DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Die rumänische Regisseurin Adina Pintilie hat mit ihrem ersten Langfilm gleich einen goldenen Bären gewonnen. 
Die rumänische Regisseurin Adina Pintilie hat mit ihrem ersten Langfilm gleich einen goldenen Bären gewonnen. 
Bild: AP/AP

«Touch Me Not» von Adina Pintilie gewinnt den Goldenen Bären

24.02.2018, 20:2726.02.2018, 10:43

Der radikale rumänische Experimentalfilm «Touch Me Not» hat bei der 68. Berlinale am Samstagabend überraschend den Goldenen Bären gewonnen. Regisseurin Adina Pintilie erforscht in ihrem semidokumentarischen Film die Spielarten und Grenzen menschlicher Sexualität. 

Während des Festivals hatte das Werk die Kritiker gespalten. Als Präsident der Jury hatte sich Regisseur Tom Tykwer («Lola rennt») «wilde und sperrige» Filme gewünscht. Es ist das zweite Mal, dass ein rumänischer Film die höchste Auszeichnung des Festivals gewinnt.

«Berlinale 2018 TOUCH ME NOT Clip 1».
«Berlinale 2018 TOUCH ME NOT Clip 2».

Den Grossen Preis der Jury holte die polnische Regisseurin Małgorzata Szumowska mit ihrer Gesellschaftsparabel «Gesicht» («Twarz»). Satirisch und anrührend erzählt sie von einem jungen Mann, der nach einer entstellenden Gesichtstransplantation nicht nur in seinem Umfeld, sondern auch in der eigenen Familie abgelehnt wird. 

Die Schauspieler Christian Bayerlein und Grit Uhlemann posieren mit dem Goldenen Bären. 
Die Schauspieler Christian Bayerlein und Grit Uhlemann posieren mit dem Goldenen Bären. 
Bild: EPA/EPA POOL

Beide Filme gehörten bei den Kritikern nicht zu den heissen Favoriten. «Wir haben herausgefunden, dass wir nicht nur das würdigen wollen, was Kino kann, sondern auch das, wo es noch hingehen kann», sagte Jury-Präsident Tykwer.

Starke Frauen

Die Jury-Entscheidung bewies aber erneut, dass Frauen bei dem Festival eine ungewöhnlich starke Rolle spielten. Das gilt auch für den paraguayischen Film «Die Erbinnen» («Las herederas») von Marcelo Martinessi, der den Alfred-Bauer-Preis erhielt. Die Auszeichnung gilt einem Spielfilm, der neue Perspektiven eröffnet. Ana Brun bekam für ihre Rolle in dem tragikomischen Drama um ein alterndes lesbisches Paar den Silbernen Bären als beste Darstellerin. 

Die Preise der Berlinale 2018
GOLDENER BÄR: «Touch Me Not» von Adina Pintilie (Rumänien)
SILBERNER BÄR, GROSSER PREIS DER JURY: «Gesicht» («Twarz») von Małgorzata Szumowska (Polen)
SILBERNER BÄR, ALFRED-BAUER-PREIS für einen Spielfilm, der neue Perspektiven eröffnet: «Die Erbinnen» («Las herederas») von Marcelo Martinessi (Paraguay)
SILBERNER BÄR FÜR DIE BESTE REGIE: «Isle of Dogs» («Isle of Dogs - Ataris Reise») von Wes Anderson (USA), Animationsfilm
SILBERNER BÄR FÜR DIE BESTE DARSTELLERIN: Ana Brun in «Die Erbinnen» («Las herederas») von Marcelo Martinessi (Paraguay)
SILBERNER BÄR FÜR DEN BESTEN DARSTELLER: Anthony Bajon in «Das Gebet» («La prière») von Cédric Kahn (Frankreich)
SILBERNER BÄR FÜR DAS BESTE DREHBUCH: Manuel Alcalá und Alonso Ruizpalacios (Mexiko) für «Museo» (Museum)
SILBERNER BÄR FÜR HERAUSRAGENDE KÜNSTLERISCHE LEISTUNG: Elena Okopnaya für Kostüm und Design in «Dovlatov» von Alexey German Jr. (Russland)
(sda/dpa)

Zum besten Schauspieler kürte die Jury den Franzosen Anthony Bajon, der in Cédric Kahns «Das Gebet» einen 22-jährigen Drogenabhängigen spielt. Intensiv und glaubwürdig zeichnet er den zermürbenden Kampf gegen die Drogensucht nach, der ihm mit Hilfe des Glaubens gelingen soll. 

    Film
    AbonnierenAbonnieren

Den Silbernen Bären für die beste Regie sprach die Jury dem US-Kultfilmer Wes Anderson zu. Mit seiner märchenhaften Hundeparabel «Isle of Dogs» hatte erstmals ein Animationsfilm die Berlinale eröffnet. Seine Stop-Motion-Tricktechnik kam auch beim Publikum gut an. 

Der mexikanische Regisseur Alonso Ruizpalacios holte für seinen vergnüglichen Verbrecherfilm «Museo» gemeinsam mit seinem Kollegen Manuel Alcalá den Silbernen Bären für das beste Drehbuch. Elena Okopnaya bekam die Auszeichnung als herausragende künstlerische Leistung für Kostüm und Design in dem stimmungsvollen Schriftstellerdrama «Dovlatov» von Alexey German Jr. 

