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NAURU, NAURU:  The barren and bankrupt island state of the Republic of Nauru awaits the arrival of 521 mainly Afghan refugees, 11 September 2001 which have been refused entry into Australia.  The 25-square-kilometers of land encompassing Nauru has been devastated by phosphate mining which once made the Micronesian Nauruans the second wealthiest people per capita on earth.          AFP PHOTO/Torsten BLACKWOOD (Photo credit should read TORSTEN BLACKWOOD/AFP/Getty Images)

Nauru ist die kleinste Republik der Welt und liegt nordöstlich von Australien. Bild: AFP

Dieser watson-User hat das Land mit den wenigsten Touristen der Welt besucht: «Sie fragten mich, warum ich so weit reise, um mir eine solch kaputte Insel anzuschauen»

Nauru war das Land, das 2014 am wenigsten Touristen anlockte. Laut dem Weltreisenden Gunnar Garfors, der die Liste erstellt hat, wurden letztes Jahr nur 160 Besucher verzeichnet. watson-User David Rossel hat das Land besucht.

leo helfenberger



David, wie kommt man darauf, den weltabgelegensten Inselstaat in der Nähe von Australien zu besuchen?
David Rossel: 
Ich habe mich schon immer für Geografie und für fremde und entfernte Länder interessiert. Irgendwann stiess ich auf Nauru, die kleinste Republik der Welt und war fasziniert, doch es liess sich nur sehr wenig darüber herausfinden. In der Schule mussten wir damals ein Entwicklungsland vorstellen und da habe ich dann begonnen, mich intensiv mit dem kleinen Land zu beschäftigen, das so viele interessante Aspekte aufweist. Zum Beispiel gehörte Nauru einmal zu den wohlhabendsten Ländern der Welt, heute ist es ein Entwicklungsland. In meiner Maturarbeit habe ich mich mit der nauruischen Sprache auseinandergesetzt. Infos und News bezog ich vor allem über alte Bücher aus der Kolonialzeit und australische Zeitungen.

Nauru

Ankunft in Nauru auf dem einzigen Flugfeld. David Rossel

Und dann hast du dich entschlossen, nach Nauru zu fliegen?
Ja. Ich wollte eigentlich schon länger dahin, aber ich hatte kein Geld. Erst als ich meinen Studentenjob angenommen habe, konnte ich für die Reise sparen. Im Sommer 2008 flog ich dann über Singapur nach Brisbane und von dort schliesslich nach Nauru. Die Reise hat fast 30 Stunden gedauert. Mein Visum bekam ich vom nauruischen Konsulat in Melbourne. Voraussetzung ist, dass man eine Zimmerreservation im einzigen Hotel, das dem Staat gehört, vorweist. Dort kostet eine Nacht 110 Dollar. Ich bin nur vier Nächte dort geblieben und bin anschliessend in die einzige private Pension umgezogen, weil es günstiger war. Es war aber nicht fertig gebaut.

Wie meinst du, nicht fertig gebaut?
Es fehlte mindestens ein Stock. Auf dem Dach waren schon die Säulen für den dritten Stock errichtet, der Stock selber wurde aber nie gebaut. Es gibt viele solche Häuser in Nauru. Das Gerüst steht, aber die Häuser wurden schliesslich doch nicht gebaut. Es gibt auch viele leerstehende Lagerhallen, die zugemüllt sind und natürlich die Überreste des Phosphatabbaus. 

Nauru

Überreste des Phosphatabbaus: Hier wurde das Gestein verladen. Bild: david rossel

David Rossel ist 1988 geboren und studierte an der Uni Basel Geschichte sowie Musikwissenschaft. Er singt und dirigiert bei den «Männerstimmen Basel» und komponiert klassische Musik. Seinen weltlichen Verdienst erarbeitet er bei Swisscom Banking und reist zwischen Amerika und Australien viel in der Welt herum. Ansonsten geniesst er jede freie Minute am/im heimischen Rhein.

Ist der Phosphatabbau noch präsent?
Der Abbau ist fast zum Stillstand gekommen, aber das komplette Inland gleicht einer Mondlandschaft. Das ganze Leben findet auf einem 300-Meter-Gürtel an der Küste statt. Besonders eindrücklich ist aber, was der Phosphatabbau für Spuren auf den Menschen von Nauru hinterlassen hat. Als die Republik 1968 ihre Unabhängigkeit erlangt hatte und den Phosphatabbau selber betrieb, schwamm der Inselstaat plötzlich im Geld. Für die Arbeit selbst holte man Gastarbeiter von den Nachbar-Inseln wie Fidschi. Die Nauruer selbst liessen es sich gut gehen. Sie jetteten nach Australien zum Shoppen und jeder kaufte sich zwei, drei Autos.

Ein Auto auf einer solch kleinen Insel?
Ja, man stelle sich das mal vor: Nauru hat etwa 20 Kilometer befestigte Asphaltstrassen und nur eine einzige Ampel beim Flughafen, aber während der fetten Jahre gab es jeden Tag Stau! Mit dem Velo brauchte ich nur etwa 45 Minuten, um die Insel zu umrunden. Durch den plötzlichen Wohlstand und den unsteten Lebensstil verschlechterte sich die Gesundheit der Bewohner extrem. Ein Grossteil der Bevölkerung ist fettleibig und leidet an Diabetes. Hinzu kommt noch die Phosphatbelastung der Luft. Die Lebenserwartung liegt etwa bei 65 Jahren.

