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Denkende Maschinen und ewiges Leben: Das sind die fünf Megatrends bis 2030

In diesem Gebilde können dreidimensionale Hologramme erzeugt werden.
Bild: AP

Die Digitalisierung und Globalisierung bewirken, dass sich die Welt immer schneller verändert. Schon in zehn Jahren könnte sie einiges anders aussehen als heute. Ein Forscherteam hat den Blick in die Zukunft gewagt. 



Fliegende Autos, das Smartphone, das uns nach der Morgentoilette sagt, was wir frühstücken sollen, Post austragende Drohnen, Demente, die von Robotern betreut werden und ein künstlich hergestelltes Stück Lamm auf dem Mittagsteller.

Was bringt uns die Zukunft? Und müssen wir uns davor fürchten oder blicken wir dem Kommenden hoffnungsvoll entgegen? Welchen Wert hat Heimat, wenn wir überall auf der Welt zu Hause sein können? Was bedeutet Vertrauen, wenn künstliche Intelligenz uns immer besser versteht? Was bedeutet uns noch Leistung, wenn Maschinen unsere Arbeit übernehmen? Und wie definieren wir in Zukunft, wer überhaupt noch Mensch ist?

Diese Fragen hat sich ein Forscherteam der Gesellschaft für innivative Marktforschung (GIM) gestellt. In ihrer kürzlich publizierten Studie «Values & Visions 2030 – Was uns morgen wichtig ist» definieren sie die fünf wichtigsten Megatrends der Zukunft. Zusätzlich befragte das Team über tausend Personen zu ihren Ängsten, Sehnsüchten und Hoffnungen im Bezug auf die kommenden Veränderungen. Die Ergebnisse der Studie geben Einblick ins Jahr 2030.

Hier die fünf wichtigsten Megatrends der Zukunft:

Denkende Maschinen

Die Operation beginnt, die Chirurgin ist bereit. Ihr steht ein Medizincomputer zur Seite, der Messwerte des Patienten in Echtzeit bereitstellt und interpretiert. Dank ihm ist diese hoch komplizierte Operation möglich, die der Mensch alleine niemals ausführen könnte. 

Unsere Umgebung wird zunehmend mit Computern, die immer kleiner werden und immer stärker vernetzt sind, durchdrungen. Diese sind mit Sensoren und künstlicher Intelligenz ausgestattet. Sie sind in der Lage Situationen zu erfassen und zu interpretieren, was um uns herum geschieht. Sie lernen auf uns zu reagieren und selbst Entscheidungen zu treffen. 

epa05406531 (02/21) Tomomi Ota interacts with her humanoid robot Pepper at her home in Tokyo, Japan, 26 June 2016. Reaching 120cm in height and 28 kilograms in weight, Pepper does not enter in the category of ‘portable’ robot. But those characteristics don’t stop Tomomi Ota to take Pepper in a cart to stroll in her neighborhood, go shopping or even take the subway. In June 2014, when Pepper was presented for the first time by Japanese telecommunications and Internet corporation Softbank at a press event, Tomomi looked at the presentation via a live broadcast on Ustream. While some people were ‘scared’ or reluctant by the new humanoid robot, curiosity pushed her to apply to lottery sales for the first lot of 200 Pepper. She was lucky enough to acquire then a ‘Developer’s Pepper’, the first models of the robots which need to be programmed by the users. Pepper entered Tomomi’s home in November 2014 and was soon adopted by her parents to become a member of the family. Having degrees in media design and music, Tomomi had to learn programming and her efforts deepened her bonds with her new friend. Capable of reading human emotions and to adapt to his interlocutor, the robot created by Aldebaran Robotics and SoftBank Robotics is now used as customer service in stores and 1000 units are sold out in minutes after being on sale every month. Pepper is making his way to Japanese homes but few can enjoy so much outdoor like Tomomi’s one. Asked if she isn’t worried about damaging her robot friend during her activities, the 30-year-old said that she is taking extra care as she couldn’t imagine being separated two months from Pepper, the average time needed for a repair.  EPA/FRANCK ROBICHON PLEASE REFER TO THE ADVISORY NOTICE (epa05406529) FOR FULL PACKAGE TEXT

Die Japanerin Tomomi Ota mit ihrem Rotober Pepper. Bild: EPA

In ihrer Studie schreiben die GIM-Forscher: «Es gibt einen Paradigmenwechsel in der IT – und zwar von Systemen, an die wir uns anpassen mussten, hin zu Systemen, die sich an uns anpassen. Wir werden umgeben sein von digitalen Assistenten.»

