Türkei
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Femizid in der Türkei: «Die Frauenmorde nehmen zu, die Politik aber tut nichts dagegen»

Anne Pollmann / dpa



21. Juli 2020: Die 27-jährige Pinar Gültekin wird tot in einem Fass in einem Wald im westtürkischen Mugla aufgefunden. Wenig später gesteht ihr Ex-Freund die Tat. Die brutale Tötung löst über die Landesgrenzen hinaus Proteste aus. Weltweit teilen Menschen in sozialen Netzwerken den Namen der ermordeten Kurdin.

Women killings and annulment of Istanbul Convention protested in Turkey Women wearing a face masks while holds placards seen during a demonstration organized by We Will Stop Femicide Platform in Istanbul, Turkey on July 21, 2020. Protesters requested the Istanbul Convention Convention on preventing and combating violence against women and domestic violence to come to force in Turkey, since violence against women has increased during the COVID-19 pandemic. Turkey in November 2011 had become the first signatory state that approved the convention in its parliament, with the support of all four parties represented at the time. The Justice and Development Party AKP now demands to withdraw from the convention, and pro-AKP circles launch campa PUBLICATIONxNOTxINxINA

«Wieder ist das Lachen einer Frau erloschen»: Pinar Gültekins Ex-Freund hat gestanden, die 27-Jährige erwürgt zu haben. Bild: www.imago-images.de

Deniz Altuntas kann die Male nicht mehr zählen, die sie gegen Frauenmorde demonstriert hat. In der Türkei hätten Männer im vergangenen Jahr 474 Frauen getötet, sagt Altuntas, Mitglied der türkischen Organisation «Wir werden Frauenmorde stoppen», die monatlich Berichte zu sogenannten Femiziden veröffentlicht. Für jedes einzelne Opfer würde sie am liebsten auf die Strasse gehen.

«Sie sollen unsere Stimmen hören und unsere Gesichter sehen, sie sollen sehen, dass wir sauer sind», sagt Altuntas und meint vor allem die Regierung. «Die Frauenmorde nehmen zu, die Politik aber tut nichts dagegen.»

Immer wieder tragen Menschen in der Türkei ihren Protest auf die Strasse oder in soziale Netzwerke – nicht erst seitdem die Corona-Pandemie grösseren Aufmärschen im Wege steht. Im Juli aber hat der Protest Altuntas zufolge ein neues Ausmass erreicht. Weltweit teilten zahlreiche User schwarz-weiss Bilder mit dem Hashtag challengeaccepted in Verbindung mit dem Namen Gültekins auf Instagram & Co.

Mit dem Hashtag setzen sich besonders Userinnen seit Jahren unter anderem für Frauenrechte und gegen Gewalt an Frauen ein. Auch viele Prominenten hatten Beiträge mit dem Hashtag versehen. Gültekins Tod habe viele Menschen noch einmal auf das Thema Femizide aufmerksam gemacht, sagt Altuntas.

Auch der konservative Staatschef Recep Tayyip Erdogan stimmte in die Empörung über den Mord an Pinar Gültekin ein. «Ich verfluche alle Verbrechen gegen Frauen», schrieb der türkische Präsident auf Twitter.

Aus diskretem Hass wird Gewalt

Grundsätzlich trete die Regierung für eine traditionelle Frauenrolle ein, sagt Selime Büyükgöze von der Frauenrechtsorganisation «Mor Cati». «Die Regierung will Frauen dazu ermutigen, zu Hause zu bleiben und sich nur als Teil einer Familie wahrzunehmen. Und dieser Ansatz wird immer mehr zum Mainstream».

Büyükgöze sagt, man habe immer gewusst, dass es einen diskreten Hass gegen unabhängige Frauen gebe, «aber jetzt haben sie keine Angst mehr, ihn zu zeigen. Und das resultiert in Gewalt gegen Frauen.»

2020 haben Männer bisher 142 Frauen getötet, wie das Internetportal Diken unter Berufung auf das türkische Innenministerium berichtete. Die Organisation «Wir werden Frauenmorde stoppen» hingegen spricht von 182. Laut der Organisation werden viele durch Schusswaffen getötet. Häufig sind die Täter Ehemänner oder Partner.

Auch ausserhalb der Türkei werden die meisten Femizide durch Lebensgefährten verübt, wie etwa Zahlen des European Data Journalism Network für das Jahr 2015 zeigen. 2018 wurden laut dem Deutschen Bundeskriminalamt 324 Frauen in Deutschland Opfer versuchter und vollendeter Tötungen durch ihre (Ex-)Partner.

