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Trumps Notbremse in Nordkorea – 5 Fragen, 5 Antworten

Für Donald Trump ist die Absage des gross angekündigten Korea-Gipfels ein herber Rückschlag. Doch der US-Präsident sah für sich wohl keinen anderen Ausweg mehr. Wie geht es jetzt weiter?

25.05.18, 06:13 25.05.18, 06:29

Roland Nelles, Washington



Ein Artikel von

Es hätte ja alles so schön werden können, aus Sicht von Donald Trump. Er und Kim Jong Un werden am 12. Juni in Singapur Freunde, Nordkorea gibt seine Atomwaffen ab. Und Trump bekommt den Friedensnobelpreis.

Aus der Traum: zumindest vorerst. Mit der Absage des Gipfeltreffens durch Trump gehen die USA und das Regime in Pjöngjang in ihren Beziehungen wieder zurück auf «Los». Zu erwarten ist eine neue Runde von gegenseitigen Schuldzuweisungen und wilder Kriegsrhetorik. Ja, sogar ein militärischer Konflikt in Asien scheint nicht ausgeschlossen. Trump droht nach der Gipfelabsage bereits mit Gewalt, falls Kim nicht bald sein Atomarsenal aufgeben sollte: «Unser Militär ist bereit.»

epa06760721 US President Donald J. Trump speaks about his canceling the summit in Singapore with North Korean leader Kim Jong Un in the Roosevelt Room of the White House in Washington, DC, USA 24 May 2018. Trump said it is now up to the North Korean leader to seize the opportunity.  EPA/JIM LO SCALZO

Trump verkündet, dass er den Nordkorea-Gipfel abgesagt hat. Bild: EPA/EPA

Warum kommt jetzt die Absage?

Nach der zwischenzeitlichen Entspannung und einer regelrechten nordkoreanischen Charmeoffensive hat sich das Verhältnis zwischen Washington und Pjöngjang schon seit mehreren Tagen erkennbar abgekühlt. Vor allem wurde mehr und mehr deutlich, dass es offenbar völlig unterschiedliche Vorstellungen darüber gibt, was in Singapur eigentlich erreicht werden sollte. Die Amerikaner erwarteten die «unumkehrbare, nachprüfbare und vollständige» Aufgabe des nordkoreanischen Atomprogramms. Unterhändler der US-Seite erhielten von ihren nordkoreanischen Gesprächspartnern in den vergangenen Tagen jedoch keinerlei Signale, dass Kim dies auch wirklich zusagen würde.

Gleichzeitig war eine klare Verschärfung der nordkoreanischen Rhetorik zu beobachten: US-Vizepräsident Mike Pence wurde als «dumm», bezeichnet, und Nordkoreas Vizeaussenministerin Choe Son Hui drohte Washington am Mittwoch sogar mit einem «nuklearen Showdown», falls es zu keiner Einigung komme.

Aussenpolitik ist eben komplizierter als ein Immobiliendeal in West Palm Beach.

Für Trump war da der Punkt erreicht, die Notbremse zu ziehen. Offenbar wollte er nicht in eine Situation geraten, in der er beim Gipfel auf seine Kernforderung verzichtet und Kim als der grosse Sieger dasteht. Ausserdem sah er wohl die Gefahr, dass Kim ihm mit der Absage des Treffens zuvorkommen könnte und er dann erst recht schwach aussehen würde. Er wählte also aus seiner Sicht das geringere Übel.

Trumps Brief an Kim

Pjöngjang weiter zu Gipfel bereit

Nordkorea ist auch nach der Absage des Gipfeltreffens durch die USA zu Gesprächen bereit. Die Absage sei für Pjöngjang «unerwartet» gekommen, sein Land empfinde die Absage als «zutiefst bedauerlich», erklärte der nordkoreanische Vize-Aussenminister Kim Kye Gwan. Ein Gipfel mit den USA sei dringend nötig, um «schwerwiegende feindliche Beziehungen» auszuräumen. Nordkorea sei weiterhin unverändert um Frieden und Stabilität in der Welt und auf der koreanischen Halbinsel bemüht und sei biete den USA «Zeit und Gelegenheit». (sda)

Was bedeutet die Absage für Trump?

Für Trump ist die Absage so oder so ein herber Rückschlag. Schon lange hatten etliche Nordkorea-Experten davor gewarnt, dass Kim niemals rasch auf die US-Forderungen eingehen würde.

Sie empfahlen, zunächst längere Gespräche mit Nordkorea auf Diplomatenebene zu führen, um vielleicht am Ende ein Gipfeltreffen abzuhalten, bei dem eine Lösung vereinbart wird. Trump drehte die Reihenfolge um: Er wischte alle Bedenken zur Seite und wollte Kim mit einer Mischung aus harten Sanktionen und wilden Drohungen («Fire and Fury») zu schnellen Zugeständnissen bringen.

