Interview
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Lara Stoll

Frisch wie eh und je: Cyrill Oberholzer und Lara Stoll. bild: selfie vom cyrill

«Nur no ä halbs Minipic»: Lara Stoll steckt für 127 Stunden mit dem Finger im Abfluss fest

Cyrill Oberholzer und Lara Stoll erzählen von ihrem neuen Film, der eigentlich «Die göttliche Ordnung 2» hätte heissen sollen, aber dann aus Gründen zum «Höllentor von Zürich» wurde.

16.07.18, 09:30


«S'isch scho chli Porno, am Afang isch mir das gar nöd so bewusst gsi, dass jetzt alli mini Frässi 90 Minute lang müend aluegä», sagt Lara Stoll. Doch entgegen ihren Befürchtungen tut man das als Zuschauer ziemlich gern. Man leidet mit dieser Fresse mit.

Lara Stoll Film

bild: bild mit ton

Und auch mit allem, was um diese Fresse herum gewachsen ist. Denn im «Höllentor von Zürich» ist die gesamte Lara Stoll gefangen in einer höchst unangenehmen Situation. Allerdings birgt ihre missliche Lage ein enormes Identifikationspotential für viele Frauen: Lara stopft die in der Wanne herumliegenden Haare nach dem Baden in den Abfluss. Nur leider – und an dieser Stelle mag sich bitte niemand mehr wiedererkennen – bleibt sie mit dem Finger darin stecken.

Für 127 Stunden. 

Man kann Lara also wie ein sehr hilfsunbereiter Voyeur dabei zusehen, wie ihre Befreiungsversuche kläglich scheitern – wie sie Appenzeller mit Redbull und später auch ihren Urin trinkt («wenigschtens öppis mit chli Gschmack»), wie sie ihres letzten halben Minipics verlustig geht, wie sie mit ihrem verzerrten Spiegelbild im Wasserhahn spricht. Kurz, wie sie allmählich den Verstand verliert. 

Lara Stoll Film

bild: bild mit ton

All das Duschgel, alles Shampoo nützt nichts. Der Finger bleibt im Loch. Bald versucht es Lara mit dem Nagelklipser, dann mit einem Haarspängeli. Es blutet. Und es ist echtes Blut.

«Sie hat sich einmal in der Küche in den Finger geschnitten, da mussten wir sofort ins Badezimmer rennen und drehen», erzählt Cyrill Oberholzer. Er ist der Regisseur des Films. Es sei eben schwierig, Blut zu inszenieren, das so frisch aus der Wunde herausspritzt.

Lara kann sich daran nicht mehr erinnern. «Sie hat alles verdrängt», sagt Cyrill. Es war ein schwieriger Dreh. In einer schwierigen Zeit. Aus den dafür vorgesehenen zwei Wochen wurden acht Monate – und allesamt verbrachten die beiden damals noch als Paar in diesem vermaledeiten Badezimmer. 

Lara Stoll

bild: bild mit ton

«Es war schon bitz Lars von Trier mässig. Wir haben Grenzen überschritten.» 

Lara Stoll

Lara hat sogar mit Heuschrecken gedreht, dabei hat sie eine furchtbare Insektenphobie. Schnaps und Temesta haben geholfen. Aber die meiste Zeit über hat sie den Film abgrundtief gehasst.

Bild: bild mit ton

Vielleicht sei der Film deshalb auch gut geworden, weil man ihm dieses Leiden, die unzähligen Nervenzusammenbrüche wirklich anmerke, meint Lara. Das Dasein, das nach Cyrill so oder so Leiden ist, «ist komprimiert worden, ins Format Film gedrückt wie eins dieser handgefertigten Modellschiffchen, die man in Glasflaschen mostet.»

