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SP-Nationalrätin Badran kritisiert Chefin Staiblin: «Wie umnebelt ist die Alpiq-Führung?»

Alpiq will 49 Prozent seines Wasserkraftportfolios verkaufen, und so den Weg aus der Krise finden. Erste Reaktionen fallen skeptisch bis ablehnend aus.



Nationalraetin Jacqueline Badran betreibt Telefon-Wahlkampf fuer die SP, am Mittwoch, 7. Oktober 2015, in Zuerich. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Jacqueline Badran.
Bild: KEYSTONE

Der Energiekonzern Alpiq hat 2015 einen Reinverlust von 830 Mio. Franken erlitten. Der Konzern will daher bis zu 49 Prozent seines Wasserkraftportfolios verkaufen. Als Käufer in Frage kommen in- und ausländische Investoren, die einen langfristigen Anlagehorizont in nachhaltige Energieerzeugung haben.

Dieses Vorgehen stösst auf Kritik. SP-Nationalrätin Jacqueline Badran twittert: «Die Cashcows von morgen verschachern? Nur weil der Pseudo-Marktpreis momentan tief ist? Wie umnebelt ist die Alpiq-Führung?»

Felix Schneuwly vom Internetvergleichsdienst Comparis schreibt auf Twitter: «Alpiq droht bloss, um mehr Subventionen zu bekommen.»

Bei der BKW, den Berner Kraftwerken, ist man ob des Rettungsplans skeptisch: «Ob das gelingt?», fragt BKW-Kommunikationsleiter Martin Schweikert auf Twitter.

Die CEO von Alpiq Jasmin Staiblin spricht anlaesslich der Bilanzmedienkonferenz vom Montag, 7. Maerz 2016, im Hauptsitz in Olten. Der Energiekonzern Alpiq schreibt erneut tiefrote Zahlen. Der Reinverlust fuer das Geschaeftsjahr 2015 belaeuft sich auf 803 Millionen Franken. Bereits im Vorjahr hatte das Unternehmen einen Verlust von 902 Millionen Franken verbucht. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Alpiq-Chefin Staiblin präsentiert den Weg aus der Krise. (Bild:Archiv) © Keystone
Bild: KEYSTONE

Oltens Stadtpräsident Martin Wey ist in einer speziellen Situation, denn Alpiq brachte der Stadt in der Vergangenheit hohe Einnahmen, die wesentlich die Investitionen finanzieren halfen. Nun sagt Wey: «Mit Steuererträgen in einstiger Höhe rechnen wir nicht mehr.»

Mit dem teilweisen Verkauf solle die Abhängigkeit von den Grosshandelspreisen reduziert werden, sagte Alpiq-Chefin Jasmin Staiblin am Montag vor den Medien in Olten SO. Man wolle die Wasserkraft auf eine solidere und zukunftsfähigere Basis stellen.

Käufer der Anteile könnten auch Energieversorgungsunternehmen sein, die einen Zugang zum Endkundenmarkt hätten. Die Schweizer Hauptaktionäre der Alpiq hätten bereits Interesse angekündigt. Diese haben – anders als der Energiekonzern – ein Endkundengeschäft mit regulierten Tarifen.

Alpiq verkauft den produzierten Strom jedoch im Grosshandel – und fährt damit einen grossen Verlust ein. Der Strompreis für die Grosshandelskunden sei in nur einem Jahr um einen Drittel gesunken. Damit sei nahezu kein Kraftwerk kostendeckend aufgestellt. Hinzu komme der starke Franken, führte Staiblin aus.

Diese Kombination übe einen grossen Druck auf die Schweizer Wasserkraft aus. Das stelle sämtliche klassischen Energieproduzenten vor grösste Herausforderungen. Wasserkraft sei ein kapitalintensives Geschäft.

