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President Donald Trump and first lady Melania Trump arrive to speak to first responders as they visit the El Paso Regional Communications Center after meeting with people affected by the El Paso mass shooting, Wednesday, Aug. 7, 2019, in El Paso, Texas. (AP Photo/Evan Vucci)
Donald Trump.Melania Trump

US-Präsident Donald Trump und seine Frau Melania besuchen die Stadt El Paso in Texas. Bild: AP

Kommentar

Donald Trumps Trost ist eine leere Geste

In Dayton und El Paso besucht der US-Präsident Überlebende der Massaker vom Wochenende. Doch Donald Trump kann nicht aus seiner Haut. Es geht wieder nur um ihn.

Carsten Luther / Zeit Online



Ein Artikel von

Zeit Online

Schon so viele US-Präsidenten mussten diese Bürde tragen: Den Angehörigen der Opfer ein wenig Trost spenden, Polizei und medizinischem Personal danken, den persönlichen Einsatz für strengere Waffengesetze geloben – in dem Wissen, dass sich kaum etwas ändern und die Debatte bald wieder an Dringlichkeit verlieren wird. Bis dann der nächste wütende oder wirre Schütze eine weitere Stadt in Trauer stürzt, mithin das ganze Land. Trotzdem sind diese Gesten wichtig.

Die Menschen in El Paso und Dayton hätten einen Moment der Besinnung verdient gehabt, der allein der Heilung gewidmet ist. Dass es den nicht geben würde, war absehbar, als Donald Trump ankündigte, am Mittwoch die beiden Orte besuchen zu wollen, die am Wochenende so viel Leid erfahren hatten. In Ohio wie in Texas erwarteten ihn Protest und Ablehnung («Trumps Anwesenheit verschlimmert nur unser Trauma», «Hass ist hier nicht willkommen», «Du bist der Grund», war auf Schildern von Demonstranten zu lesen, die auch für strengere Waffengesetze eintraten; Trump-Anhänger liefen ebenfalls auf).

Viele US-Bürger werfen Trump vor, seine Rhetorik fördere solche Taten wie in El Paso. Bild: AP

Manche hätten es für anständiger gehalten, wenn dieser Präsident auf das traurige und doch so wichtige Ritual verzichtet hätte. Vor allem in El Paso, wo ein weisser Rassist mit Waffengewalt auf die «hispanische Invasion» antworten wollte, sein Hass auf die «Eindringlinge» niedergeschrieben in einem Manifest, dessen Vokabular mit der fortwährenden Hetze Trumps so viel gemein hat.

Es sei die Zeit, um die destruktive Parteilichkeit zu überwinden und den Mut zu finden, dem Hass mit Geschlossenheit, Hingabe und Liebe zu begegnen, die Nation müsse mit einer Stimme Rassismus, Fanatismus und weissen Rechtsextremismus verurteilen, die finsteren Ideologien müssten besiegt werden – solche Worte, die Trump am Montag vom Teleprompter im Weissen Haus ablesen musste, hatten schon da einen hohlen Klang. Wer sollte ihm das glauben? Aber wenigstens für den einen Tag, der den Opfern und Angehörigen gewidmet sein sollte, müsste er sich doch zusammenreissen können. Noch am Morgen vor dem Abflug hatte Trump alle Vorwürfe, er selbst befördere mit seinen Worten Hass und Spaltung, ja Gewalt, beiseite gewischt: «Ich denke, meine Rhetorik bringt Menschen zusammen.»

«Ungeheurer Enthusiasmus und sogar Liebe»

Die Reise blieb auf das Nötigste beschränkt. Vor allem besuchte der Präsident Kliniken in beiden Städten, in denen Überlebende behandelt werden. Um den Begegnungen den nötigen Raum zu geben, absolvierte Trump die Termine ohne Journalisten, das Weisse Haus stellte selbst Bild- und Videomaterial – und hätte auch gern eine überschwänglich positive Stimmung verbreitet.

