Coronavirus
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Plakate zeigen den Weg zum Covid-Test per Speichelprobe durch die Swissport-Tochter Checkport am Flughafen in Zuerich, aufgenommen am Mittwoch, 6. Januar 2021. Ab morgen Donnerstag erweitert der Flughafen das Coronatest-Sortiment mit dem Spucktest, das Testresultat liegt bereits nach rund 5 Stunden vor. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Geht es nach den ParteipräsidentInnen, müssen Einreisende in die Schweiz künftig einen negativen Corona-Test vorweisen. Bild: keystone

Corona-Pflichttest am Flughafen? «Gefahr besteht, dass Passagiere im Terminal stranden»

Das Tabu ist gebrochen: Praktisch alle Einreisenden in die Schweiz sollen fünf Tage in Quarantäne. Zudem müssten die Leute an der Grenze einen negativen Corona-Test vorweisen, das fordern alle Parteipräsidenten. Dies könnte die Flughäfen vor Probleme stellen.



Alle Parteien von der SVP bis hin zu den Grünen setzen den Bundesrat mit einem gemeinsamen Brief unter Druck: Darin fordern sie ihn auf, «ein umfassendes Grenz- und Testsystem einzuführen». Die verlangten Massnahmen sind hart: Einreisende sollen entweder einen negativen PCR-Test vorlegen müssen oder direkt vor Ort einen Schnelltest machen, je nachdem aus welchem Land sie kommen.

Selbst bei einem negativen Test sollen die Einreisenden eine fünftägige Quarantäne auf sich nehmen müssen. Das soll grundsätzlich für Menschen aus allen Ländern gelten, sagt Jürg Grossen, GLP-Präsident und Initiator des Briefes.

Das in der «Sonntagszeitung» lancierte Vorhaben betrifft neben den «klassischen» Grenzübergängen insbesondere die Landesflughäfen Genf, Basel und Zürich. Reisende, die ohne negatives Testergebnis anreisen, müssten nach der Landung im Transit-Bereich einen Corona-Test machen – also noch vor der Passkontrolle.

«Es besteht die Gefahr, dass Leute im Terminal stranden würden.»

Bettina Kunz, Sprecherin Flughafen Zürich

Beim Flughafen Zürich ist man von der Idee eines Testzentrums im Transit-Bereich wenig begeistert. Es stelle sich die Frage, was mit positiv getesteten Passagieren geschehen würde. «Es besteht die Gefahr, dass Leute im Terminal stranden würden», so Flughafen-Sprecherin Bettina Kunz.

Aus Sicht des Flughafens wäre es sinnvoller, wenn die Passagiere obligatorisch einen negativen Test beim Check-in an der Startdestination zeigen müssten. «Viele Länder verlangen negative PCR-Tests bei der Einreise. Dieses Vorgehen hat sich bewährt», sagt Kunz.

«Für Corona-Infizierte könnte man eine Isolierstation in Flughafen-Hotels einrichten.»

Jürg Grossen, GLP

Nationalrat Juerg Grossen, GLP-BE, vom ueberparteilichen Komitee aeussert sich an einer Medienkonferenz zum Freihandelsabkommen mit Indonesien, am Dienstag, 12. Januar 2021, in Bern. Am 7. Maerz hat die Schweizer Stimmbevoelkerung ueber dieses Abkommen zu entscheiden.(KEYSTONE/Peter Schneider)

GLP-Präsident Jürg Grossen fordert schärfere Corona-Regeln an der Grenze. Bild: keystone

Dies ist neuerdings am Euroairport in Basel-Mulhouse der Fall. Passagiere, die über den binationalen Flughafen nach Frankreich einreisen, müssen seit Sonntag beim Abflug im Herkunftsland einen negativen PCR-Test vorlegen, welcher weniger als 72 Stunden vor dem Flug durchgeführt wurde. Reisende in die Schweiz sind aktuell von dieser Regel ausgenommen, heisst es auf der Flughafen-Webseite (Schweizer Bürger oder Leute mit Aufenthaltsbewilligung).

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Für Grossen sei zwar wünschenswert, dass alle Passagiere nur mit negativem Corona-Test einreisten. Wenn dies nicht möglich sei, sollten Passagiere dennoch im Transit-Bereich getestet werden können. «Für Corona-Infizierte könnte man eine Isolierstation in Hotels einrichten. Die Flughäfen müssen ihren Beitrag leisten, die Pandemie in den Griff zu kriegen», so der umtriebige GLP-Präsident zu watson.

Verschärft Bundesrat am Mittwoch das Grenzregime?

Grossen hofft, dass das Anliegen der sechs ParteipräsidentInnen Gehör beim Bundesrat findet. Dieser könnte bereits in der nächsten Sitzung am Mittwoch die Einreiseregeln verschärfen. In der EU gibt es zur Zeit ähnliche Vorstösse wie in der Schweiz. Zur Debatte stehen neue Test- und Quarantänepflichten für Menschen aus «dunkelroten Zonen» mit sehr hohen Corona-Fallzahlen.

Eine mit Absperrband geschlossene gruene Grenze zwischen der Schweiz und Deutschland im Naherholungsgebiet Lange Erlen in Basel am Sonntag, 3. Mai 2020. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Im Gegensatz zum letzten Frühling sollen die Grenzen diesmal offen bleiben. Bild: KEYSTONE

Zentral sei, dass man solche Entschlüsse mit den europäischen Staaten koordiniere, so Grossen. «Ein Holzhammer wie die Grenzschliessung letzten Frühling will niemand.»

Der Sinn des verschärften Grenzregimes sei, mit intelligenten Massnahmen einen erneuten Anstieg der Corona-Infektionen zu verhindern und die durch den Shutdown erzielten Erfolge nicht zu gefährden. «Importierte Superspreader-Events wie in Wengen oder St. Moritz dürfen sich nicht mehr wiederholen.»

Kritik an Massnahmen

Dass sich sämtliche Bundesratsparteien plus Grüne und Grünliberale auf ein gemeinsames Massnahmenbündel einigen können, ist bemerkenswert. Gegen die Vorschläge hagelte es dennoch bereits Kritik. Insbesondere aus der Tourismus-Branche und Grenzgänger-Gebieten. Als «unnütz und unbrauchbar» beurteilt etwa SP-Nationalrat Eric Nussbaumer auf Twitter den Vorschlag der grossen Parteien, dass Firmen Grenzgänger selbst regelmässig testen müssen. Die Gewerkschaft VPOD Luftverkehr reagierte empört auf die Vorschläge: Diese seien «unverhältnismässig» und befeuerten das Risiko von Massentlassungen im Tourismussektor «in bisher unvorstellbarem Ausmass». Die Gewerkschaft fordert stattdessen ein Testsystem an den Grenzen, das die Quarantänepflicht verhindere und nicht ergänze.

Vorschläge im Detail
Für Grenzgänger, Geschäftsreisende mit Kurzaufenthalt und Tagestouristen schlagen die Parteien ein Screeningkonzept in Firmen, Hotels und im Privaten vor. Dafür kämen auch Spucktests infrage. Ausländische Touristen müssten fünf Tage in Quarantäne. Die Parteichefs hätten dem Bundesrat absichtlich keine Schliessung, sondern grundsätzlich offene Grenzen mit klaren Verschärfungen und Regeln vorgeschlagen. «Wenn wir unseren eigenen Firmen Schliessungen zumuten, dann müssen Touristen und Rückkehrer auch ihren Beitrag zur Bewältigung der Pandemie leisten», sagte Grossen weiter.

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