Gesellschaft & Politik
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Präsidentenwahl in Polen: Herausforderer Trzaskowski gratuliert Duda zu knappem Sieg



Mit einem knappen Sieg gegen seinen europafreundlichen Herausforderer Rafal Trzaskowski hat sich Amtsinhaber Andrzej Duda bei der Präsidentenwahl in Polen eine zweite Amtszeit gesichert. Trzaskowski räumte seine Niederlage ein, indem er Duda zum Sieg gratulierte. «Möge diese Amtszeit eine wirklich andere werden», schrieb der Warschauer Oberbürgermeister am Montag auf Twitter. Angesichts der neugefundenen Stärke der liberalkonservativen Opposition ist nun die Frage, ob Duda und sein Lager der nationalkonservativen Regierungspartei PiS künftig einen EU-freundlicheren Kurs fahren werden – oder erst recht auf ihren Positionen beharren.

Nach dem offiziellen Endergebnis erhielt Duda 51 Prozent der Stimmen, auf Trzaskowski entfielen rund 49 Prozent, wie die Wahlkommission am Montagabend in Warschau mitteilte. Die Beteiligung lag bei rund 68,2 Prozent.

epa08542656 Incumbent President Andrzej Duda speaks for the media at the Presidential Palace in Warsaw, Poland, 12 July 2020. According to initiall exit polls, Polish President Andrzej Duda has won percent 50.4 percent of votes and Civic Coalition candidate and Mayor of Warsaw Rafal Trzaskowski has won 49.6 percent of votes in the second round of presidential elections in Poland.  EPA/RADEK PIETRUSZKA POLAND OUT

Wird Präsident bleiben: Andrzej Duda. Bild: keystone

Der 48 Jahre alte Jurist Duda wurde von der nationalkonservativen Regierungspartei PiS unterstützt, die mit der EU-Kommission im Konflikt um ihre Reformpolitik steht. Trzaskowski, der seit 2018 Oberbürgermeister von Warschau ist, war für die liberalkonservative Bürgerkoalition (KO) ins Rennen gegangen und zielte im Wahlkampf auf ein besseres Verhältnis Polens zur EU.

Wie bei vorangegangenen Wahlen in Polen zeigten die Einzelergebnisse grosse regionale Unterschiede. In allen elf polnischen Grossstädten mit mehr als 250 000 Einwohnern lag Trzaskowski klar vorn. Er punktete auch im Norden und im Westen des Landes. Duda dagegen hatte vor allem bei der Landbevölkerung und im stark katholisch geprägten Süden und Osten Rückhalt. In der südpolnischen Region Vorkarpaten kam er beispielsweise auf 70,9 Prozent der Stimmen.

Die Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, gratulierte Duda zur Wiederwahl. Sie freue sich darauf, mit ihm bei den vielen Herausforderungen zusammenzuarbeiten, denen Europa und Polen gegenüberstünden, schrieb sie am Montag auf Twitter.

epaselect epa08542476 Mayor of Warsaw and candidate for Poland's president of main opposition party Civic Platform and Civic Coalition's Rafal Trzaskowski (C) reacts after initial exit polls in Polish Presidential elections in Warsaw, Poland, 12 July 2020. According to initiall exit polls, Polish President Andrzej Duda has won percent 50.4 percent of votes and Civic Coalition candidate and Mayor of Warsaw Rafal Trzaskowski has won 49.6 percent of votes in the second round of presidential elections in Poland.  EPA/RADEK PIETRUSZKA POLAND OUT

Punktete vor allem in den urbanen Gegenden: Rafal Trzaskowski. Bild: keystone

Auch der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gratulierte Duda. Zugleich legte er ihm ein Engagement für die Einheit des gespaltenen Landes ans Herz. «Ich wünsche Ihnen den Mut und die Kraft, zum Zusammenhalt des polnischen Volkes beizutragen», schrieb er in seinem Glückwunschschreiben nach Angaben des Präsidialamts. «Ebenso hoffe ich, dass wir gemeinsam auch künftig einen Beitrag leisten können zu einer guten Nachbarschaft zwischen Polen und Deutschen in einem einigen, starken Europa», schrieb Steinmeier.

