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DNA-Analyse dokumentiert 200 Jahre Jagd auf den Wolf



Forschende der Universität Lausanne haben die DNA von 150 Wölfen aus europäischen Museen sequenziert. Ziel war es zu erfahren, was der Schwund im Wolfbestand in den vergangenen zwei Jahrhunderten auf genetischer Ebene für Konsequenzen hatte.

Einst das am weitesten verbreitete Säugetier der Erde, wurde der Wolf in vielen seiner ursprünglichen Territorien ausgerottet. So auch in den Schweizer Alpen, wo die letzten Exemplare vor Ende des 19. Jahrhunderts getötet wurden. Erst vor rund zwanzig Jahren wanderte der Wolf vielbeachtet von Italien her wieder in die Schweiz ein.

Um die Folgen dieses extremen Schwunds auf die Genetik der Wölfe besser zu verstehen, analysierten Forscher der Universität Lausanne die DNA von europäischen Tieren aus den vergangenen 200 Jahren. Das Material, Knochen und Felle, erhielten sie von rund einem Dutzend Museen von Norwegen bis nach Sizilien und von Portugal bis nach Russland.

Unter der Leitung von Luca Fumagalli untersuchte das Forschungsteam die Hunderten von Proben mithilfe von Hightech-Geräten. Die Herausforderung bestand darin, aus den teilweise stark zerfallenen Proben überhaupt noch DNA zu extrahieren. Die Wissenschaftler sequenzierten die DNA von über 150 Wölfen, die zur Blütezeit der Wolfsverfolgung während des 19. und 20. Jahrhunderts getötet worden waren.

In Zusammenarbeit mit Christophe Dufresnes von der Uni Lausanne und der britischen Universität von Sheffield wurden die Resultate mit zeitgenössischen und prähistorischen Daten verglichen, wie die Uni Lausanne mitteilte. So konnten die Wissenschaftler die genetische Geschichte des Wolfes in Europa von der letzten Eiszeit bis in die Gegenwart verfolgen.

Weniger Vielfalt

Es zeigte sich, dass die genetische Vielfalt der europäischen Wölfe vor einem Jahrhundert noch fast doppelt so gross war wie heute. Gleichzeitig waren die Populationen genetisch weniger differenziert. Dies deutet laut den Forschenden auf eine stärkere historische Verbindung und grössere Populationen hin, wie sie in der Fachzeitschrift «Proceedings of the Royal Society B» berichteten.

Die Befunde illustrieren laut den Wissenschaftlern die Verfolgung des Wolfes auf dem ganzen Kontinenten bis ins 20. Jahrhundert. So habe vor knapp hundert Jahren die italienische Unter-Art des Wolfes, die jüngst die Schweiz wiederbesiedelte, auch andernorts in Europa existiert.

Genetisch gesehen beträchtliche Unterschiede stellten die Forscher auch zwischen ost- und westeuropäischen Wölfen fest. In Westeuropa wurde der Wolf fast vollständig ausgerottet. Dadurch verringerte sich die Vielfalt am Übergang zum 20. Jahrhundert. Die Wiederbesiedelung durch einige übriggebliebene Populationen hatte danach grosse Veränderungen in der genetischen Zusammensetzung zur Folge.

In Osteuropa, wo der Wolf viel weniger nah am Aussterben war, sind die Vielfalt und die genetische Zusammensetzung heute auf einem ähnlichen Niveau wie damals. (sda)

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