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Kristina Timanowskaja: Die belarussische Sprinterin entging wohl nur knapp einer Entführung.
Kristina Timanowskaja: Die belarussische Sprinterin entging wohl nur knapp einer Entführung.
Bild: IMAGO / Kyodo News

Belarussische Sprinterin Timanowskaja auf dem Weg nach Polen

Die belarussische Sprinterin Kristina Timanowskaja hat sich auf den Weg von Tokio ins polnische Asyl gemacht. Die Olympionikin sollte wohl wegen Regimekritik entführt werden. Das IOC zieht unterdessen Konsequenzen.
04.08.2021, 06:38
Ein Artikel von
t-online

Die belarussische Olympia-Teilnehmerin Kristina Timanowskaja ist Insidern zufolge auf dem Weg nach Polen. Vom Flughafen Narita östlich der japanischen Haupstadt Tokio soll Timanowskaja am Mittwochvormittag (Ortszeit) mit der polnischen Airline LOT nach Warschau fliegen, erklärten mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters in der Nacht zum Mittwoch. Die 24-Jährige hat für das EU-Land ein Visum erhalten.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat unterdessen ein Disziplinarverfahren gegen das NOK aus Belarus eingeleitet. Das erklärte Sprecher Mark Adams. Das Verfahren folgt auf die «formelle Untersuchung», die das IOC am Tag zuvor angekündigt hatte. Befragt werden sollen Leichtathletik-Coach Juri Moisewitsch und Funktionär Artur Schumak zum Fall der Sprinterin Kristina Timanowskaja.

Die 24-Jährige hatte ihrer Delegation einen Entführungsversuch vorgeworfen. Sie sollte gegen ihren Willen zur Rückreise nach Belarus gezwungen werden, nachdem sie das Trainerteam öffentlich kritisiert hatte. Aus Angst vor Sanktionen in ihrer Heimat wandte sie sich an die Polizei und das IOC und bekam Hilfe von der polnischen Botschaft in Tokio.

Timanowskaja wurde mit einem Van mit Polizeieskorte zum Flughafen gebracht. Mit Gesichtsmaske und Sonnenbrille bekleidet verschwand sie in Begleitung mehrerer Sicherheitsbeamter in einem Aufzug zu einem VIP-Bereich. Sie äusserte sich nicht vor wartenden Reportern.

«Der Trainer sagte mir, dass ich 40 Minuten habe»

«Das polnische Aussenministerium hat schon Kontakt mit mir aufgenommen, und auch der Leichtathletik-Verband hat mir Unterstützung zugesagt. Ich hoffe sehr, dass ich in Polen in Sicherheit sein werde», sagte Timanowskaja der Bild. Ihr Fall hatte einen politischen Skandal ausgelöst. Welche Konsequenzen dem Nationalen Olympischen Komitee aus Belarus drohen, ist noch ungewiss. Athletenverbände hatten den sofortigen Ausschluss noch während der Spiele in Tokio gefordert.

Die Athletin erzählte, wie sie den Vorfall erlebte: «Unser Cheftrainer ist zu mir ins Zimmer gekommen und hat gesagt, dass ich am 200-Meter-Sprint am Montag nicht mehr teilnehmen werde», so Timanowskaja. «Der Trainer sagte mir, dass ich 40 Minuten habe, um meine Sachen zu packen und zum Flughafen zu fahren.»

Die Athletin habe gespürt, dass sie in einer missliche Lage steckt. Sie habe instinktiv entschieden, nicht nach Belarus zurückzukehren, «weil er (ihr Trainer, Anm. d. Red.) mir schon am Abend gesagt hatte, dass ich Probleme bekommen könnte, wenn ich zurückkehre.» Welche Probleme auf sie konkret zugekommen wären, lässt Timanowskaja offen. Oppositionelle vermuten, dass der Sportlerin ein Hausarrest oder gar eine Haftstrafe gedroht hätten.

Am Flughafen angekommen, schund Timanowskaja mit Telefonaten Zeit, um sich entscheidenden Moment von ihren belarussischen Begleitern abzusetzen und japanische Polizeibeamte anzusprechen. Diese brachten sie in einem Flughafenhotel in Sicherheit.

Internationale Kritik an Belarus

Timanowskaja sagte der «Bild», es sei ihr nicht um Politik gegangen. «Ich habe nur kritisiert, dass unsere Chef-Trainer über das Staffellauf-Team entschieden haben, ohne sich mit den Sportlern zu beraten», erklärte sie. «Dass das solche Ausmasse annehmen und zu einem politischen Skandal werden kann, hätte ich nie gedacht.»

Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki attackierte die belarussische Spitze um Machthaber Alexander Lukaschenko scharf. Er forderte, «die Aggression der belarussischen Sicherheitsdienste auf japanischem Gebiet» müsse auf «entschiedenen Widerspruch der internationalen Gemeinschaft stossen».

Der deutsche Aussenminister Heiko Maas (SPD) kritisierte die Regierung von Belarus als politisch und moralisch bankrott. Sportler-Bündnisse wie Athleten Deutschland und Global Athlete machten sich für eine Sperre des Belarussischen Olympischen Komitees stark. (t-online/dsl)

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