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Ist die #10YearChallenge gefÀhrlich? Die Fakten zum Internet-PhÀnomen

Ob Instagram, Facebook oder Twitter: Die #10YearChallenge sorgt dafĂŒr, dass User persönliche Informationen preisgeben. Eine EinschĂ€tzung.



Um was geht's?

Das «Wired»-Magazin sorgte diese Woche mit einem kritischen Beitrag zur #10YearChallenge fĂŒr Aufregung.

Im Stil von «Das wird man ja noch fragen dĂŒrfen» spekuliert die Autorin – mit sarkastischem Unterton –, dass es sich keineswegs um ein harmloses Internet-PhĂ€nomen handle. Vielmehr könnte einer der schlimmsten Datenkraken der Gegenwart dahinter stecken. Zucks bösartiges Ziel: Die Knechtung der Welt, mithilfe von automatischer Gesichtserkennung.

Bild

screenshot: wired.com

Die Reaktionen waren absehbar ...

Ist das eine echte Bedrohung bzw. ein realistisches Szenario?

Nein.

Facebook ist nicht auf solche User-Bilder angewiesen. Das hatte Kate O'Neill auch gleich selber eingerÀumt, ging aber im ganzen LÀrm etwas unter.

Worum geht es der Autorin wirklich?

Nun kommen wir zum Kern des Pudels.

Als sich ihre Tweets zum Thema viral verbreiteten, schob die «Wired»-Journalistin in einem weiteren Tweet einen Amazon-Link nach – und versuchte so, ihr eigenes Buch zu promoten.

Selbst-Marketing, also. Aber ausgerechnet bei Amazon? Keine gute Idee, wie wir gleich sehen ...

Ist automatische Gesichtserkennung harmlos?

Nein, im Gegenteil. Statt zu spekulieren und die Leute mit falschen VerdÀchtigungen aufzuschrecken, sollten Journalisten die echten Chancen und Risiken aufzeigen.

ZunÀchst einmal ist festzuhalten, dass automatische Gesichtserkennung nicht per se schlecht ist und darum nicht durch substanzlose Behauptungen verteufelt werden sollte.

Sinnvolle Einsatzgebiete mit gesamtgesellschaftlichem Nutzen sind zum Beispiel das Verhindern von Online-IdentitĂ€tsdiebstahl und der Kampf gegen Kinderpornografie. Und die Gesichtserkennung erleichtert uns – sicher eingesetzt – bereits das Reisen, wie die Versuche am Flughafen ZĂŒrich mit dem Scannen von biometrischen PĂ€ssen zeigen.

Damit zu den Gefahren – und die hĂ€ngen von der Institution ab, die die Technik auf «ihren» Servern einsetzt.

Alle grossen Tech-Konzerne forschen an Gesichtserkennung, um ihren Kunden das (digitale) Leben zu erleichtern und sie mit praktischen Features bei der Stange zu halten.

Das Killerkriterium: Was haben die Unternehmen mit den biometrischen Daten vor und wie können sie gewÀhrleisten, dass sie nicht in kriminelle falsche HÀnde gelangen? Und daran denken: 100-prozentige Sicherheit gibt's nicht.

Wie wir wissen, steht der weltgrösste Online-HÀndler Amazon in der Kritik, weil er seine umstrittene Gesichtserkennungs-Technologie «Rekognition» an die US-Regierung verkaufen will. Zur BekÀmpfung illegaler Einwanderung.

Auch Facebook forscht schon seit Jahren an digitaler Gesichtserkennung und verfĂŒgt ĂŒber riesige Datenmengen, um seine Algorithmen zu trainieren. Hunderte Millionen, ja Milliarden User laden freiwillig ihre (zum Teil) höchst persönlichen Fotos und Videos hoch, wo sie mit Zeitstempel versehen (fĂŒr immer?) gespeichert werden.

Biometrische Daten

Die automatische (digitale) Gesichtserkennung funktioniert mit dem Abgleich von biometrischen Daten, in diesem Fall der Geometrie der GesichtszĂŒge. Andere biometrische Daten sind die FingerabdrĂŒcke oder die Regenbogenhaut der Augen (Iris) sowie der Augenhintergrund (Retina). Die Daten können zur Identifikation sowie zur Verifikation (IdentitĂ€ts-ÜberprĂŒfung) von Menschen verwendet werden. 
Mehr Infos: datenschutz.org

Als Apple 2013 erstmals einen Fingerabdruck-Scanner in ein iPhone (5S) einbaute, Ă€usserten sich viele Kommentatoren skeptisch. Und vier Jahre spĂ€ter gab es erneut einen lauten Aufschrei, als mit dem iPhone X die automatische Gesichtserkennung (Face ID genannt) auf Apple-GerĂ€ten Einzug hielt. Um die Kritiker zu beruhigen, erklĂ€rte der Hersteller: Es werden keine wiederverwendbaren biometrischen Daten ĂŒbers Internet geschickt. Sie verlassen gar nicht das GerĂ€t.