Das «Ich» als Profitmaschinerie

Das Essen kommt auf den Tisch. Es riecht nicht nur lecker, sondern sieht auch ästhetisch aus. Das Smartphone wird gezückt, ein Foto gemacht, ein Filter darüber gesetzt und ins Internet gestellt.

Solche und ähnliche Szenen sind bereits heute jeden Tag zu beobachten. Die GIM-Forscher sagen, dieser Trend werde weiterhin anhalten und unser Leben massgeblich beeinflussen. Immer mehr Persönlichkeitsaspekte werden in soziale Währungen umgemünzt, die den eigenen Status erhöhen und den Wohlstand steigern sollen.

Dank zahlreicher Internetplattformen, die sich auf jeden Bereich des Lebens spezialisiert haben, kann aus jeder Situation Kapital geschlagen werden. Das schicke Selfie bringt neue Bekanntschaften, wer häufig im Sportstudio trainiert und fit bleibt, kann Krankenkassenbeiträge sparen, und wer besonders nett zu seinen Übernachtungsgästen ist, erhöht die Chance im eigenen Urlaub schön und günstig unterzukommen. 

epa04971874 YouTube star Bibis Beauty Palace (Front) takes a selfie with a fan during a live appearance of YouTube stars in Bremen, Germany, 10 October 2015.  EPA/CARMEN JASPERSEN

Bianca Heinicke betreibt einen YouTube-Kanal mit tausenden Abonnenten. Bild: EPA/DPA

Das Ideal der Selbstverwirklichung, zu tun, was man will, hat sich gewandelt: Heute und in Zukunft wollen die Menschen sein und tun, was einen am besten weiterbringt. Das «Ich» wird Mittel zum Zweck.

Das Streben nach dem ewigen und perfekten Leben

Das Wunschkind ist da, die Eltern sind glücklich. Schon vor der Geburt haben sie durchgecheckt, ob es rundum gesund ist. Und dank dem medizinischen Wissen hat das Kind gute Chancen, auch weiterhin bei guter Gesundheit zu bleiben und ein langes Leben zu führen. Ernsthaft krank wird es wohl nie werden.

Der Trend nach einem langen und gesunden Leben hält an. Unser alltägliches Verhalten, die Alltagsroutinen, unsere durchgeplante Ernährung werden perfektioniert und ermöglichen uns grosse Gesundheit, einen fitten Körper und eine höhere Leistungsfähigkeit. Dank Prothesen und Medikamenten, etwa solche zum effizienteren Lernen, erreichen wir neue Dimensionen. 

Der Krebsforscher Andrea Alimonti arbeitet mit chemischen Substanzen, im Laboratorium des Krebsforschungsinstituts (IOR) in Bellinzona, am Dienstag, 3. Februar 2015. Alimonti, der sich im Bereich der Prostata-Krebsforschung verdient gemacht hat, hat den Dr. Josef-Steiner-Krebsforschungspreis gewonnen. Der Preis, ein Schweizer Wissenschaftspreis auf dem Gebiet der Krebsforschung, ist mit 1 Million Franken weltweit der hoechstdotierte Preis in der Krebsforschung und wird alle zwei Jahre vergeben. (KEYSTONE/Ti-Press/Pablo Gianinazzi) *** NO SALES, NO ARCHIVES ***

Der Krebsforscher Andrea Alimonti in seinem Labor in Bellinzona. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Das biomedizinische Korrigieren von Genabschnitten ist in greifbarer Nähe. So lassen sich Erbkrankheiten, Krebs oder Aids heilen. Ein neues medizinisches Verfahren erlaubt es, Teile des Erbguts zu bearbeiten oder zu löschen. Solche Gentherapien werden die Diskussionen um den Alterungsprozess auf den Kopf stellen.

Gleichgesinnte global vernetzt

Anita hat vor kurzem das Tauchen für sich entdeckt. Leider teilt in ihrem nächsten Umfeld niemand ihr neues Hobby. Für sie aber kein Problem. Im Internet finde sie schnell Internetseiten, Foren und Blogs, wo sie sich mit Gleichgesinnten austauschen kann. Schnell sind neue Freunde gefunden, die mit ihr zu den besten Tauchspots fahren. 

VISUALISIERUNG - UNDATIERTES HANDOUT - Visualisierung des Swisscom Breitband-Netz in Arnex-sur-Orbe im Kanton Waadt. Mit ihrem Netz verbindet Swisscom die ganze Schweiz. Bis heute wurden bereits 3 Millionen Wohnungen und Geschaefte mit Ultrabreitband erschlossen. (PHOTOPRESS/Swisscom)

Mit dem Internet können sich selbst Menschen in weniger erschlossenen Gebieten vernetzen. Bild: PHOTOPRESS

Durch das Internet nehmen wir immer stärker wahr, wie vielfältig und pluralistisch unsere Gesellschaft tatsächlich ist. Das bricht die bisher gekannte Ordnung auf und verlangt eine Neuorganisation. Fragen nach der eigenen Identität gewinnen an Bedeutung und sind schwerer zu beantworten. 