Der demokratische Senator Sherrod Brown und die ebenfalls demokratische Bürgermeisterin Nan Whaley, die ihn viel für seine rassistischen Äusserungen kritisiert hatten und es weiter tun, begleiteten den Präsidenten in Dayton im Miami Valley Hospital. Der Presse berichteten sie später, sie hätten ihn im Gespräch aufgefordert, für strengere Waffengesetze einzutreten. Brown sagte, Trumps Besuch sei gut aufgenommen worden, er habe die richtigen Dinge getan. Auch Whaley sagte, Opfer und Helfer seien dankbar gewesen.

Demonstrators gather to protest the arrival of President Donald Trump outside Miami Valley Hospital after a mass shooting that occurred in the Oregon District early Sunday morning, Wednesday, Aug. 7, 2019, in Dayton. Twenty-four-year-old Connor Betts opened fire in Dayton early Sunday, killing several people including his sister, before officers fatally shot him. (AP Photo/John Minchillo)

Demonstranten versammelten sich vor der Ankunft Trumps im Miami Valley Spital in Dayton. Bild: AP

Trumps Sprecherin Stephanie Grisham nannte diese Einschätzungen dennoch «ekelhaft», sie müssten doch anerkennen, wie glücklich alle gewesen seien, den Präsidenten und die First Lady bei sich zu haben. Sein Social-Media-Direktor Dan Scavino ärgerte sich ebenfalls, der Präsident sei in der Klinik schliesslich wie ein Rockstar behandelt worden. Trump selbst twitterte später eingeschnappt, die beiden hätten die Stimmung falsch wiedergegeben: «Es war ein warmherziger und wundervoller Besuch. Ungeheurer Enthusiasmus und sogar Liebe.» In El Paso legte er nach, nannte beide «sehr unehrlich», sie hätten auch gesagt, es sei womöglich nicht angemessen, dass er da sei. Eine inhaltliche Grundlage für die Angriffe gab es nicht. Am Ende des Besuchs in El Paso sprach Trump von einem «grossartigen Tag». Er sei beeindruckt von «der Liebe und dem Respekt» für das Amt des Präsidenten. Er wünschte, die Presse hätte das auch sehen können. Für ihn war es eben doch ein Auftritt in eigener Sache.

«Schaue mir den schläfrigen Joe Biden an, der eine Rede hält! Sooo langweilig!»

Man würde eigentlich glauben, dass der Präsident einer so erschütterten Nation an diesem Tag wenigstens einen kurzen Moment innehält. Dass er die Zeit in der Air Force One, zumal auf dem Weg von dem einen zum anderen Schauplatz der jüngsten Massaker, natürlich nutzen muss, um den nicht aufschiebbaren Regierungsgeschäften nachzukommen. Dass er aber auch nachdenkt, selbst trauert, sich all den unbequemen Fragen widmet, die sich nun stellen.

Zwischen seinen Besuchen in Dayton und El Paso twitterte Trump dann allerdings dies: «Schaue mir den schläfrigen Joe Biden an, der eine Rede hält! Sooo langweilig!» Er wettert auf die ebenso langweiligen Medien, die er an schlechten Quoten zugrunde gehen sieht, sollte der führende Kandidat der Demokraten zum Präsidenten gewählt werden, und das ganze Land gleich mit – «es wird ein einziger grosser Crash sein, aber wenigstens wird sich China freuen!» Es ist eben immer Wahlkampf für diesen Präsidenten.

Trump, der so eindringlich dazu aufgerufen hatte, den politischen Streit für eine Weile ruhen zu lassen, kann es selbst nicht lassen. In El Paso, wo so vieles andere viel wichtiger gewesen wäre, gibt er sein erstes Statement dieser Kondolenzreise – und nutzt es fast ausschliesslich, um seine Gegner anzugreifen. Und selbst auf dem Flug zwischen den beiden trauernden Städten teilt er schon wieder aus. Wichtiger als der Schmerz der Opfer ist ihm, wie er sich präsentieren kann. Vielleicht hat er im Gespräch mit ihnen ein paar richtige Worte gefunden. Doch sein Trost bleibt eine leere Geste. Und nein, Trumps Rhetorik bringt keine Menschen zusammen.