Der polnische Botschafter in Berlin, Andrzej Przylebski, geht davon aus, dass Duda in seiner zweiten Amtszeit selbstständiger und europafreundlicher agieren wird. «Präsident Duda weiss, dass die polnischen Bürger sehr europa-enthusiastisch sind, und er wird nach diesem Wunsch handeln, nehme ich an», sagte Przylebski dem ARD-«Morgenmagazin».

Litauens Präsident Gitanas Nauseda und der tschechische Regierungschef Andrej Babis gratulierten Duda schnell zur Wiederwahl.

Internationale Beobachter kritisierten, die Stichwahl sei von einseitiger Berichterstattung in den öffentlich-rechtlichen Medien Polens sowie intoleranter Rhetorik begleitet gewesen. «Die politische Polarisierung sowie die fehlende Unparteilichkeit in der Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sender lenkten von einer gut organisierten Wahl ab», kritisierte Thomas Boserup von den Wahlbeobachtern der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) am Montag in Warschau. Besonders bei der Wahlkampagne Dudas und in der Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sender seien den OSZE-Beobachtern Fälle von fremdenfeindlicher, homophober und antisemitischer Rhetorik aufgefallen. Zudem hätten Ministerpräsident Mateusz Morawiecki und andere Mitglieder der nationalkonservativen PiS-Regierung öffentliche Auftritte im Amt als Wahlkampfhilfe für Duda genutzt. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

7
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • MeinSenf 14.07.2020 07:12
    Highlight Highlight Fairerweise muss man sagen, dass Trzaskowski auch nicht mit polemischer Rethorik zurückgehalten hat, und die privaten Medien (mehrheitlich in deutschem Besitz) waren zu 90% auf seiner Seite. Und auch er vollbrachte einen rethorischen Eiertanz seinesgleichen, was viele Leute misstrauisch machte. Insofern war die Diskussion um die Wahl eher entlang der Linie: Wer ist das kleinere Übel. Schade...
  • De-Saint-Ex 13.07.2020 14:36
    Highlight Highlight Oh nein... sehr schlechte Nachricht, insbesondere für alle Polen die gerne im 21. Jahrhundert leben würden. Wieso ist Osteuropa so sehr rückwärts gewandt... Fehlt ihnen am Ende gar die gute alte SU?
    • mrmikech 13.07.2020 17:53
      Highlight Highlight Viele liberale Polen sind ausgewandert - meist zu UK. Ältere konservative Polen haben deswegen gewonnen. Aber nur knapp. In 10 jahren wird es anders aussehen...
    • Don Alejandro 13.07.2020 18:08
      Highlight Highlight Nun, die Polen sind auf die Sowjets nicht gut zu sprechen und zudem erzkatholisch. Glaube eher eine Stadt-Landsache...
    • freakykratos 13.07.2020 18:13
      Highlight Highlight Ja leider hat die Pius-Marionette wieder gewonnen. Aber auch dort sind viele ältere (ab 60) sehr konservativ und erzkatholisch. Diese stimmen überall immer gegen die eigenen Interessen wenn man sie mit ein paar kleinen Verbesserungen ködert oder ihnen Angst macht. Aber die leben ja auch nicht ewig.
    Weitere Antworten anzeigen

Journalist beschreibt seinen Horror in Belarus: «Wir lagen lebendig in einer Blutlache»

Ein russischer Journalist wird während der Proteste in Minsk festgenommen. Was er in einem Tag Polizeihaft erlebt, gleicht einem Film. Seine Schilderungen zeugen von brutaler Polizeigewalt, von Menschen, aufeinandergestapelt wie lebende Teppiche, und vom Transport in den eigenen Exkrementen.

In Minsk herrscht zurzeit Ausnahmezustand: In der Nacht zum Donnerstag kam es am vierten Tag in Folge zu Demonstrationen in der Hauptstadt Weissrusslands. Die Demonstranten fordern den Rücktritt von Präsident Alexander Lukaschenko.

Der russische Journalist, Nikita Telizhenko, war vor Ort. Doch in der Nacht auf den 11. August wurde er festgenommen. Ab da war er für einen Tag komplett von der Aussenwelt abgeschnitten. In einem Bericht des russischen Mediums Znak schreibt er über die 16 Stunden …

Artikel lesen
Link zum Artikel