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Der Davoser Trainer Arno Del Curto, links, jubelt mit dem Vater von Dino und Marc Wieser, rechts, mit dem Pokal nach dem fuenften Playoff-Finalspiel der National League A zwischen den ZSC Lions und dem HC Davos am Samstag, 11. April 2015, im Hallenstadion in Zuerich. Der HC Davos hat die Playoff-Final-Serie mit 4:1 gewonnen und damit die Meisterschaft fuer sich entschieden.(KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Da war der Pokal noch ganz: Arno Del Curto posiert nach seinem sechsten Meistertitel mit dem Vater von Dino und Marc Wieser. Bild: KEYSTONE

Das grosse Meister-Interview mit Arno Del Curto: «Ich werde abtauchen und nach Deutschland verschwinden»

Meistertrainer Arno Del Curto (58) erklärt, warum der HC Davos nach drei verlorenen Viertelfinals wieder Meister geworden ist und wie er nach dem Coup seine Ruhe finden will.



Gratulation, Arno Del Curto. Ist dieser 6. Titel der schönste für Sie?
Arno Del Curto: Nein. Jeder Titel ist für mich genau gleich (er gewann mit Davos auch 2002, 2005, 2007, 2009 und 2011 die Meisterschaft – die Red.)

Ach, kommen Sie. Diese Dramatik. Ausgerechnet Reto von Arx erzielt den entscheidenden Treffer.
Ja und? Reto hat für uns schon so viele wichtige Tore erzielt.

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Ein Hockey-Märchen: Reto von Arx bringt Davos in Spiel 5 endgültig auf die Meisterstrasse. gif: srf

Aber es ist doch immerhin der überraschendste Titel.
Nein, nein. Ich habe es doch soeben gesagt. Jeder Titel ist für mich genau gleich. Wenn ich jetzt sage, diese Meisterschaft sei die schönste, dann rede ich ja gegen Josef Marha oder Joe Thornton oder Rick Nash oder Jonas Hiller oder Sandro Rizzi und alle die anderen, die mit uns schon Meister geworden sind.

«Wir alle müssen immer und immer wieder lernen.»

Arno Del Curto

Aber es ist der Titel, an dem Sie als Trainer den grössten Anteil haben.
Sicher nicht. Für jede Meisterschaft mussten wir alle hart arbeiten und wir alle müssen immer und immer wieder lernen. Ja, sogar der grosse Joe Thornton. Ich erinnere mich, wie wir damals 2005 im Viertelfinale gegen die Lakers 0:1 zurücklagen und Joe ganz aufgeregt zu mir kam und verlangte, man müsse jetzt sofort auf zwei Linien umstellen.

Setzen Sie sich jetzt, da Reto von Arx den entscheidenden Treffer erzielt hat, für einen Vertragsverlängerung ein?
So, und was wird die nächste Frage sein?

Eine fachliche. Aber vorerst bitte ich Sie um eine Antwort auf die Frage: Wie weiter mit Reto von Arx.
Ich nehme für mich jetzt das Recht heraus, erst zu feiern und gar nicht erst auf diese Frage einzugehen. Ich kann doch jetzt nicht sagen, was sein wird.

11.04.2015; Zuerich; Eishockey NLA Playoff ZSC Lions -  HC Davos; Reto Von Arx jubelt mit dem Pokal (Daniela Frutiger/Freshfocus)

Doch noch eine Wende? Die Zukunft von Reto von Arx ist vielleicht noch nicht endgültig entschieden. Bild: Daniela Frutiger/freshfocus

«Sie können mich gerade so gut fragen, ob ich als US-Vizepräsident neben Hillary Clinton kandidieren werde.»

Arno Del Curto

Werden Sie jetzt Ihren Vertrag beim HC Davos verlängern?
Ich nehme für mich jetzt das Recht heraus, erst zu feiern und gar nicht erst auf diese Frage einzugehen. Sie können mich gerade so gut fragen, ob ich als US-Vizepräsident neben Hillary Clinton kandidieren werde. Das kann ich genau so wenig beantworten, da ich ja erst noch nach Amerika zu einer Besprechung fliegen müsste.

Sie bleiben also?
Die nächste Frage, bitte.

Gut, gut. Wir wollen Sie nicht plagen. Also fahren wir mit einer ganz fachlichen Frage fort: Wann haben Sie in dieser Serie gespürt, dass es reichen könnte?
Nach dem zweiten Spiel, als wir auf die 0:3-Niederlage in Zürich reagieren konnten. Wir trainierten am nächsten Tag etwa 20 Minuten lang und ein paar Spieler sagten mir, jetzt hätten sie wieder Beine. Da wurde mir klar, dass die längere Pause vor dem Finale uns doch etwas aus dem Rhythmus gebracht hatte und dass wir dazu in der Lage sein würden, zu reagieren.