Fazit nach ĂŒber 5 Jahren: Bislang ist es keinem Hacker gelungen, wertvolle biometrische Daten aus einem iPhone oder anderen Apple-GerĂ€t zu extrahieren. DĂŒrfen sich die User deshalb in Sicherheit wiegen? Sicher nicht.

Und Facebook? Hier veröffentlichen die User zweidimensionale Abbildungen ihrer GesichtszĂŒge freiwillig als Posts. Der Plattform-Betreiber scannt die hochgeladenen Fotos und versucht, die abgebildeten Personen zu erkennen. Wer das nicht will, kann die Gesichtserkennung deaktivieren â€“ und darauf hoffen, dass Facebook hĂ€lt, was es verspricht.

Sicher ist: Die digitale Gesichtserkennung ist nicht mehr aufzuhalten. Das zeigen auch neuartige Anwendungen, wie zum Beispiel das Kickstarter-Projekt OrCam MyMe. Da heftet man sich einen Plastik-Clip mit Mini-Kamera ans Hemd und erfÀhrt dank Gesichtserkennung, ob man einen Bekannten vor sich hat. So sollen sich peinliche Situationen vermeiden lassen, bei denen man die Namen nicht mehr weiss ...

Beruhigend: Laut Bericht bei Tech Crunch werden die biometrischen Daten auf dem kleinen GerĂ€t verarbeitet, nicht ins Internet ĂŒbertragen und umgehend gelöscht.

Was wir daraus lernen sollten

Angesichts der #10YearChallenge gilt es die Verhaltensregeln in Erinnerung zu rufen, die das Risiko vermindern, zum Opfer krimineller Machenschaften zu werden. Zudem sollte man mĂ€chtige Datenkraken nicht unnötig fĂŒttern:

Wir sollten keine falschen Ängste entwickeln, die auf Unwissen ĂŒber moderne Technik grĂŒndet, sondern uns bewusst sein, was Gesichtserkennung kann, und was nicht:

«Wir können uns in wenigen Sekunden ein Bild eines anderen Menschen machen, indem wir ihm ins Gesicht schauen und mit ihm sprechen. Selbst mit den intelligentesten Algorithmen wird das bei einer Maschine noch sehr lange nicht möglich sein.»

Stephan Sigrist, Biochemiker quelle: t-online.de

Das vorlĂ€ufig letzte Wort hat die amerikanische Journalistin, die die ganze (kĂŒnstliche) Aufregung rund um die automatische Gesichtserkennung auslöste ...

«Wir sollten von den Unternehmen verlangen, dass sie unsere Daten auf jeden Fall mit dem nötigen Respekt behandeln. Aber wir mĂŒssen auch unsere eigenen Daten mit Respekt behandeln.»

Kate O'Neill, «Wired»

Was lohnt sich an der #10YearChallenge?

Falls du noch nicht weiss, was es mit der #10YearChallenge (auch #10YearsChallenge) auf sich hat: Social-Media-User veröffentlichen unter dem Hashtag BeitrÀge, in denen sie alte und aktuelle Fotos nebeneinander stellen. Damit wollen sie zeigen, wie sich die abgebildete Personen und Dinge innert zehn Jahren verÀndert haben. Oder auch nicht.

Das PhĂ€nomen sorgt bei Instagram, Facebook und Twitter fĂŒr Furore. Befeuert wird es durch Prominente, die als Vorbild dienen und zum Mitmachen animieren.

Das Beste (aus Datenschutz-Sicht) sind die Spassvögel ...

Bild

Umfrage

Machst du aktiv mit bei der #10YearChallenge?

  • Abstimmen

908

  • Ja, mit persönlichen Bildern.1%
  • Ja, aber nur mit unpersönlichen BeitrĂ€gen.2%
  • Nein, kommt nicht infrage.49%
  • Ich bin noch nicht 10 😳47%

Emily und Oliver von der watson-Redaktion erklÀren:

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    Alle Leser-Kommentare
  • Ueli der Knecht 18.01.2019 19:05
    Highlight Highlight Gesichtserkennungs-KI ist in der Lage, mit einer ZuverlÀssigkeit von 91% aufgrund eines Fotos festzustellen, ob du schwul und cool bist, oder stinknormal.
    https://osf.io/zn79k/

    Frage: Wird solche Gesichtserkennungs-AI homophobe Intoleranz eher fördern oder eher schwÀchen?
  • El Pepedente 18.01.2019 14:37
    Highlight Highlight Ist wasser gefÀhrlich? Alle die wasser kondumiert haben sind irgendwann gestorben!
  • Lingard 18.01.2019 11:00
    Highlight Highlight Black Mirror last grĂŒssen..
  • So en Ueli 18.01.2019 10:38
    Highlight Highlight In der Umfrage fehlt die Option "Nein, weil ich mach nicht bei jedem Scheiss mit."
    • DonChaote 18.01.2019 20:10
      Highlight Highlight @so en ueli
      Genau dafĂŒr ist der letzte punkt („ich bin noch nicht 10 😳“) gedacht...