Spontan nahm er dann im Frühjahr Kims Angebot für ein Gipfeltreffen an. Offenbar glaubte Trump, als «bester Dealmaker aller Zeiten» das Nordkorea-Problem im Alleingang lösen zu können. Nun wird er in die Realität zurückgeholt – und sicherlich auch entzaubert. Es gibt eine Reihe guter Gründe, weshalb es anderen Präsidenten vor Trump nicht gelungen ist, mit der Kim-Dynastie innerhalb kürzester Zeit zu einer Lösung zu kommen. Aussenpolitik ist eben komplizierter als ein Immobiliendeal in West Palm Beach.

Was treibt Kim an?

In this undated photo provided on Friday, May 25, 2018, by the North Korean government, North Korean leader Kim Jong Un inspects the completed Koam-Tapchon Railways in Gangwon-do, North Korea. Independent journalists were not given access to cover the event depicted in this image distributed by the North Korean government. The content of this image is as provided and cannot be independently verified. Korean language watermark on image as provided by source reads:

Bild: AP/KCNA via KNS

Nordkoreas Verhalten bleibt schwierig und schwer vorhersehbar. Nach zwei Besuchen von US-Aussenminister Mike Pompeo in Pjöngjang war man eigentlich davon ausgegangen, Kim sei zu einer Einigung bereit.

Auf der US-Seite wird darüber gerätselt, was genau dann die Verschärfung der Tonlage bei den Nordkoreanern in den vergangenen Tagen ausgelöst haben könnte. In Washington wird gestreut, dass dafür möglicherweise ein Machtkampf innerhalb von Nordkorea ursächlich sein könnte. Die Aussicht, das Nuklearprogramm abgeben zu müssen, schmecke vielen Militärs dort nicht, heisst es bei US-Nachrichtendiensten. Kim hätte bei einer Reise nach Singapur in seiner Abwesenheit einen Putsch des Militärs befürchten müssen. Deshalb sei er nach einer anfänglichen Offenheit gegenüber Trump wieder auf den harten Kurs umgeschwenkt.

Wenig hilfreich waren dann womöglich auch einige Äusserungen von US-Seite. Trumps Sicherheitsberater John Bolton und auch Vizepräsident Pence brachten in Interviews für Nordkorea das «libysche Modell» ins Gespräch. Damit meinten sie, Kim könne seine Waffen abgeben und werde dafür mit Wirtschaftshilfen belohnt. Nur: Für Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi funktionierte das Modell nicht. Er gab zwar seine Waffen ab, wurde aber später von Rebellen, die von den USA unterstützt wurden, getötet. Die Aussicht, das gleiche Schicksal zu erleiden, dürfte Kim und seine Leute nicht besonders erfreut haben.

Wie geht es jetzt weiter?

Typisch für Trump ist, dass er immer versucht, anderen die Schuld für eine Pleite zuzuschieben. Den Nordkoreanern, den Chinesen, den früheren US-Präsidenten, die ihm dieses Problem vererbt hätten und so weiter. Das mag alles sein, ändert aber nichts an der Tatsache, dass er nun als Präsident damit umgehen muss. Seine Strategie ist bislang offenkundig erfolglos. Einen Plan B haben die USA nicht, das zeigt Trumps erstes Statement nach der Absage des Gipfels. Er spielt nun auf Zeit und hofft wohl noch immer darauf, dass Kim ihm doch bald entgegenkommt. Der Gipfel könnte doch noch stattfinden, sagte Trump. Wenn nicht am 12. Juni, dann später. Für den US-Präsidenten wäre das das Schönste. Dann könnte er beweisen, dass sein Plan doch noch aufgeht und auch die Absage nur ein genialer Schachzug war.

Das kann natürlich noch passieren. Sehr wahrscheinlich ist es jedoch nicht. Wichtig wird jetzt das Verhalten der Chinesen und Russen sein. Wenn sie die Sanktionen gegen das Kim-Regime wieder lockern, gerät Trump unter enormen Druck. Dann würde er einen wichtigen Hebel in den Verhandlungen mit Kim verlieren und hätte gar nichts erreicht.

Ihm blieben nur noch zwei schlechte Lösungen: Nachgeben. Oder ein Militärschlag gegen das Regime – mit völlig unkalkulierbaren Folgen für ganz Asien und die Welt.

Wäre Trump das zuzutrauen?

 Leider, ja.

