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bild: watson / material: shutterstock
Emma Amour

Emma & Cleo – eine Liebesgeschichte in 4 Akten đŸ‘©â€â€ïžâ€đŸ’‹â€đŸ‘©

09.07.2020, 10:0310.07.2020, 09:21
Kid Cleo
Kid Cleo
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Manchmal ist das Leben eine Tragödie. Manchmal eine Komödie. Manchmal besser als ein Film. Oder ein verdammtes Theater. WÀren Emma und ich eine Geschichte, sie ginge so:

Der Prolog aka das Vorspiel

Den Anfang unserer Liebesgeschichte kennt ihr ja schon. (Es war bloss ein Kuss, Ems, steh doch dazu!) Aber was ich heute erzÀhlen will, ist nicht wie, sondern warum Emma meine Freundin wurde. Und warum ich glaube, dass sich jeder eine Emma suchen soll. (Also, nehmt mir nicht meine Emma weg, sucht euch gefÀlligst eure eigene.)

Dass man mit Emma befreundet sein will, ist logisch. Emma hat ein Lachen, das knallt dich weg! Julia Roberts kann einpacken mit ihrem Grinsen. Der Pretty Woman Award gehört nach ZĂŒrich. Und Emma hat diese französische Eleganz, obwohl sie kein Wort Französisch spricht. Die vielen Zigaretten haben ihre Stimme versaut, was zu ihrem Vorteil ist, die Stimme ist tief und rauchig. Wenn Emma einmal nicht mehr arbeiten will, könnte sie sofort eine Karriere als Sex-Telefonistin starten. (Gibt's das ĂŒberhaupt noch?)

Meine Freunde reden von «der mit der krassen Stimme», wenn sie von Emma reden. Oder allgemein von «der Krassen». Denn im Gegensatz zu mir ist Emma «krass». Emma ist ein Cool Kid. Emma ist Rock 'n' Roll. Emma ist wie Eminem, einfach schöner und besser und weiblicher. Ich bin das Gegenteil.

Ich bin lieb und fĂŒrsorglich. Zuweilen unbeholfen und naiv. Ich weiss nie, welche Party angesagt ist, nie, wo «man» sich trifft. Statt die Passwörter zu neuen Clubs kenne ich sĂ€mtliche Torten-Rezepte und weiss, welche Wickel man fĂŒr welche Krankheit machen muss. Ich lege die WĂ€sche meiner AffĂ€ren gefaltet auf einen Stuhl, wenn sie bei mir ĂŒbernachten und ich bringe am Morgen Kaffee mit Sojamilch ans Bett. Laktoseintoleranz hab ich natĂŒrlich auch.

Dies also die Figuren dieser Geschichte. Nun die Handlung.

1. Akt: Das Kennenlernen

Nach besagter Party traf ich Emma ein halbes Jahr nicht mehr. Obwohl ich sie sofort auf Facebook fand. Auch so eine uncoole Seite von mir. Ich stalke Leute, die ich kennenlerne. Und finde jeden. Wenn ich mal nicht mehr gebucht werde, beginne ich eine Karriere als Detektivin. Oh ja!

Nach einem halben Jahr sahen wir uns erneut an einer Party. Diesmal war Emma ebenfalls Gast und: Es ging ihr so richtig mies. Sie hat mir ihr Herz ausgeschĂŒttet. Hat Rotz und Wasser geheult. Ich habe sie spĂ€ter mal gefragt, was sie da geritten hat, dass sie sich mir so anvertraute, mir, einer Frau, von der sie sogar nicht mal mehr den Namen wusste. Sie sei «so am Arsch gewesen», sie hĂ€tte jedem ihr Herz ausgeschĂŒttet, sagte sie auf meine Frage. Was ich eine bescheuerte Antwort fand. (Gibs doch zu, Ems, du hast unbewusst gespĂŒrt, wie toll ich bin. Unbewusst!)

Sie hatte damals eine miese Beziehung und noch miesere Trennung hinter sich. Ich hatte keine Ahnung von Beziehungen, aber ich hörte zu – was ich gut kann – und als die Party fertig war, gingen wir zu mir und ich habe ihr selbstgebackene Hafer-Kekse und Ingwer-Zitrone-Honig-Tee serviert.

2. Akt: Die Freundschaft

Wir merkten, dass wir ganz in der NĂ€he wohnten. Also mein Dad, der in ZĂŒrich lebt, und sie. Und dass wir beide viel Zeit tagsĂŒber hatten. Wenn ich in ZĂŒrich war, war ich ja nicht auf einem Job und sie arbeitete nur nachts. Wir trafen uns zum Kaffee. Zum Spazieren. Zum Shoppen. Ich ĂŒberredete sie manchmal, mit mir schwimmen zu gehen. Ich gehe sehr, sehr oft schwimmen, mein Job erlaubt keine Hafer-Keks-Kilos. Emmas Raucherlunge erlaubt kein Schwimmen. Sie hat es jeweils knapp eine LĂ€nge weit geschafft. Dann ist sie am Beckenrand rumgehangen und hat mit MĂ€nnern in Speedo geflirtet.

