Spanien
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«Wollen diese asozialen Touristen nicht haben»: Warum Palma den Ballermann trockenlegt

Erstmals in der Geschichte der spanischen Party-Insel Mallorca müssen alle Vergnügungslokale um den bekannten «Ballermann» an der Playa de Palma zwangsschliessen.



Die wilden Partys Hunderter Touristen ohne Schutzmaske und Sicherheitsabstand haben auf Mallorca ein einschneidendes Nachspiel: Erstmals werden auf der spanischen Insel mitten im Sommer alle Vergnügungslokale um den vor allem von deutschen Touristen gern besuchten «Ballermann» an der Playa de Palma zwangsgeschlossen.

Die berühmt-berüchtigten «Bier-» und «Schinkenstrasse» werden ab sofort und vorerst für zwei Sommer-Monate trockengelegt. Auch die Sündenmeile Puerto Ballena in der Briten-Hochburg Magaluf westlich von Palma sei von den Zwangsschliessungen betroffen, teilte die Regionalregierung am Mittwoch mit.

Party-Exzesse ohne Masken

Deutsche und Briten hätten am Wochenende für «Chaos» gesorgt, wie die Inselzeitung «Última Hora» titelte. Angetrunkene Männer und Frauen ohne Mund-Nasen-Masken hatten unter anderem im dichten Gedränge afrikanische Strassenhändler umarmt, geflirtet, gegrölt - und, wie zahlreiche Videos zeigten, sich nicht im mindesten um die Corona-Regeln geschert.

ARCHIV - Touristen sitzen dicht an dicht auf einer Terrasse eines Lokals auf der so genannten Bierstraße. Foto: Clara Margais/dpa

Touristen sitzen dicht an dicht auf einer Terrasse eines Lokals auf der so genannten Bierstrasse. Bild: sda

Die Empörung war gross. Nicht nur auf Mallorca und in Spanien, sondern auch in Deutschland. «Wir müssen sehr aufpassen, dass der Ballermann nicht ein zweites Ischgl wird», sagte Gesundheitsminister Jens Spahn.

Der balearische Tourismusminister Iago Negueruela hatte bei der Bekanntgabe der Massnahmen jetzt eine klare Botschaft parat: «Wir wollen diese asozialen Touristen hier nicht haben. Sie sollen nicht kommen», rief der sozialistische Politiker. Man dürfe nicht zulassen, «dass einige wenige dem Image der Inseln Schaden zufügen» und die Erfolge der Balearen im Kampf gegen die Pandemie aufs Spiel setzten.

twitter@WAZ_redaktion

Negueruela warnte, man werde nicht zögern, die Massnahmen wenn nötig auch auf andere Gebiete der Insel auszuweiten. «Die Gesundheit geht vor. Und ohne Gesundheit gibt es auch keine Wirtschaft.» 200 000 Arbeitsplätze stünden auf dem Spiel. Je nach Entwicklung sei eine Verlängerung und auch eine Verkürzung der Zwangsschliessungen denkbar.

«Dieses asoziale und unverantwortliche Verhalten gefährdet die Gesundheit aller Menschen.»

Präsidentin des Hotelierverbandes von Mallorca

Kritisiert wurden nicht nur die Gäste, sondern auch Lokalbesitzer, die nicht für Ordnung sorgten. Verwaltungsministerin Isabel Castro erinnerte daran, dass seit Freitag ein Bussgeldkatalog gilt, wonach bei Verstössen gegen die Corona-Regeln bei Partys vor allem die Lokalbesitzer, aber auch Organisatoren von Feiern selbst in privaten Wohnungen mit Strafen von bis zu 600'000 Euro belegt werden können.

Sangria hat sich ausgeschlürft

Vor der Pressekonferenz, bei der unter anderem auch ein Verbot der auf «Malle» traditionsreichen langen Strohhalme fürs gemeinsame Trinken (zum Beispiel Sangria) verkündet wurde, waren rund 500 Betreiber von Nachtlokalen und Diskos in Palma im Protest auf die Strasse gegangen. Diese Betriebe haben ein Fassungsvermögen von mehr als 300 Gästen, auf allen vier Inseln dürfen sie wegen Corona noch nicht öffnen.

