Bundesratswahlen 2018
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
CVP-Bundesratskandidatin Heidi Zgraggen beantwortet Fragen von Journalisten vor den Hearings in der Fraktionssitzung der CVP, am Freitag, 16. November 2018 im Bundeshaus in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Heidi Z'graggen stellt sich nach dem Fraktionshearing den Fragen der Journalisten. Bild: KEYSTONE

Der Heidi-Hype: Welche Chancen hat die CVP-Überraschungsfrau?

Mit der Nomination von Heidi Z'graggen für den Bundesrat ist der CVP ein Coup gelungen. Die Urnerin bleibt Aussenseiterin, doch mit einer «Cassis-Strategie» könnte sie gewinnen.



Du hast keine Chance, aber nutze sie! Diese dem bayrischen Filmemacher und Querkopf Herbert Achternbusch zugeschriebene Devise scheint sich die CVP zu Herzen genommen zu haben. Lange stand die Bundesratswahl vom 5. Dezember ganz im Zeichen der FDP-Topfavoritin Karin Keller-Sutter. Das CVP-Vierergrüppchen sorgte hingegen für mässige Begeisterung.

Seit letztem Freitag ist alles anders. Neben der favorisierten Walliser Nationalrätin Viola Amherd setzte die CVP-Fraktion überraschend mit der Urner Regierungsrätin Heidi Z'graggen die vermeintlich grösste Aussenseiterin auf das Zweierticket. Damit schickte sie – wie von watson angeregt – ein Frauenticket ins Rennen um die Nachfolge von Doris Leuthard.

Die beiden nominierten CVP-Bundesratskandidatinnen Viola Amherd, links, und Heidi Zgraggen, rechts, am Ende einer Medienkonferenz, am Freitag, 16. November 2018 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Viola Amherd und Heidi Z'graggen duellieren sich um die Leuthard-Nachfolge. Bild: KEYSTONE

Der CVP ist damit ein Coup gelungen, den die gegen Wählerschwund kämpfende Partei gut gebrauchen kann. Vor zwölf Jahren hatte sie mit der Einerkandidatur von Leuthard gelangweilt. Nun sorgt sie für «die spannendsten Bundesratswahlen seit langer Zeit», wie die Tamedia-Zeitungen schreiben. Das ist ein wenig übertrieben, aber auch nicht falsch.

Start mit Handicap

Denn kaum war Z'graggen nominiert, entstand eine Art «Heidi-Hype». Nun sei das Rennen völlig offen, lautet der Tenor in den Medien, die sie zuvor kaum beachtet hatten. Das irritiert erst einmal, denn die Urnerin ist in Bundesbern eine weitgehend unbekannte Grösse, während Amherd als langjährige Nationalrätin und Vize-Fraktionspräsidentin der CVP bestens vernetzt ist.

Der Nobody-Status wurde letztes Jahr wohl dem Genfer FDP-Regierungsrat Pierre Maudet zum Verhängnis (was mittlerweile wenige bedauern dürften). Der Sprung aus einer Kantonsregierung in den Bundesrat gelingt in der Regel nur bei fehlender Konkurrenz durch Bundesparlamentarier, wie beim CVP-Frauenticket Metzler/Roos 1999 oder jenem der SP 2002 (Calmy-Rey/Lüthi).

Heidi Z'graggen startet also mit einem eindeutigen Handicap in die heisse Phase des Wahlkampfs. Trotzdem ist die 52-jährige Justizdirektorin keineswegs chancenlos. Vergleicht man ihr politisches Profil mit jenem von Viola Amherd, sind auf den ersten Blick kaum Unterschiede zu erkennen. Die Walliserin tendiert einen Tick nach links, während sich die Urnerin «eher zum rechten Flügel» zählt.

Doris Leuthard – ihre Karriere im Rückblick

Klare Differenzen gibt es in der Umweltpolitik. Heidi Z'graggen hat sich als Präsidentin der eidgenössischen Kommission für Natur- und Heimatschutz einen guten Ruf erworben. «Ich empfehle den Umweltpolitikern im Parlament, ihr eine Chance zu geben», sagte Raimund Rodewald, Geschäftsführer der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, der «NZZ am Sonntag».

«Grüne» Empfehlung

Das will etwas heissen, denn Rodewald ist bekannt für seine pointierten Wortmeldungen. Er attestiert Z'graggen ein glaubwürdiges Engagement für den Landschaftsschutz, während Amherd aus einem Kanton stammt, in dem man gerne Wölfe abknallt und Landschaften zubetoniert. Trotzdem dürfte sie im Mitte-links-Lager die besseren Chancen haben als die Innerschweizerin.