Die Davoser jubeln nach dem fuenften Playoff-Finalspiel der National League A zwischen den ZSC Lions und dem HC Davos am Samstag, 11. April 2015, im Hallenstadion in Zuerich. Der HC Davos hat die Playoff-Final-Serie mit 4:1 gewonnen und damit die Meisterschaft fuer sich entschieden. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Trotz Fehlstart: Der HC Davos hat das Glück in der Finalserie auf seine Seite gezwungen. Bild: KEYSTONE

«Siegen kann man lernen. Verlieren übrigens auch.»

Arno Del Curto

Gab es bereits früher in der Saison einen Punkt, am dem Sie realisierten, dass dies eine Meistermannschaft werden könnte?
Ja. Nach drei oder vier Spielen sah ich, dass das, was wir aufbauen, auch funktionieren kann. Nein, nein, falsch. Vorher schon, Anfang August in einem Vorbereitungsspiel gegen St.Petersburg. Wir verloren zwar hoch (1:6 – die Red.), aber wir spielten phasenweise auf Augenhöhe und unserem ersten Block gelangen unglaublich gute Spielzüge. Da wurde mir klar: Wenn wir so wie in den besten Phasen dieses Spiels in der Meisterschaft spielen können, dann ist alles möglich. Wir sind dann während der Saison zwischendurch etwas aus dem Tritt geraten. Wir haben oft unser Spiel nicht durchgezogen und sind passiv geworden. Nicht, weil wir das wollten, sondern weil wir erst wieder lernen mussten wie es ist, ein paar Spiele hintereinander zu gewinnen. Siegen kann man lernen. Verlieren übrigens auch.

Was ist die entscheidende Differenz zur Mannschaft des Vorjahres?
Wir sind ausgeglichener geworden. Wir haben wieder vier Blöcke.

Und Leonardo Genoni war Weltklasse. Wie haben Sie ihn dazu gebracht, wieder sein bestes Hockey zu zeigen?
Das machte unser Torhütertrainer (Marcel Kull – die Red.)

Leonardo Genoni, von Davos jubelt mit dem Pokal im Playoff-Finalspiel der National League A zwischen den ZSC Lions und dem HC Davos am Samstag, 11. April 2015, im Hallenstadion in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Die HCD-Lebensversicherung: Leonardo Genoni lässt sich im Hallenstadion feiern.  Bild: KEYSTONE

Sie haben vor der Saison noch davon gesprochen, das Ziel sei die Playoff-Qualifikation …
Ja, ja, das gehört halt dazu. Wenn Sie mich vor der neuen Saison wieder fragen, werde ich vielleicht sagen, es werde schwierig, den 11. Platz zu erreichen.

Aber die Steigerung ist schon bemerkenswert. Dreimal hintereinander die Viertelfinals verloren und jetzt Meister.
Wir brauchten diesen Rückschlag für den Neuaufbau. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder fällt man auf die Schnauze und muss wieder aufstehen und von vorne anfangen wie wir–- oder man kauft laufend die besten Spieler. Wobei das sehr oft ja auch nicht funktioniert.

«Du Bois ist ein entscheidendes Teilchen zum Meistermosaik.»

Arno Del Curto

Sie haben mit Félicien Du Bois einen der besten Spieler geholt und einen Königstransfer gemacht. Waren Sie, als Sie ihn holten, sicher, dass er eine so wichtige Rolle spielen kann?
Ja, absolut, von der ersten Sekunde an. Er spielt in unserer Mannschaft eine zentrale Rolle. Wenn Sie so wollen, ist er ein entscheidendes Teilchen zum Meistermosaik. Er bringt uns in der Verteidigung Ruhe und hat einen grossen Anteil daran, dass sich unsere jungen Verteidiger so gut entwickeln. Ich mag ihm den Titel so sehr gönnen.

Marc Aeschlimann, links, und Felicien Du Bois vom HC Davos feiern in der Garderobe, am Sonntag, 12. April 2015, in der Vaillant Arena in Davos. Der HC Davos hatte das fuenfte Playoffspiel vom Vorabend in Zuerich gegen die ZSC Lions mit 3:0 gewonnen und sich damit zum 31. Mal den Meisterpokal geholt. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Auch dank Félicien Du Bois hat Davos wieder einen Titel eingefahren.  Bild: KEYSTONE

Wie geht es jetzt weiter?
Jetzt muss ich mich auf die Siegerparty konzentrieren und vorbereiten.

Sie müssen sich konzentrieren und vorbereiten? Sie haben ja schon fünf Titel gefeiert.
Ja, das muss ich. Die letzte Meisterfeier ist schon so lange her, ich weiss gar nicht mehr wie das geht.

Und dann?
Dann werde ich erst einmal abtauchen. Nicht in der Schweiz. Hier kennen mich zu viele Leute. Ich werde nach Deutschland verschwinden.

Der HC Davos ist zum 31. Mal Schweizer Meister

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