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epa09092969 View of various doses of the AstraZeneca coronavirus vaccines against Covid-19 in Madrid, Spain, 24 March 2021. Spain resumes the use of this vaccine after a 10-day-long pause in its administration following the European Medicines Agency (EMA) announcement to uphold its approval of the vaccine. Some of EU member countries countries stopped giving the vaccine over fears there might be links between the vaccination against Covid-19 with the AstraZeneca vaccine and a rare number of blood clots.  EPA/J.J. GUILLEN

In Italien lagern 29 Millionen Dosen Astrazeneca-Impfstoff. Bild: keystone

«Inakzeptabel»: Italiener entdecken 29 Millionen Dosen Astrazeneca-Impfstoff

Der Fund von 29 Millionen Impfdosen in Italien sorgt für viel Gesprächsstoff in der EU. Ein kurzer Überblick in fünf Punkten.



Der Hersteller Astrazeneca lagert in Italien 29 Millionen Dosen Corona-Impfstoff – und das, obwohl er mit seinen vertraglich zugesicherten Lieferungen an die Europäische Union massiv im Rückstand ist und Impfstoff in der EU überall fehlt.

Dieser Bericht der italienischen Zeitung «La Stampa» klingt erst mal unwahrscheinlich, wurde aber am Mittwoch aus mehreren Quellen bestätigt. Das britisch-schwedische Unternehmen äusserte sich erst am Mittwochnachmittag dazu.

Was ist passiert?

Das Blatt «La Stampa» aus Turin schildert die Abläufe so: EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton, inzwischen eine Art Impfstoff-Beauftragter von Kommissionschefin Ursula von der Leyen, habe Anfang März die Fabrik Halix im niederländischen Leiden besucht, die für Astrazeneca Corona-Impfstoff herstellt.

Dort sei der Kommissar misstrauisch geworden. Er habe die italienischen Behörden unterrichtet. Denn Astrazeneca lässt seinen Impfstoff unter anderem in Italien abfüllen und verpacken.

Die italienische Regierung bestätigte am Mittwoch, dass eine Anlage von Catalent in Anagni in der Region Latium auf Bitten der EU-Kommission inspiziert wurde. Laut «La Stampa» wurden dabei in den Kühlkammern die 29 Millionen Dosen entdeckt. In der Zeitung hiess es, die Impfstoffe seien für den Export nach Grossbritannien gedacht. Ein EU-Beamter schloss auch andere Ziele nicht aus.

Wieso ist das problematisch?

Die EU und Astrazeneca liegen schon länger im Clinch. Denn das britisch-schwedische Unternehmen soll weniger Impfstoffe liefern, als ursprünglich zugesagt.

Astrazeneca hatte der EU nach Brüsseler Angaben im ersten Quartal ursprünglich 120 Millionen Impfdosen zugesagt – und dies dann auf 30 Millionen gekürzt. «Aber sie sind Stand heute noch nicht einmal in der Nähe dieser Zahl», sagte EU-Kommissionsvizepräsident Valdis Dombrovskis am Mittwoch. Wie die «New York Times» berichtet, hat die EU bisher nur 16,6 Millionen Impfdosen von Astrazeneca erhalten.

Im zweiten Quartal stellt Astrazeneca nun offiziell 70 Millionen Dosen in Aussicht – statt der vereinbarten 180 Millionen.

Der britisch-schwedische Hersteller hat auch und vor allem umfassende Lieferpflichten an Grossbritannien, was seit Wochen für Spannungen zwischen Brüssel und London sorgt. Dabei geht es auch immer wieder um die Fabrik in Halix. Diese produziert nach Angaben der EU-Kommission seit geraumer Zeit. Sie hat aber bisher keine EU-Zulassung – nach Darstellung aus EU-Kreisen, weil das Unternehmen den Antrag nicht vorantrieb.

Die für die Zulassung der Anlage zuständige EU-Arzneimittelbehörde EMA wollte sich diese Woche auf dpa-Anfrage über Details des Verfahrens nicht äussern. In jedem Fall wird schon länger gerätselt, wie viel und für wen Halix produziert. Grossbritannien hofft dem Vernehmen nach, den Grossteil des dort hergestellten Impfstoffs zu bekommen.

Hat die EU nicht mal so etwas wie einen Exportstopp beschlossen?

Doch. Astrazeneca hat derzeit praktisch keine Chance, die Impfstoffe aus der EU zu bringen. Denn bereits seit 1. Februar gelten Exportkontrollen. Herstellern, die EU-Verträge nicht erfüllen, kann die Ausfuhr untersagt werden. Und Astrazeneca ist bisher die einzige Firma, bei der dieses Möglichkeit einmal angewendet wurde: Italien stoppte 250'000 Impfdosen für Australien.

Am Mittwoch verschärfte die EU-Kommission den Exportmechanismus mit dem Ziel, häufiger Nein sagen zu können, wenn Empfängerländer nicht auch Exporte in die EU zulassen.

Für wen sind denn nun die 29 Millionen Impfdosen bestimmt?

Dazu gibt es derzeit unterschiedliche Angaben. In der Zeitung «La Stampa» hiess es, die Impfstoffe seien für den Export nach Grossbritannien gedacht.

Die Regierung von Ministerpräsident Mario Draghi erklärte derweil in Rom, Ziel der inspizierten Impfstoffe sei Belgien gewesen.

Am Mittwochnachmittag äusserte sich dann auch Astrazeneca zum Fall. 13 Millionen Dosen seien für den Export für Covax-Länder bestimmt. Diese Dosen dürften somit von der EU für den Export freigegeben werden, da sie vor allem ärmere Länder bedienen. Die anderen 16 Millionen Dosen würden derzeit einer Qualitätskontrolle unterzogen werden und seien für die EU bestimmt. Zehn Millionen würden noch im März ausgeliefert werden.

Es sei falsch, zu behaupten, man würde dort auf Vorrat Impfstoff lagern. «Der Prozess der Herstellung von Impfstoffen ist sehr komplex und zeitaufwendig. Insbesondere müssen die Impfstoffdosen nach der Befüllung der Fläschchen auf die Freigabe durch die Qualitätskontrolle warten», sagte eine Sprecherin des Unternehmens.

Wie fallen die Reaktionen auf den Fund aus?

Von wütend bis hoffnungsvoll. «Das ist inakzeptabel», schrieb der CSU-Europapolitiker Manfred Weber auf Twitter. «Ich kann mir keinen Grund denken, warum man in dieser Pandemielage Impfstoffe auf Halde legen würde», sagte ein EU-Vertreter.

Aus deutschen Regierungskreisen hiess es hingegen, man habe sich erst mal gefreut, «dass da 29 Millionen Dosen offensichtlich sind». Schliesslich hänge Astrazeneca mit den Lieferungen an die EU um ein Vielfaches zurück. «Vielleicht gibt es jetzt die Möglichkeit, die Lieferungen deutlich aufzustocken.» (cma/sda/dpa)

So lebt man in Israel mit dem Impfpass

Video: watson/jah

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