So sieht man aus, wenn man Trump 31 minutenlang zuhören muss

Video: watson

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    Alle Leser-Kommentare
  • Butschina 25.05.2018 17:03
    Highlight Eigentlich ist es ja eh ein Witz wenn eine Atommacht verlangt ein Land dürfe keine Atomwaffen haben.
    4 0 Melden
  • PVJ 25.05.2018 10:40
    Highlight Der vorläufige Abbruch der Operation Friedensnobelpreis könnte Trump auch im Inland wieder Punkte kosten, nachdem sich sein Approval Rating in letzter Zeit (auf tiefem Niveau) leicht verbessert hatte. Immerhin war sein Verhalten gegenüber Nordkorea bisher eines der wenigen Themen, in dem er positive Zustimmungsraten erzielt hat.

    https://fivethirtyeight.com/features/trumps-handling-of-north-korea-has-been-one-of-the-few-things-americans-liked-about-his-presidency/

    6 2 Melden
  • roger.schmid 25.05.2018 10:11
    Highlight "Wenig hilfreich waren dann womöglich auch einige Äusserungen von US-Seite. Trumps Sicherheitsberater John Bolton und auch Vizepräsident Pence brachten in Interviews für Nordkorea das «libysche Modell» ins Gespräch."

    Könnte sehr gut sein, dass die Absicht von Bolton war. Bolton will Krieg, keine Verhandlungen. Er ist der Gammelorange damit also voll in den Rücken gefallen, aber Trump schnallt wieder einmal gar nichts..
    25 3 Melden
  • Sarkasmusdetektor 25.05.2018 09:41
    10 2 Melden
  • Gawayn 25.05.2018 09:13
    Highlight Der gute Trumpel ist unter Zugzwang gekommen.
    Kim hatte garantiert nie vor, den Bückling zu spielen.

    Hier zeigt sich ganz klar wieder, wie hoffnungslos unterlegen Trump sich Trump auf dem politischen Parkett bewegt.

    Noch nie war ein US Präsident, derart unfähig, leicht beeinfluss und berechenbar wie Trump.
    17 2 Melden
  • Yolo 25.05.2018 08:21
    Highlight Wie vorhersehbar 💤
    18 3 Melden
  • Partikel 25.05.2018 07:53
    Highlight Jaaa, was könnte wohl der Auslöser gewesen sein. Etwa das die jährlich anstehenden Militärmanöver der USA mit Südkorea als wichtiger zu nehmen, als endlich frieden einkehren zu lassen.
    Die Amis sind pleite und können sich nur
    mit Kriegen über Wasser halten.
    Ein erbärmlicher Verein.
    66 18 Melden
    • Asmodeus 25.05.2018 11:24
      Highlight Nicht zu vergessen, der Rückzug aus dem Irandeal was Defakto der Beweis war, dass jegliche Verhandlungen mit den USA nutzlos sind, da sie sich nicht an Vereinbarungen halten.
      13 2 Melden
    • Richu 25.05.2018 13:53
      Highlight Gerade vor 2 Tagen wurden auch in den Schweizer Medien das "World Competitveness Ranking 2018" veröffentlicht. Da sind neu im 2018 die USA das wettbewerbsfähigste Land der Welt! An 2. Stelle ist Honduras und an 3. Stelle Singapur. Die Schweiz ist leider in dieser Rangliste vom 3. Platz (Bewertung 2017) auf den 5. Platz (Bewertung 2018) zurückgefallen.
      3 4 Melden
    • Partikel 25.05.2018 18:54
      Highlight Diese Bewertung kenne ich nicht, danke für die Info.
      Fakt ist jedoch, dass die USA extrem hoch verschuldet ist. Da kenne ich die Rangliste auch nicht aktuell.
      Die Armut unter der amerikanischen Bevölkerung ist ebenfalls weit verbreitet. Nehmen wir Silicon Valey. Dort wohnen Lehrer und andere in Wohnwagen weil sie sich die Miete einer Wohnung nicht leisten können (hohe Mietkosten). Es gibt viele Beispiele. Eine brummende Industrie sagt zudem Nichts über die Geldverteilung (in derBevölkerung).
      3 0 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • tooempty7 25.05.2018 07:37
    Highlight Das amerikanische Militär und vor allem die Rüstungsindustrie hat absolut kein Interesse an einem koreanischen Frieden.
    Es würde deren Einfluss in Südkorea und der Region massiv reduzieren, da die grosse Präsenz nicht mehr zu rechtfertigen wäre.
    Wenn sich Südkorea nun mehr von den USA emanzipiert, wird auch China mehr Druck auf eine friedliche Lösung setzen wollen. Die Lage bleibt sehr spannend.
    38 9 Melden

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