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Joaquin

Bild: X01998

Joaquín "El Chapo" Guzmán

Aufstieg und Fall des kleinen Guzman 

Bei der Festnahme soll kein einziger Schuss gefallen sein: In Mexiko ist der berüchtigte Drogenboss Joaquín "El Chapo" Guzmán gefasst worden. Sein Sinaloa-Kartell ist das mächtigste Drogensyndikat des Landes - und operiert längst in allen Bereichen der organisierten Kriminalität. 

Ein Artikel von

Spiegel Online

Klaus Ehringfeld, spiegel online, Mexiko

Es ist ziemlich genau 13 Jahre und einen Monat her, da verließ Joaquín Guzmán Loera relativ entspannt das Hochsicherheitsgefängnis Puente Grande im mexikanischen Bundesstaat Jalisco. So viel ist bekannt. 

Gewiss ist nur, dass Guzmán, der wegen seiner geringen Körpergröße "El Chapo" genannt wird, "der Kleine", in den Jahren seit seiner Flucht das meistgesuchte Phantom auf dem amerikanischen Kontinent war. Verfolgt von Mexikos Sicherheitsbehörden und der US-Antidrogenbehörde DEA. Das US-Finanzministerium adelte den 56-Jährigen vor zwei Jahren als den "weltweit mächtigsten Drogenhändler". Die USA setzten ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar (3,8 Millionen Euro) auf seine Ergreifung aus. 

In der Nacht zu Samstag endete die Flucht Guzmáns in einem schmucklosen Hotel in der Hafenstadt Mazatlán an der mexikanischen Pazifik-Küste. Er wurde in einer gemeinsamen Aktion der mexikanischen Marine und der US-Antidrogenbehörde DEA festgenommen. Die Identität Guzmáns sei mittels DNA-Proben "zu 100 Prozent" bestätigt worden, sagte Generalstaatsanwalt Jesús Murillo Karam. 

Guzmán wurde demnach um 6.40 Uhr verhaftet, "ohne dass ein einziger Schuss fiel". Mit ihm wurden weitere 13 Verdächtige festgesetzt. Am 17. Februar hatten Fahnder eines von Guzmans Häusern in Culiacán lokalisiert, der Hauptstadt des Bundesstaates Sinaloa. Drei Tage später spürten die Sicherheitskräfte den Aufenthaltsort seiner Ex-Frau Griselda López Pérez auf. Vermutlich erhielten sie in diesen Tagen den entscheidenden Hinweis auf Guzmáns Aufenthaltsort. 

FILE - In a Thursday, Feb. 14, 2013, file photo, a poster displayed at a Chicago Crime Commission news conference in Chicago, shows Joaquin ``El Chapo'' Guzman, who was deemed Chicago's Public Enemy No. 1. A senior U.S. law enforcement official said Saturday, Feb. 22, 2014 that Guzman, the head of Mexico's Sinaloa Cartel, was captured alive overnight in the beach resort town of Mazatlan, Mexico. Guzman faces multiple federal drug trafficking indictments in the U.S. and is on the Drug Enforcement Administration?s most-wanted list. His cartel has been heavily involved in the bloody drug war that has torn through parts of Mexico for the last several years.  (AP Photo/M. Spencer Green, File)

Bild: AP/AP

 "Jeder weiß, wo Guzmán sich aufhält, nur die Polizei offensichtlich nicht."

Nach den langen Jahren der Flucht wusste niemand so recht, wie Guzmán aussehen würde. Mexikanische Soldaten führten ihn schließlich der Presse vor, ein Mann mit vollem dunklem Haar und Schnauzbart. 

Seit seiner Flucht wurde "El Chapo" praktisch jede Woche irgendwo gesehen, aber nie gefasst. Gerade war er angeblich in Guatemala, mal speiste er in einem Restaurant in Culiacán, der Hauptstadt seines Heimatstaates Sinaloa. Vor zwei Zeit Jahren ätzte der Erzbischof des Bundesstaates Durango: "Jeder weiß, wo Guzmán sich aufhält, nur die Polizei offensichtlich nicht." Zuletzt hieß es, er sei vor allem in Argentinien, wo sein Kartell eine lukrative Zweigstelle besitze. 

Böse Zungen behaupten, das Phantom sei leicht übersehen worden, weil es so klein sei. Der Mann mit dem kantigen Gesicht und dem einfältigen Blick misst je nach Quelle 1,68 oder 1,55 Meter. Nicht mal darüber ist man sich einig. Vermutlich aber war Guzmán so unfassbar, weil seine Organisation kräftig Politiker und Polizisten schmiert. Das US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" führte Guzmán mehrere Jahre unter den reichsten Menschen der Welt mit einem Vermögen von rund einer Milliarde Dollar. 

