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Thyssenkrupp schon wieder auf der Intensivstation



Thyssenkrupp kommt auch unter dem neuen Chef nicht auf die Beine: Zu schleppenden Geschäften mit Anlagen, Autoteilen und Aufzügen gesellt sich nun auch noch eine drohende Kartellstrafe in der Stahlsparte.

Der neue Konzernchef Guido Kerkhoff, gerade einmal seit dem Sommer im Amt, musste deshalb einräumen, dass der Industriekonzern auch seine bereits nach unten korrigierten Ziele im abgelaufenen Geschäftsjahr verfehlt hat. An der Börse sorgte das am Freitag für einen regelrechten Ausverkauf. Die Aktie verlor zeitweise mehr als 12 Prozent und verbuchte damit den höchsten Verlust innerhalb eines Tages seit Juni 2016.

«Das zeigt, wie fragil das Geschäft ist und schwächt das Vertrauen in den Vorstand noch weiter, der die Probleme einfach nicht in den Griff bekommt», sagte Portfoliomanager Ingo Speich von Union Investment. «ThyssenKrupp ist immer noch ein Koloss auf tönernen Füssen.»

Gewinn eingebrochen

Die vollständige Bilanz stellt Kerkhoff am 21. November vor. Aber schon jetzt ist klar, dass die Zahlen für 2017/18 (per Ende September) eine Enttäuschung sind. Der operative Gewinn ging auf 1.6 (Vorjahr: 1.7) Milliarden Euro zurück. Der Überschuss schmolz von 271 auf 100 Millionen Euro.

Erst Ende Juli - wenige Wochen nach dem Rücktritt seines Vorgängers Heinrich Hiesinger - hatte Kerkhoff die damalige Prognose eingedampft und ein bereinigtes Ebit von rund 1.8 Milliarden Euro in Aussicht gestellt sowie einen Überschuss deutlich über dem Vorjahr.

Kerkhoff ist bereits seit 2011 im Konzern und galt als enger Vertrauter Hiesingers. Der langjährige Finanzchef war zunächst nur als Interimschef gehandelt worden. Doch dann hatte er die Gunst der Stunde genutzt, Probleme in den einzelnen Konzernsparten klar beim Namen genannt, mehr Rendite versprochen und einen Fünfjahresvertrag erhalten. Nun holen ihn die Probleme wieder ein.

Die Euphorie ist weg

Am Markt ist die Euphorie über die vor wenigen Wochen angekündigte Aufspaltung des Konzerns schon wieder verflogen. Kerkhoff will den Konzern aufteilen - in eine Industrials AG, zu der unter anderem die lukrative Aufzugssparte gehören soll, und eine Materials AG mitsamt der Beteiligung an dem geplanten Stahl-Joint-Venture mit Tata Steel.

«Der entscheidende Punkt ist doch, wie bringe ich das Geschäft voran», sagte Anlegerschützer Hechtfischer. Allein durch eine Aufspaltung würden die Geschäfte nicht ertragreicher. Ausser hohen Kosten im Milliardenbereich habe er nichts Konkretes dazu gehört.

«Es wird schwer zu erklären, wie das vorangehen soll, nachdem jetzt doch ein ganzer Sack von Belastungen aufgemacht worden ist. Selbst die Aufzugssparte läuft seit Jahren bei der Performance den Besten hinterher.» Ein Marktexperte äusserte die Vermutung, dass Kerkhoff nun reinen Tisch macht.

Kartellverfahren laufen

Das Unternehmen war früher öfter zu hohen Kartellstrafen verdonnert worden. In der Branche hatte es Absprachen nicht nur beim Stahl und Edelstahl, sondern auch bei Eisenbahnschienen und Aufzügen gegeben. Thyssenkrupp Steel Europe AG sei neben anderen Firmen und Verbänden der Stahlbranche Gegenstand laufender Ermittlungsverfahren des Bundeskartellamts zu mutmasslichen Kartellabsprachen der Vergangenheit, hatte der Konzern am Donnerstagabend erneut gewarnt.

Es handele sich um alte Fälle. «Die handelnden Personen arbeiten bereits allesamt nicht mehr in ihren Verantwortungsbereichen beziehungsweise sind nicht mehr im Unternehmen.»

Das Kartellamt erklärte, dass die Verfahren weiter liefen. Man äussere sich derzeit aber weder zu Namen der Unternehmen noch dazu, wann die Untersuchungen möglicherweise abgeschlossen werden. (sda/awp/reu)

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