DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Geht es nach den ParteipräsidentInnen, müssen Einreisende in die Schweiz künftig einen negativen Corona-Test vorweisen.
Geht es nach den ParteipräsidentInnen, müssen Einreisende in die Schweiz künftig einen negativen Corona-Test vorweisen. Bild: keystone

Corona-Pflichttest am Flughafen? «Gefahr besteht, dass Passagiere im Terminal stranden»

Das Tabu ist gebrochen: Praktisch alle Einreisenden in die Schweiz sollen fünf Tage in Quarantäne. Zudem müssten die Leute an der Grenze einen negativen Corona-Test vorweisen, das fordern alle Parteipräsidenten. Dies könnte die Flughäfen vor Probleme stellen.
25.01.2021, 17:44

Alle Parteien von der SVP bis hin zu den Grünen setzen den Bundesrat mit einem gemeinsamen Brief unter Druck: Darin fordern sie ihn auf, «ein umfassendes Grenz- und Testsystem einzuführen». Die verlangten Massnahmen sind hart: Einreisende sollen entweder einen negativen PCR-Test vorlegen müssen oder direkt vor Ort einen Schnelltest machen, je nachdem aus welchem Land sie kommen.

Selbst bei einem negativen Test sollen die Einreisenden eine fünftägige Quarantäne auf sich nehmen müssen. Das soll grundsätzlich für Menschen aus allen Ländern gelten, sagt Jürg Grossen, GLP-Präsident und Initiator des Briefes.

Das in der «Sonntagszeitung» lancierte Vorhaben betrifft neben den «klassischen» Grenzübergängen insbesondere die Landesflughäfen Genf, Basel und Zürich. Reisende, die ohne negatives Testergebnis anreisen, müssten nach der Landung im Transit-Bereich einen Corona-Test machen – also noch vor der Passkontrolle.

«Es besteht die Gefahr, dass Leute im Terminal stranden würden.»
Bettina Kunz, Sprecherin Flughafen Zürich

Beim Flughafen Zürich ist man von der Idee eines Testzentrums im Transit-Bereich wenig begeistert. Es stelle sich die Frage, was mit positiv getesteten Passagieren geschehen würde. «Es besteht die Gefahr, dass Leute im Terminal stranden würden», so Flughafen-Sprecherin Bettina Kunz.

Aus Sicht des Flughafens wäre es sinnvoller, wenn die Passagiere obligatorisch einen negativen Test beim Check-in an der Startdestination zeigen müssten. «Viele Länder verlangen negative PCR-Tests bei der Einreise. Dieses Vorgehen hat sich bewährt», sagt Kunz.

«Für Corona-Infizierte könnte man eine Isolierstation in Flughafen-Hotels einrichten.»
Jürg Grossen, GLP
GLP-Präsident Jürg Grossen fordert schärfere Corona-Regeln an der Grenze.
GLP-Präsident Jürg Grossen fordert schärfere Corona-Regeln an der Grenze. Bild: keystone

Dies ist neuerdings am Euroairport in Basel-Mulhouse der Fall. Passagiere, die über den binationalen Flughafen nach Frankreich einreisen, müssen seit Sonntag beim Abflug im Herkunftsland einen negativen PCR-Test vorlegen, welcher weniger als 72 Stunden vor dem Flug durchgeführt wurde. Reisende in die Schweiz sind aktuell von dieser Regel ausgenommen, heisst es auf der Flughafen-Webseite (Schweizer Bürger oder Leute mit Aufenthaltsbewilligung).

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

Für Grossen sei zwar wünschenswert, dass alle Passagiere nur mit negativem Corona-Test einreisten. Wenn dies nicht möglich sei, sollten Passagiere dennoch im Transit-Bereich getestet werden können. «Für Corona-Infizierte könnte man eine Isolierstation in Hotels einrichten. Die Flughäfen müssen ihren Beitrag leisten, die Pandemie in den Griff zu kriegen», so der umtriebige GLP-Präsident zu watson.

Verschärft Bundesrat am Mittwoch das Grenzregime?

Grossen hofft, dass das Anliegen der sechs ParteipräsidentInnen Gehör beim Bundesrat findet. Dieser könnte bereits in der nächsten Sitzung am Mittwoch die Einreiseregeln verschärfen. In der EU gibt es zur Zeit ähnliche Vorstösse wie in der Schweiz. Zur Debatte stehen neue Test- und Quarantänepflichten für Menschen aus «dunkelroten Zonen» mit sehr hohen Corona-Fallzahlen.