Kein Platz für LGBTQI

Engagement für Freiheiten jenseits heteronormativer Vorstellungen verurteilt Präsident Erdogan scharf. LGBTQI (für Lesben, Schwule, bisexuelle Menschen, Transpersonen, Queere und Interpersonen) bezeichnete er kürzlich etwa als «pervers». Auch in der Türkei sind sie häufig Anfeindungen und Gewalt ausgesetzt.

Die Existenz von LGBTQI werde von vielen Menschen in der Türkei über Parteigrenzen hinweg schlichtweg nicht akzeptiert, sagt Altuntas. «Sie glauben nicht an die Gleichheit, so einfach ist das.» Politiker riefen Männer offen dazu auf, ihre Frauen zu schlagen. «Die Gewalt steckt in unser aller Kultur.» Damit meint Altuntas nicht nur die Türkei: «Patriarchale Diskurse sind überall.»

epa07685206 Members and sympathizers of the LGBTI (lesbian, gay, bisexual, transgender, and intersex) community participate in gay pride in Istanbul, Turkey, 30 June 2019. according to media reports, the annual Pride march in Istanbul has been banned since 2015. Ekrem Imamoglu the new mayor of Istanbul announced that any group free to demonstrate as long as they do not disturb the peace and he will discuss the reasons for the ban with relevant authorities.  EPA/SEDAT SUNA

Istanbul als Ausnahme: Ein Bild von der Gay Pride 2019. Bild: EPA

Wie Zunder für den Protest wirkte auch die Diskussion über einen Austritt der Türkei aus der Istanbul-Konvention. Das Übereinkommen wurde 2011 vom Europarat ausgearbeitet und soll einen europaweiten Rechtsrahmen schaffen, um Gewalt gegen Frauen zu verhüten und zu bekämpfen. Erdogan selbst hatte es damals noch als Ministerpräsident in Istanbul selbst unterschrieben.

Die Fronten vermischen sich

Losgetreten wurde diese Diskussion von einer konservativ-religiösen Plattform. Sie sahen Religion, Kultur, Bräuche, Ehre und Anstand durch das Abkommen gefährdet. Eine mögliche Aufkündigung der Konvention werten viele als Geste Erdogans in Richtung seiner religiös-konservativen Anhängerschaft. In Zeiten sinkender Umfragewerte versuche der Präsident so seine Wähler zurückzugewinnen.

Doch die Fronten zwischen Befürwortern und Kritikern verlaufen teilweise auch durch das Pro-Erdogan-Lager. Nachdem der Sprecher der Plattform etwa Unterstützerinnen der Petition als «Schlampen» bezeichnet hatte, verteidigte die konservative Frauenrechtsorganisation Kadem das Abkommen. Im Vorstand sitzt Sümmeye Erdogan Bayraktar, die Tochter des türkischen Präsidenten.

Erst kürzlich verkündeten die Vertreter der Plattform dann, sich aus der Diskussion zurückzuziehen. Man habe ein Minenfeld betreten, hiess es. Was das für das Abkommen bedeutet, ist noch unklar.

Women s Demonstration For The Istanbul Convention In Turkey Women wearing a face masks while holds placards seen during a demonstration organized by We Will Stop Femicide Platform in Ankara, Turkey on July 21, 2020. Protesters requested the Istanbul Convention Convention on preventing and combating violence against women and domestic violence to come to force in Turkey, since violence against women has increased during the COVID-19 pandemic. Turkey in November 2011 had become the first signatory state that approved the convention in its parliament, with the support of all four parties represented at the time. The Justice and Development Party AKP now demands to withdraw from the convention, and pro-AKP circles launch campaigns against i PUBLICATIONxNOTxINxINA

Proteste für die Istanbul-Konvention am 21. Juli 2020. Bild: www.imago-images.de

Ratifiziert aber nicht angewandt

Die Konvention könne Schutz, Prävention und Rechtssicherheit schaffen, sagt Altuntas. «Aber sie ist nie vollständig implementiert worden.» Obwohl das Land die Konvention bereits 2012 ratifiziert habe, seien die damit verbundenen Rechtsnormen nicht angewandt worden, kritisiert auch die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte.

Wirkung hat sie dennoch entfaltet, wie etwa Ayse Celik, Anwältin in der Türkei und engagiert im Kampf für Frauenrechte, berichtet. Sie mache oft von der Istanbuler Konvention Gebrauch, wenn sie Frauen vor Gericht vertrete.

