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«Freunde der Verfassung»: Coronaskeptiker wollten Macht, jetzt sind sie zerstritten

Der Vorstand der coronaskeptischen «Freunde der Verfassung» ist geschlossen zurückgetreten. Einer der bekanntesten Massnahmengegner der Schweiz, Michael Bubendorf, soll der ausschlaggebende Grund dafür gewesen sein.
05.01.2022, 12:4105.01.2022, 15:13

Sie bezeichnen sich selber als «zentralen Faktor im politischen Geschehen der Schweiz» – die «Freunde der Verfassung». Nun kommunizierte der coronaskeptische Verein am 4. Januar, dass der gesamte Vorstand geschlossen zurücktrete.

Vorstand der «Freunde der Verfassung» (am 4. Januar 2021 zurückgetreten).
Vorstand der «Freunde der Verfassung» (am 4. Januar 2021 zurückgetreten).Bild: Screenshot Webpage

Michael Bubendorfs (vermeintlicher) Rücktritt als Grund des Knatschs

Einer Mitteilung des Vereins ist zu entnehmen, dass das gegenseitige Vertrauen im Vorstand in den letzten Monaten so gelitten habe, dass die Arbeit blockiert gewesen sei.

Eine zentrale Rolle im Zerwürfnis des Vorstands sollen unterschiedliche Interpretationen über die «Rücktrittsabsichten von Michael Bubendorf» gespielt haben, wie der Mitteilung zu entnehmen ist. Unterschrieben haben die Mitteilung alle sechs amtierenden Vorstandsmitglieder – inklusive Michael Bubendorf.

Die Rücktrittsabsichten Bubendorfs scheinen vereinsintern tatsächlich etwas verworren gewesen zu sein:
Bereits im Dezember 2021 berichtete der Verein in einer Mitteilung von einem «internen Putsch». Damals war Michael Bubendorf aus dem Vorstand des Vereins ausgetreten – vermeintlich.

Und dieser Rücktritt war nicht der erste: Bereits im September bzw. Oktober soll Bubendorf gegenüber anderen Vorstandsmitgliedern seinen Rücktritt kommuniziert haben. Diesen ersten Rücktritt habe er später aber bestritten, wie es in der «Putsch»-Mitteilung vom Dezember heisst. Der Vorstand betitelt Bubendorf als «Anarchisten» und unterstellt ihm aus den «Freunden der Verfassung» eine politische Partei machen zu wollen.

Und tatsächlich: Bereits im August 2021 äusserte Bubendorf gegenüber SRF, dass entschieden sei, dass «einzelne Personen aus der Bewegung in die Politik gehen werden», und dass er sich ein politisches Amt ebenfalls vorstellen könne.

Nach einer «offenen Aussprache» am 3. Januar stellen nun also alle Vorstandsmitglieder ihr Mandat zur Verfügung. Der neue Vorstand soll erst in knapp zwei Monaten gewählt werden.

Der Verein hatte durchaus das Potenzial einer politischen Macht

Die «Freunde der Verfassung» wurden im Zuge der Corona-Pandemie gegründet – mittlerweile sollen sie rund 20'000 Mitglieder haben. Der Verein stand massgeblich hinter zwei Referenden zum Covid-Gesetz, scheiterte an der Urne jedoch beide Male – zuletzt am 28. November.

Massnahmengegner und Corona-Skeptiker demonstrieren an einer von den «Freunden der Verfassung» organisierten Corona-Demo gegen die Corona-Massnahmen (6. November 2021, Freiburg).
Massnahmengegner und Corona-Skeptiker demonstrieren an einer von den «Freunden der Verfassung» organisierten Corona-Demo gegen die Corona-Massnahmen (6. November 2021, Freiburg).Bild: keystone

Die deutliche Zustimmung des Stimmvolkes am 28. November war ein herber Rückschlag für den Verein: Nach dem Scheitern des Referendums fehlte ein gemeinsames Ziel, auf das hingearbeitet werden konnte. SRF-Inlandredaktor Rafael von Matt analysiert, dass «unterschiedliche Ideen herumschwirrten», wie sich der Verein zukünftig positionieren wolle. So habe ein Teil «parallele Strukturen» im Staat aufbauen wollen, während ein anderer Teil für den Nationalrat habe kandidieren wollen.

Ob die «Freunde der Verfassung» den Scherbenhaufen, vor dem sie stehen, doch noch zusammenkehren können, wird sich zeigen müssen – ganz nach dem vereinseigenen Motto «Nur der Dialog bringt uns weiter».

(yam)

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117 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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montuno
05.01.2022 12:58registriert Februar 2020
"Parallele Strukturen" und "Freunde der Verfassung"... ja klar, machthungrige Anarchisten...
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Macca_the_Alpacca
05.01.2022 13:00registriert Oktober 2021
Diesen Verein von Schwurblern brauchen wir nicht. Am Besten gleich ganz auflösen.
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Gurgelhals
05.01.2022 13:12registriert Mai 2015
Blöd ist halt einfach, dass durch diese unerwartet schnelle Implosion von all diesen Spinnertruppen die SVP nun das ganze Rechtsaussenlager wieder unter sich konsolidieren kann. Ich hätte mir erhofft, dass sich da etwas nachhaltigere Fliehkräfte entfalten.

Aber vielleicht ist das ja auch besser so. Diese Feinde der Rechtsstaatlichkeit, die MassLos-Tröten mit ihrem M-Budget-Jesus, der Kuh-Glocks-Klan und wie sie sonst alle heissen sind ja dann doch nochmals eine ganze Spur extremistischer als die SVP. Und den Teufel mit dem Beelzebub austreiben zu wollen kommt bekanntlich selten gut.
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