Betroffen sind auch die Kultlokale «Megapark» und «Bierkönig». Die Demonstrierenden trugen Plakate mit Aufschriften wie «Ohne Tourismus sterben wir» und forderten die Wiedereröffnung ihrer Betriebe.

epa08543597 Balearic regional Minister of Health and Consumption, Patricia Gomez, addresses a press conference in Palma de Majorca, Spain, 13 July 2020, to announce the new law that establishes facial masks to be mandatory in the region. Te Government has decided no sanctions will be imposed during this week but people will be fined from 20 July 2020 onwards if they fail to use a facial mask in public spaces. The use of facial masks at beaches, promenades and swimming pools will not be mandatory only if social distancing is feasible.  EPA/ATIENZA

Am 13. Juli 2020 hat Gesundheitsministerin Partricia Gomez eine Maskenpflicht in öffentlichen Räumen auf Mallorca verkündet. Bild: keystone

Doch sie sind auf Mallorca in der Minderheit. Streit lösten die neuen Massnahmen bisher nicht aus. Die 40'000 Bewohnerinnen und Bewohner des S'Arenal, wo der Ballermann liegt, haben grosse Angst vor dem Coronavirus. «Natürlich habe ich Bammel. Die Deutschen leben einfach in einer anderen Welt», sagte eine Playa-Anwohnerin der Deutschen Presse-Agentur.

Die stellvertretende Präsidentin des Hotelierverbandes von Mallorca (FEHM), María José Aguiló, verurteilte die illegalen Partys «aufs Schärfste». «Dieses asoziale und unverantwortliche Verhalten gefährdet die Gesundheit aller Menschen.» Die Hoteliers kennen die wirtschaftlichen Folgen des langen Corona-Lockdowns in Spanien nur zu gut - und wollen unter keinen Umständen, dass sich das wiederholt. (sda/dpa)

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Mallorca ergreift Massnahmen gegen die «Sauftouristen»

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35Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • De-Saint-Ex 16.07.2020 10:14
    Highlight Highlight Kann ja Mallorca verstehen. Trotzdem schade. Man wusste wenigstens wo sich die von Alkohol aufgeweichten Hirnis aufhielten.
  • Stambuoch 16.07.2020 09:55
    Highlight Highlight Wie wäre es, wenn man sich in England eine Stadt aussucht und diese zum Ziel von Sauf-Tourismus machen würde? ;)
  • JoeThrasher 16.07.2020 08:56
    Highlight Highlight Wer das Urlaub nennt - sich die Birne zulaufen zu lassen - der hat wirklich nichts verstanden. Für solche sinnlos Reisen sollte es Flugverbot geben. Neben der Sinnlosigkeit eines solchen Trips schleppt man mit Pech auch wieder Corona mit ein. So wird das nix...
  • 1of8mio 16.07.2020 08:42
    Highlight Highlight Die Geister die man ruft. Ich habe extrem gestaunt, dass sich Mallorca bereits jetzt wieder geöffnet hat. Haben die im Ernst gemeint, jetzt kämen plötzlich komplett diametral andere Touris als vorher? Ich verstehe, dass jetzt hart durchgegriffen wird - ist leider und offensichtlich auch nötig... aber sich jetzt einfach auf den Standpunkt zu stellen "uiiii, damit hätten wir jetzt nieeeeee gerechnet" finde ich grauenhaft naiv...!
  • Drunken Master 16.07.2020 08:40
    Highlight Highlight Nun, da sind ja nicht nur die Deutschen und Briten davon betroffen. Es gibt mehr als genug Schweizer Partymonster, die sich ohne zu zögern dem erhöhten Risiko aussetzen würden. Denn trotz der Gefahr das Virus wieder in die Schweiz einzuschleppen, ist Party machen doch ein Menschenrecht. Daher begrüsse ich diesen Entscheid.
    #sorryliebeballermänner
  • Maria R. 16.07.2020 08:33
    Highlight Highlight Auch wenn jetzt ein Blitz- und Hagelgewitter auf mich niedergehen mag, stehe ich immer noch zu meiner Meinung:

    Stopp den Massenpartys, schliesst diese $&()#,$#-Clubs endlich komplett. Es sollte mittlerweile jedem klar sein, dass es perfekte Brutkästen sind.