      Weil wir auch bei so einer umfrage nicht mitmachen, aber das resultat sehen wollen. Stand jetzt sind wir 49% 😘
  • Passierschein A38 18.01.2019 10:24
    Highlight Highlight Ich starte die neue #creditcardinfo - Challenge: Postet alle eure Kreditkartennummer, -namen und Sicherheitscode. Wer hat die lustigste Kombination?
  • NatĂŒrlich 18.01.2019 10:11
    Highlight Highlight Also die Fotos waren ja bereits auf Facebook (zumindest in meinem Fall) inklusive Datum
    (In der CH sind es gut 10 Jahre, seit Facebook seinen Siegeszug angetreten hat.)
    Daher halte ich ĂŒbertriebene Vorsicht bzw Panikmache nicht angebracht.
    • c_meier 18.01.2019 16:31
      Highlight Highlight wollte ich auch gerade schreiben Facebook hat doch eh schon die Fotos, welche in den Jahren 2008 / 2009 hochgeladen wurden...
    • DonChaote 18.01.2019 20:24
      Highlight Highlight @natĂŒrlich
      Es geht hauptsÀchlich darum, dass man sich mal wieder gedanken um seine daten macht und wie man damit umgeht.
      Aber man kann scheinbar noch so plakativ aufzeigen, was man alles anstellen kann, mit all den sachen die man ĂŒber sich im internet verbreitet und es kommt noch immer nicht bei allen an.
      Und ein blick zurĂŒck in der geschichte zeigt uns auch: was gemacht werden kann um zu manipulieren und macht auszuĂŒben wird auch gemacht! Also kritisch bleiben und massentrends lieber einmal mehr hinterfragen. in der hoffnung es helfe...
  • AdiB 18.01.2019 10:00
    Highlight Highlight 😂😂
    Benutzer Bild
  • henkherrmann 18.01.2019 09:43
    Highlight Highlight Ich finde diese Analyse auch naiv. Was Biometrie kann und was nicht ist je Stand der Technologie und die ist schon sehr weit (Re: Zitat vom Biochemiker). Risikoreich ist der Umgang damit. Wenn KI-gestĂŒtzte Analyse neurologische Krankheiten im Gesicht erkennen kann, AuslĂ€nder, GefĂŒhle, HomosexualitĂ€t und andere kriminelle Muster - wird das angewandt und zwar aufgrund von nicht intelligenten Regularien, die von jeweiligen Macht- oder GeschĂ€ftsinteresse getrieben sind.
    Und es wird uns immer - wie im Artikel hier - im Interesse der Sicherheit und des persönliches Wohls als "ok" verkauft :(
  • Calvin Whatison 18.01.2019 09:41
    Highlight Highlight đŸ€ŁđŸ€ŁđŸ€Ł
    Benutzer Bild
  • walsi 18.01.2019 09:16
    Highlight Highlight Man braucht keine Biometrischendaten aus dem Handy zu stehlen. Hacker haben gezeigt wie sie auf Grund eines Fotos FingerabdrĂŒcke zur Entsperrung eines Smartphones herstellen können. Das Gleiche gilt fĂŒr doe Gesichtserkennung, es gelang GerĂ€te mit einem Foto zu entsperren.
    • Nik G. 18.01.2019 09:51
      Highlight Highlight Das entsperren hat nichts mit dem klauen der Biometrischen Daten zu tun. Nur weil man das Smartphone mit einem Foto entsperren konnte hat man noch nicht die Biometrischen Daten wie Fingerabdruck oder neu beim IPhone die 3 D Gesichtserkennung.
    • walsi 18.01.2019 10:18
      Highlight Highlight @Nuk: Wenn ich zugriff habe muss ich die Daten auch nicht mehr auslesen, ich habe ja was ich will.
    • blobb 18.01.2019 11:26
      Highlight Highlight "Hacker haben gezeigt wie sie auf Grund eines Fotos FingerabdrĂŒcke zur Entsperrung eines Smartphones herstellen können."
      Aha, klingt logisch ;)
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