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** RETRANSMISSION FOR ALTERNATE CROP ** Democratic presidential candidate, Sen. Barack Obama, D-Ill., sheds tears as he talks about his grandmother, Madelyn Payne Dunham, at a rally in Charlotte, N.C., Monday, Nov. 3, 2008. Obama's grandmother, who helped raise him, died peaceably in her sleep Obama announced Monday, one day before the presidential election. She was 86. (AP Photo/Alex Brandon)

Am Tag vor seiner Wahl zum Präsidenten, liess Obama diese schöne Träne in die Kameras fliessen. Im Andenken an seine verstorbene Grossmutter.
Bild: AP

Wieso weinen plötzlich alle Männer? Wir haben die Antwort. Sie ist erstaunlich



Plötzlich wollen Männer heulen. Der Bachelor weint irrsinnig gerne. Stefan Raab heult zum Abschied. Eddie Redmayne tut es sowieso am liebsten immer. Letzte Woche weinten alle männlichen Kandidaten meiner Lieblings-Kochshow «MasterChef: The Professionals» auf BBC. Benedict Cumberbatch weint, während er an einem Literaturfestival alte Liebesbriefe von irgendwelchen toten Briten vorliest.

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Oh, Eddie!
gif: via telegraph

Bereits altbekannt sind Teenagertränen. Wenn der Sturm der Hormone die armen Buben durchschüttelt, dürfen sie weinen. Eine Castingshow ohne weinende Jungs hätte schlechte Quoten. Staatsmänner weinen für die Symbolik. Fussballfans ist das Weinen seit Jahrzehnten gestattet, es handelt sich dabei ja um einen kollektiven Religionsersatz samt Reinigungsritual.

Tote Katzen, herzige Filme mit Hunden, eine Diät – alles Gründe, die Männer heute zum Weinen bringen.

«Ein weinender Mann ist wie ein Toyota auf dem Pannenstreifen – man sieht so was so gut wie nie», schrieb der Schweizer Schriftsteller Thomas Meyer. Vor 11 Jahren. Als er noch kein bisschen berühmt war. Er stand schon damals mutig dazu, gelegentlich zu weinen. Etwa bei Trennungen, traurigen Geschichten anderer Menschen und Flugshows.

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Marshall Eriksen aus «How I Met Your Mother» ist stets nah am Wasser gebaut.
gif: tumblr

Heute dürfen Männer viel öfter weinen. Also, mindestens so oft wie die Italiener, schon seit der Antike die hemmungslosen Weltmeister der Herrenträne. «Buzzfeed» hat 2015 gar zum Jahr der weinenden Männer erhoben. «Diese Bilder von weinenden Männern werden deine Geschlechterwahrnehmung herausfordern», hiess es im Juni. Gezeigt wurden junge Männer aus Litauen, die mit ihren Tränen gegen den obligatorischen Militärdienst protestierten.

Wer ist schuld? Der Feminismus? Kokain im Wasser? «Star Wars»?

Zwei Wochen später folgten «19 Dinge, die Männer zum Weinen bringen»: traurige alte Eltern, alte Haustiere, Sonnenuntergänge, herzige Filme mit Hunden, Sportler, die ihre Trophäen ihrer Familie widmen, die Geburt des eigenen Kindes, Beziehungsprobleme, Scheidung – et cetera. Mitte Oktober kam die Recherche «22 Jungs erzählen, worüber sie zuletzt weinen mussten». Zum Beispiel über die tote Katze, die tote Mutter, einen Traum, die Scheidung, eine Diät, eine Werbung, einen Song, einen Kriegsfilm, weil ich mich gerade schlecht fühlte. Also irgendwie über alles. Immer. Wie Roger Federer.

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Was Benedict Cumberbatch im Film («The Imitation Game») so schön kann, macht er auch im richtigen Leben gern.
bild: black bear pictures

Und womit hat das jetzt zu tun? Ist der Feminismus schuld? Oder Victoria Beckham, die ihren David metrosexualisiert hat? Die Transgender-Bewegung, die so viele traditionelle Geschlechtszuschreibungen aufzulösen beginnt? Vermutlich ein bisschen. Oder ist es das Östrogen im Wasser? Das Kokain im Wasser? «Star Wars»? Wer weiss!