    Gibt es eigentlich, für bestimmte Leute, nur noch das Feiern und Saufen?
  • Peter R. 16.07.2020 08:11
    Highlight Highlight Die haben's erfasst. Richtige Entscheidung aber es braucht Mut dies in einem Touristenviertel durchzubringen. Gesundheit vor Kommerz.
    Dies sollte ein Vorbild für die Stadt Zürich sein, wo man immer noch scheut Clubs zu schliessen, wenn grösste Ansteckungsgefahr herrscht und die Leute sich über die Massnahmen hinwegsetzen.
  • Butch Cassidy & Sundance Kid 16.07.2020 08:01
    Highlight Highlight Finde es vor allem lächerlich, dass es überhaupt so weit kommen konnte..
    Behörden: los wir öffnen den Ballerman, nachdem das Land Monate lang im Lockdown war.. nach 2 Wochen, hups war doch ne blöde Idee.. alles wieder schliessen..😆
  • MGPC 16.07.2020 07:57
    Highlight Highlight Ist es denn wirklich so schlimm, 1en Sommer, von vielleicht 60, auf seine Ferien im Ausland zu verzichten? Könnte auch der letzte sein, den ihr macht. Hauptsach Brot und Spiele.
  • KnolleBolle 16.07.2020 07:54
    Highlight Highlight Da redet man hauptsächlich von Deutschen und ein wenig von Engländern, aber sehr viel Schweizer Partyvolk ist auch dabei und ist wie der Minister sagt asozial.
  • {Besserwisser} 16.07.2020 06:49
    Highlight Highlight Mallorca versucht schon länger hartnäckig den Ballermanntourismus loszuwerden. Die Geister die man selber rief zu vertreiben ist nicht einfach. An den Sauftouris hängen mehr Arbeitsplätze als man denkt. Ich hoffe der Insel gelingt auch in der Region Palma der Umschwung. Wer mal im Winter auf Mallorca war, weiss die Insel und deren Bewohner absolut zu schätzen.
    • wiedemauchsei 16.07.2020 10:35
      Highlight Highlight Man kann Mallorca auch im Sommer geniessen.
      Hauptmerkmal der Saufköpfe ist ja zum Glück, dass der Radius ihres Tuns genau so beschränkt ist wie ihr geistiger Horizont.
    • {Besserwisser} 16.07.2020 18:49
      Highlight Highlight @wiedemauchsei
      Sehr treffende Aussage
  • Stefan Morgenthaler-Müller 16.07.2020 06:22
    Highlight Highlight Touristen sind überall willkommen, solange die Erträge höher ausfallen als die Kosten. Und da momentan die Gesundheitskosten stärker ins Gewicht fallen, musste man handeln.
    • Bruno S.1988 16.07.2020 07:59
      Highlight Highlight Wie berechnest du den finanziellen Schaden für die gesunkene Lebensqualität der Anwohner?
    • Glaedr 16.07.2020 09:27
      Highlight Highlight Es geht nicht nur um die Gesundheitskosten sondern um einen drohenden Lockdown.
      Mallorca hat nicht nur den Ballermann.
      Bei einem Lockdown wird also die ganze Insel, das ganze Land oder sogar ganz Europa darunter leiden.
      Die wenigsten Länder können sich zwei Lockdown leisten.
  • John Henry Eden 16.07.2020 00:56
    Highlight Highlight Sauftouristen bringen verdammt viel Umsatz und haben bescheidene Ansprüche. An die Regeln müssen sie sich halten, doch sie ganz loswerden zu wollen, ist einfach nur dumm.