Dieser Artikel wurde zuerst auf Zeit Online veröffentlicht. Watson hat eventuell Überschriften und Zwischenüberschriften verändert. Hier geht’s zum Original.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Christopher Hitchens 08.08.2019 15:27
    Highlight Highlight Wussten Sie, dass der Schütze in Dayton in der Vergangenheit die Politiker Bernie Sanders (parteilos), Elizabeth Warren (Demokraten) und die linksradikale Gruppe Antifaschistische Aktion (Antifa) unterstützte?
    • Bruuslii 08.08.2019 16:12
      Highlight Highlight 1. quellen!

      2. was oder wer hat (hätte) den mann umgestimmt?
  • stookie 08.08.2019 09:37
    Highlight Highlight Jeder Präsident hat seine Prüfung und muss die bestehen. Trump hat nun sein "Massshooting" und was macht er?
    Als ich damals die Inauguration angeschaut habe sagte ich bereits, dieser Mann hat nichts Staatsmännisches, keine Führungsqualitäten. Dieser Mann steht nur für sich ein und für nichts anderes und er beweist es gerade perfekt.
    Ich bin gespannt wohin das noch führt aber wie jemand schon mal geschrieben hat:
    Einfach nicht Cabrio fahren in Dallas am 22.11.
  • Jemima761 08.08.2019 08:28
    Highlight Highlight Und doch: Trumps Rhetorik bringt Menschen zusammen. Einfach die falschen und längst nicht alle. Gott sei Dank, muss man da schon fast sagen.
  • lilas 08.08.2019 07:53
    Highlight Highlight Jedesmal wenn ich "Trump" lese:

    "Verzweiflung ist ein Zustand der emotionalen oder psychischen Verfassung in einer als aussichtslos empfundenen Situation sowie ein Zustand völliger Hoffnungslosigkeit."
  • Smeyers 08.08.2019 07:28
    Highlight Highlight Sorry, aber ich und meine Freunde aus Mexiko können den Shitstorm gegen Trump nicht teilen.

    Clinton hat die Mauer iniziert und Obama hat sie weiter gebaut. Das gleiche gilt für die Waffengesetze. Trump hat grundsätzlich das Leben auf beiden Seiten nicht wesentlich verschlechtert. Könnten die Mexikaner wählen, hätten Sie vermutlich am liebsten die Ära Bush zurück ohne lange Warteschlangen an den Grenzübergänen.
    • Albert Stpeck 08.08.2019 08:17
      Highlight Highlight „Clinton hat die Mauer iniziert und Obama hat sie weiter gebaut. Das gleiche gilt für die Waffengesetze.“

      Echt jetzt?

      Btw: Obama und Clinton haben auch den Sezessionskrieg mitzuverantworten. Wenn wir schon dabei sind.
    • lilas 08.08.2019 08:48
      Highlight Highlight Smeiers und seine Freunde aus Mexico... 🤣
    • Vanessa_2107 08.08.2019 10:04
      Highlight Highlight @Smeyers - das verstehe ich natürlich, dass du und deine Freunde aus Mexico den Shitstorm gegen euer Idol nicht versteht. Hast du schon einmal auf Twitter die Reaktionen auf Trumps Tweets gelesen? Also da sieht es ganz anders aus. Da erlebt Trump einen ständigen Shitstorm, dito mit den sonstigen Kommentaren auf Twitter. Ihr Trumpsters lebt anscheinend in eure eigenen Trumpwelt und seht euer Idol durch die Trumplügenbrille. Sag mir eine Sache die gut sein soll an Trump? (Und bitte nicht die tiefe Arbeitslosigkeit, das wäre zu einfach, die ist vor allem noch Präs.Obama zu verdanken).
    Weitere Antworten anzeigen
  • NumeIch 08.08.2019 07:12
    Highlight Highlight Trump wird zusammen mit Fox News weitermachen und weiter den Hass schüren. Trump First and Make Trump rich again. Die USA insbesondere die Menschen die da leben sind im egal, sind nur dummes Stimmvieh für ihn.

