Coronavirus
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Kantönligeist bei Verbot von Veranstaltungen sorgt für Kritik – so regeln's die Kantone

Manche Kantone verbieten wegen des Virus auch kleinere Veranstaltungen. Die Stadt Chur untersagt sogar grundsätzlich alle Anlässe ab 50 Personen. Die Situation sei unübersichtlich, sagt Swiss Olympic, der Dachverband des Schweizer Sports. Das soll sich nun ändern.

Maja Briner / ch media



Anspiel im leeren Stadion beim Eishockey-Qualifikationsspiel der National League zwischen dem HC Davos und den SC Rapperswil Jona Lakers, am Samstag, 29. Februar 2020 im Eisstadion in Davos. Die Spiele der National League muessen wegen der Zunahme des Coronavirus in der Schweiz ohne Zuschauer gespielt werden. (KEYSTONE/Juergen Staiger)

Im Zeichen des Corona-Virus: Während im Fussball alle Partien abgesagt wurden, spielten die Eishockeyaner wie hier Davos gegen Rapperswil unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Betroffen von den Veranstaltungs-Einschränkungen ist aber nicht nur der Spitzensport. Bild: KEYSTONE

Das Corona-Virus wirbelt die Freizeitpläne vieler Schweizer gehörig durcheinander. Die Basler Fasnacht und der Genfer Autosalon wurden abgesagt, Fussballspiele verschoben – auf Anordnung des Bundesrats. Betroffen sind jedoch nicht nur Grossanlässe.

Der Bundesrat hat zwar einzig Veranstaltungen mit über 1000 Personen verboten. Für kleinere Anlässe spielte er den Ball aber den Kantonen zu. Zusammen mit den Veranstaltern müssen sie eine Risikoabwägung durchführen. Dazu hat sie der Bundesrat am Freitag verpflichtet.

Die Kantone reagierten unterschiedlich darauf: Manche erliessen bereits restriktive Vorgaben, andere sehen es weniger eng. Anders gesagt: Der Kantönligeist griff innert Kürze um sich. Das weckt Kritik. Und da teilweise auch kleinere Anlässe verboten werden, sind in manchen Kantonen plötzlich ganz viele Veranstaltungen gefährdet. So wurde im Thurgau etwa die Mitgliederversammlung eines Quartiervereins untersagt.

Und was ist mit dem Kinder-Fussballturnier?

Das bekommen auch viele Hobbysportler im Land zu spüren. Denn der Breitensport ist ebenfalls betroffen. Der Schweizerische Fussballverband etwa hat alle Spiele vom Wochenende verschoben – auch jene in den unteren Ligen. Und schweizweit stellen sich den Sportvereinen Fragen wie: Ist ein Kinder-Fussballturnier mit einigen hundert Teilnehmenden und Zuschauern noch erlaubt? Wie steht es mit dem Volleyballverein, der in einer Halle drei Spiele gleichzeitig austragen lässt?

«Es herrscht eine Verunsicherung, wie die unterschiedlichen Regelungen umgesetzt werden sollen», sagt Roger Schnegg, Direktor von Swiss Olympic, dem Dachverband des Schweizer Sports. «Für uns ist es aktuell schwierig, weil je nach Kanton – und teilweise sogar je nach Gemeinde – unterschiedliche Regelungen gelten», sagt er. «Das macht die Situation unübersichtlich und entsprechend anspruchsvoll.»

Roger Schnegg, Direktor von Swiss Olympic spricht anlaesslich des traditionellen Mediengespraech von Swiss Olympic ueber die Olympischen Jugendspiele 2020 in Lausanne, Olympische Spiele 2020 in Tokio sowie aktuelle Projekte, aufgenommen am Montag, 28. Oktober 2019 in Zuerich.  (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Roger Schnegg, Direktor von Swiss Olympic. Bild: KEYSTONE

«Föderalismus stösst an seine Grenzen»

Es geht um eine grosse Anzahl an Anlässen. 15'000 bis 20'000 Meisterschaftsspiele finden laut Schnegg über alle Sportarten hinweg an einem durchschnittlichen Wochenende statt. Die grosse Anzahl an Sportanlässen bedeutet auch: Fragen alle betroffenen Vereine bei den Behörden nach, werden diese mit Anfragen überrannt.

Und es geht nicht nur um die Matches: «Auch bezüglich Trainings stellt sich die Frage, ob diese in jedem Fall noch möglich sind», sagt Schnegg. «Teilweise sind die Regelungen derart streng, dass es faktisch ein Veranstaltungsverbot gibt.» Beispiel Chur: Dort sind alle Veranstaltungen ab 50 Personen untersagt.

Schnegg betont: «Wir haben Verständnis für das föderale System.» Dieses sei im Normalfall gut. «Jetzt stösst es aber an seine Grenzen. Es wäre einfacher für den Sport, wenn es eine national einheitliche Regelung gäbe.»

Richtlinien sollen Mitte Woche vorliegen

Das sehen auch die Behörden so. Sie sind daran, Kriterien für Anlässe mit unter 1000 Personen zu erarbeiten. Derzeit können die Kantone zu einem Vorschlag des Bundes Stellung nehmen. Die Richtlinien sollen bis spätestens Mitte Woche vorliegen, heisst es bei der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren (GDK).

«Eine einheitlichere Regelung ist im Interesse aller ...»

... sagt GDK-Generalsekretär Michael Jordi. Dass dies bisher nicht der Fall sei, liege an der fehlenden Zeit. «Wir wurden etwas überrascht von der Geschwindigkeit», erklärt er. «Der Bundesrat hat – zurecht – rasch entschieden; die Veranstalter wollten danach rasch wissen, was Sache ist.» Nun müsse man im Nachhinein die Richtlinien festlegen und für mehr Einheitlichkeit sorgen.

Ein Knackpunkt ist die Frage, wie eng die Vorgaben für die Kantone sein sollen. «Es ist eine Gratwanderung», sagt Jordi: «Einerseits sollen die Kantone einen gewissen Spielraum haben, da je nachdem unterschiedliche Regelungen durchaus sinnvoll sein können. Andererseits geht es um die Gleichbehandlung.» Erschwerend kommt hinzu, dass bei der Risikoabschätzung nicht nur die Zahl der Teilnehmenden ausschlaggebend ist. Eine Rolle könnte zum Beispiel auch spielen, ob viele ältere oder chronisch kranke Personen an einem Anlass teilnehmen.

Swiss-Olympic-Direktor Schnegg ist erfreut darüber, dass der Bund zusammen mit der GDK Richtlinien erarbeiten will. «Dann wissen die Verbände und Vereine, woran sie sind.»

So regeln es die Kantone

(aargauerzeitung.ch)

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