Dass wir so unterschiedlich sind, hat uns nie gestört. Sie findet meinen Wunsch nach Kamin, Kind und Kompost unverstÀndlich, aber sie akzeptiert ihn. So, wie sie alles akzeptiert, was ich erzÀhle. Und deshalb ist es toll, eine Emma im Leben zu haben. Weil alles geteilt wird. Habe ich etwas Peinliches erlebt, dann ist es lustig, nachdem ich es Emma erzÀhlt habe. Habe ich etwas Gutes erlebt, freut sie sich so sehr, dass ich mich gleich noch mehr freue. Alles wird doppelt so gut oder halb so schlimm, wenn man eine Emma hat.

Ausser es ist richtig scheisse. Dann kann eine Emma kurzzeitig weh tun...

3. Akt: Die Trennung

Ich war in dieser einen Beziehung, die lĂ€nger dauerte als drei Monate. Was erstaunlich ist, vor allem, wenn man bedenkt, dass sie absolut toxisch war, die Beziehung. Der Mann war brutal und irr. Gecheckt hab ich das nicht. Was ich in jener Zeit hören wollte, war, dass Emma wie alle meine anderen Freunde, sagt, es komme «schon noch gut». Aber das tat sie nicht. Als Einzige sagte sie, dass das nicht gut sei. Und dass es nicht gut kommen werde. Dass die Beziehung scheisse und der Mann scheisse sei. Ich verurteilte sie dafĂŒr. Ich war so verletzt, dass ich sie eine Weile nicht sehen wollte.

Irgendwann trennten wir uns, der Mann und ich, und Emma erfuhr es.

4. Akt: Happy End

Emma hĂ€tte sich nicht melden mĂŒssen, so wie ich es davor bei ihr getan habe, wĂ€re ihr gutes Recht gewesen, aber das hat sie nicht getan. Vielleicht, weil sie etwas Ă€hnliches erlebt hatte. Vielleicht, weil sie einfach ein geiler Mensch ist. Emma hat sofort angerufen. Ist vorbeigekommen. Hat Stund fĂŒr Stund, Tag fĂŒr Tag, Woche fĂŒr Woche zugehört und mit mir jede Einzelheit dieser abgefuckten Geschichte durchgekaut. Nie hat sie gesagt: «Habs dir ja gesagt, MĂ€del, hĂ€ttest doch auf mich hören sollen». Nie.

Epilog aka Schlusswort

Und deshalb ist Emma meine Emma. Weil eine Emma, also eine richtig gute und richtige Freundin, nicht nachtragend ist. Weil sie sich Zeit nimmt. Und: Weil sie es wichtiger findet, dass es dir gut geht, als dass es der Freundschaft gut geht. Sie sagt Dinge, die dir helfen, auch wenn du sie nicht hören willst. Sie ist ehrlich, aber nicht weil sie sich gut darstellen, sondern weil sie dich schĂŒtzen will. Das ist ein grosser Unterschied. Freunde wie Emma können auch unbequem werden, Abstand aushalten, und dann aber sofort wieder fĂŒr dich da sein... was ich sagen will: Jede und jeder sollte sich eine Emma suchen, wenn er noch keine Emma hat.

(Ach das ist jetzt irgendwie ernster geworden, als ich wollte. Entschuldigt. In einer Woche erzÀhl ich euch von meinem Erlebnis an der Sexparty. Kein deeper Freundinnenscheiss. Nur Sex und Schweiss. Oh ja.)

Kiss und Klits fĂŒr euch,

Cleo

Kid Cleo ist ...
... eine der besten Freundinnen von Emma Amour und aktuell ihre Ferien-Vertretung. Cleo ist Mitte 20, pendelt zwischen ZĂŒrich und Genf und liebt MĂ€nner und Frauen gleichermassen – und ihren Hund Bella. WĂ€hrend den nĂ€chsten Wochen wird uns Cleo mit Storys aus ihrem Leben unterhalten – so lange, bis Ems genug vom «Sommer ihres Lebens» hat. Und noch ein Hinweis von Emma selbst: «Seid nett zu Cleo, sie ist noch sehr klein!» (PS: Cleo ist grösser als Emma.)
Das bin nicht ich. Aber so wĂŒrde ich als Illustration aussehen. Öppe. PS: Einen Hund hab ich tatsĂ€chlich. Aber meiner sabbert.
Das bin nicht ich. Aber so wĂŒrde ich als Illustration aussehen. Öppe. PS: Einen Hund hab ich tatsĂ€chlich. Aber meiner sabbert.
bild: watson / shutterstock

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