Islamischer Staat (IS)
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
ZUM THEMA JUGENDLICHE UND MOBILTELEFONE STELLEN WIR IHNEN HEUTE DIESES NEUE BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- Jugendlicher benutzt die Nachrichten App Telegram mit seinem Mobiltelefon auf dem Zuercher Turbinenplatz am 12. Maerz 2014. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Telegram wirbt mit seiner starken Verschlüsselung.
Bild: KEYSTONE

Telegram greift durch: «Lieblings-App» der IS-Terroristen sperrt 78 Propaganda-Kanäle

Die Chat-App Telegram hat den Ruf, bei Sympathisanten des Terrornetzwerks IS beliebt zu sein, nicht nur wegen ihrer Verschlüsselung. Doch die Firma hinter dem Messenger mit Sitz in Berlin will das nicht länger dulden.

Markus Böhm



Ein Artikel von

Spiegel Online

Über mangelnde Aufmerksamkeit können sich die Macher der Messenger-App Telegram dieser Tage nicht beklagen. «Dschihadisten lieben eine Berliner App», schreibt etwa die Welt und The Daily Beast legt nahe, Telegram sei die neue Lieblings-App des Islamischen Staates (IS) für Geheimnachrichten.

Ganz neu sind solche Einschätzungen nicht. Telegram gilt schon seit einigen Wochen als Online-Sammelpunkt für IS-Unterstützer, unter anderem, weil die Accounts der Dschihadisten auf Twitter zuletzt immer häufiger und schneller blockiert wurden. Im Zuge der Anschläge von Paris ist das Thema IS-Propaganda nun aber wieder gross in den Medien – und die meisten Artikel stellen Telegram in kein gutes Licht.

Starke Verschlüsselung

Telegram ist 2013 gestartet und kommt auf rund 60 Millionen Nutzer weltweit, zu den Gründern zählen Nikolai und Pawel Durow, die schon das russische Facebook-Pendant Vkontakte verantworteten. Die Kommunikations-App im Stil von WhatsApp wirbt vor allem mit ihrer starken Verschlüsselung. So sind zum Beispiel sogenannte geheime Chats möglich, die eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bieten.

Konkret heisst das, dass nur der Absender und nur der Empfänger die ausgetauschten Nachrichten lesen können. Nicht einmal Telegram-Mitarbeiter können den Inhalt der Nachrichten einsehen. Dank eines sogenannten Selbstzerstörungsmodus' lassen sich Chat-Nachrichten auf Wunsch noch eine Haltbarkeit geben, das bedeutet: auf Wunsch verschwinden die Nachrichten vom Gerät, nachdem sie verschickt beziehungsweise gelesen wurden.

Für Regime-Kritiker attraktiv, aber auch für Kriminelle

Mechanismen wie diese machen Telegram für allerlei Nutzergruppen interessant. Vom Normalbürger, der Wert auf Privatsphäre legt, bis zum Regime-Kritiker in autoritären Staaten, der um seine Sicherheit fürchtet. Und natürlich sind Chat-Programme mit Verschlüsselung, von denen es mittlerweile viele gibt, auch für Kriminelle oder Terroristen interessant.

Bei Telegram scheint zuletzt vor allem eine Funktion IS-Anhänger angelockt zu haben, die öffentlichen «Channels». Diese Kommunikationskanäle sind ein unkomplizierter Weg, viele Nutzer auf einmal zu erreichen, wenn diese den entsprechenden Kanal abonniert haben.

Die «International Business Times» zum Beispiel wies schon Anfang Oktober darauf hin, dass rund 9000 Nutzer einen offiziell anmutenden Kanal abonniert hatten, in dem offenbar der IS selbst Bilder und Videos teilte.

Die grundsätzlich öffentlichen Kanäle lassen sich über die App binnen Sekunden abonnieren, vergleichbar damit, dass man auf Twitter einem Account folgt. Anders als bei Facebook und Twitter wird bei Telegram nicht angezeigt, wer einen Channel abonniert hat, lediglich eine Gesamtzahl der Nutzer ist öffentlich.

Die «International Business Times» zum Beispiel wies schon Anfang Oktober darauf hin, dass rund 9000 Nutzer einen offiziell anmutenden Kanal abonniert hatten, in dem offenbar der IS selbst Bilder und Videos teilte. Andere Medien berichteten von weiteren ähnlichen Kanälen.

