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Ein Eisberg mit einer Fläche von rund 1600 Quadratkilometern ist vom Amery-Schelfeis in der Antarktis abgebrochen.

Das Eis in der Antarktis könnte zum wichtigsten Faktor für den Meeresspiegelanstieg werden. bild: ESA

Warum die Antarktis-Schmelze den Meeresspiegelanstieg verdreifachen kann

Die Sorge um die Eismassen in der Antarktis wächst. Forscher zeigen mit einer neuen Computersimulation, dass der Kontinent zum wichtigsten Faktor für den Meeresspiegelanstieg werden dürfte.



Die Folgen der Eisschmelze in der Antarktis für den Anstieg des Meeresspiegels könnten bereits in diesem Jahrhundert deutlich stärker ausfallen als bisher erwartet. Laut der neuen Studie eines internationalen Wissenschaftlerteams könnte bis 2100 allein dieser Faktor einen Anstieg um 58 Zentimeter bewirken.

Allerdings gibt es bei den Prognosen der Experten hinsichtlich der Antarktis eine grosse Bandbreite, so Leitautor Anders Levermann vom deutschen Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Bei unvermindertem Treibhausgasausstoss liege der wahrscheinliche Effekt für den Anstieg des Meeresspiegels zwischen sechs und 58 Zentimetern, heisst es in der Studie. Gelinge es dagegen, die Emissionen rasch zu verringern, liege die Spanne zwischen vier und 37 Zentimetern. Werden andere Faktoren wie die thermische Ausdehnung des sich erwärmenden Meerwassers sowie schmelzende Gebirgsgletscher berücksichtigt, ist ein Anstieg bis 150 Zentimeter möglich.

«Der Antarktis-Faktor erweist sich als die grösste Unbekannte, aber dadurch auch als das grösste Risiko für den Meeresspiegel weltweit», erklärte dazu Levermann. Er betonte, die neuen Forschungsergebnisse lieferten vor allem wichtige Informationen für den Küstenschutz. Eine hohe Wahrscheinlichkeit gibt es demnach, dass der Wert von 58 Zentimetern nicht überschritten wird.

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«Machen wir weiter wie bisher, rechnen wir mit einem Anstieg um vier Meter in 300 Jahren.» Video: YouTube/Tilo Jung

New York geht unter

«Je mehr Computersimulationsmodelle wir verwenden, die alle leicht unterschiedliche dynamische Repräsentationen des antarktischen Eisschildes sind, desto grösser ist die Bandbreite der Ergebnisse, die wir bekommen - aber desto robuster sind auch die Schätzungen, die wir der Gesellschaft liefern können», erklärte Ko-Autorin Sophie Nowicki vom Nasa Goddard Space Flight Center. Zwar gebe es «immer noch grosse Unsicherheiten», doch sei es gelungen, das Verständnis des grössten Eisschildes der Erde beständig zu verbessern.

Auf längere Sicht, also in den kommenden Jahrhunderten bis Jahrtausenden, hat das Abschmelzen des antarktischen Eisschildes der Studie zufolge das Potenzial, den Meeresspiegel um mehrere zehn Meter anzuheben. «Was wir mit Sicherheit wissen ist, dass das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas die Risiken für die Küstenmetropolen von New York bis nach Mumbai, Hamburg oder Shanghai weiter in die Höhe treibt», warnte Levermann.

Das Schiff «Polarstern» brachte Forscher bereits mehrmals in Polargebiete. Erstmals wird es nun ein Jahr lang im Eis festfrieren.

Forscher in der Antarktis. Bild: Alfred-Wegener-Institut/Stefan Hendricks, Antarktis

Antarktis wird beherrschender Faktor

Bisherige Prognosen zum Anstieg des Meeresspiegels aufgrund der globalen Erwärmung berücksichtigten vor allem die thermische Ausdehnung des sich erwärmenden Meerwassers sowie schmelzende Gebirgsgletscher als wichtigste Faktoren für den Anstieg des Meeresspiegels. Auch das Abschmelzen des grönländischen Eisschilds spielt eine Rolle.

Den jetzt in der Zeitschrift Earth System Dynamics der Europäischen Geowissenschaftlichen Union (EGU) veröffentlichten neuen Forschungsergebnissen zufolge dürfte jedoch der Anteil der Antarktis bereits in absehbarer Zeit zum wichtigsten Faktor werden.

Alle Faktoren zusammen ergeben dann das Gesamtrisiko des Meeresspiegelanstiegs. «Die Einbeziehung der anderen Beiträge zum Meeresspiegelanstieg von Grönland, Gebirgsgletschern und der Ausdehnung der Ozeane kann zu einem Meeresspiegelanstieg bis zu 150 Zentimeter führen», sagte Levermann der Nachrichtenagentur AFP mit Blick auf den Zeitraum bis Ende des Jahrhunderts.

Laut der Studie könnte der globale Meeresspiegel in diesem Jahrhundert allein durch den Beitrag der Antarktis dreimal so stark ansteigen wie in den vergangenen hundert Jahren. In den zurückliegenden 100 Jahren hatte es einen Anstieg um insgesamt etwa 19 Zentimeter gegeben.

Meeresspiegel steigen schneller an als erwartet. Dafür gibt es zwei Gründe:

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Video: YouTube/Bayerischer Rundfunk

(oli/sda/apa/afp)

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