The dam wall of the Lac des Dix, pictured Monday, July 4, 2011 near Heremence in the Canton of Valais, Switzerland. At 700m length and 285 m high, it is the tallest gravity dam in the world and is part of the Cleuson-Dixence Complex. Construction on the dam began in 1950 and was completed in 1964, before officially commissioning in 1965. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

Bild: KEYSTONE

Das Schweizer Wasserkraftportfolio der Alpiq besteht aus zwölf Speicherkraftwerken, einem Pumpspeicherkraftwerk sowie aus fünf Flusskraftwerken. Diese Anlagen, an denen Alpiq beteiligt oder Eigentümerin ist, befinden sich in den Kantonen Wallis, Graubünden, Waadt, Tessin und Solothurn. Es handelt etwa um die Speicherkraftwerke Grande Dixence, Engadin, Blenio oder Hinterrhein.

«Wir bleiben eine 51-prozentige Wasserkraftproduzentin», sagte Staiblin. Sie machte klar, dass man sich auch weiterhin für die Zukunft der Wasserkraft einsetze. Die Wasserkraft sei flexibel und langfristig die günstigste Energie, die es gebe.

Im Gegensatz zu anderen erneuerbaren Energien werde die Wasserkraft nicht vom Staat unterstützt, sondern müsse hohe Abgaben wie Wasserzinsen leisten, hielt die Alpiq-Chefin fest. Das treffe die Schweizer Wasserkraft hart. Sie forderte die Politik auf, das bestehende Modell zu ändern.

Gemäss Staiblin betragen die Gestehungskosten der Wasserkraft 6.5 Rappen pro Kilowattstunden (kWh). Auf dem Markt kann derzeit ein Preis von 2.8 Rappen pro kWh erzielt werden. Von den Gestehungskosten könnten zwei Drittel nicht beeinflusst werden.

Auch der Strom aus den Schweizer Atomkraftwerken kann derzeit nicht kostendeckend verkauft werden. Beim AKW Gösgen SO betragen die Gestehungskosten 4.5 Rappen pro kWh und beim AKW Leibstadt AG 5.5 Rappen pro kWh. Alpiq ist an beiden AKW massgeblich beteiligt.

Die Wasserkraft hat gemäss Alpiq jedoch eine Zukunft und nicht wie die Atomenergie ein Ablaufdatum. Daher setzt der Energiekonzern den Hebel bei der Wasserkraft an, um wieder Gewinn zu schreiben.

Nicht in die Karten schauen lassen wollte sich die Alpiq-Chefin Staiblin zu einer angeblich angedachten Verstaatlichung der AKW. Die «Basler Zeitung» zitierte am Montag aus einem Strategiepapier einer Lobbyistengruppe, wonach die AKW in einer Auffanggesellschaft zusammengefasst und einem staatlichen Eigentümer übergeben werden sollen.

Es wäre mit Sicherheit ein Fehler, wenn sich Führungsverantwortliche nicht allen möglichen Optionen öffnen würden, diese analysierten und zum Schluss eine Entscheidung treffen würden, welche Option der gangbare Weg sein werde in Zukunft, sagte Staiblin dem Fernsehen SRF.

Alpiq schreibt erneut tiefrote Zahlen

Stark gesunkene Grosshandelspreise und der Wechselkurs würden Kopfzerbrechen bereiten, sagte Alpiq-Finanzchef Thomas Bucher. Der Umsatz brach im Geschäftsjahr 2015 von 8.1 Mrd. Franken auf 6.7 Mrd. Franken ein.

Der Starke Franken führte zu Abschreibungen und Rückstellungen nach Steuern in Höhe von 855 Mio. Franken. Unter dem Strich resultierte ein Konzernverlust von 830 Mio. Franken – dies nach einem Verlust von 902 Mio. Franken.

Alpiq hatte 2013 zwar einen kleinen Gewinn von 18 Millionen Franken verzeichnet. 2012 lag der Verlust bei 1.09 Mrd. Franken. Im Geschäftsjahr 2015 drückte der Konzern die Nettoverschuldung um 640 Mio. auf 1.299 Mrd. Franken.

Wegen der weiterhin angespannten Ertragslage beantragt der Verwaltungsrat der Generalversammlung, keine Dividende auszuschütten.

  (aargauerzeitung.ch)

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