Lara steckt also fest und verzweifelt. Sie kommt deshalb auch nicht umhin, sich der grossen Fragen des Lebens anzunehmen. Ist der Wahnsinn nicht eigentlich besser als die schnöde Realität? Warum stecke ich im Abfluss fest? Wer bin ich? Was weissagt mir das Orakel von Delphi, wenn ich es in Unterhosen, mitten in der Nacht und verbotenerweise besuche?

bild: bild mit ton

Die Disney-Formel lautet: Für jede Träne einen Lacher. So ähnlich sei das auch im «Höllentor von Zürich».

«Der Film ist trotz aller Verzweiflung auch leicht geblieben, für all den Krampf wird man immer mal wieder mit einer Prise Humor belohnt.»

Lara Stoll

In «Lion King», Cyrills Überfilm, würden genauso die grossen Themen abgehandelt. «Im Grunde ist es Hamlet. Aber gleichzeitig gibt's da noch Timon und Pumbaa.»

bild: bild mit ton

«Das Höllentor von Zürich» ist aber vor allem ein schnittgetreues Remake des 2010 erschienenen Films «127 Hours» von Danny Boyle. James Franco spielt darin den Bergsteiger Aron Ralston, der in einer Felsspalte stecken bleibt – und sich nach fünf schlaflosen Nächten den Arm amputiert, um endlich freizukommen.

Die Arbeitsweise der beiden bestand darin, nebenher James Franco auf dem Laptop abzuspielen und die Szenen so genau wie möglich zu kopieren.

Cyrill und Lara wollten nämlich kein Drehbuch schreiben. Sie nahmen sich lieber etwas, was es schon gab, und machten daraus etwas Neues. Für mehr hatten sie auch gar kein Geld. 

bild: bild mit ton

«Wir fragten uns: ‹Was können wir uns leisten? Laras Badewanne können wir uns leisten.›»

Cyrill Oberholzer

Mit ein bisschen Crowdfunding (es gab erotische Fotoanhänge oder schlecht gedrehte Joints als Gegenleistung), einem Zustupf von Minipic und der Migros haben sie sich ans Werk gemacht. Denn durch Werbung wollte sich Cyrill nicht finanzieren. Sonst kriegt er Magengeschwüre.

Das ist dann wohl der Ursprung des ominösen Reizdarms, von dem Lara im Film geplagt wird. 

Lara Stoll Film

bild: bild mit ton

Einmal sieht man sogar einen Mageninhalt, aber es ist nicht der von Lara. Er gehört einem Fremden, Cyrill hat ihn irgendwo im Internet gefunden und ihn bis zur ziemlichen Unkenntlichkeit verfremdet. «Sowas nennt man ‹Fair Use›. Da wir mit dem Film kein Geld machen wollen, ist es auch nicht so tragisch, dass wir uns Copyright-technisch manchmal ein bisschen in der dunkelgrauen Zone bewegen», sagt er.

«Es wär doch eher komisch, wenn einer auf unseren Film stossen und sagen würde: ‹Hey, das ist doch mein Mageninhalt!›»

Lara Stoll

Für Cyrill ist «Das Höllentor von Zürich» auch eine Kampfansage an die vorherrschenden Verwendungsverbote. «Schnitt und Kameraeinstellungen zum Beispiel sind nicht geschützt, da gibt's keinerlei Copyright, auch wenn man etwas exakt nachfilmt. Unser Film spielt ein bisschen damit.»

bild: bild mit ton

Eigentlich wollte er den Film sowieso «Die Göttliche Ordnung 2» nennen. Aber eben. Dann hat er halt die Hölle genommen.

Und Shia LaBeouf. Der stellt sich in einem seiner Performance-Videos nämlich explizit zur Weiterverwendung zur Verfügung. Praktischerweise hat er sich dafür vor einen Greenscreen gestellt, und äusserst motivierend «Just do it!» in die Kamera gebrüllt.