    Play Icon
  • Kari Baldi 08.08.2019 07:04
    Highlight Highlight "Doch Donald Trump kann nicht aus seiner Haut". Dieser Satz bringt es auf den Punkt. Dieser Mann ist dermassen von wirtschaftlichem Erfolg getrieben, dass alles andere daneben keinen Platz haben kann. Solche Attentate sind für ihn unangenehme Kollateralschäden. Als Wirtschaftsführer zu versagen, nicht als Mensch, wäre für ihn wohl die schlimmste Niederlage in seinem Leben.
  • Domino 08.08.2019 07:00
    Highlight Highlight Zum Vergleich: Merkel brauchte ein volles Jahr um sich mit den Hinterbliebenen vom Breitscheidplatz zu treffen. Und dies nicht ganz freiwillig....
    • Hoopsie 08.08.2019 09:19
      Highlight Highlight Zum Vergleich, offenbar haben sich alle Verwundeten von El Paso geweigert mit Trump zusammenzukommen. Kann ich zwar nicht überprüfen, ob diese Zeitungsmeldung stimmt - auf jeden Fall gibt es kein Bild von Trump an einem Krankenbett in El Paso. Könnte also sein.

      Lieber warten, als ungebeten zu erscheinen und eine Ego-Show abzuliefern!
  • PrivatePyle 08.08.2019 06:53
    Highlight Highlight Schon ein starkes Stück wie die deutschsprachigen Medien nur darauf bedacht sind die rassistische Tat von El Paso dem Präsidenten in die Schuhe du schieben.
    Dabei wird mit KEINEM WORT erwähnt, dass Connor Betts der Schütze von Ohio, auf seinem Twitter Account linksextreme Ansichten teilte, mit der Antifa sympathisierte und sich lobend über Bernie Sanders äusserte.
    Die Medien sind auch nach drei Jahren immer noch nicht darüber hinweg gekommen,
    dass ein Trump gewählt werden konnte.
    https://nypost.com/2019/08/06/inside-the-dark-thoughts-and-far-left-leanings-of-dayton-shooter-connor-betts/
    • Hoopsie 08.08.2019 09:25
      Highlight Highlight Lesen sie bitte die Meldungen der Behörden. Es wird klar erklärt, dass El Paso ein gezielter Anschlag (erklärt mit den gleichen Worten die Trump benutzt) war. Ohio dagegen ein durchgeknallter der Amok drehte, der töten wollte egal wen und weshalb.

      Konnte ich alles in den Medien lesen. Alles! Hört auf zu verharmlosen, zu verdächtigen und VTs zu erfinden. Es ist erbärmlich, wie das Trump Gedankengut verteidigt wird!
    • glüngi 08.08.2019 09:50
      Highlight Highlight lustig wie du einfach schlichtweg ignorierst wie er Explizit mexikaner und "braune" töten wollte weil es seiner ansicht Invasoren sind... hmm.. wer hat wohl immer von Invasion geredet... scheisse ich komm einfach nicht drauf... vielleicht kannst du mir ja weiterhelfen?
    • Bruuslii 08.08.2019 16:17
      Highlight Highlight @privatepyle: was hat den mann den ihrer meinung nach umgestimmt?
  • AdvocatusDiaboli 08.08.2019 06:09
    Highlight Highlight Gibt es schon Beweise welche belegen das dieser Irre in El Paso wegen Donald Trump das Massaker anrichtete?

    In Dayton weiss man hingegen bereits das es ein linksextremer Täter war.
    • Dr. Unwichtig 08.08.2019 08:43
      Highlight Highlight Es ist genau umgekehrt, lieber Advocatus. Die Hinweise, dass die Tat von El Paso ideologisch motiviert war, sind weit zahlreicher, als das in Dayton der Fall ist...
    • stookie 08.08.2019 08:59
      Highlight Highlight In Dayton weiss man hingegen bereits das es ein linksextremer Täter war.
      Link? Belege?
    • Hoopsie 08.08.2019 09:10
      Highlight Highlight Wie ignorant kann man eigentlich sein!

      In El Paso sprechen die Ermittler von inländischem Terror, in Dayton von einem Psycho der einfach töten wollte, egal wen und warum. Reicht ihnen das?

      Die Fakten liegen längst alle auf dem Tisch. Schaut sie an, überlegt (2 Sekunden reichen) und hört auf mit VTs und ähnlichem!
    Weitere Antworten anzeigen
  • hämpii 08.08.2019 05:45
    Highlight Highlight Wenigstens macht er keinen Heel draus auf wessen Seite er eigentlich steht...

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