DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

US-Studie: Depressionen könnten eine Corona-Infektion begünstigen

Diabetes, Lungenkrankheiten oder auch Fettleibigkeit gelten schon lange als Risikofaktoren für Covid-19. Eine US-Studie hat jetzt auch einen Zusammenhang zu psychischen Erkrankungen hergestellt.

Sandra Simonsen / t-online



Ein Artikel von

T-Online

Dass sich die Corona-Krise negativ auf depressiv Erkrankte auswirken kann, wurde bereits erforscht. Jetzt haben US-Wissenschaftler zusätzlich untersucht, welchen Einfluss psychische Erkrankungen auf den Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion nehmen können. 

Kohortenstudie mit mehr als 60'000 Covid-Patienten

In der Studie, die im November in dem Fachjournal «The Lancet» vorgestellt wurde, haben Wissenschaftler aus Daten von rund 69 Millionen Patientenakten 62'354 Covid-19-Patienten herausgefiltert. Anhand derer Daten haben sie untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen psychischen Erkrankungen und dem Coronavirus gegeben hat. Bei den untersuchten Patienten wurde zwischen dem 20. Januar und dem 1. August 2020 Covid-19 diagnostiziert. 

Die Wissenschaftler haben schliesslich Kohorten von Patienten erstellt, bei denen sowohl Covid-19 als auch eine Reihe von anderen Erkrankungen festgestellt wurden. 

Zusammenhang zwischen Covid-19 und psychischen Erkrankungen

Schon zu Beginn der Pandemie gab es den Wissenschaftlern zufolge Bedenken bezüglich der Auswirkungen der Corona-Krise auf die psychische Gesundheit. Umfragen haben demnach ergeben, dass Covid-19-Patienten zu Angstsymptomen neigen, ebenso wie zu Depressionen und Schlaflosigkeit. Im Schnitt haben 22.5 Prozent der Corona-Patienten auch eine neuropsychiatrische Diagnose.

Depressionen

Menschen mit psychischen Problemen haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, an Covid-19 zu erkranken. bild: shutterstock

Verschiedene Studien haben ausserdem gezeigt, dass Corona-Infektionen auch zu Delirium , manischen Symptomen und schlechtem Gedächtnis führen können.

Auf der anderen Seite stehen den US-Wissenschaftlern zufolge Corona-Risikofaktoren, die durch psychische Erkrankungen entstehen. Im Hinblick darauf haben sie eine grosse Fall-Kontroll-Studie durchgeführt. Das Ergebnis: Die Wahrscheinlichkeit, an Covid-19 zu erkranken, war bei Patienten mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS ), bipolarer Störung, Depression und Schizophrenie erhöht. 

Kohortenstudie zum Einfluss von psychischen Erkrankungen 

Um diese Ergebnisse genauer zu untersuchen, haben die Forscher in ihrer Kohortenstudie betrachtet, ob Patienten mit psychiatrischen Vorerkrankungen ein höheres Risiko haben, an Covid-19 zu erkranken.

Zunächst haben die Wissenschaftler dazu bereits bekannte Risikofaktoren herausgefiltert. Dazu zählen unter anderem Alter, Geschlecht, Gewicht und Vorerkrankungen wie Diabetes, Asthma oder Herzerkrankungen.

«Wir haben nicht erwartet, dass die psychiatrische Anamnese ein unabhängiger Risikofaktor für Covid-19 sein wird», erklären die Wissenschaftler in der Studie. «Dieser Befund erscheint robust, wird in allen Altersschichten und bei beiden Geschlechtern beobachtet und war erheblich.» 

Krankheitsform und Zeitpunkt der Diagnose nicht relevant

So habe sich ein 65-facher Überschuss an Covid-19-Erkrankungen bei zuvor psychisch Erkrankten ergeben. Dabei habe es keinen Unterschied gemacht, ob die Diagnose vor einem oder vor drei Jahren gestellt worden war. Auch die genaue Diagnose und das Vorhandensein von bereits bekannten physischen Risikofaktoren habe keinen Einfluss gehabt. 

«Trotzdem interpretieren wir diesen Befund vorsichtig, da eine koreanische Studie keinen Zusammenhang zwischen psychiatrischer Diagnose und Covid-19-Diagnose fand, wenn auch in einer viel kleineren Stichprobe und mit weniger Übereinstimmung», betonen die Studienautoren.

Warum könnten psychische Erkrankungen Corona-Infektionen beeinflussen?

Die Autoren vermuten unterschiedliche Erklärungen für den Zusammenhang von psychischen Erkrankungen und einer Covid-19-Erkrankung. Sie zählen beispielsweise Verhaltensfaktoren auf: Wer psychisch erkrankt sei, halte soziale Distanzierungsempfehlungen möglicherweise weniger gut ein. Hinzu kommen sozioökonomische Faktoren und Lebensstilfaktoren wie beispielsweise Rauchen. 

Die neuste Praeventionskampagne des BAG steht im Vorraum des Medienzentrums vor einem Point de Presse zum Coronavirus mit Fachexperten des Bundes, am Freitag, 20. November 2020 im Medienzentrum Bundeshaus in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Die Kampagne des Bundesamtes für Gesundheit. Bild: keystone

«Es könnte auch sein, dass die Anfälligkeit für Covid-19 durch den entzündungsfördernden Zustand erhöht wird, von dem gesagt wird, dass er bei einigen Formen von psychiatrischen Störungen auftritt oder mit Psychopharmaka zusammenhängt», heisst es in der Studie. 

Allerdings habe die Studie unter anderem auch dahingehend Grenzen, dass soziale und wirtschaftliche Faktoren nicht im Netzwerk erfasst werden und die Ergebnisse dennoch beeinflussen könnten. 

Verwendete Quellen:

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

So kam das Coronavirus in die Schweiz – eine Chronologie

So fährt man im Skigebiet Titlis-Engelberg trotz Corona Ski

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Der «diffuse Dauerstress» macht die Corona-Zeit so schwierig. Hier berichten vier Experten

Die Corona-Pandemie schlägt immer mehr aufs Gemüt. Durch die Massnahmen wird unser Leben verändert. Nicht alle können damit gleich gut umgehen. Die psychischen Folgen der Bevölkerung spüren Exponenten deshalb teilweise stark. Wir haben mit vier von ihnen gesprochen.

Freunde fehlen, das liebste Hobby kann nicht mehr ausgeübt werden, Familienfeste fallen ins Wasser: Die Corona-Pandemie hat unser Leben mächtig durchgeschüttelt. Das kann auf die Psyche schlagen. Vor allem Jüngere sind davon verstärkt betroffen.

Anfang Januar schrieben die drei grossen Psychologie-Verbände FSP, ASP und SBAP dem Bundesrat einen offenen Brief. Wer eine psychotherapeutische Behandlung benötigt, müsse aktuell lange warten. Unter anderem forderten sie darum ein schnelles Handeln …

Artikel lesen
Link zum Artikel