Auch in Strassburg ist man auf die Austrittsforderungen aufmerksam geworden. «Wir verfolgen die Diskussion in der Türkei sehr genau», teilte Europarat-Sprecher Daniel Höltgen mit. Die Türkei sei das erste Land gewesen, das die Konvention 2012 ratifiziert habe. Die Konvention sei zweifellos eine der erfolgreichsten des Rates. Im kommenden Jahr wird sie zehn Jahre bestehen: «Wir gehen davon aus, dass die Türkei dabei sein wird», so Höltgen. Auch Polen hatte kürzlich angekündigt, die Istanbul-Konvention auf Verfassungskonformität überprüfen zu wollen.

Daran, was passieren könnte, wenn die Türkei aus der Konvention austritt, will Altuntas nicht denken. Um ihre eigene Sicherheit wegen ihres Aktivismus fürchtet sie nie. Die grosse Rückmeldung via Social Media nach Pinar Gültekins Tod habe das erneut gezeigt: «Es gibt so viele Frauen, die gemeinsam mit mir kämpfen. Wir sagen immer ‹You will never walk alone›.» (sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Nicky11 08.08.2020 20:20
    Highlight Highlight Verstehe die Kommentare hier nicht ganz. Jeder, der einigermassen aufmerksam Zeitung liest, weiss, dass es nicht an der Religion liegt. Letztes Jahr gab es fast alle zwei Wochen einen Fall, wo ein Mann seine Frau oder gar die ganze Familie ausgelöscht hat. Das waren Schweizer und Deutsche. Da wird dann von "Familiendrama" gesprochen - was eben auch falsch ist. Ein Familiendrama ist, wenn der Hund stirbt. Ein Mord ist ein Mord - und ein Mord an der ganzen Familie ist ein Massenmord.
  • Nicky11 08.08.2020 20:13
    Highlight Highlight Es wäre an der Zeit, dass Männer eine Art "Emanzipation" durchlaufen. Dieses Macho-Ding ist einfach nur schädlich, sowohl für Frauen als auch für die Männer selber und letztlich für die Kinder. Dieses Männerbild ist dümmlich, quasi die männliche Ausführung des Blondinen-Witzes aus den 80er Jahren.
  • cool zurich boy 08.08.2020 12:34
    Highlight Highlight Interessant, dass viele Soziologen alles unternehmen, um zu erklären, das habe nichts mit dem Islam zu tun. Es gibt eben schon Bereiche, bei denen die Wissenschaft letztlich unter dem Stammtisch anzusiedeln ist. Wenn man also auf Wissenschaftsskeptiker stösst, muss differenziert werden.
    • De-Saint-Ex 08.08.2020 13:36
      Highlight Highlight Seit wann ist Mexiko muslimisch?
    • Freedom Fighter 08.08.2020 14:15
      Highlight Highlight @zurich boy
      Bullshit. Feminizid ist ein weltweites, religionsübergreifendes Problem. Italien als urchristliches Land hat diesbezüglich ein gröberes Problem.
      Entweder bist du absolut desinformiert, oder du lebst hier ein niederes Muslimen-Bashing aus.
      Ich bin übrigens italienischer Christ.
    • Pfefferkopf 08.08.2020 14:29
      Highlight Highlight Es hat wohl schon mit den Religionen zu tun und dem verachtenden Weltbild. Es kann kein Zufall sein, dass gerade christliche Länder in den Tötungsstatistiken so stark vertreten sind. In Europa ist ja der Ostblock vor allem stark vertreten und Russland. Das gute WEISSE christliche Ungarn und Litauen. Aber ja auch Indien ist vorne dabei und natürlich Länder wie Zentralafrika, Afghanistan und Pakistan. Die olle "Wissenschaftsskepsis" wieder...Aus der NZZ:
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  • Diavolino666 08.08.2020 11:40
    Highlight Highlight Warum wäre hier ein Hashtag nie so erfolgreich wie #metoo?
    • Kruk 08.08.2020 23:59
      Highlight Highlight Weil es nicht aus Hollywood kommt wo das Leben hauptsächlich in den sozialen Medien stattfindet?
  • Saturn 08.08.2020 11:16
    Highlight Highlight Hallo erstmal ich finde es wieder sehr schade das Ihr Artikel gleich in der Überschrift das Wort "Kurdin" verwendet. Um es korrekt darzustellen war Sie Türkin mit kurdischen Wurzeln. Wieso müssen Westliche Medien immer wen es um die Türkei geht nach der Abstammung gehen. Hauptsache das Wort Kurde ist im Gefallen, um ein Signal zu setzen.In den türkischen Medien ging es um den Menschen Pinar Gültekin türkische Staatsbürgerin es wurde nie über ihre Abstammung gesprochen. Dank Ihnen weiß ich das jetzt auch. Der Vorteil in der Türkei leben solche Täter nicht lange und werden auch nicht gefördert
    • Vecchia 08.08.2020 12:11
      Highlight Highlight Seit mir eine befreundete Kurdin aus dem Nordirak von Wurzeln und Kultur der Kurden erzählt hat, unterscheide ich je nach Thema ebenfalls zwischen Türken und türkischen Kurden.