Shia LaBeouf vor grünem Hintergrund

Video: YouTube/Yoba Govorit

Genau das haben Lara und Cyrill getan. Deshalb spielt Shia jetzt auch in ihrem Film mit, er ziert sogar die Plakate. Und deshalb sei der Film auch geil, sagt Cyrill. «Das hat nicht in meiner Macht gelegen, es hat sich einfach so ergeben. Wir haben uns eben nicht mega schlaue Sachen überlegt, wir haben kein Drehbuch geschrieben, wir haben einfach gemacht.»

Der Trailer zu «Das Höllentor von Zürich»

Video: YouTube/Bild mit Ton

«Das Höllentor von Zürich» und andere verrückte Sachen von Lara und Cyrill

Die Premiere des Höllentors findet am Sonntag, 22. Juli um 21 Uhr im Kino Riffraff statt. Weitere Nocturne-Vorstellungen gibt's am 26. und 27. Juli.
Mit ihrem Kollektiv «Bild mit Ton» versuchen Lara und Cyrill  derzeit alternatives Schweizer Fernsehen zu produzieren. Next-Level-Kurzformate und weitere Infos findet man auf ihrer Facebookpage und dem gleichnamigen Youtube-Channel, wo sie derzeit auch wieder crowdfunden.

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26
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    Alle Leser-Kommentare
  • jhuesser 17.07.2018 08:22
    Highlight Hesch gseh, s reh?
    7 0 Melden
  • Fistus Maximus 17.07.2018 06:35
    Highlight bild mit ton <3
    7 1 Melden
  • Asmodeus 17.07.2018 01:32
    Highlight Und nedmal beschweren kann man sich über verschwendete Filmförderung, weil die selbst finanziert haben.
    18 2 Melden
  • Wasmeinschdenndu? 16.07.2018 20:34
    Highlight 1. Wieso kommt man auf eine solche Idee?
    2. Wieso dreht man einen Film darüber?
    3. Wieso sollte jemand diesen Film schauen?
    4. Wieso schreibt Watson darüber?
    5. Wieso lese ich einen solchen Artikel???
    44 6 Melden
    • pamayer 17.07.2018 11:58
      Highlight Frage 5 ist am Wesentlichsten.
      13 0 Melden
  • MikoGee 16.07.2018 11:16
    Highlight So schlecht dass es schon wieder gut ist. xD
    Siehe "Das Haus in dem man LSD konsumierte" und mein persönlicher Favorit "Anarchie beim Donnstisch-Jass"...schlimmer als damals Hitler in Woodstock! xD
    28 4 Melden
    • ChrisPronto 16.07.2018 21:15
      Highlight DANKE! Für diese Horizonterweiterung :-)
      * insert thank you gif here*
      9 0 Melden
    • elmono 16.07.2018 21:17
      Highlight 😂😂 Klassiker
      9 0 Melden
  • Nguruh 16.07.2018 08:27
    Highlight Wieso trinkt sie Urin statt Wasser aus der Leitung? Sie ist doch in der Badewanne?
    152 3 Melden
  • eagleeye 16.07.2018 00:05
    Highlight Wer bitte hat seinen iMac neben der Wanne?
    63 2 Melden
    • meine senf 16.07.2018 20:44
      Highlight Da bekenne ich mich schuldig (wenn auch mit anderer Laptop-Marke).