Die proeuropäischen Grünliberalen könnten Z'graggen die Kritik am Rahmenabkommen mit der EU übel nehmen. Ihre Aussagen am CVP-Talk in Bern zu diesem Thema erinnerten an den SVP-Jargon. In ihren Interviews mit der Sonntagspresse äusserte sie sich vorsichtiger. «Den bilateralen Weg zu erhalten, ist das Wichtigste», sagte sie der «NZZ am Sonntag».

Wie Cassis vor einem Jahr?

Mit ihrer EU-Skepsis und dem – vorläufigen – Nein zum UNO-Migrationspakt schielt Z'graggen auf die Stimmen von Mitte-rechts. Für den «Sonntagsblick» will sie damit die erfolgreiche Strategie von Ignazio Cassis vom letzten Jahr kopieren. Der Tessiner Freisinnige warb unverhohlen und auf teilweise grenzwertige Art um die Gunst der SVP und schaffte so die Wahl in den Bundesrat.

Es ist nicht auszuschliessen, dass Heidi Z'graggen mit einer ähnlichen Methode Erfolg haben wird. Eine weitere Parallele zu Cassis ist der «Regionen-Bonus», den sie als Innerschweizerin eher beanspruchen kann als ihre aus dem westlichen Landesteil stammende Kontrahentin. Ausserdem gehört Uri zu den wenigen Kantonen, die noch nie im Bundesrat vertreten waren.

Trotzdem bleibt Viola Amherd in der Pole Position. Heidi Z'graggen hat in den etwas mehr als zwei Wochen bis zur Wahl noch viel Arbeit vor sich, um das Parlament von sich zu überzeugen. Nur eines scheint vorerst gewiss: Die Idee einer Sprengkandidatur hat sich mit dieser spannenden Frauenwahl erledigt. Darüber schwadronieren höchstens ein paar versprengte SVPler.

Wenn Politiker vergessen, dass sie Mikrofone tragen ...

Play Icon

Video: watson

Bundesratswahlen 2018

So denkt Heidi Z’graggen über den Migrationspakt, die EU und die «Ehe für alle»

Link to Article

Schneider-Ammann war ein Chrampfer – der fragwürdige Entscheide traf

Link to Article

Braucht es 3 Frauen im Bundesrat? 5 Dinge, die du nach dem Doppelrücktritt wissen musst

Link to Article

Morgen gibt es 2 neue Bundesrätinnen – mit dieser Grafik kannst du mitdiskutieren

Link to Article

CVP will mindestens eine Frau ins Bundesrats-Rennen schicken

Link to Article

Bloss lauwarmer Support von der SVP – Heidi Z’graggen packt ihre Chance nicht

Link to Article

Nur Machtspielchen können Keller-Sutter noch stoppen

Link to Article

«Wir staunen nur noch»: CVP landet mit Frauenticket einen Überraschungscoup

Link to Article

Er ging mit einem Lächeln: 4 Pointen, die JSA bei seiner Abschieds-PK gekonnt setzte

Link to Article

Nur ein Mann nominiert – die Chancen für drei Frauen im Bundesrat stehen gut

Link to Article

Reines Frauenticket? Das sagt FDP-Chefin Gössi über die Nachfolge von Schneider-Ammann

Link to Article

Nur ein grober Fehltritt kann Amherd und Keller-Sutter noch stoppen

Link to Article

Der CVP-Bundesrats-Talk war beste Werbung für ein Frauenticket

Link to Article

Keller-Sutters Rivalen geben reihenweise auf – woran sie trotzdem noch scheitern könnte

Link to Article

Eine populäre Strahlefrau mit kleinen Fehlern

Link to Article

Frauen sind die besseren Männer – auch für den Bundesrat

Link to Article

CVP und FDP präsentieren Zweierticket – das musst du über die Bundesratskandidaten wissen

Link to Article

Das Machtnetz von Bundesrats-Kandidatin Viola Amherd

Link to Article

«Dä isch en Depp»: Bundesratskandidatin Heidi Z'graggen tappt in die Mikrofon-Falle

