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Digital-News

Anonymous jagt US-Rassisten und Neonazis – Daily Stormer im Darknet

Nach den Gewalttaten in Charlottesville geht der Kampf im Internet weiter. Anonymous stellt Rechtsextreme an den Pranger. Google und Facebook nehmen eine umstrittene Judenhasser- und Neonazi-Plattform ins Visier.
15.08.2017, 09:2915.08.2017, 18:05

Die Website Daily Stormer war am Dienstagmorgen nicht mehr zu erreichen. Wer die US-Domain aufrief, bekam eine Störungsmeldung zu Gesicht. Titel: «stormer's down».

Daily Stormer? Das war eine der ersten Anlaufstellen für Neonazis und Judenhasser in den Vereinigten Staaten.

Nun ist der Status der Domain dailystormer.com auf «ClientHold» gestellt. Das bedeutet, dass die Weiterleitung der Besucher zu den rassistischen Inhalten deaktiviert wurde. Dafür verantwortlich zeichnet der Domain-Registrar Google.

Über Twitter wird die Adresse einer über das Tor-Netzwerk erreichbare Alternativ-Domain verbreitet. Und tatsächlich ist die Neonazi-Webseite im Tor-Browser problemlos erreichbar.

screenshot: twitter

Aufschlussreich sind die Entwicklungen seit den blutigen Ausschreitungen und der Ermordung einer 32-jährigen Gegendemonstrantin in Charlottesville, Virginia, am Samstag.

Was bisher geschah:

  • Am Sonntag veröffentlicht der Daily-Stormer-Betreiber und bekennende Neonazi Andrew Anglin auf der US-Webseite einen vor Frauenhass triefenden Beitrag über das Opfer, das durch ein in die Menge rasendes Auto getötet wurde. Die 32-jährige Menschenrechtsaktivistin wird darin als «fette Schlampe» verunglimpft, die es nicht anders verdient hätte.
  • Die Web-Hosting-Firma Go Daddy, über deren Server die Daily-Stormer-Inhalte erreichbar sind, reagiert auf die Verunglimpfung und stellt ein Ultimatum. Man habe den Betreibern 24 Stunden Zeit gegeben, einen neuen Host zu suchen, lässt das US-Unternehmen am Montag via Twitter verlauten.
  • Dann taucht auf Daily Stormer zuoberst auf der Webseite eine dubiose Meldung auf, die angeblich von Anonymous stammt und über einen angeblichen Hackerangriff informiert.

So sah die Website am Montag vorübergehend aus

screenshot: guardian
  • Über den bekannten Anonymous-Twitter-Account @YourAnonNews wird am Montag infrage gestellt, dass tatsächlich Anonymous-Aktivisten die Kontrolle über Daily Stormer erlangt haben. Begründung: Wenn die Webseite gehackt worden wäre, hätten die Angreifer die rassistischen Inhalte gelöscht.
  • Stattdessen wird vermutet, der Daily-Stormer-Betreiber selbst könnte hinter der Veröffentlichung stehen, um seine Unterstützer zu mobilisieren und Spenden zu sammeln. Später behauptet Andrew Anglin in einem weiteren Beitrag, er habe die Kontrolle über seine Webseite zurückerlangt ...
  • Als der Daily Stormer wegen des Ultimatums von Go Daddy mit seiner Internetadresse zu Google umzieht, stossen die Webseiten-Betreiber auch dort auf Ablehnung. Google habe die Aufnahme verweigert, berichtet Bloomberg am Montag. Begründung: Die zu Gewalt aufrufenden Inhalte würden gegen die Nutzungsbestimmungen verstossen.
  • Die Cloud-Software-Firma Zoho beendet ebenfalls die geschäftlichen Beziehungen mit dem Daily Stormer. Wegen Verstosses gegen die Nutzungsstimmungen, wie das US-Unternehmen via Twitter verlauten lässt.
  • Ebenfalls am Montag wird bekannt, dass Google auch den YouTube-Kanal des Daily Stormer gesperrt hat.
  • Nun geht auch Facebook gegen die Verbreitung rassistischer Postings mit Link zum Daily Stormer vor, berichtet The Verge. Ein Beitrag sei mehr als 65'000 mal geteilt worden.
  • Am Dienstag ist Daily Stormer nicht mehr erreichbar, die Sub-Domain bbs.dailystormer.com hingegen schon. Der Status der Domain dailystormer.com ist auf «ClientHold» gestellt. Das bedeutet, dass die Weiterleitung deaktiviert wurde. Auch dailystormer.org und dailystormer.net sind unerreichbar.
  • Das mit rassistischen und frauenfeindlichen Inhalten gefüllte Bulletin Board von Daily-Storme (bbs.dailystormer.com) ist weiterhin über den normalen Browser erreichbar.
  • Anonymous hat den US-amerikanischen Rassisten und Neonazis den Krieg erklärt. Unter dem Hashtag #OpDomesticTerrorism werden Teilnehmer der rechtsextremen Kundgebungen in Charlottesville an den Internet-Pranger gestellt.
  • Laut US-Medienberichten haben mehrere angebliche Rassisten deswegen ihre Arbeitsstelle verloren.
  • Gegen den Daily-Stormer-Betreiber kursieren bei Twitter ebenfalls Aufrufe, man solle ihn «wie einen Hund» jagen.

Verstörende Doku: Mutige Studenten stellen sich den Rassisten auf dem Uni-Campus in den Weg

Was hältst du davon, dass US-Rassisten und Neonazis an den Internet-Pranger gestellt werden?

Mehr zum Thema:

Charlottesville: Aufmarsch rassistischer Gruppen eskaliert

Video: srf
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