrichtenkanal Telegram. Je mehr die Behörden die Menschen einschüchterten, desto mehr würden auf die Strasse gehen.

Seit mehr als vier Wochen kommt es in Belarus (Weissrussland) zu Protesten gegen Lukaschenko. Hintergrund ist die Präsidentenwahl, bei der er sich mit 80,1 Prozent der Stimmen zum Sieger erklären liess. Die Opposition hält dagegen Tichanowskaja für die wahre Siegerin. Die Abstimmung steht international als grob gefälscht in der Kritik. (aeg/sda/dpa)

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Proteste in Belarus gehen weiter

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Proteste in Belarus gehen weiter
quelle: keystone / dmitri lovetsky
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Polizei in Belarus hat keine Chance gegen diese protestierenden Frauen

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21 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Baba
07.09.2020 12:29registriert Januar 2014
Und hierzulande demonstrieren Idioten gegen eine angebliche "Diktatur!!!" und "Beschränkung der Freiheit und persönlicher Rechte!!!" wenn sie einen Mund-/Nasenschutz tragen sollten. Zu ihrem eigenen Schutz, notabene.

Ich hoffe, Frau Kolesnikowa taucht gesund und unversehrt wieder auf. Leider befürchte ich, dass das ein Wunsch bleiben wird. In Lukaschenkos Unrechtsregime ist es gefährlich, der Opposition anzugehören. Den Demonstrierenden Oppositionelle in Minsk und andern Orten on Belarus wünsche ich Kraft und Durchhaltevermögen.

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NathanBiel
07.09.2020 12:09registriert September 2015
Schade für die engagierte Frau. Ich hoffe sie taucht lebend wieder auf, wo auch immer. Aber die Zeit ist für Lukaschenko trotzdem abgelaufen. Die Bürger von Belarus lassen sich nicht mehr aufhalten!
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Bildung & Aufklärung
07.09.2020 14:01registriert Juli 2019
Es läuft einem kalt den Rücken herunter. Diese Diktatur legt Menschen einfach auch mal um. (Gibt Aufnahme von Erschiessung auf offener Strasse)

Menschen, die seit einem Monat willkürlich auf den Strassen gepackt wurden und in unnummerierte ungekennzeichnete Kastenwägen gezerrt werden, werden in den Gefägniskomplexen selbstverständlich gefoltert. Gibt berichte, wie Menschen bis zur Bewusstlosigkeit misshandelt werden. Hoden zermantscht etc.

Das ist nicht einfach "ah, sicher hört man von Maria Kolesnikowa bald wieder."

Todernster Scheiss.

Grauslig... Irre...
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