Oder sind Männer einfach medial berechnender geworden? Gewiss, denn die Träne des Bachelors und des Oscar-Preisträgers ist mitten in einer riesigen Inszenierung ein Beweis von Authentizität. Und dazu der reinste. Blut wäre schliesslich zu krass. Sperma zu obszön. Aber es sind ja nicht nur Celebrities, die öfter vor den Kameras weinen. Es sind auch ganz normale Männer. Was also steckt hinter ihnen? Wollen sie bloss den neuen Frauen gefallen (sicher)? Oder ist da noch was Anderes? Ja.

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Unser Roger. Weint einfach gern.
gif: watson

Psychologen und Mediziner gehen dem Weinen schon seit gut zwanzig Jahren auf den Grund. Und haben Folgendes herausgefunden: Testosteron hindert Männer normalerweise am Weinen. Aber das Testosteron der Männer in der ersten Welt nimmt ab. Denn der Testosteronspiegel steigt bei Risikosituationen. Also beim Kämpfen, Trinken, Rauchen. Lebt der Mann zufrieden und gesund, so sinkt der Testosteronspiegel. Je besser es einem Mann also geht, desto häufiger weint er (und desto hysterischer wirkt er).

Es besteht also kein Grund zur Sorge. Und Eddie Redmayne ist wahrscheinlich einer der glücklichsten Männer überhaupt.

(sme)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Masta Ace 21.12.2015 12:54
    Highlight Highlight Jaja. So ist es leider...
    Benutzer Bild
    • Damien 21.12.2015 15:48
      Highlight Highlight Jaja. So ist es leider...
      Benutzer Bild
    • Masta Ace 21.12.2015 15:53
      Highlight Highlight haha :) :P
  • Theor 21.12.2015 10:03
    Highlight Highlight Weinen ist tatsächlich nichts "männliches" - das war es zumindest bis vor kurzem nicht. Männern die nicht weinen, Emotionslosigkeit vorzuwerfen (siehe Kommentare) ist jedoch wunderbar unaufgeklärt. Männer zeigen genau so viele Gefühle - aber sie haben (hatten) andere Wege, diese auszudrücken. Als Mann merkst du auch, wenn es deinem Kumpel nicht gut geht, weil wir feinfühliger sind für die "subtile" Art wie unser Geschlecht Gefühle zeigt.