Der CEO des Gottlieb Duttweiler Instituts, David Bosshart, wird in der GIM-Studie zitiert: «Die Digitalisierung verstärkt tendenziell eine Fragmentierung der Gesellschaft. Im Prinzip leben wir in und mit hochsegmentierten Peergroups. Wir leben in Blasen mit Gleichgesinnten.»

Auch kleine Gruppen können dank der Vernetzung immer unkomplizierter zusammenfinden. Dies nutzt dem Einzelnen, der seine eigene Persönlichkeit immer freier ausleben kann. Doch tatsächlich davon profitieren können vor allem jene, die Kompetenz im Digitalen haben und von den neuen Strukturen nicht überfordert sind. Es beginnt ein Prozess der gesellschaftlichen Neuordnung.

Zurück zur Natur, zurück zum Mensch

Ferien an der Aare, das Gemüse aus dem Schrebergarten, das Bier von dem örtlichen Brauer. Dank der Globalisierung haben wir die freie Wahl, was und wie wir konsumieren. Was im Laden nicht gefunden wird, kann online bestellt werden. Das Angebot der grenzenlosen Welt mag zwar verlockend sein, doch der Trend geht in Richtung von dem, was lokal und greifbar ist. 

epa06091581 A woman and her young son inspect a plant at the Vattenfall urban garden in Berlin, Germany, 14 July 2017 (issued 16 July 2017). An increasing number of people are engaging in city gardening activities such as growing their own vegetables or sharing their garden plot with others. The power company Vattenfall has opened two communal green areas in Berlin where citizens can work, plant and enjoy gardening for free.  EPA/FELIPE TRUEBA  ATTENTION: This Image is part of a PHOTO SET

Urban Gardening in Berlin. Bild: EPA/EPA

Globalisierung und Digitalisierung lassen die Welt zusammenrücken, doch nur virtuell. Eine Re-Lokalisierung ist das Mittel gegen entrückte Beziehungen.

Die Rückbesinnung auf das Lokale findet auf allen Ebenen statt. Wirtschaftlich gewinnen regional hergestellte Produkte bei Verbrauchern an Reiz. Politisch wird lokalen Vorgaben mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Persönlich werden immer mehr Bürger in den Kommunen aktiv, ob im traditionellen Schrebergarten oder beim Urban Gardening. 

Der Rückbezug auf die direkte Umwelt kann so Entlastung und Erholung bieten. Bis hin zum romantischen Rückzug in die Idylle einer überschaubaren Welt. 

Was sich die Menschen von der Zukunft erhoffen

Diese fünf wichtigsten Megatrends der kommenden Jahre hat das GIM-Forscherteam einer Expertengruppe und über tausend Personen zur Beurteilung vorgelegt. Herauszufinden galt, ob die Menschen mit der angekündigten Zukunftsvision zufrieden sind und was ihre grössten Wünsche sind.

Hier die interessantesten Ergebnisse:

  1. Tradition und Heimat: Bei den befragten Personen ist gewünscht, dass die klassische Familie wieder an Bedeutung gewinnt. Viele sehnen sich nach den guten alten Zeiten, nach der Heimat oder nach regionalen Produkten. 
  2. Trotz der digitalen Welt sehnen sich die Menschen nach realen, körperlichen Kontakten. Nur Menschen können menschlich reagieren und emotionale Bedürfnisse befriedigen.
  3. Trotz unruhiger Zeiten ist es nicht erwünscht, dass die Überwachung der Menschen ausgeweitet und private Lebensbereiche vom Staat durchdrungen werden. Das selbstbestimmte Leben wird sehr hoch bewertet, Eingriffe in die Freiheitsrechte kritisch gesehen. 
  4. Viele befürchten, dass in den kommenden Jahren der Druck auf den Einzelnen noch steigen wird, sich optimal in die Wertschöpfungskette einzufügen. Aus Angeboten zur Weiterbildung wird Zwang zum lebenslangen Lernen, selbst privateste Lebensbereiche werden ständig bewertet und verglichen. Die Masse fürchtet, nicht mithalten zu können. Der Wunsch nach dem «wahren Glück» steigt. 

Diese Erfindungen werden in den kommenden Jahren den Alltag revolutionieren

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