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Ein Grossaufgebot von Polizisten erstickt eine unbewilligte antifaschistische Demonstration im Keim und fuehrt Beteiligte zur Personenkontrolle ab, am Samstag, 17. Oktober 2015, auf dem Bubenbergplatz in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Demonstranten werden zur Personenkontrolle abgeführt. 
Bild: KEYSTONE

Antifa-Marsch in Bern: Polizei verhaftet Demonstranten und steckt sie in Busse 



Ein antifaschistischer Spaziergang ist in der Berner Innenstadt am Samstagnachmittag nach kurzer Zeit gestoppt worden. Die Polizei kesselte die Demonstranten ein und setzte Gummischrot ein, als diese eine Kette von Polizisten durchbrechen wollten.

Ein erster Demonstrationszug bei der Reitschule habe sofort gestoppt und zurückgeschickt werden können, sagte eine Mediensprecherin der Kantonspolizei Bern. Laut einer Reporterin der Nachrichtenagentur SDA formierte sich gegen 14 Uhr eine Gruppe Demonstranten bei der Heiliggeistkirche vor dem Bahnhof. Als sie in Richtung Hirschengraben zogen, wurden sie auf der Höhe des Mediamarkts von der Polizei eingekesselt.

Ein weiterer Demonstrationszug wurde kurze Zeit später in der Spitalgasse eingekesselt. In dieser Gruppe waren laut der Mediensprecherin auch Kinder. Die Polizei habe Personenkontrollen durchgeführt. Jene Demonstranten, welche sich der Kontrolle widersetzt hätten, seien zur Polizeiwache abgeführt worden, sagte die Sprecherin weiter.

Einige Demonstranten hätten versucht, die Kette der Polizisten zu durchbrechen – dabei habe die Polizei Gummischrot eingesetzt. Der Verkehr war vom Bubenbergplatz bis zur Spitalgasse unterbrochen. Der Grosseinsatz der Polizei war am späten Nachmittag noch im Gang. 

Das war der zweite Versuch

Bereits am vergangenen Samstag war ein antifaschistischer Abendspaziergang in Bern geplant gewesen. Diesen hatte die Polizei verhindert.

Zur neuerlichen Kundgebung hatte die Gruppe «Revolutionäre Jugend» aufgerufen. Eine gute Stunde vor dem angekündigten Kundgebungsbeginn bei der Heiliggeistkirche vor dem Bahnhof fuhr die Polizei in der Innenstadt mit Mannschaftswagen, Wasserwerfern und Polizeiangehörigen in Vollmontur auf.

Im Einsatz standen auch Angehörige aus Polizeikorps anderer Kantone des Nordwestschweizer Polizeikonkordats, wie aus den Nummernschildern der Polizei-Mannschaftswagen zu schliessen war.

Kein Durchkommen für den öffentlichen Verkehr

Die Bernerinnen und Berner nahmen das Treiben in der Innenstadt erstaunlich gelassen. Die Einkaufsbummler unter den Lauben liessen sich jedenfalls nicht allzu sehr stören und gingen ihres Weges. Nur wenige Meter hinter den Polizeikordons sangen Strassenmusikanten, und in den Warenhäusern war das samstägliche Gedränge gross.

Auf den öffentlichen Verkehr hatte das Geschehen hingegen grössere Auswirkungen. In der Innenstadt war wegen der Polizeikessel auf der Hauptachse vom Bubenbergplatz zum Zytglogge zeitweise kein Durchkommen mehr.

Nach letzten Scharmützeln im Berner Länggassquartier begann sich die Lage kurz nach 17 Uhr zu beruhigen. Kurz nach 18 Uhr teilte die Revolutionäre Jugend Gruppe via Twitter mit, die Demonstrationen seien beendet.

Ein Grossaufgebot von Polizisten umstellt und erstickt eine unbewilligte antifaschistische Demonstration im Keim am Samstag, 17. Oktober 2015, auf dem Bubenbergplatz in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Die Polizei war angewiesen, die Kundgebung zu verhindern.
Bild: KEYSTONE

Keine Demo vor den Wahlen

Die Berner Stadtregierung hatte die Polizei angewiesen, sowohl den «Antifaschistischen Abendspaziergang» vor einer Woche wie auch die Kundgebung am Samstag zu verhindern. So kurz vor den eidgenössischen Wahlen eine Kundgebung mit hohem Risikopotenzial zu tolerieren, erschien dem Gemeinderat unverantwortlich.

Er verwies auf eine Regelung, wonach vor eidgenössischen Wahlen in Bern nur Platzkundgebungen durchgeführt werden dürfen – und auch nur solche, die nicht auf dem Bundesplatz stattfinden. Die Organisatoren der Kundgebungen sahen sich dadurch in ihrer Meinungsäusserungsfreiheit beschnitten.

Mit Kundgebungen vor eidgenössischen Wahlen machte die Stadt Bern im Oktober 2007 schlechte Erfahrungen. Damals kam es am Rande einer SVP-Kundgebung und einer Gegendemonstration zu wüsten Krawallen.(feb/sda)

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