Es geht um öffentliche Inhalte

Bei Telegram selbst scheint man dieses Treiben zunächst weitgehend toleriert zu haben, trotz der Berichte und der Einsehbarkeit der Kanäle. Am Mittwochabend veröffentlichten die Macher der App nun allerdings eine Stellungnahme im hauseigenen Channel Telegram News: Darin schreibt das Telegram-Team, es sei beunruhigend gewesen, zu erfahren, dass der IS öffentliche Kanäle der App für Propagandazwecke nutzt. Man werte aufmerksam die Nutzerberichte aus, die an die Melde-E-Mail-Adresse abuse@telegram.org geschickt werden.

«Ein Ergebnis ist, dass wir allein diese Woche 78 Kanäle mit IS-Bezug blockiert haben, über 12 Sprachen hinweg.»

Stellungnahme im Channel des Unternehmens

«Ein Ergebnis ist, dass wir allein diese Woche 78 Kanäle mit IS-Bezug blockiert haben, über 12 Sprachen hinweg», heisst es weiter. «Wir werden ausserdem für unsere Nutzer einen einfacheren Weg vorstellen, auf anstössige öffentliche Inhalte hinzuweisen». Geplant ist also offenbar eine neue Melde-Option, eingeführt werden soll sie noch diese Woche durch ein Software-Update.

Dass sich Telegram seiner Beliebtheit auch bei IS-Anhängern wohl doch schon länger bewusst ist, deuten die Nutzungsbedingungen des Dienstes an. In einem FAQ zur App heisst es, dass «terroristische (z.B. ISIS-bezogene) Bots» von der Firma blockiert werden – offenbar scheint es also immer wieder einmal Ärger mit Chat-Robotern zu geben, die für den IS werben.

Zu gewöhnlichen Chats heisst es in den Telegram-FAQ: «Alle Telegram-Chats (auch Gruppen-Chats) sind die Privatsache der jeweiligen Nutzer und wir nehmen keine Anfragen dazu an, diese zu bearbeiten (im Fall von Geheimen Chats ist uns dies rein technisch nicht einmal möglich).»

Nach Pariser Attentat: Politiker über Überwachung in der Schweiz

Abonniere unseren Newsletter

7
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Nichtswisser 19.11.2015 09:08
    Highlight Highlight Benutze praktisch nur noch Telegram. Nur weil auch Terroristen die Kanäle nutzen können, lasse ich mir nicht mein Recht auf Privatsphäre nehmen.
    • sapperlord 19.11.2015 10:18
      Highlight Highlight Ja. Sehe ich genau gleich! Ist nämlich auch mein Lieblings(nachrichten)app!
  • Sagitarius 19.11.2015 08:03
    Highlight Highlight Ich stelle nach wie vor meine Privatsphäre in den Mittelpunkt!
    Ganz im Bewusstsein, dass diese Werkzeuge auch für kriminelle Handlungen genutzt werden können!
  • dr_very_evil 19.11.2015 07:02
    Highlight Highlight Sind schon wieder da. (die Kanäle). Quelle: Diverse, Google News.
  • Wilhelm Dingo 19.11.2015 06:18
    Highlight Highlight Es gibt genug Alternative. EInmal mehr stellt sich die Frage nach der Verschlüsselung. Eigentlich ist es eine Errungenschaft für die Freiheit des Bürgers im Überwachungsstaat, leider können das kriminelle auch nutzen.
    • Tscheggsch? 19.11.2015 08:12
      Highlight Highlight Hallo Dingo
      Ab einem gewissen Punkt stellt sich leider immer die altbekannte Frage: Freiheit oder Sicherheit? Beides zusammen ist auch Heute leider noch nicht möglich :(
    • Louie König 19.11.2015 13:28
      Highlight Highlight Beides kann es nicht gänzlich geben. Ich bevorzuge aber meine Freiheit. Was nützt mir Sicherheit, wenn das heisst, dass ich mich nicht mehr frei bewegen und sprechen kann?

«Alle sind wohlauf»: Schweizer Car-Touristen werden aus Strassburg zurückgeholt

Der berühmte Strassburger «Christkindelmärik» zieht jedes Jahr tausende Schweizer Touristen an. Viele davon fahren mit organisierten, teils mehrtägigen Carreisen ins Elsass. 

Gestern Abend schoss der mutmassliche Täter Cherif C. beim Weihnachtsmarkt um sich, tötete zwei Menschen und verletzte 14 Passanten. Zu diesem Zeitpunkt waren auch Kunden des Carunternehmens Eurobus in der Stadt. «All unsere Gäste sind wohlauf. Wir haben eine Rückholaktion gestartet, um sie so bald als möglich in …

Artikel lesen
Link to Article