Historisches Museum Luzern erinnert an Gassenphilosphen Emil Manser

08.12.16, 11:08

Zwölf Jahre nach dessen Tod erinnert eine Ausstellung an das Luzerner Stadtoriginal Emil Manser (1951-2004). Der Strassenkünstler hielt den Mitmenschen mit Plakaten und Gesten den Spiegel vor. Den einen ging er auf die Nerven, andere hatten grosse Sympathie für ihn.

Das Historische Museum Luzern präsentiert ab Freitag bis am 17. April 2017 der Öffentlichkeit erstmals einen Teil des Nachlasses des «Stadtstreuners». Es besitzt rund 150 Plakate und weitere Objekte aus der Hinterlassenschaft des Sprach- und Strassenartisten.

Der Grossgewachsene hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, Karton-Plakate mit träfen Sprüchen herzustellen und durch die Stadt zu tragen. «Auf Wiedersehen Herr Christof Blocher, aber es eilt nicht», hiess es da etwa, oder «Bettle ganzen Januar zum Halben Breis».

Manser trat aber auch in verschiedenen Outfits in Erscheinung: geschminkt wie Charles Chaplin, im Militärmantel und mit Adventskranz bekrönt, im Malerkittel oder mit Puppen im Arm.

«Abkürzung in den Himmel»

Oft hielt er sich am Platz bei der Kantonalbank auf. Dort warb er für seine Kinderpartei, für mehr Toleranz untereinander und für sich selbst.

Am 3. August 2004 stürzte sich Manser nachts in die Reuss. «Krebs - wählte Abkürzung in den Himmel», stand auf seinem letzten Plakat, das der 53-Jährige am Ufer hinterliess.

Den einen Mitbürgern ging Manser mit seiner direkten Art auf die Nerven. Von anderen erfuhr er viel Sympathie.

Auch im Ausland bekannt

Mit der Ausstellung «Wer mich kennt, liebt mich. Emil Manser (1951–2004)» wolle das Historische Museum an einen originellen und mutigen Zeitgenossen erinnern, der seinen Mitmenschen den Spiegel vorgehalten habe, teilte das Museum mit. Die Ausstellung werfe einen neuen Blick auf den künstlerischen und gesellschaftskritischen Kontext von Mansers Sprache und Aktionen.

Manser wurde 1951 in Appenzell geboren, machte eine Lehre als Buchdrucker und zog in den 1970er-Jahren nach Luzern. In den 1980er-Jahren fiel er mit eigenartigen Stellen- und Kontaktinseraten im städtischen Anzeiger auf. Später inszenierte er sich in der Öffentlichkeit und prägte schliesslich während 15 Jahren mit seiner Präsenz das Stadtbild.

Manser erlangte posthum über die Region hinaus Bekanntheit. Das 2006 erschienene Buch «Ist mir grosse EHRE von gleicher Sorte zu sein» des Luzerner Kleinverlags db wurde in Berlin zu einem der «schönsten Bücher Europas» gewählt. Es enthält Originaltexte und -bilder von Manser, aber auch Beiträge von Leuten, die ihn kannten, vom Stadtpräsidenten über den Nationalrat bis zum Quartierpolizisten. (sda)

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