      Gerade Frauen, die nach der Kurdischen Kultur und deren religiösen Aspekte leben, sind sehr stark und unabhängig und agieren manchmal "gleichberechtigter" als wir Industrienationsfrauen. Dass dies mit Erdogans Vorstellungen nicht harmoniert, ist auch kein Geheimnis.
    • Pfefferkopf 08.08.2020 15:31
      Highlight Highlight Die Kurden gründeten auf der einen Seite eine der stärksten Frauen- und Menschenrechtsbewegungen in Asien, auf der anderen Seite gibt es auch kurdische Stämme, welche noch sehr rückständig sind.
      Zum Beispiel sind Zwangsehen unter Verwandten weitverbreitet. Die Kurden sind aber auch ein marginalisiertes Volk und wie auch bei den (christlichen) Roma führt das zu mehr Gewalt in den eigenen Reihen. Z.B. dürfen Kurden/Roma an vielen Orten nicht frei reisen, studieren, Arbeit aussuchen, eine Person einer anderen kult. Gruppe (zb Araber) heiraten und sie dürfen ihre Sprache nicht benutzen.
    • Vecchia 08.08.2020 16:39
      Highlight Highlight @Pfefferkopf

      Man sollte schon unterscheiden zwischen Kurden, die sich ihrer ursprünglichen Kultur und Religionen zuwenden und denjenigen, die weiterhin muslimisch sind. Kurden wurden vor mehr als 1000 Jahren zwangsislamisiert. Abgesehen davon sind sie je nach Region unterschiedlich politisch und kulturell geprägt.

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  • Varanasi 08.08.2020 08:54
    Highlight Highlight Das ist kein türkisches Problem, sondern ein weltweites.
    In Mexiko z.B. werden pro Tag 10 Frauen ermordet, auch die Zahlen in Argentinien und Chile steigen.
    Grund ist die noch tief verankerte Machokultur.
    14 Länder des Kontinents sind auf der Liste der 25 Länder mit der höchsten "Femizid"-Rate vertreten.





    • Bündn0r 08.08.2020 13:01
      Highlight Highlight In Mexiko werden demnach am Tag 75 Männer getötet. (32 000 Tötungsdelikte total pro Jahr)
      Das ist kein Problem mit Morden an Frauen, sondern vielmehr ein Problem mit Morden.
    • Nicky11 08.08.2020 20:16
      Highlight Highlight @Bündn0r: Sie verwechseln da etwas. In Mexiko gibt es ein grosses Problem mit Drogenhandel und entsprechenden Bandenkriegen. Darin sind Frauen aber kaum involviert. Frauen werden umgebracht, weil sie Frauen sind und Männer sie als ihr Eigentum anschauen. Männer werden umgebracht, weil sie anderen Männer in die Quere kommen. Wo also liegt das Problem?
    • Sternengucker 09.08.2020 20:24
      Highlight Highlight Bündn0r: Nur sind die Täter fast zu 100% Männer, bei Frauen- wie Männermorden.
  • Erklärbart. 08.08.2020 08:48
    Highlight Highlight Ich glaube nicht dass das ein rein türkisches Problem ist. Kommt leider auf der ganzen Welt vor (sonst hätten wir kaum MeToo und so).

    Klar, die Türkei bashen ist sehr angesagt in den westlichen Medien. Aber das löst das Problem auch nicht und macht die Frauen auch nicht wieder lebendig.
    • Diavolino666 08.08.2020 12:19
      Highlight Highlight MeToo wurde nicht durch Morde an Frauen bekannt... - Was sind die Motive der Täter und woher kommt das? Bashing dagegen ist durchaus angebracht.

