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Ermittlung zu Palme-Mord wird eingestellt – mutmasslicher Täter tot

10.06.2020, 09:2710.06.2020, 14:45
Olof Palme
Olof PalmeBild: keystone

Mehr als 34 Jahre nach dem Mord an dem schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme haben die Ermittler nach eigenen Angaben den mutmasslichen Täter ausgemacht. Weil der Mann mit dem Namen Stig Engström bereits vor Jahren gestorben sei, könne keine Anklage mehr gegen ihn erhoben werden, gab der mit den Palme-Ermittlungen betraute Staatsanwalt Krister Petersson am Mittwoch bekannt. Die Palme-Ermittlungen werden deshalb eingestellt.

Engström stellte bereits seit längerem eine heisse Spur in dem Fall dar. In Medienberichten war er stets als «Skandia-Mann» bezeichnet worden. Er soll sich am Mordabend in der Nähe des Tatorts befunden, Zugang zu Schusswaffen gehabt und Palmes Politik gehasst haben. Im Jahr 2000 war er gestorben.

«Ich bin der Ansicht, dass wir so weit gekommen sind, wie man es von der Untersuchung verlangen kann. Wir kommen nicht um eine Person als mutmasslichen Täter herum, und diese Person ist Stig Engström, der sogenannte Skandia-Mann. Weil Stig Engström verstorben ist, kann ich keine Anklage gegen ihn erheben oder ihn verhören, sondern habe beschlossen, die Voruntersuchungen einzustellen.»
Der mit den Ermittlungen betraute Staatsanwalt Krister Petersson am Mittwoch in Stockholm zum Entschluss, die Untersuchungen zum Mord am schwedischen Regierungschef Olof Palme nach 34 Jahren einzustellen.

Der Palme-Mord gilt als einer der grössten Kriminalfälle Europas, die Mordermittlungen zählen zu den umfassendsten und teuersten der Welt. Für Schweden stellen die Tat und die lange mangelnde Aussicht auf wesentliche Antworten in dem Fall ein nationales Trauma dar.

Bewegung im jahrelangen Verfahren

Mitte Februar war überraschend Bewegung in den Fall gekommen: Staatsanwalt Petersson hatte in einer Kriminalsendung im schwedischen Fernsehen von neuen Spuren berichtet und verkündet, er glaube daran, noch vor dem Sommer aufzeigen zu können, was in der Tatnacht geschehen sei.

Die Ermittler präsentieren die mögliche Mordwaffe
Die Ermittler präsentieren die mögliche MordwaffeBild: keystone

«Ich bin zuversichtlich, präsentieren zu können, was um den Mord herum passiert ist und wer dafür verantwortlich ist», hatte Petersson gesagt. Zugleich hatte er angekündigt, noch im ersten Halbjahr 2020 entweder Anklage erheben oder die Voruntersuchungen einstellen zu wollen.

Die schwedische Zeitung «Aftonbladet» berichtete vor dem mit Spannung erwarteten Entschluss davon, dass die Palme-Ermittler die Mordwaffe gefunden hätten. Die schwedische Regierung sei bereits vorab über die Hintergründe der Bekanntgabe der Ermittler informiert worden, schrieb das Blatt unter Verweis auf informierte Kreise.

Mord im Jahr 1986

Olof Palme war am Abend des 28. Februars 1986 um kurz vor Mitternacht auf dem Rückweg aus einem Stockholmer Kino auf offener Strasse von einem Mann von hinten erschossen worden. Kurz darauf wurde er im Krankenhaus für tot erklärt.

Grosse Trauer.
Grosse Trauer.Bild: keystone

Der Sozialdemokrat war zu dem Zeitpunkt seit knapp dreieinhalb Jahren wieder Ministerpräsident gewesen, nachdem er dieses Amt bereits von 1969 bis 1976 innegehabt hatte. Palmes Frau Lisbet, die mit ihm im Kino gewesen war, erlitt einen Streifschuss und überlebte die Tat leicht verletzt.

Bei den zunächst nur schleppend in Gang gekommenen und von Beginn an fehlerbehafteten Ermittlungen in dem Mordfall geriet zunächst ein 33-jähriger Mann unter Verdacht. Er kam nach kurzer Untersuchungshaft wieder frei.

Spur führt zur kurdischen PKK

Eine weitere Spur führte die Ermittler zur kurdischen PKK, eine andere Jahre später zum Geheimdienst nach Südafrika. Immer wieder tauchten neue Spuren und Hinweise auf, von einer Verschwörung innerhalb der schwedischen Polizeibehörden war ebenso die Rede wie von Rechtsradikalen als mögliche Täter.

Christer Pettersson (3)
Christer Pettersson (3)Bild: EPA/TT NEWS AGENCY / POLICE HANDOUT

Die konkreteste Spur führte die Ermittler zu Christer Pettersson, der nur zufällig so ähnlich heisst wie der heutige Palme-Staatsanwalt. Der drogensüchtige und vorbestrafte Mann wurde Ende 1988 festgenommen und von Lisbet Palme als Täter identifiziert.

Er wurde später von einem Gericht für den Mord verurteilt, in einem Berufungsverfahren mangels einwandfreier Beweise aber wieder freigesprochen. 2004 starb er. Auch ein weiterer Verdächtiger, der zum Mordzeitpunkt in der Nähe des Tatorts gearbeitet, Zugang zu Waffen gehabt und Palmes Politik gehasst haben soll, ist vor 20 Jahren gestorben. (aeg/sda/dpa)

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