Justiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Tally-Weijl fordert eine Million Franken Schadenersatz von Ex-Manager

Der Schweizer Teeniemodekonzern Tally Weijl verlangt von seinem ehemaligen Markenchef eine Million Franken Schadenersatz. Dieser soll sich jahrelang am Unternehmen bereichert haben.

24.02.18, 08:26

Andreas Maurer / Schweiz am Wochenende



Hosen für «extrovertierte Mädchen». Bild: KEYSTONE

Der Lebenslauf des Spaniers Ivo G. (42) ist beeindruckend. Als 29-Jähriger heuerte er beim weltgrössten Modekonzern Inditex als «Brand Director» (Markenchef) einer Geschäftseinheit für Teenie-Mode mit hundert Millionen Euro Umsatz an. In seinem Curriculum glänzt er zudem mit akademischen Titeln: Bachelor in Psychologie, Master in globalem Marketing und Master of Business Administration. Selbst die Basler Staatsanwältin zollt ihm Respekt: «Mit den erworbenen Managementkenntnissen in den betriebswirtschaftlichen Disziplinen war er für eine Karriere als Führungskraft bestens vorbereitet.»

Tally Elfassi-Weijl und Beat Grüring, die Inhaber des Modekonzerns Tally Weijl mit Sitz in Basel, waren «sofort überzeugt», dass Ivo G. für sie der Richtige sei – so gaben sie es in einer Einvernahme zu Protokoll. Der Spanier wurde ihnen durch einen Headhunter vermittelt. Sie stellten ihn 2009 mit einem Anfangslohn von monatlich 15 000 Franken plus 40 Prozent Bonus ein, ernannten ihn zum «Head of Development & Strategies» und beförderten ihn nach drei Jahren zum «Company Brand Director».

Er leitete somit die Bereiche Einkauf, Design, Marketing, E-Commerce sowie Ladenbau und verantwortete ein Budget von bis zu 160 Millionen Euro. Sein Gehalt verdoppelte sich. Er kassierte nun 27 500 Franken pro Monat plus Bonus. Mit 37 Jahren verdiente er mehr als ein Bundesrat. Doch das war ihm nicht genug.

Prämien eingesackt

Ivo G. nutzte es aus, dass er einen Arbeitsplatz fernab der Basler Zentrale hatte. Von Schanghai aus leitete er das Designteam in Paris und organisierte den Einkauf von Textilien und Accessoires in Asien. Mit drei Textillieferanten baute er eine spezielle Geschäftsbeziehung auf: Sie sollen ihm zwischen 2011 und 2013 persönliche Provisionen und Kickbacks von umgerechnet 330 000 Franken gezahlt haben.

Dies wirft ihm die Basler Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift vor, die der «Schweiz am Wochenende» vorliegt. Ivo G. hätte einen um diesen Betrag günstigeren Kaufpreis aushandeln können und habe sich auf Kosten von Tally Weijl bereichert, lautet der Vorwurf.

Die persönlichen Entschädigungen liess sich Ivo G. auf Konten in Hongkong und auf den Seychellen einzahlen. Dort hatte er eigene Firmen gegründet. Dabei hatte er sich in seinem Arbeitsvertrag verpflichtet, nicht ohne schriftliche Zustimmung für andere Firmen tätig zu werden. Seine eigenen Geschäfte tarnte er allerdings kaum. Er liess sich als Inhaber in den öffentlichen Handelsregistern eintragen.

Bild: EPA

2013 kam ihm Tally Weijl auf die Schliche. Inhaber Grüring reiste nach Schanghai, um das Arbeitsverhältnis in «beidseitigem Einverständnis» aufzulösen. Zurück in der Schweiz reichte er Strafanzeige ein. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage wegen mehrfacher qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung erhoben. Ivo G. droht eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.

Tally Weijl geht es vor allem um Geld: Die Inhaber fordern Schadenersatz von einer Million Franken inklusive Zinsen. Für den Konzern ist der Schaden allerdings verkraftbar. In den vergangenen Jahren hat er es geschafft, seinen Marktanteil in einem schwierigen Umfeld stetig zu vergrössern. Gemäss Schätzungen der Fachzeitschrift «Textilwirtschaft» betrug der Umsatz 410 Millionen Euro im Jahr 2016. Es könnte der bisher höchste Wert in der Firmengeschichte sein.

Das geschiedene Ehepaar, das geschäftlich immer noch gemeinsame Wege geht, gründete das Unternehmen 1984 in einer Solothurner Garage, trug es 1998 ins Aargauer Handelsregister ein und verlegte 2006 den Hauptsitz nach Basel. Nun ist es in 37 Ländern aktiv und wird auf Rang 70 der grössten europäischen Modeanbieter platziert.

Totally sexy?

Bild: KEYSTONE

Vor 13 Jahren lancierte Tally Weijl mit Magermodels die Kampagne «totally sexy». In Zeiten von #MeToo ist diese Strategie allerdings ausser Mode gekommen. Um Tally Weijl ist es in den vergangenen Jahren leiser geworden. Im Herbst kündigten die Inhaber an, das Online-Geschäft auszubauen und einige der weltweit 780 Läden zu schliessen.