Im Gegensatz zum letzten Frühling sollen die Grenzen diesmal offen bleiben.
Im Gegensatz zum letzten Frühling sollen die Grenzen diesmal offen bleiben. Bild: KEYSTONE

Zentral sei, dass man solche Entschlüsse mit den europäischen Staaten koordiniere, so Grossen. «Ein Holzhammer wie die Grenzschliessung letzten Frühling will niemand.»

Der Sinn des verschärften Grenzregimes sei, mit intelligenten Massnahmen einen erneuten Anstieg der Corona-Infektionen zu verhindern und die durch den Shutdown erzielten Erfolge nicht zu gefährden. «Importierte Superspreader-Events wie in Wengen oder St. Moritz dürfen sich nicht mehr wiederholen.»

Kritik an Massnahmen
Dass sich sämtliche Bundesratsparteien plus Grüne und Grünliberale auf ein gemeinsames Massnahmenbündel einigen können, ist bemerkenswert. Gegen die Vorschläge hagelte es dennoch bereits Kritik. Insbesondere aus der Tourismus-Branche und Grenzgänger-Gebieten. Als «unnütz und unbrauchbar» beurteilt etwa SP-Nationalrat Eric Nussbaumer auf Twitter den Vorschlag der grossen Parteien, dass Firmen Grenzgänger selbst regelmässig testen müssen. Die Gewerkschaft VPOD Luftverkehr reagierte empört auf die Vorschläge: Diese seien «unverhältnismässig» und befeuerten das Risiko von Massentlassungen im Tourismussektor «in bisher unvorstellbarem Ausmass». Die Gewerkschaft fordert stattdessen ein Testsystem an den Grenzen, das die Quarantänepflicht verhindere und nicht ergänze.

Vorschläge im Detail
Für Grenzgänger, Geschäftsreisende mit Kurzaufenthalt und Tagestouristen schlagen die Parteien ein Screeningkonzept in Firmen, Hotels und im Privaten vor. Dafür kämen auch Spucktests infrage. Ausländische Touristen müssten fünf Tage in Quarantäne. Die Parteichefs hätten dem Bundesrat absichtlich keine Schliessung, sondern grundsätzlich offene Grenzen mit klaren Verschärfungen und Regeln vorgeschlagen. «Wenn wir unseren eigenen Firmen Schliessungen zumuten, dann müssen Touristen und Rückkehrer auch ihren Beitrag zur Bewältigung der Pandemie leisten», sagte Grossen weiter.
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

So kam das Coronavirus in die Schweiz – eine Chronologie

1 / 59
Das Coronavirus in der Schweiz – eine Chronologie
quelle: keystone
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Wie die Anti-Lockdown Proteste in Holland eskalierten

Video: watson

Abonniere unseren Newsletter

40 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Ferienpraktiker21
25.01.2021 17:58registriert Dezember 2020
Ich sehe das Problen nicht. Beispiel: ein Freund von mir flog Mitte Januar nach Bangkok zurück- er wohnt dort. Er wusste voher genau was ihn erwartet und muss das Prozedere durchmachen. Vorab Quarantäne Hotel gebucht, 15 Tage im Zimmer bleiben. Am Airport vorab 3 Std. warten und Formulare ausfüllen. Warum soll ähnliches bei uns nicht funktionieren? Wer nicht will, muss ja nicht kommen.
22845
Melden
Zum Kommentar
avatar
Mr. Stärneföifi
25.01.2021 17:56registriert November 2016
Warum nicht beides? Negativer PCR-Test nicht älter als 72h vor Einreise, Schnelltest bei Einreise + 5 Tage Quarantäne mit Verminderung bei erneutem negativen PCR-Test. Und, achja, da war doch noch was mit den Skigebieten. 🤔
16645
Melden
Zum Kommentar
avatar
M.Ensch
25.01.2021 18:39registriert März 2020
Lockdown, Einschränkungen und dann keine Massnahmen an der Grenze? Ein klares No-go, wenn man da nichts macht, sich aber dauernd um Varianten sorgt, die womöglich ungeschaut über die Grenzen huschen und ansteckender ... sein könnten ...
12830
Melden
Zum Kommentar
40
Corona und kein Ende? Warum wir uns immer wieder infizieren können
Die Sommerwelle flacht ab, doch eine neue Corona-Welle droht schon. Das hat jedoch nicht nur mit dem Herbst zu tun.

Dass wir es mit dem Coronavirus mit einem tückischen Erreger zu tun haben, ist bekannt. Denn das Virus mutiert und bildet immer neue Varianten, die den Immunschutz der Impfung unterlaufen. Das Coronavirus unterwandert aber auch den Schutz nach einer Infektion. Das heisst: Man kann sich immer wieder mit dem Virus infizieren («Reinfektion»). Was dazu bekannt ist.

Zur Story