DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
FILE - In this June 18 2010 file photo,a bartender spreads Nutella on a crepe in a creperie in Rome. French workers frustrated over salary negotiations are blocking the world's biggest Nutella factory. Tensions are mounting at the site in Villers-Ecalles in Normandy, where activists from the Workers' Force union have been blocking trucks from entering or leaving the factory for a week. (AP Photo/Alberto Pellaschiar, File)

Geht uns bald das Nutella aus? Bild: AP/AP

Streik in grösster Nutella-Fabrik: Geht jetzt der süsse Aufstrich aus?

Die weltgrösste Nutella-Fabrik wird seit einer Woche bestreikt. Der italienische Hersteller will nicht nachgeben.

stefan brändle / ch media



Noch herrscht nirgends Panik, aber langsam bemächtigt sich eine bange Frage der Gemeinschaft der Süssschmecker und Fingerschlecker: Was, wenn das Nutella ausginge? Anlass zur Sorge gibt ein Streik in der weltgrössten Herstellung der Haselnuss-Schokolade-Paste im Ort Villers-Ecalles (Normandie). Dort hat ein Teil der 400 Angestellten Ende Mai die Arbeit niedergelegt. Und nicht nur das, auch die Zufahrt zum Werksgelände ist gesperrt. Seit einer Woche haben es laut den Streikposten keine Lastwagen oder Lieferwagen mehr verlassen.

Die Ausständler verlangen eine Lohnaufbesserung von 4,5 Prozent, eine bessere Bezahlung der Nachtarbeit sowie eine einmalige Kaufkraftprämie von 900 Euro pro Mitarbeiter, wie sie Präsident Emmanuel Macron vor einem halben Jahr im Zuge der Gelbwestenkrise angeregt hatte. Die Geschäftsleitung lehnt dies ab und bietet 40 Euro pro Monat, was einer Lohnaufbesserung um 0,4 Prozent entspräche.

Klage von Ferrero

Am Montagmorgen hat sich die Lage verschärft. Der italienische Nutella-Hersteller Ferrero klagte vor Gericht gegen die Gewerkschaft Force Ouvrière (FO), die am Ursprung der Kommandoaktion ist. Das Streikrecht ist in Frankreich zwar sakrosankt, doch ist es einer Personalminderheit untersagt, die Mehrheit an der Arbeit zu hindern. Die Gewerkschaft spricht von 160 – von insgesamt 400 – Streikenden, die Direktion von bedeutend weniger.

Ein französisches Gericht hat Ferrero recht gegeben und die Möglichkeit bestätigt, die Streikenden mit einem Strafgeld zu belegen, solange sie die Werkzufahrt blockieren. Nach inoffiziellen Meldungen kann die Tagesbusse bis zu tausend Euro pro Beschäftigten erreichen. Ferrero hat am Dienstag die Umsetzung der Busse in Aussicht gestellt.

SAN FRANCISCO, CA - AUGUST 18: Jars of Nutella are displayed on a shelf at a market on August 18, 2014 in San Francisco, California. The threat of a Nutella shortage is looming after a March frost in Turkey destroyed nearly 70 percent of the hazelnut crops, the main ingredient in the popular chocolate spread. Turkey is the largest producer of hazelnuts in the world.   Justin Sullivan/Getty Images/AFP
== FOR NEWSPAPERS, INTERNET, TELCOS & TELEVISION USE ONLY ==

Bild: GETTY IMAGES NORTH AMERICA

Vor gut einem Jahr hatte Ferrero in Frankreich bereits Schlagzeilen gemacht, als Supermärkte den Nutella-Topf vorübergehend zu einem Dumpingpreis von 1.41 Euro (statt 4.50) abzustossen begannen. Das führte zu kleineren Krawallen vor den Regalen – und in der Folge zu einem gesetzlichen Verbot solcher Superrabatte.

In Villers-Ecalles werden normalerweise 600'000 Nutella-Gläser am Tag produziert, ein Viertel der weltweiten Produktion durch Ferrero. Beliefert werden die meisten Länder Westeuropas. Dazu fabriziert der kleine Normandie-Ort täglich eine Million Schokoriegel der Marke Kinder-Bueno.

Kinderärzte sind erfreut

Die Herstellung von Nutella ist in Villers-Ecalles laut Angaben der Unternehmensleitung nicht gänzlich zum Erliegen gekommen. Obwohl niemand in Abrede stellte, dass die Versorgung prekär wird, behauptet Ferrero, dass eine von vier Fertigungsschienen nach wie vor in Betrieb sei. Wie die Auslieferung erfolgt, ist allerdings unklar. Hingegen gibt der Süsswarenhersteller aus dem Piemont zu, dass die Herstellung der Kinder-Bueno-Stängel vollständig gestoppt ist.

Nach Einsätzung von Branchenexperten müssen Nutella-Süchtige also vorläufig nicht um Nachschub bangen.

Glücklich ist die Gilde der Kinderärzte: Sie predigt seit langem, die Nutella-Mischung aus 56 Prozent Zucker und 31 Prozent Fettstoffen sei für Kinder gar nicht so bueno.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Influencer-Fails zeigen, dass auf Insta nicht alles echt ist

1 / 12
Influencer-Fails zeigen, dass auf Insta nicht alles echt ist
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Nutella-Gate: Schlechtere Qualität in Osteuropa?

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Work in progress

So stehen die Chancen einer Viertage-Woche in der Schweiz

Island hat die viertägige Arbeitswoche eingeführt, internationale Firmen testen sie, doch in der Schweiz bleibt sie scheinbar utopisch. Ein Wirtschaftsexperte sagt, wer den ersten Schritt machen sollte.

Vier Tage pro Woche arbeiten, Vollzeit bezahlt werden: Island führt nun die Viertage-Woche ein, nachdem ein Experiment den positiven Effekt des Modells untermauert hat. Gleiche Produktivität in kürzerer Zeit – eigentlich ein perfekter Match für die wirtschaftsorientierte Schweiz. Warum fasst das Modell hierzulande nicht Fuss?

Schweizer Arbeitgebende bieten die Viertage-Woche kaum an. Eine Ausnahme ist das Grafikunternehmen Büro a+o in Aarau. Sie hätten das Modell im Jahr 2017 eingeführt, …

Artikel lesen
Link zum Artikel