      Relativieren und Verharmlosen macht die Frauen nicht nur "nicht wieder lebendigt", sondern nimmt auch weitere Fälle in Kauf.
    • Kruk 08.08.2020 20:36
      Highlight Highlight https://www.nzz.ch/international/wie-europa-gegen-frauenmorde-kaempft-ld.1532633?reduced=true

  • Glenn Quagmire 08.08.2020 08:15
    Highlight Highlight Die Zahlen sind erschreckend, in allen Ländern. Bei uns oder in Deutschland muss man such klar sagen, dass mindestens die Hälfte der Morde von Nicht-Muslimen gemacht werden.
    Weitere Antworten anzeigen
  • IZO 08.08.2020 08:11
    Highlight Highlight Und, wie viele von euch gehen noch in so Länder(zb. Tunesien, Ägypten oder eben Türkei) in die Ferien? Weil man sein persöhnliches Interesse vor die Signalwirkung stellt die ein Boykott dieser Länder zur Folge hätte? Na 🙄
    • Glenn Quagmire 08.08.2020 08:55
      Highlight Highlight Fatima, welche deine Hotellbettwäsche wäscht, kann herzlich wenig dafür. Tourismus Boykotte treffen leider immer die Falschen
    • IZO 08.08.2020 20:19
      Highlight Highlight Fatima hatt ganz sicher den Erdi nicht gewählt 😉







      oder 🤔
    • Kruk 08.08.2020 20:43
      Highlight Highlight Ist leider nichts was nur in den von dir genannten Staaten vorkommt.

      Da darfst du fast nirgends dein Geld ausgeben.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Makatitom 08.08.2020 01:53
    Highlight Highlight Ein religiöser Staat war schon immer für Frauen äusserst unvorteilhaft, und dorthin will Grössenwahn. Femizide werden mir aber immer noch zu sehr verharmlost. Femizide tönt irgendwie verniedlichend und gerade die Schweizer Medien müssen sich da halt auch mal an der Nase nehmen und aufhörte von "Beziehungstaten" zu schreiben. Wenn ein Mensch umgebracht wird ist das MORD! Egal ob der Täter mit dem Opfer verheiratet oder in einer Beziehung ist. Und egal ob hier, in der Türkei oder in China
    • Autokorrektur 08.08.2020 14:01
      Highlight Highlight Vielleicht hat es auch ein bisschen damit zu tun, dass wir die Worte schon so oft gehört haben. Man gewöhnt sich daran, der Begriff verliert den Schrecken. Wenn wir es dann "Beziehungstötung" (oder einfach "Tötung") nennen, befürchte ich, haben wir in ein paar Jahr(zehnt)en wieder die gleiche Diskussion. (Siehe "Mohrenkopf". Das war damals ein grosser Fortschritt, weg vom "Negerkuss", an den sich scheinbar keiner mehr erinnert.)
  • Foxcroft 08.08.2020 00:24
    Highlight Highlight Also rein statistisch gesehen, hat die Türkei eine ähnliche Quote wie die Schweiz, und die Türkei hat auch tiefere Werte als andere europäische Länder wie Tschechien, Lettland, Kroatien...
    Daher ist es nicht nur ein türkisches Problem, sondern ein weltweites Problem das man angehen muss.
    • Sandro Wanderlust 09.08.2020 11:49
      Highlight Highlight Interessant wäre jetzt, in welchen Kulturkreisen, rein statistisch gesehen, diese Femizide in der Schweiz hauptsächlich stattfinden.
    • Kruk 09.08.2020 21:46
      Highlight Highlight Irre ich mich oder kommt es in der Schweiz oft im Einfamilienhaus-Bünzli Milieu vor.
  • Andre Buchheim 08.08.2020 00:07
    Highlight Highlight Also das ist doch echt nicht einzusehen, Gleichberechtigung jetzt und überall, dafür sollten wir alle einsthene, Frauen wie Männer, einfach weil wir alle Menschen sind. Diese einfache Wahrheit sticht alles - Geschlechtergrenzen, "Rassengrenzen", Glaubensgrenzen.
    Die Grenzen existieren nur in unserem Kopf, lasst uns die trennenden Mauern einreißen. Keine Ausgrenzung und Unterdrückung mehr, für Niemanden!
  • Autokorrektur 07.08.2020 23:34
    Highlight Highlight *räusper* Zitat: "bisexuelle Menschen" - wieso nicht einfach "Bisexuelle"? Ich weiss, offtopic, aber als Betroffene fühle ich mich durch solche Begriffe immer etwas... nicht direkt ausgegrenzt, eher separiert. Als würde es nicht reichen, "Bisexuelle" zu schreiben, als müsste man darauf hinweisen, dass wir auch "Menschen" sind.
    Was mich leer schlucken lässt ist die Tatsache, dass Deutschland in Zahlen gar nicht so weit hinter der Türkei zurückliegt bei den Femiziden, obwohl natürlich auf deren Seite auch die versuchten zählen. Trotzdem. Das ist ziemlich heftig, finde ich.
    • Pfirsch 08.08.2020 00:01
      Highlight Highlight Es gibt auch heterosexuelle Menschen. Wenn man jedes Wort auf die Waagschale legt, sollte man vielleicht seine eigenen Emotionen hinterfragen.
    • nadasagenwirjetzteinfachmal 08.08.2020 00:10
      Highlight Highlight Mich wundern die Zahlen in Deutschland keineswegs, denn die Taten werden in Deutschland von denselben Gruppen und Clans verübt wie in der Türkei.
    • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 08.08.2020 05:00
      Highlight Highlight Wenn du dich primär über deine Bisexualität definierst, kannst du dich schon als Bisexueller bezeichnen. Wenn das aber nur ein kleiner Teil von einem vielfältigen Du ist, dann ist bisexueller Mensch weitaus passender.