    Die Partymekkas Spaniens sind seit Jahrzehnten In einem knallharten Markt erfolgreich. Mit Familien, die über jede Kleinigkeit meckern und Ansprüche wie Hollywoodstars haben, sind sie bald weg vom Fenster.
  • Leo L. 15.07.2020 23:01
    Highlight Highlight Ich habe vollstes Verständnis für diesen Entscheid und er ist überall da angesagt, wo die verblödeten Massen hingehen zum sich selbst in diesen Zeiten zu besaufen und sich egoistisch und rücksichtslos zu verhalten. In Zürich sieht es tragischerweise nicht besser aus am Wochenende, nur will hier niemand handeln. Einzigartig in Europa und sehr bedenklich.
  • Past, Present & Future 15.07.2020 22:54
    Highlight Highlight 🎶🎶Hen-Henrison, der Bruuuder von Jürgen Hurenson🎶🎶.

    Wollen die Spanier wirklich wegen ein bisschen Corona auf solche Musikperlen verzichten?😂
    Play Icon
  • Füürtüfäli 15.07.2020 22:31
    Highlight Highlight Hoffentlich werden die dieses Publikum schnell los. Ich würde es dieser wunderschönen Insel wünschen.
  • dommen 15.07.2020 20:53
    Highlight Highlight Was für ein Verlust... geht es nur mir so, oder ist dieser Sommer ganz angenehm im Vergleich zu den Vorjahren?
  • sowhat 15.07.2020 20:50
    Highlight Highlight Also, wenm schon Ausländer zu uns nach Deutschland kommen, haben die sich gefälligst an unsere Gesetze und Richtlinien zu halten.
    Gilt umgekehrt natürlich nicht.

    Freies Zitat einer Karikatur aus einem deutshen Onlinemedium, das ich auf die Schnelle nicht finde
    • Bee89 15.07.2020 21:17
      Highlight Highlight Meinst du das hier?
      Benutzer Bild
    • Roelli 15.07.2020 21:26
      Highlight Highlight Meinst du die Heute-Show?😄
      Fand ich leider sehr treffend der Tweet.
      Benutzer Bild
    • poltergeist 15.07.2020 22:55
      Highlight Highlight Kann man bestätigen. Bin im Tessin, viele Deutsche tragen keine Maske im ÖV.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Coffeetime ☕ 15.07.2020 19:58
    Highlight Highlight Das wäre jetzt der Moment, über die Art des geförderten Tourismus nachzudenken. Weiterhin den Ballerman, mit den vielen Alkoholleichen, oder nicht doch lieber einen umweltfreundlicheren, gemässigteren Tourismus, mit Familien am Strand. Die Balearen sind sehr schön - abseits dieser Partymeilen.
    • mrmikech 15.07.2020 20:09
      Highlight Highlight Mallorca will dieses billig- und sauftourismus schon lange loswerden. Jetzt setzten sie durch. Gut so. Saufen kann man auch in DE und UK.
  • Salbei 15.07.2020 19:51
    Highlight Highlight "Man dürfe nicht zulassen, «dass einige wenige dem Image der Inseln Schaden zufügen",
    Sorry, aber das ist schon LÄNGST passiert. Was natürlich schade ist, denn Mallorca hat auch ganz schöne Fleckchen zu bieten..
    • Kruk 16.07.2020 04:00
      Highlight Highlight Es könnte sogar Jahrzehnte dauern dieses Image wieder loszuwerden.
    • Stefan Morgenthaler-Müller 16.07.2020 06:25
      Highlight Highlight Ischgl hat dank Corona weltweit einen hohen Bekanntheitsgrad erlangt. Gemäss offizieller Lehre führt ein höherer Bekanntheitsgrad zu höheren Umsätzen.
    • Grubinski 16.07.2020 06:47
      Highlight Highlight Das ist so, vor allem im Ostteil des Landes.
  • SACKpfeife! 15.07.2020 19:43
    Highlight Highlight Wo versteckt sich hier die Moral(es)?
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