    Ein wunderbares Beispiel, wieso Frauen von der Venus sind und Männer vom Mars. Wir haben immer noch nichts voneinander begriffen.
  • Bloody Mary 20.12.2015 21:34
    Highlight Highlight Ich musste gerade daran denken, dass ich meinen eigenen Vater (Jahrgang 1951) nie hab weinen sehen. Traurig und Niedergeschlagen Ja - aber Weinen? Nie. Ist wohl auch eine Charakterfrage? Oder Generationenfrage?
    • Madison Pierce 20.12.2015 22:09
      Highlight Highlight Ist bei mir genauso: Grossvater hat ein einziges Mal geweint, an der Beerdigung der Grossmutter. Vater noch nie in meiner Anwesenheit. Ich weine auch nicht. Und das, obwohl ich kein testosteronreiches Leben führe. :) Obwohl ich hatte zum Glück auch noch nie den Verlust eines wirklich nahen Menschen zu beklagen. Die Beerdigung der Eltern oder des Ehepartners ist ja etwas ganz anderes als ein trauriger Film.
  • Menel 20.12.2015 21:01
    Highlight Highlight Oder aber weil Männer in erst Linie auch einfach nur Menschen sind und diese Spezies das Prädikat "Super-Emos" im Tierreich haben?!
  • icaruus 20.12.2015 20:23
    Highlight Highlight Ich könnte diesen Artikel auf einen Satz kürzen: Unglaublich aber wahr, Männer haben auch gefühle!
    • Anam.Cara 21.12.2015 07:18
      Highlight Highlight *lach*: wohl wahr icaruus. Das hatten Männer schon immer.
      Die Frage war, warum sie diese plötzlich ungehemmt zeigen.
      Vielleicht merken immer mehr Männer in unseren Breitengraden, dass unterdrüchte Gefühle meistens negative Folgen haben.
  • Ghombrich 20.12.2015 20:21
    Highlight Highlight Bei mir kann es vorkommen, dass meine Augen zu schwitzen beginnen.
  • TanookiStormtrooper 20.12.2015 19:31
    Highlight Highlight Ich bin da ja eher ein Anhänger der guten alten sizilanischen Schule. :)
    Play Icon
    • Luca Brasi 20.12.2015 20:04
      Highlight Highlight Die gute alte sizilianische Schule. Don Corleone ist eben noch ein Mann mit Werten und Überzeugungen. ;)
  • kuhrix 20.12.2015 19:00
    Highlight Highlight Ich weine nicht, ich befeuchte meine Augen!
  • Damien 20.12.2015 17:15
    Highlight Highlight Wieso sollten Männer nicht weinen (dürfen). Wir sind auch Menschen.
    • stadtzuercher 20.12.2015 18:55
      Highlight Highlight sonja, grad solche genderklischees braucht kein mensch. weshalb soll ein mann der nicht weint, emotionslos sein? oberflächliche genderpropaganda!
    • stadtzuercher 20.12.2015 22:25
      Highlight Highlight Rabarber, solche Satzfragemente wie "Frauen gehören in die Küche" landen ja nicht zufällig themenfremd in einem Kommentar von Sonja über weinende Männer. Eure 2 shades of grey?
    • Anam.Cara 21.12.2015 07:32
      Highlight Highlight @Sonja und stadtzuercher - darf ich einen diplomatischen Schlichtungsversuch unternehmen?

      Einige verstehen "weinen" in dieser Diskussion wahrscheinlich als Symbol für die Fähigkeit eines Menschen überhaupt Emotionen zu zeigen.
      "Emotionslos" ist demnach die Art wie ein Mensch wirkt, der Gefüle nicht zeigen kann. "Hysterisch" sind jene, die ihre Ausbrüche nicht in den Griff kriegen. Das ist unabhängig vom Geschlecht.

      Um doch noch die Clichees zu bedienen: Emotionslos findet man im Schnitt häufiger bei Männern, hysterisch eher bei Frauen...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Maya Eldorado 20.12.2015 17:15
    Highlight Highlight Es soll auch immer mehr Männer geben, die zuhause kochen. Oder kommen den Männern beim Zwiebelschneiden nicht die Tränen?
  • Alnothur 20.12.2015 17:11
    Highlight Highlight Da kann ich ja froh sein - ich trinke, rauche passiv und bin im Militär :D
    • Citation Needed 20.12.2015 22:04
      Highlight Highlight ...echte Kerle rauchen aktiv und ohne Filter im Fall, Du musst also noch an Dir arbeiten!
      (8-ung! auch Klischeekeule! ;-)
    • Anam.Cara 21.12.2015 11:33
      Highlight Highlight ...echte Kerle trinken auch kein Draft-Bier, keinen Likör und keinen gesüssten Sekt.
      Und sie sitzen nicht mit überkreuzten Beinen da. Vor allem dann nicht, wenn sie starkes Bier trinken.
      (Klischeekeule noch immer aktiv ;)
  • koks 20.12.2015 16:57
    Highlight Highlight finde solche artikel immer sehr fragwürdig. gute unterhaltung, ok. aber seichte genderstereotypen. nur weil ein bekannter mann im tv weint, ist das jetzt hip und angesagt? und weil besagter mann auch noch erfolgreich und reich und glücklich ist, schliesst (SME) daraus, dass erfolgreiche und glückliche männer weinen? wie gesagt: belanglose verallgemeinerungen.
    ps. und nächsten monat sind dann muskulöse männer in schwarzen lederjacken hip.
    • der nubische Prinz 20.12.2015 17:09
      Highlight Highlight Bravo für die brilliante Analyse der Gesamtsituation. Nicht.
      Wer wissenschaftle Studien erwartet sollte sich ein anderes Medium organisieren...

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