Link to Article

Bundesratswahl: Klare Sache bei der FDP – Konfusion bei der CVP

Link to Article

Kriegstreiber, Komplotte, Kopp: Diese 11 Bundesratswahlen seit 1848 ragen heraus

Link to Article
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

28
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
28Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • chäsli 20.11.2018 08:30
    Highlight Highlight Im Gegensatz zu Frau Amherd ist Heidi Z'graggen wählbar, sie hat keine finanziellen Betrugsgeschichten am Hals.
    • Fabio74 20.11.2018 10:48
      Highlight Highlight Hat amherd auch nicht.
    • Bündn0r 20.11.2018 13:37
      Highlight Highlight Ganz so einfach ist die Finanzgeschichte Amherds nicht.
      Sie versuchte eine Unklarheit zu beseitigen, schuf damit aber eine Hand voll neuen. Die langsame Verwaltung trifft dabei auch eine zünftige Schuld.
  • chäsli 20.11.2018 08:28
    Highlight Highlight Nach Doris Leuthard wäre Heidi Z'graggen ein Wohltat. Sie sagt was sie denkt und ist erfrischend ehrlich, eigentlich keine CVP Eigenschaft.
  • Gubbe 19.11.2018 20:47
    Highlight Highlight Ich moniere bei diesen 2 Vorschlägen, dass wieder Juristinnen nominiert sind. Ich vermisse Typen wie Richard und Ogi, die dem Volk näher standen. Das bei Frau Z'graggen der 'Depp' rausgerutscht ist, ist nicht so schlimm. Ausserdem muss sie nicht Klavier spielen können und die Last der Welt zu ertragen versuchen. Auch sollte die gewählte Probleme nicht weglachen, sondern darüber informieren und Lösungen aufzeigen. Fast alle können in die Position des BR reinwachsen, nicht alle haben den Mut aufzuhören.
    • phreko 19.11.2018 23:45
      Highlight Highlight Kann es möglicherweise sein, dass sich einfach mehr Juristen für politische Ämter interessieren?
      Weshalb studiert man wohl Jus?
    • Juliet Bravo 20.11.2018 03:13
      Highlight Highlight „Auch sollte die gewählte Probleme nicht weglachen, sondern darüber informieren und Lösungen aufzeigen.“ Offenbar ist Klavierspielen können gerade eine super Voraussetzung dafür, Probleme nicht wegzulachen und taugliche Lösungen zu erarbeiten und diese sachlich zu vertreten.😉
    • Fabio74 20.11.2018 07:03
      Highlight Highlight Immerhin ist die Klavierspielerin so erfolgreich, dass ihr Langweiler wenigstens ein Feindbild bewirtschaften könnt
    Weitere Antworten anzeigen
  • Lacaduc 19.11.2018 20:13
    Highlight Highlight Die eine nennt Zuschauer Depp, die andere hat eine offene Klage wegen Betrugs. Herzliche Gratulation an die CVP, dass ist eine hervorragende Auswahl.
  • Garp 19.11.2018 18:51
    Highlight Highlight Für mich ist Frau Zraggen nicht wählbar, weil sie nicht mal zu einem kleinen Fehler stehen kann, selbst wenn es Mikrophon Aufzweichnungen gibt. Eine Bundesrätin oder ein Bundesrat muss kein Superheld sein, aber zumindest ehrlich und um ehrlich zu sein braucht es etwas Füdli, wie man früher sagte.

    Die CVP will vom Frauenbonus profitieren, damit sie die konservativen Kräfte der Partei stärken kann. Hegglin wäre da die ehrlichere Auswahl gewesen.
  • simiimi 19.11.2018 18:27
    Highlight Highlight Ist doch gut so, die Frau hat wenigstens schon Exekutiverfahrung und immerhin das Andermattprojekt mit Sawiris durchgezogen. Sollte Amherd lediglich gewinnen weil sie schon länger in Bern hockt, wäre das kein besonders gutes Zeichen für den Zustand unserer Politik.
  • Muselbert Qrate 19.11.2018 18:22
    Highlight Highlight Für eine Linke wäre sie keine schlechte Wahl!
  • Sophia 19.11.2018 17:39
    Highlight Highlight Ich finde die Haltung dieser Frau zu Ihrem Fehltritt "Depp" geradezu arrogant. Sie will uns weiss machen, dass das ein akustischer Knacks oder so was war, was sie sagte.
    Dreierlei Dinge passen mir nicht an dieser Sache.
    1. Sie lügt
    2. Sie hält uns für Deppen
    3. Sie ist derartig arrogant, dass sie glaubt, ihr würde man glauben, wie so viele weiland dem Oberhirten der SVP geglaubt hatten. Sie ist kein Blocher!
    • chäsli 20.11.2018 08:25
      Highlight Highlight Man müsste genau wissen das der "Depp" gesagt hat ? Heidi Z'graggen lügt nicht, sie hält uns auch nicht für Deppen, den nächsten Vorwurf kommentiere ich nicht.
  • NocheineMeinung 19.11.2018 17:00
    Highlight Highlight Mich beschäftigt der Mikrofon-Fail von Frau Z'graggen:

    Dass ihr so etwas passierte, finde ich völlig entschuldbar; in der Hitze der Debatte, kennt die Gefahren der laufenden Mikrofone nicht, hat keine Erfahrung, wie vorsichtig man damit umgehen muss.
    Aber nachher, als die Sache publik wurde, nicht hinzustehen zu können und den eigenen Fehler zuzugeben, macht sie für mich nicht wählbar, sorry.
  • Max Dick 19.11.2018 16:20
    Highlight Highlight Ich weiss, ein guter BR ist nicht zwingend der/die mit dem besten politischen und beruflichen Wertegang, aber mir scheint der Sprung vom Regierungsrat eines Kantons, der mehr ein grösseres Dorf ist wo jeder jeden kennt, in den Bundesrat doch viel zu gross. Frischer Wind hat zwar sicher etwas gutes, aber eine BR die keine Erfahrung hat wie die Mühlen des Parlaments noch jene einer grossen Verwaltung mahlen, ist doch ein zu grosses Risiko. Ich hoffe daher sehr auf Frau Amherd.
    • Howard271 19.11.2018 16:56
      Highlight Highlight Als ehemaliger Mitarbeiter der Regierung eines ähnlich kleinen Kantons wie Uri muss ich dem klar widersprechen. Trotz der Einwohnerzahl hat man dieselben Aufgaben und Grundorganisation wie eine grössere Verwaltung. Klar ist alles näher und kleiner, aber über die Abläufe in Bern sind diese RR mindestens genauso gut informiert, gerade weil sie mehr Zeit in gesamtschweizerische Regierungskonferenzen investieren können, und dort auch eingebunden sind.
    • manuro 19.11.2018 16:57
      Highlight Highlight was macht den Unterschied zwischen einer grossen und einer kleinen Verwaltung ? Exekutiverfahrung, ob nun in Altdorf oder in Bern ist wohl höher einzustufen als die Arbeit einer Nationalrätin. Wenn ich teilweise so Bundesparlamentarier betrachte, die meinen, sie können alles, dann wünsche ich mir doch lieber Heidi !
    • Roterriese 19.11.2018 17:39
      Highlight Highlight Wir haben auch eine Pianistin im Bundesrat..
    Weitere Antworten anzeigen
  • regen 19.11.2018 15:55
    Highlight Highlight Da die svp den zuger und innerschweizer aeschi als maurer-nachfolger in petto hat, wird z'graggen als urnerin und somit ebenfalls innerschweizerin, kaum geschlossen von der svp unterstützt werden......
    • Gurgelhals 19.11.2018 22:43
      Highlight Highlight In der Kategorie "Vorstellungen, die einen das Blut in den Adern gefrieren lassen":

      Die SVP tritt beim Rücktritt von Ueli Maurer mit dem Zweierticket Aeschi / Martullo-Blocher an.

      🥶
    • Juliet Bravo 20.11.2018 03:19
      Highlight Highlight Ist Aeschi immer noch ein Thema bei der SVP?
    • Fabio74 20.11.2018 07:04
      Highlight Highlight Blochers Ziehsöhnchen? Oh graus

Ade Pelz: Schweizer zeigen Canada Goose die kalte Schulter

Einst bot er Forschern in der Arktis Schutz vor Kälte, in den letzten Wintersaisons prägte er modisch Schweizer Stadtbilder – der pelzbesetzte Parka, besonders derjenige der Marke Canada Goose. Nun flaut der haarige Hype ab. 

Er war der grosse Renner der letzten Schweizer Winter: der Jackenhersteller Canada Goose. Hätte man für jede Sichtung dieser omnipräsenten Parkas mit Kojotenkapuze einen Franken gekriegt, hätte man sich selbst bald schon eines der teuren Exemplare leisten können. Und das alles trotz heftiger Kritik der Tierschutzorganisationen.

Diese Saison hatten die Status-Parkas aber einen schweren Start. «Im Vergleich zu 2017 ist der Verkauf der Jacken und Mäntel der Marke stark eingebrochen», sagt …

Artikel lesen
Link to Article