      Ist natürlich deine Sache, wenn du es toll findest, dass dich deine Freunde dir noch Unbekannten mit "Das ist Autokorrektur, ein Bisexueller." vorstellen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • raues Endoplasmatisches Retikulum 07.08.2020 23:17
    Highlight Highlight "Wie Zunder für den Protest wirkte auch die Diskussion über einen Austritt der Türkei aus der Istanbul-Konvention."

    Benutzer Bild
  • Peter Vogel 07.08.2020 22:40
    Highlight Highlight Ehrenmorde. Eine Schande was in den letzten Jahren in der Türkei so abgeht.
    • Garp 08.08.2020 10:42
      Highlight Highlight Ja Ehrenmorde sind eine Schande. Aber wischen wir doch zuerst vor unserer eigenen Tür. Es gibt auch viele Beziehungsfrauenmorde bei uns.
    • Peter Vogel 08.08.2020 17:10
      Highlight Highlight Bei uns werden solche Morde aber nicht durch die Ideologie oder Religion gerechtfertigt. Das ist der Unterschied. Dieses Problem ist ein rein Türkisches.
    • Nicky11 08.08.2020 21:10
      Highlight Highlight Peter Vogel: Glauben Sie mir, die Gründe, weshalb weisse westliche Männer ihre Frauen umbringen unterscheiden sich nicht von denen der "Türken" oder was auch immer. Auch die weissen Amokläufer und Terroristen unterscheiden sich nicht von den anderen. Der Kern ist, dass "Mann" nicht will, dass ein anderer etwas vom Kuchen kriegt. Nicht mehr und nicht weniger.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Coffeetime ☕ 07.08.2020 22:36
    Highlight Highlight Es wird leider noch ein langer und steiniger Weg sein, bis es endlich jedem klar ist, dass eine Unterdrückung des Anderen, egal ob Frau, Schwarz, Gay, anders Gläubig oder was auch immer keine Zukunft hat. Eine Gesellschaft ist am Besten aufgestellt, wenn alle gleich respektiert sind. Jeder hat Stärken und Schwächen und es ist dieser Mix, der Erfolg bringt.

    Es ist wirklich an der Zeit, dass diese alten Machthaber durch neues Blut, junge offene und menschlichere Personen, ersetzt werden welche Veränderungen vorantreiben.
    • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 08.08.2020 04:54
      Highlight Highlight Du setzt also jung menschlicher gleich. Hast du das Bernie Sanders schon mal so gesagt?
    • sowhat 08.08.2020 06:53
      Highlight Highlight Träum weiter.
      Das "junge Blut" ist nicht besser in dieser Hinsicht. In meiner Wahrnehmung geht das Pendel schon zurück.
    • maude 08.08.2020 09:24
      Highlight Highlight habe zunehmend das Gefühl, dass viele Junge mit verinnerlichter Machodenke sehr stark auf die erstarkte Frauenbewegung reagieren...(man siehts ja auch hier in der Schweiz das Mimimi gewisser Männer, das 'sich auflehnen'dagegen, als würde ihnen was weggenommen) mir macht das Sorge...und ich denk steigende Gewalttaten sind auch eine Reaktion darauf. Frau soll gefälligst (wieder) unter den Deckel und es ja nicht wagen...und das betrifft nicht nur 'die Alten'...
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