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Der neue Trainer des SC Bern, Hans Kossmann, waehrend seinem ersten Training mit dem SC Bern, am Mittwoch, 29. Januar 2020 in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Hans Kossmann muss beim SCB nicht viel ändern, wie er selbst sagt. Bild: KEYSTONE

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Warten auf den wahren Hans Kossmann oder die trügerische Ruhe vor dem Sturm

Der neue Trainer Hans Kossmann hat den SC Bern übernommen. Aber es ist, als sei Kari Jalonen immer noch da und nur kurz weggegangen, um ein Bier zu holen. Ein Ortstermin im Stadtberner Hockey-Tempel.



Ist diese Trainerentlassung bloss ein Irrtum? Fast scheint es so. Mittwoch, 16.30 Uhr. Die erste Übungsstunde unter Hans Kossmann (57) ist soeben zu Ende gegangen. Mehr als 20 Vertreterinnen und Vertreter der schreibenden und sendenden Medien warten auf den neuen SCB-Cheftrainer. Auf den Feuerwehrmann. Feuerwehrmann? Ach was. Der kanadisch-schweizerische Doppelbürger mahnt eher an einen freundlichen Vertreter der kantonalen Gebäudeversicherungs-Anstalt.

Cool ist er, der Hans. Sinn für Humor und Ironie hatte er schon immer. Aber ein Feuerwehrmann? Nein. Den braucht es eigentlich gar nicht. Zumindest noch nicht. Oben auf der Kommandobrücke der Hockey-Titanic mag bei Marc Lüthi inzwischen Panik ausgebrochen sein. Aber unten im Maschinenraum ist das multimeisterliche Selbstvertrauen noch präsent. Gelassenheit. Noch keine Hektik.

Der neue Trainer des SC Bern, Hans Kossmann, gibt  waehrend seinem ersten Training mit dem SC Bern Anweisungen, am Mittwoch, 29. Januar 2020 in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Hans Kossmann ist der neue SCB-Trainer – schafft er es noch, den SCB in die Playoffs zu bringen? Bild: KEYSTONE

Die Tabelle dokumentiert zwar eine tiefe Krise beim 50 Millionen-Hockeykonzern SC Bern. Rang 9. Einen Punkt hinter den SCL Tigers, die hier im Allerheiligsten der Stadtberner Hockeykultur sowieso nur «die Chäsigen» heissen. Das ist schon schmählich. Aber Krise? Nein. Das schaffen wir noch locker. Die Frage scheint beim spielenden Personal eher, ob es noch bis in den Playoffinal reichen wird. Nicht ob man die Playoffs schaffen kann.

Wenn schon Krise, dann ist es am ersten Arbeitstag von Hans Kossmann eine Krise ohne Krisenstimmung. So entspannt und locker war die Gemütslage am Tag nach einer Trainierentlassung rund um die Garderobe bei einem Grossclub noch selten. Was an der schieren Grösse von Hans Kossmanns Vorgänger liegen dürfte. Kari Jalonen (60) ist wahrlich ein Titan. Ein Welttrainer. Es ist, als könne es Hans Kossmann irgendwie immer noch nicht ganz fassen, dass Kari Jalonen gefeuert und ausgerechnet er sein Nachfolger geworden ist. Ungefähr so wird die Stimmung in Bern sein, wenn eines fernen Tages und jenseits aller Vorstellungkraft der Nachfolger von Marc Lüthi im SCB-Chefsessel vorgestellt wird.

L'entraineur bernois Kari Jalonen, lors de la rencontre du championnat suisse de hockey sur glace de National League entre le HC Fribourg-Gotteron et le SC Bern samedi, 23 novembre 2019 a la patinoire de la BCF Arena a Fribourg. (KEYSTONE/Cyril Zingaro)

Kari Jalonen: Seine Zeit beim SCB ist nun vorbei. Bild: KEYSTONE

Eigentlich ist das alles logisch. Ach, wie viele Analysen und Psalmen sind geschrieben, gesendet und gesungen worden über Kari Jalonens Spielsystem, psychologisches Geschick, Weisheit, taktische Schlauheit, Grösse, Reife und Erhabenheit. Ach, welche Ehre, dass der Grösste vom finnischen Hockeyhimmel herabgestiegen ist und sich uns Bernern erbarmt und uns zu neuer meisterlicher Glückseligkeit geführt hat.

Da kann es doch nicht sein, dass ein arbeitsloser Trainer einfach drüben in Westkanada vom Dach seiner soeben gebauten Garage herunterklettert, ein Flugzeug besteigt und ein paar Stunden nach der Landung in Kloten gleich alles besser macht. Dann wäre ja Eishockey nur ein Spiel und der Trainerberuf ein Kinderspiel.