Als unangenehmer Termin steht nun auch eine Woche im Juni in der Agenda. Dann ist der viertägige Prozess gegen Ivo G. angesetzt. Beide Parteien verzichten auf eine Stellungnahme. Dem Vernehmen nach finden Gespräche statt, um einen Deal zu finden und den Prozess abzusagen. Dafür ist es zu spät. Die Staatsanwaltschaft klagt ein Offizialdelikt an, das sie auch bei einem Rückzug der Anzeige verfolgen müsste.

Dass es ihr ernst ist, hat sie demonstriert, indem sie 380 000 Franken beschlagnahmt hat. Die Strafverfolger sperrten das Schweizer Konto von Ivo G. und über ein Rechtshilfeersuchen auch jenes in Paris, um den mutmasslichen Schaden und die Verfahrenskosten decken zu können.

Die Karriere von Ivo G. geht dennoch weiter. In Barcelona hat er sich nach der Kündigung selbstständig gemacht und eine Werbeagentur gegründet, die weltweit tätig sein will. Ihren Kunden verspricht sie auf ihrer Website, «kein Blabla» zu bieten. Zudem weist Ivo G. in seinem Lebenslauf darauf hin, globale Marken wie Tally Weijl gemanagt zu haben. 

Das könnte dich auch interessieren:

Algerien schickt 13'000 Flüchtlinge in die Wüste

6 Dinge, die gewisse Pärchen tun, die uns alle anwidern

Der Torhüter, der noch keine Parade gezeigt hat – und weitere spannende WM-Statistiken

«Ich kann Trumps Vorgehen ein Stück weit nachvollziehen»

Apple-Fail: Mac-Tastatur ist fehleranfällig

Das sind die 7 dämlichsten Ferienjobs, die wir gemacht haben (wir brauchten das Geld)

Familientrennungen an der US-Grenze: TV-Moderatorin bricht in Tränen aus

Haris Seferovic: «Irgendwann ist genug und dann platzt der Kragen»

EXKLUSIV: Hier erfährst du, wer die WM gewinnen wird! (Spoiler: Ich, der Picdump 😒)

«Die roten Linien werden eher dunkelrot»: Wie man in Brüssel die Schweiz sieht

Traum oder Albtraum? So ist es, als CH-Rock'n'Roll-Band in den USA auf Tour zu sein

Erdogans Schlägertrupp auf dem Vormarsch in die Schweiz

Mit dieser Begründung brechen 37 Studenten Prüfung ab

Schweizer Fussballfans verirren sich an die ukrainische Front

Netta sang zum Abschluss der Pride – aber vorher gab es wüste Szenen

13 seltsame Dinge, die uns am Trump-Kim-Gipfel aufgefallen sind

«Wieso sagen Schweizer gemeine Dinge über meine Schwester?»

Das absurdeste Museum der Welt und wir waren da – und bereuen es jetzt noch

Diese 7 Zeichnungen zeigen dir, wie es am Open Air wirklich wird

Du weisst noch nicht, wem du an der WM helfen sollst? Hier findest du DEIN Team!

präsentiert von

Diese 19 Fails für bessere Laune sind alles, was du heute brauchst

Warum das Kämpfchen gegen Netzsperren erst der Anfang war

Eine Szene – viele Wahrheiten 

Anschnallen bitte! So sieht der Formel-E-Prix von Zürich aus der Fahrerperspektive aus

15 Jahre ist es her: Das wurde aus den «DSDS»-Stars der 1. Stunde

Die Bernerin, die für den Sonnenkönig spionierte

Plastik ist das neue Rauchen – wie ein Material all seine Freunde verlor

Fertig mit Rosinenpicken: Es ist Zeit, dass auch Frauen bis 65 arbeiten

Wegen hoher Verletzungsgefahr: Diese Sportarten mögen Versicherungen gar nicht

Diese 18 genialen Cartoons über die Liebe und das Leben haben uns kalt erwischt 😥😍

«Pöbel-Sina» scheitert bei «Wer wird Millionär» an dieser super einfachen Frage – und du?

Was vom Bordmenü übrig bleibt – das kannst du gegen den Abfallwahnsinn im Flugzeug tun

Shaqiri ist der «dickste» Feldspieler – und 9 weitere spannende Grafiken zur Fussball-WM

Die ausgefallensten Hotelzimmer der Schweiz

Als muslimische Piraten Europäer zu Sklaven machten 

33 unfassbar miese Hotels, die so richtig den Vogel abgeschossen haben

Unerträgliche Regelschmerzen: Melanies Kampf gegen Endometriose

Diese Frau stellt absurde Promi-Fotos nach – 17 Lektionen, die wir von ihr lernen

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.

Abonniere unseren Daily Newsletter

4
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4Alle Kommentare anzeigen

Verrückte Grenzen, Teil I: Sechs Schweizer Grenzfälle

Als hätte der Landvermesser einen über den Durst getrunken: Es gibt Grenzen, die einzelne Häuser zerschneiden, absurde Ausbuchtungen beschreiben oder sonstwie vollkommen verrückt erscheinen. Auch in der Schweiz, wie diese sechs Beispiele zeigen. 

Wie ein langer, dünner Finger ragt Schweizer Gebiet von Riehen im äussersten Nordosten des Kantons Basel-Stadt nach Deutschland hinein. Die sogenannte «Eiserne Hand» zwischen Lörrach und Inzlingen ist etwa 1,6 Kilometer lang, maximal 250 Meter …

Artikel lesen