Nauru

So sieht das Inland aus. Bild: david rossel

Treiben die Nauruer denn keinen Sport?
Oh doch! Es gibt zwei Sportarten, die dominieren: Gewichtheben und Australian Football, die australische Form von American Football. Man sagt sogar, dass die nauruischen Footballspieler die härtesten der Welt sind, weil sie nicht auf Rasen, sondern auf hartem Korallensteinboden spielen. Es gibt auf der Insel sogar eine eigene Liga mit acht Clubs, was für eine Einwohnerzahl von 10'000 schon beachtlich ist. Der damalige Staatspräsident, den ich getroffen habe, war ein ehemaliger Olympiateilnehmer im Gewichtheben.

Nauru

Auf diesem «Feld» wird Australian Football gespielt. Bild: david rossel

Du hast den Präsidenten getroffen? Wie kam es denn dazu? 
Nun, ich bin zwei Wochen auf Nauru geblieben, die meisten Touristen bleiben nur ein oder zwei Tage als Transitaufenthalt. Da hat es sich schon etwas rumgesprochen, dass da ein Schweizer Tourist auf der Insel herumirrt und Fotos macht. Ich war auch öfters in den Archiven der Behörden und habe Akten gesammelt und kopiert für ein späteres Projekt. Irgendwann fragte ich dann die Sekretärin dort, ob es vielleicht möglich sei, dass ich mit dem Präsidenten reden könne. Sie sagte, sie schaue, was sich machen liesse und am nächsten Tag schüttelte ich dem Präsidenten von Nauru die Hand. 

Nauru

David traf den damaligen Präsidenten Marcus Stephen.  Bild: david rossel

Nauru

Bei einem Besuch einer der christlichen Gemeinden traf David auch den heutigen Präsidenten Baron Waqa. Bild: david rossel

Wie war er so?
Er war sehr ernst, aber freundlich und hat alle meine Fragen beantwortet. Ich habe ihn zum Beispiel gefragt, ob es diplomatische Beziehungen zur Schweiz gäbe. Er sagte, es laufe alles über die EU. Als ich dann erwiderte, dass die Schweiz nicht zur EU gehöre, staunte er und sagte, in diesem Falle gäbe es wohl keine diplomatischen Beziehungen. Er war in jüngerer Zeit einer der ersten Präsidenten, der sich über längere Zeit halten konnte. Vorher gab es häufige Wechsel, manchmal innert weniger Wochen. Gewählt wird der Präsident von Nauru aus der Mitte eines 18-köpfigen Parlaments, dass sich immer wieder mit 9:9-Pattsituationen blockiert. Wichtige politische Geschäfte werden dadurch ewig verzögert, zum Beispiel die überfällige Verfassungsreform.

Nauru

Die Regierung kommt kaum voran: Keine Mitteilungen am Aushängeschild. Bild: David Rossel

Nauru

Einst schwamm die Insel in Geld, heute verrottet sie langsam. Bild: David rossel

Wovon leben die Nauruer denn jetzt, seit der Phosphatabbau zum erliegen kam?
Die Haupteinnahmequelle sind die Flüchtlingslager. Australien hat zwei grosse Flüchtlingslager nach Nauru ausgelagert und zahlt der Insel dafür Geld. Sie nennen es die «Pacific Solution». 2001 gab es einen Aufstand in einem solchen Lager und die Präsidialresidenz wurde abgefackelt. Die Grundmauern stehen immer noch so dort, als sei der Brand erst gestern gelöscht worden. Weiter diskutiert man darüber, ob man auf der Insel ein Atommüll-Endlager einrichten will. Das würde zusätzlich Geld bringen. Ansonsten investiert Taiwan hie und da etwas Geld dafür, dass die Republik Nauru Taiwan als Staat anerkennt. Das einzige Flugzeug der nauruischen Airline ist zum Beispiel von Taiwan gesponsert.

Nauru

Es ist schwierig, an einem solchen Strand zu baden. Bild: david rossel

Denkst du, der Tourismus könnte irgendwann doch noch aufkommen?
Dafür wäre viel Arbeit nötig. Die Mondlandschaft im Inland müsste renaturiert werden, eine Infrastruktur errichtet und die Strände müssten ebenfalls touristenfreundlich gestaltet werden. Es gab damals weder Handynetz noch Geldautomaten und nur ein Internetcafé. Traumstrände sucht man vergeblich, weil die Insel von einem etwa 100 Meter breiten Saumriff umgeben ist. Da ist das Wasser nur etwa einen Meter tief. Danach fällt es rasant ab. Ausserdem gibt es starke Strömungen, wie ich erfahren musste, als ich etwas rausgeschwommen bin. Besondere Sehenswürdigkeiten gibt es keine und Reise und Aufenthalt sind sehr teuer, wenn man niemanden dort kennt. Zum teuren Hotel kommt der Flug von Australien auf Nauru dazu: fast 1'000 Franken! Als ich dort war, fragten mich die Einheimischen immer wieder, warum ich so weit reise, um mir eine solch kaputte Insel anzuschauen. Für mich war es aber ein eindrücklicher Abschluss, nachdem ich mich so intensiv mit Nauru auseinandergesetzt hatte.

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