Aus allen Erklärungen, die nun Hans Kossmann nach seinem ersten Training abgibt, ist der tiefe Respekt für seinen Vorgänger herauszuhören. Er wisse es sehr zu schätzen, dass er eine taktisch und hierarchisch intakte Mannschaft übernehmen dürfe. Wäre Kari Jalonen noch hier, so würde er ihn wahrscheinlich um ein Autogramm bitten. Er weiss aus mehr als 20 Jahren als Assistent und Cheftrainer wie schwierig es ist, ein Spielsystem einzufuchsen und Titel zu gewinnen. Er war zweimal Meister (2018 ZSC Lions, als Assistent 2010 in Bern). Sein Vorgänger beim SCB gewann als Spieler und Trainer mehr als ein Dutzend Meisterschaften.

Eigentlich hat Hans Kossmann den einfachsten «Nothelferjob» seit Einführung der Playoffs (1985): Der neue SCB-Trainer muss nicht die taktische Ordnung und die Disziplin wiederherstellen und kein neues Spielsystem einführen. Höchst respektvoll spricht er bloss über kleine Korrekturen. Behutsam wird er vorgehen. Mehr auf den Zehenspitzen stehen (ein nordamerikanischer Ausdruck für aktivere, dominantere, aggressivere Spielweise). Ein direkteres und schnelleres Lösen aus der eigenen Zone. Etwas mehr Tempo. Etwas weniger Schablone. Etwas mehr spielerische Freiheiten. Etwas mehr Nord-Süd als Ost-West-Hockey. Angereichert mit ein bisschen mehr Emotionen. Und ein wenig die Linien umstellen. Einen Vergleich zu seiner Ankunft in Zürich vor zwei Jahren mag er nicht ziehen. «Dafür bin ich noch zu wenig lange hier». Von den Spielern hat er einen sehr guten ersten Eindruck. Sie seien der Situation gewachsen sagt er auf eine entsprechende Frage.

Ein neuer Trainer ist da, aber noch hat beim SC Bern keine neue Ära begonnen. Der SCB scheint noch immer im «Kari-Jalonen-Modus». Was durch eine Besonderheit dokumentiert wird: Die «Jalonen-Boys», die vier finnischen Assistenten bleiben und fast scheint es, als sei Kari Jalonen nur mal ein Bier holen gegangen und tauche gleich wieder auf.

Hans Kossmann betont, er habe keine Probleme mit Finnen. Auch er möge Sauna. Das Motto: Alles wie bisher, nach der gleichen taktischen Tagesordnung. Aber mit mehr Spass an der Freude. Mit Hans Kossmann und Lars Leuenberger (der Meistertrainer von 2016 verstärkt als sechstes Mitglied das Coachingteam) als Motivatoren, Emotionenmacher und Animatoren (aber nicht als Clowns, da sei wahrlich und wahrhaftig Gott davor).

Marc Lüthi im Interview:

abspielen

Video: YouTube/MySports

Ein sympathischer und wohltuend bescheidener Auftritt des neuen SCB-Trainers mit Vertrag bis zum Saisonende. Wir haben den wahren Hans Kossmann in Bern noch nicht erlebt. Kein Vergleich etwa zum Amtsantritt von Guy Boucher, der einst in Bern als Nottrainer einen Einstand gab, als sei Moses umtost von Blitz und Donner mit den Gebotstafeln vom Gurten herabgefahren, um die SCB-Stars vom goldenen Kalb der Genügsamkeit zu verscheuchen. Und dann verpasste er anschliessend im Frühjahr 2014 mit dem damaligen Meisterteam kläglich die Playoffs.

Wir warten also auf den wahren Hans Kossmann. Aber vielleicht ist es ja an seinem ersten Arbeitstag nur die trügerische Ruhe vor dem Sturm, der am Freitag über das arme Ambri und am Samstag über die bedauernswerten SCL Tigers hereinbrechen wird. Die Nordamerikaner pflegen zu sagen: There is always a calm before the storm.

Zehn Spiele bleiben dem SC Bern, um die Playoffs zu erreichen. Am 29. Dezember 2017 hat Hans Kossmann die ZSC Lions 15 Runden vor Schluss übernommen und nur vier der ersten zehn Spiele gewonnen. Aber er hatte seine Arbeit mit 8 Punkte Vorsprung auf Rang 9 begonnen und es reichte schliesslich, um Meister zu werden. Die Start-Bilanz aus dem Hallenstadion wird in Bern nicht reichen.

Wenn es denn so sein sollte, dass auf der Hockey-Titanic im Maschinenraum unten der Ernst der Lage nach wie vor unterschätzt wird, etwas gehen muss und die Schrauben angezogen werden sollten, dann kann der neue Trainer einen Spruch des weisen König Salomon aus dem Buch der Bücher als Mahnung für seine Jungs an die Kabinenwand heften: «Gehe hin zur Ameise, du Fauler; siehe ihre Weise an und lerne!»

Zur Not ein biblisches Rezept. Das wäre ja auch keine Kritik am grossen Kari Jalonen.

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