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Ein würdiger Rahmen – Fabian Lustenberger gibt im Old Trafford sein Champions-League-Debüt

Die Berner bestreiten bei Manchester United ihr letztes Spiel in der Champions League. Für Fabian Lustenberger, 33, ist es die späte Premiere in der Königsklasse. Er ist nach langer Verletzungspause zurück – und bei YB gleich als Moderator der Krise gefragt.
08.12.2021, 15:13
Etienne Wuillemin / ch media

Es gibt Fussballer, die sind noch keine 20 Jahre alt, wenn sie die grosse Bühne der Champions League kennelernen. Fabian Rieder ist so ein Beispiel. Er steht für die Zukunft von YB, ja vielleicht sogar für die Zukunft des Schweizer Fussballs. Wer weiss das schon so genau. Er hat in diesem Herbst erste, ganz respektable Champions-League-Minuten absolviert.

Und dann gibt es Fussballer, die bereits auf die Zielgerade der Karriere einbiegen, und plötzlich, weitgehend unbemerkt, noch zu einer Premiere kommen – wie Fabian Lustenberger. 33 Jahre alt ist er im letzten Mai geworden. Und nun könnte er das Gefühl der Königsklasse heute Abend in Manchester zum ersten Mal als Spieler mittendrin erleben.

Es ist Montagnachmittag in Bern, als Lustenberger im Stadion Wankdorf steht. Und wer ihm so zuhört beim Reden, der merkt schnell: Lustenberger lässt sich die Vorfreude nicht trüben. Weder davon, dass die Berner den Sprung in die Achtelfinals nicht mehr schaffen können. Noch von den schwierigen Momenten in der heimischen Meisterschaft, die YB jüngst erleben musste. Lustenberger sagt:

«Wenn es um die Champions League geht, dann ist immer wieder von einem die Rede, auch bei YB habe ich das nach unserer Qualifikation von mehreren Spielern gehört und gelesen – und es ist tatsächlich so, es ist auch für mich eine Riesensache. Schliesslich habe ich die Spiele lange genug vor dem Fernseher verfolgt.»
Fabian Lustenberger beim Training im Old Trafford.
Fabian Lustenberger beim Training im Old Trafford.Bild: keystone

Seine prägendste Erinnerung? «Der Final 1999. Viele Zuschauer gingen ins Bett in der Meinung, Bayern München habe das Spiel gewonnen – und merkten am nächsten Morgen, dass Manchester United die irre Wende doch noch gelang», erinnert er sich. «Aber ich habe natürlich zu Ende geschaut.»

Nun hätte die Geschichte von Lustenbergers Premiere in der Champions League natürlich noch eine etwas speziellere Note, wenn YB tatsächlich noch die Möglichkeit auf ein Wunder besässe. So wie vor ziemlich genau zehn Jahren der FC Basel, der damals im letzten Gruppenspiel eben dieses Manchester United besiegte und auf Kosten der Engländer in den Achtelfinal einzog. Für die Berner ist Rang 3 das Maximum, das noch drin liegt. Dafür müssten sie siegen und Atalanta Bergamo gleichzeitig gegen Villarreal verlieren. Der Verbleib in der Europa League wäre der Lohn, es wäre als Erfolg zu werten.

Vielleicht würde auch einfach schon ein bisschen gute Laune reichen. Aber so ist das nicht. Nicht in diesen Tagen. YB befindet sich in der ersten Krise, seit es dem FC Basel die Vorherrschaft im Schweizer Fussball entrissen hat. Vier Meistertitel haben die Berner seither aneinandergereiht. Doch nun stockt die Maschinerie. Niederlagen innert weniger Wochen gegen Sion, St.Gallen, Zürich und Servette – wann hat es das zuletzt schon gegeben? Auch darum ist man im Verein froh, wieder auf Lustenberger zurückgreifen zu können. Auf ihn, der sich im April dieses Jahres einen Achillessehnenriss zuzog, und fast acht Monate fehlte.

YB-Trainer David Wagner ist bereits etwas unter Druck.
YB-Trainer David Wagner ist bereits etwas unter Druck.Bild: keystone

Nach seiner Rückkehr ist Lustenberger sofort als Krisenmanager gefordert. So direkt an sich rissen will er diese Rolle zwar nicht – «es geht darum, dass ich sportlich helfe!» - später im Gespräch sagt er aber auch:

«Ich habe in meiner Karriere schon das eine oder andere erlebt. Entsprechend kann ich mit solchen Situationen umgehen und verstehe sie auch. Diese Erfahrungen kann ich durchaus weitergeben.»

Mit Hertha BSC Berlin hat Lustenberger viele Krisen erlebt, er ist abgestiegen, wieder aufgestiegen, wieder abgestiegen, wieder aufgestiegen. Wer all dies in Fussball-Deutschland erlebt hat, den werfen auch ein paar schlechte Resultate in der Schweiz nicht aus der Bahn.

Das YB-Selbstverständnis der letzten Jahre ist weg

Das wird an diesem Montag jedenfalls sehr deutlich. Lustenberger gelingt es, ein paar kritische Punkte anzusprechen, ohne die Souveränität zu verlieren. «Wenn ich jetzt hinstehen und sagen würde , dann würde mir niemand glauben – und ich mir selbst auch nicht. Ja, es läuft nicht wie gewohnt und wir müssen schnellstmöglich wieder aus dem kleinen Loch finden.» Nur eines der letzten fünf Meisterschaftsspiele konnte YB gewinnen. Dazu kommt das Out im Cup. Und auch in der Champions League folgten nach dem 2:1 gegen Manchester zu Beginn vier Partien ohne Sieg.

Warum ist das so? «Wir haben momentan nicht mehr das Selbstverständnis der letzten Jahre», sagt Lustenberger, «es gibt Spiele, die wir dominieren und trotzdem nicht für uns entscheiden können.»

Am vergangenen Wochenende gab es für YB eine Niederlage gegen Servette.
Am vergangenen Wochenende gab es für YB eine Niederlage gegen Servette.Bild: keystone

Was, wenn der Auftritt in Manchester zum Desaster wird?

Noch sind die kritischen Stimmen rund um YB überschaubar. Noch herrscht das Gefühl vor, dass sich die Lage irgendwie wieder einrenkt. Noch heisst das geflügelte Wort «Resultatkrise», schliesslich, so Lustenberger, «gibt es ja kaum Spiele, in denen wir nach Abpfiff dem Gegner für eine Wahnsinnsleistung gratulieren müssen». Das mag alles sein. Und vielleicht erkennt man im Rückblick ja tatsächlich, dass alles gar nicht so schlimm war. Vielleicht tut der letzte Champions-League-Ausflug gut, um den Kopf zu lüften, um danach in der heimischen Liga so durchzustarten, wie das allgemein erwartet wird.

Ganz ungefährlich ist die Lage der Berner aber keinesfalls. Was, wenn auch der Auftritt in Manchester zum Desaster gerät? Bei einer United, deren Spieler sich dem neuen Trainer Ralf Rangnick mit Sicherheit von der besten Seite zeigen wollen? Es ist ein Szenario, mit dem man sich bei YB lieber nicht beschäftigt. Schliesslich hat Fabian Lustenberger seinen Vertrag kürzlich auch darum um ein weiteres Jahr verlängert, um noch einige Champions-League-Abenteuer mehr zu erleben. (aargauerzeitung.ch)

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