Preis für Schweizer Beitrag

Bereits am Freitagabend war der Film «Fortuna» des Westschweizer Regisseurs Germinal Roaux ausgezeichnet worden. Der Künstler aus Lausanne erhielt den Gläsernen Bären von der Jugendjury der Generation 14plus. 

Das Flüchtlingsdrama spielt auf der Simplon-Passhöhe. Dort leben katholische Ordensbrüder, welche Flüchtlinge beherbergen. Eine von ihnen ist die 14-jährige Fortuna, die aus Äthiopien stammt.

Insgesamt waren bei dem elftägigen Festival 385 Filme aus 78 Ländern zu sehen. Am Sonntag geht die Berlinale mit einem Publikumstag zu Ende. Im vergangenen Jahr hatte der ungarische Liebesfilm «Körper und Seele» von Ildikó Enyedi den Goldenen Bären gewonnen. (sda/dpa)

Weitere Preise
GLASHÜTTE ORIGINAL DOKUMENTARFILMPREIS: «Waldheims Walzer» von Ruth Beckermann (Österreich)
BESTER ERSTLINGSFILM DER GESELLSCHAFT ZUR WAHRNEHMUNG VON FILM- UND FERNSEHRECHTEN (GWFF): «Touch Me Not» von Adina Pintilie
GOLDENER BÄR FÜR DEN BESTEN KURZFILM: «The Men Behind The Wall» von Ines Moldavsky
SILBERNER BÄR FÜR DEN BESTEN KURZFILM: «Imfura» von Samuel Ishimwe
AUDI SHORT FILM AWARD: «Solar Walk» von Réka Bucsi

Preise der unabhängigen Jurys und weitere Auszeichnungen bei der Berlinale (Auswahl):
PREISE DER ÖKUMENISCHEN JURY: «In den Gängen» von Thomas Stuber (Wettbewerb); «Styx» von Wolfgang Fischer (Panorama); «Teatro de guerra» («Theatre of War») von Lola Arias (Forum)
FIPRESCI-PREIS DES INTERNATIONALEN VERBANDES DER FILMKRITIK: «Die Erbinnen» («Las herederas») von Marcelo Martinessi (Wettbewerb); «Rivers Edge» von Isao Yukisada (Panorama); «An Elephant Sitting Still» von Hu Bo (Forum)
AMNESTY INTERNATIONAL FILMPREIS: «Zentralflughafen THF» von Karim Aïnouz
PREIS DER GILDE DEUTSCHER FILMKUNSTTHEATER: «In den Gängen» von Thomas Stuber
PREISE DER CICAE (Internationaler Verband der Filmkunsttheater): «Tinta Bruta» («Hard Paint») von Marcio Reolon und Filipe Matzembacher (Panorama); «Teatro de guerra» («Theatre of War») von Lola Arias (Forum)
LABEL EUROPA CINEMAS (Initiative zur Förderung des europäischen Films): «Styx» von Wolfgang Fischer
TEDDY AWARD (Queerer Filmpreis): «Tinta Bruta» («Hard Paint») von Marcio Reolon und Filipe Matzembacher (Spielfilm); «Bixa Travesty» («Tranny Fag») von Claudia Priscilla und Kiko Goifman (Dokumentation); «Three Centimetres» von Lara Zeidan (Kurzfilm)
PANORAMA PUBLIKUMS-PREIS: «Profile» von Timur Bekmambetov (Spielfilm); «The Silence of Others» von Almudena Carracedo und Robert Bahar (Dokumentarfilm)
CALIGARI-FILMPREIS: «La casa lobo» («The Wolf House») von Cristóbal León und Joaquín Cociña
HEINER-CAROW-PREIS der DEFA-Stiftung: «Styx» von Wolfgang Fischer
GLÄSERNER BÄR FÜR DEN BESTEN FILM GENERATION KPLUS: «Les rois mongols» («Hand auf's Herz») von Luc Picard
GLÄSERNER BÄR FÜR DEN BESTEN FILM GENERATION 14PLUS: «Fortuna» von Germinal Roaux
(sda/dpa)
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Ein weiblicher James Bond? «Nein», findet Daniel Craig und erklärt warum

Daniel Craig wird in Zukunft nicht mehr den 007-Agenten spielen. Kürzlich verabschiedete sich der Schauspieler unter Tränen von seiner Rolle als James Bond. Nun äussert er sich zu den Gerüchten einer dunkelhäutigen Nachfolgerin.

Obwohl Daniel Craig im neuen Bond-Film «keine Zeit zum Sterben» hat, wird er nicht weiter den 007-Agenten geben. Der britische Schauspieler hatte bereits 2016 seinen Rücktritt angekündigt.

Seither wird viel spekuliert, wer die Rolle des berühmtesten Kino-Agenten übernehmen soll. Gerüchte wurden laut, dass Lashana Lynch übernimmt – eine schwarze Frau.

Eine weibliche Nachfolgerin? Das löst heisse Diskussionen aus. Nun äussert sich der 53-jährige Schauspieler im Gespräch mit Radio Time auf die …

Artikel lesen
Link zum Artikel