      Allerdings habe ich eine Sitzbadewanne, da kann man recht problemlos während dem Baden arbeiten, fast wie an einem Tisch.
      Gerade wenn es heiss ist, kann das die Konzentration fördern. Und man neigt weniger zum Abschweifen und Prokrastinieren, da man dazu jedes Mal die Wanne verlassen und sich abtrocknen müsste.
      7 2 Melden
  • CH-Bürger 15.07.2018 23:09
    Highlight Kommt mir gerade in den Sinn wieviel Tonnen Haare im Abfluss gelagert werden und es kommen täglich mehr dazu. Ist das der nächste Coup nach dem Plastik?
    Finde der Film regt an für solch verstecke Probleme.
    24 26 Melden
  • Randy Orton 15.07.2018 22:35
    Highlight Irgendwie ein geiles Konzept.und Shia LaBoeuf!
    Aber vielleicht könnte man zumindest erwähnen, dass Benzodiazepine gemischt mit Alkohol nicht gegen Phobien helfen und saugefährlich sind - wenn ihr das im
    Text schon explizit mit Markennamen erwähnt...
    99 4 Melden
    • Fistus Maximus 17.07.2018 14:03
      Highlight atemdepression ahoi
      3 0 Melden
  • Pingupongo 15.07.2018 22:04
    Highlight Hach Bild mit Ton 😍 love it, grossartiges Format
    46 13 Melden
  • p4trick 15.07.2018 21:42
    Highlight Ist das nicht in etwa die gleiche Story wie der Typ der im Felsen feststeckt und sich am Schluss die Hand absägt?
    Alles Nur geklaut.. alles gar nicht meine...
    14 129 Melden
    • Rectangular Circle 15.07.2018 23:13
      Highlight Es steht ja im Text. Es ist sogar ein 1:1 Remake. Vielleicht erst den Text lesen und dann kommentieren?
      102 3 Melden
  • Grave 15.07.2018 21:01
    Highlight Dafuq ? Wtf did i just read ? 😂 das ganze klingt auf eine art so krank dass man es gesehen haben muss
    54 21 Melden
  • Silly_Carpet 15.07.2018 20:27
    Highlight Bild mit Ton ❤️
    39 10 Melden
  • Spooky 15.07.2018 20:01
    Highlight "Wir haben uns eben nicht mega schlaue Sachen überlegt..."

    Na ja! Das habe ich gemerkt.
    148 8 Melden
  • Tartaruga 15.07.2018 19:41
    Highlight Mir fällt dazu nur eines ein: Welche Frau stopft denn bitte die Haare IN den Abfluss? Die Haare zieht man aus der Wanne und den Abfluss.

    266 5 Melden
    • pamayer 16.07.2018 12:04
      Highlight Nein, nein, nein.
      Ich stopfen Haare zuerst in den Abfluss, dass ich sie nachher rauspulen kann und alle mich dafür bewundern.
      Und die Haare verkaufe ich den Perückenherstellern.
      Dann sind alle bedient.
      10 5 Melden
  • elnino 15.07.2018 18:13
    Highlight WTF did I just read
    469 8 Melden
  • owlee 15.07.2018 17:27
    Highlight Wer schaut sich so was freiwillig an?
    272 16 Melden
    • le vin 15.07.2018 23:26
      Highlight ichichich
      26 17 Melden
    • qolume 16.07.2018 19:01
      Highlight Ich! Bild mit Ton!
      9 3 Melden

Blochers Zeitungsimperium druckt seinen eigenen Artikel gegen «fremde Richter»

Im August 2017 erwarb Christoph Blocher 24 Gratis-Wochenzeitungen. Damals versprach er, keine politischen Ziele damit zu verfolgen. Nun erscheint ein Artikel von Blocher in den Zeitungen, welche rund 700'000 Schweizer Haushalten zugestellt werden. Der SVP-Doyen sieht die redaktionelle Unabhängigkeit nicht in Gefahr.

Aus den insgesamt 697'827 Exemplaren der Gratis-Zeitungen aus dem Hause Swiss Regiomedia AG schaut dem Leser diese Woche ein nachdenklicher Christoph Blocher entgegen. Er sitzt an einem Holztisch, das Kinn in der rechten Hand. «Nachlese zum 1. August», heisst es über der Seite. Darunter ist ein Artikel mit dem Titel «Hintergrund einer Geburtstagsfeier» abgedruckt. Der Autor: Christoph Blocher, alt Bundesrat, SVP-Vordenker – und Miteigentümer der Swiss Regiomedia AG.

In den Gratis-Wochenzeitungen …

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