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VW-Chef Oliver Blume: «Die Lage ist mehr als kritisch»

VW-Chef: «Die Lage ist mehr als kritisch»

Kaum sind die Werksferien beendet, ist es mit der Ruhe bei Volkswagen vorbei: Konzernchef Oliver Blume hat kurz vor einer Serie von Betriebsversammlungen eine angespannte Situation für den grössten Autobauer Europas beschrieben.
21.08.2026, 19:0221.08.2026, 19:02

«Die Lage ist mehr als kritisch», sagte der Konzernchef in einem Interview, das im Intranet des Unternehmens veröffentlicht wurde und der dpa vorliegt.

epa11290262 Oliver Blume, Chairman of the Board of Management of Volkswagen (VW) and Porsche AG, attends the semi final match between Iga Swiatek of Poland and Elena Rybakina of Kazakhstan at the Pors ...
VW-Chef Oliver Blume steht vor grossen Herausforderungen mit seinem Konzern.Bild: keystone

Der Konzern sei zwar handlungsfähig, habe aber auch akuten Handlungsbedarf, sagte Blume. Der Vorstandschef verwies etwa auf 3,8 Prozent operative Rendite, die in dieser anspruchsvollen Situation zwar solide seien. «Aber sie reichen bei weitem nicht aus, um dauerhaft ausreichende Mittel zu erwirtschaften für neue Technologien, neue Produkte und unsere Standorte».

Blume: «Wir sind überdimensioniert»

Bisherige Einsparungen, etwa um durchschnittlich 20 Prozent gesenkte Fabrikkosten in deutschen Autofabriken im vergangenen Jahr, seien noch nicht ausreichend. «Wir sind überdimensioniert. Das macht uns oft zu langsam und zu kompliziert», beschrieb der VW-Boss das Problem.

Blume hatte bereits im Frühjahr angekündigt, an einem neuen «Zielbild 2030» für den Konzern zu arbeiten und dabei auch den Sparkurs deutlich verschärfen zu wollen. Noch vor der Sommerpause machte er klar, sein Massnahmenpaket noch in diesem Jahr verabschieden zu wollen. Seitdem wird in der VW-Welt um vier Werke und bis zu 50'000 Stellen zusätzlich Stellen gebangt.

Insgesamt sind in den nächsten Tagen bis Ende August neun Betriebsversammlungen etwa in Hannover, Braunschweig, Salzgitter, Dresden, Chemnitz und Kassel-Baunatal geplant, bei denen der Vorstand der Belegschaft Rede und Antwort stehen soll. Den Auftakt macht am 25. August Wolfsburg, Tags darauf folgen Emden und Zwickau, den Abschluss macht am 31. August Hannover.

VW-Chef: Keine Entscheidungen über konkrete Werksschliessungen

Mit Blick auf die als bedroht bezeichneten Werke in Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm wiederholte Blume im Interview, dass es für diese Standorte heute keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er-Jahre gebe. «Eine Entscheidung über konkrete Werksschliessungen ist nicht getroffen», sagte er. Denn eine fehlende Nachfolgebelegung sei noch keine Werksschliessung.

Für den Fall, dass für einen Standort keine Lösung gefunden werde, ende die Verantwortung von VW aber nicht. «Werksschliessungen sind immer die teuerste und letzte Lösung», sagte Blume. Sollten alle Anstrengungen nicht ausreichend gehe es darum, neue Perspektiven zu schaffen – mit Partnern, Investoren, neuen industriellen Lösungen.

Die häufig genannte Zahl von 50'000 bedrohten Stellen bezeichnete Blume als «keine fixe Zielgrösse». Sie errechne sich aus dem Kostenziel im Vergleich zum Wettbewerb und gebe eine Orientierung, wie gross der Handlungsbedarf sei. (sda/awp/dpa)

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