FILE - In this June 10, 1993 file photo, Joaquin Guzman Loera, alias

Bild: AP/AP



FILE - This Feb. 14, 2013 file photo, shows a poster displayed at a Chicago Crime Commission news conference in Chicago, where Joaquin ``El Chapo'' Guzman, a drug kingpin in Mexico, was named as Chicago's Public Enemy No. 1. A senior U.S. law enforcement official said Saturday, Feb. 22, 2014 that Guzman, the head of Mexico?s Sinaloa Cartel, was captured alive overnight in the beach resort town of Mazatlan, Mexico. Guzman faces multiple federal drug trafficking indictments in the U.S. and is on the Drug Enforcement Administration?s most-wanted list. His cartel has been heavily involved in the bloody drug war that has torn through parts of Mexico for the last several years. (AP Photo/M. Spencer Green, File)

Bild: AP/AP

Seit seiner Flucht vor 13 Jahren hat er mit seinen Kollegen aus einem regionalen Drogenkartell ein veritables Verbrechersyndikat gemacht. Das Sinaloa-Kartell ist das größte und gefährlichste Mexikos. Nach Einschätzung von Experten operiert es in mehr als 50 Staaten und widmet sich 21 illegalen Aktivitäten. "Es ist längst keine Rauschgiftmafia mehr, sondern ein diversifiziertes Unternehmen des organisierten Verbrechens, das nur noch rund 50 Prozent seines Umsatzes mit Drogenhandel macht", sagt Edgardo Buscaglia, Leiter des International Law and Economic Development Centre in Mexiko. Die übrigen Einkünfte generiert das Kartell aus Geschäften wie Schmuggel, Menschenhandel, Raub von Rohstoffen und Produktpiraterie. 

Experten bezweifeln, dass das Kartell durch die Festnahme nachhaltig geschwächt ist. "Es bedeutet auf keinen Fall die Zerstörung der Sinaloa-Mafia", sagt der Autor Pepe Reveles. Es fehle der Kampf gegen die Finanznetze. Nur so seien die Verbrecher-Syndikate in die Knie zu zwingen. Anabel Hernández, Journalistin und Autorin mehrere Bücher über das Sinaloa-Kartell, ergänzte: "Die Organisation wird von Ismael Zambada weitergeführt. Und sie ist hervorragend strukturiert. Es wird so weiter gehen wie bisher." 

In der Schule schaffte er es nur bis zur dritten Klasse 

"El Chapo" hatte aus seiner Gemeinde Badiraguato im rauen Nordwesten Mexikos einen weiten Weg zurückgelegt. Geboren am 4. April 1957 als ältestes von sechs Kindern einer Bauernfamilie, inmitten von Armut und Mohnfeldern. Der kleine Joaquín schaffte es nur bis zur dritten Klasse, dann kam er nicht mehr mit. Er fehlte zu oft, weil er seinem Vater bei der Mohnernte helfen musste. Man sagt: In dieser Ecke Sinaloas wird man Drogenhändler oder gar nichts. Guzmán brachte es zum Milliardär. 

Er wurde gefürchtet und verehrt: Für viele Menschen war der große Boss vor allem Wohltäter, der in seinem Heimatstaat Schulen und Krankenhäuser baute, Stipendien vergab und nach Naturkatastrophen schneller Hilfspakete an die Bevölkerung verteilte als der Staat. Für andere war er schlicht der Chef einer brutalen Drogenbande und der meistgesuchte Verbrecher der Welt. 

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    Alle Leser-Kommentare
  • Manfred Sim Toppel 23.02.2014 10:56
    Highlight Highlight Nochmals zur gutgemeinten Info: in dem Guzman-Artikel ist der erste Absatz doppelt vorhanden:
    Es ist ziemlich genau 13 Jahre und einen Monat her, da verließ Joaquín Guzmán Loera relativ entspannt das Hochsicherheitsgefängnis Puente Grande im mexikanischen Bundesstaat Jalisco. So viel ist bekannt.

    Es ist ziemlich genau 13 Jahre und einen Monat her, da verließ Joaquín Guzmán Loera relativ entspannt das Hochsicherheitsgefängnis Puente Grande im mexikanischen Bundesstaat Jalisco. So viel ist bekannt.

    Freundliche Grüsse, M
  • Yirani 23.02.2014 08:25
    Highlight Highlight Interessant, bin grad am Buch "Zero Zero Zero" lesen
  • papparazzi 22.02.2014 23:49
    Highlight Highlight Da stellt sich natürlich sofort die Frage, ob es denn nun weitergeht mit dem Drogen- Kartell.

    Na klar doch, denn ist der Kopf der Hydra mal abgesäbelt, dann wächst er einfach wieder nach, schliesslich sind da noch genügend Gefolgsleute in der Warteschlange...

    ...wirklicher Erfolg sieht anders aus, nämlich in Form einer Verhaftungswelle, damit ein gesamter Händlerring oder ein Drogen- Kartell "hopps" genommen wird.

    Diese einzelne Verhaftung eines oberen Drogenbosses stinkt ziemlich stark nach Korruption, Konkurrenz und Kolateralschaden, den die wahren Drahtzieher und Hintermänner in den obersten Etagen und Regierungen gerne in Kauf nehmen, damit das "Geschäft" weiter läuft und sie unerkannt bleiben. ut (dp)

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